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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-05-28 · 22 (28.5.1909) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
22 (28.5.1909)
Date
1909-05-28
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 390 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 22 Berlin. Am Sonntag, 23. Mai, hat im großen Sitzungssaale des Verwaltungsgebändes der Jüdischen Gemeinde (Rosenstraße 2/4) die Generalversammlung des Berliner Lokalkomitees der Alliance Jsraelite Universelle stattgesunden. Der Vorstand wurde durch Wiederwahl der turnusmäßig ausscheidenden Mitglieder ergänzt. Vorher erstattete der Vorsitzende, Präsident der deutschen Konferenzgemeinschaft, Geheimer Kommerzienrat Goldberger, Bericht über die Ausdehnung, die die Alliance auch im abgelaufenen Jahre weiter gewonnen, Und über die umfassende Wohltätigkeit, die sie im Dienste der Bruderliebe in fernen Weltteilen wie in europäischen Landen, und nicht zuletzt in Deutschland, andauernd geübt hat. Die Zinsen von etwa 40 Millionen und Jahresbeiträge von einer Viertelmillion Francs, ferner außergewöhnliche Spenden, zusammen über zwei Millionen jährlich, werden fortgesetzt zugleich einem Schulwerk zugeführt, das in beispielloser Ausdehnung der intellektuellen, wirtschaftlichen und moralischen Hebung der Juden in weiten Ländern, nahen und entfernten, erfolgreich gewidmet ist. Den Darlegungen des Vorsitzenden über die Lage der Juden in Osteuropa, Asten und Afrika, über die zur Erforschung der Falascha-Stämme nach Abessinien ausgeschickte Abordnung und über die vorjährige nach dem Orient entsandte Schulinspektivnskommifsion folgte die Versammlung mit Aufmerksamkeit und Zustimmung. Berlin, 20. Mai 1909. Den Beschluß der Tagungen, in deren Zeichen diese Woche stand, bildete die Sitzung des Ausschusses der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft desJudentums, welche heute im Bureau des D. I. G. B. stattfand. In dem vom B esitzenden Herrn Prof. Dr. M. Philippson erstatteten Geschäftsbericht wurde das stetige Anwachsen der Mitgliederzahl, die seit Dezember vorigen Jahres abermals um 100, von 1100 auf 1200, gestiegen ist, als ein deutlicher Beweis für die Wertschätzung hervorgehoben, deren sich die Gesellschaft in immer weiteren Kreisen erfreut. Ferner teilte Herr Dr. B r a n u-B r e s l a u mit, daß der zweite Band der gesammelten Schriften von David Kaufmann, deren erster Band seinerzeit allseitigen Beifall gefunden hat, im Herbste erscheinen würde. Von Schriften der Gesellschaft werden demnächst der zweite Band der N e u e st e n Geschichte des jüdischen Volkes von Prof. Doktor M. Philippson und dieSystematischeTheologie des Judentums auf geschichtlicher Grundlage von Rektor Dr. K. Kohle r-Cincinnati die Presse verlassen; von dem ersten Band des Philippson'schen Werkes ist zur Zeit eine Uebersetznng in jiddischer und hebräischer Sprache in Vorbereitung. Hierauf erstatteten die Vorsitzenden dec wissenschaftlichen Kommissionen ihre Berichte, wobei Herr Rabbiner Dr. Guttmann- Breslau die Sammlung der agadischen Baraitot des palästinensischen Talmud des Herrn B erdyscewski-B r e s l a u als erste druckfertige Arbeit des Corpus Tannaiticum vorlegte. Der Ausschuß bewilligte sodann eine größere Reihe von Subventionen im Gesamtbeträge von 2000 Mk., was ihm nur dadurch ermöglicht worden ist, daß Herr Generalkonsul Franz Philippson-Brüssel, der der Gesellschaft schon zu wiederholten Malen sein tätiges Interesse bekundet hat, auch in diesem Jahre ihr wieder den Betrag von 4000 Mk. zur Verfügung gestellt hat. — Wir heben noch hervor, daß die Gesellschaft einen ausführlichen Prospekt ihrer sämtlichen Schriften herausgegeben hat, welche ebenso wie ihre Satzungen von ihrem Bureau, Berlin N. 24, Artilleriestr. 35 a, als auch von ihrem Verlage, Gustav Fock G. m. b. H., Leipzig, kostenlos zu beziehen sind. Ueberreicht vom Bureau der Gesellschaft. Hamburg. (Oberrabbiner Markus Hirsch.) Die Deutsch-israelitische Gemeinde hat einen schweren, unersetzlichen Verlust zu beklagen, sie hat ihr geistliches Oberhaupt verloren. Herr Oberrabbiner M. Hirsch ist am Dienstag, den 18. d. M. mittag nach kurzer schwerer Krankheit sanft entschlafen. Der Verblichene, der ein Alter von 76 Jahren erreichte, gehörte zu den bedeutendsten Rabbinern der Jetztzeit, er war einer der hervorragendsten Kenner des jüdischen Schrifttums und genoß weit und breit über die Hamburger Gemeinde hinaus hohe Achtung und Wertschätzung. Im Jahre 1833 wurde er in Tißa-Beö in Ungarn geboren, er besuchte zuerst die Hochschulen seiner ungarischen Heimat und setzte später seine Studien in Prag fort. Im Jahre 1856 wurde er bereits als Rabbiner nach Karczay berufen, im Jahre 1861 folgte er einem Rufe nach Altofen, dort wirkte er 19 Jahre als einer der anerkannten Führer der ungarischen Judenheit. Welchen Ansehens er sich bei der Regierung erfreute, bewies im Jänner 1867 seine Entsendung als königlicher Kommissär nach Kaschau und Raab, um die daselbst entstandenen Gemeindewirren zu untersuchen und sich gutachtlich darüber zu äußern. Sein in hebräischer, ungarischer und deutscher Sprache veröffentlichter Bericht hat auch in nichtiüdischen Kreisen weitgehendes Aussehen erregt. Im Jahre 1880 zum Oberrabbiner von Prag gewählt, entfaltete er daselbst neun Jahre unter überaus schwierigen Verhältnissen eine wahrhaft segensreiche Wirksamkeit. Im Jahre 1889 folgte er dem Rufe der Hamburger Gemeinde, um hier als Nachfolger des im Jahre 1888 verstorbenen Oberrabbiners A. Stern als geistliches Oberhaupt zu wirken. Im September 1889 wurde er in Gegenwart von Vertretern des Senats und der Bürgerschaft in der Gemeindesynagoge Kohlhöfen in sein Amt eingeführt. Der Oberrabbiner hat sich während seiner 20jährigen hiesigen Amtstätigkeit ganz außerordentliche Verdienste um die Entwicklung der Hamburger Gemeinde erworben, er hat die schon unter seinen Vorgängern altbewährten Institutionen der Gemeinde zu hoher Blüte und Entfaltung gebracht. Er ist aber auch der Schöpfer vieler neuer Institutionen. Seiner Initiative dankt die im Jahre 1893 eröffnete Israelitische höhere Töchterschule ihr Entstehen, die seitdem zu einer neunklassigen Musteranstalt sich entwickelt hat. Die neue Gemeindesynagoge am Bornplatz verdankt in erster Reihe ihr Entstehen dem Verdienst des Verblichenen. Aber noch viele andere, segensvolle Institutionen und Einrichtungen hat er in der Gemeinde geschaffen. Oberrabbiner Hirsch zählte zu den bekanntesten jüdischen Kanzelrednern, er glich hierin vielfach seinem berühmten Lehrer, dem gefeierten Oberrabbiner S. I. Rappaport in Prag, auch seine religions-philosophischen Vorträge fanden die Anerkennung aller Kreise. Der Verblichene gehörte der strenggläubigen Richtung an, genoß aber wegen seiner wohltuenden Toleranz auch bei den Anhängern des liberalen Judentums außerordentliche Beliebtheit. Sein Bestreben war stets darauf gerichtet, die Gegensätze zu mildern und den Frieden in der Gemeinde zu fördern. Auch bei den Hamburger Behörden wurde der Verblichene sehr geschätzt; als er im Februar 1903 unter Teilnahme der ganzen Gemeinde seinen 70. Geburtstag feierte, erschien Herr Senator Kühler in der Wohnung des Oberrabbiners, um die Glückwünsche des Senats zu übermitteln, auch der verewigte Bürgermeister Mönckeberg zeichnete Oberrabbiner Hirsch wiederholt aus. vermischtes. Kranzablösuugsspenden zugunsten der Chewra-Kadischa in Wien I., Seitenstettengaffe 4 für arme kranke Glaubensgenoffen. Anläßlich des Ablebens des sel. Dr. Isidor Lederer: Von Hermann Engel H 20.—, Eduard Engel 10.— , Dc. Berthold Lehnert 20.—, Dr. Juliuö Baumgarten 10.—, H. Stein 20.—, Doktor Karl Stein 10.—, Dr. Julius Saxl 10.—, Dr. Jofefovits 10.—, Gustav Schlesinger 10.—, Dr. Ludwig Feigl 10.—, Familie Kohorn 20.-, Karl Kraus 20.—, Familie Jakob Kraus 20.—, Wilhelm Hahn K 10.—. Zusammen K 200.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Anton Friedländer: Von Herrn und Frau Adolf Frankl-Scheiber K 10.—. Anläßlich des Ablebens der sel. Hermine Mayer: Von Edmund und Rudi Gießkann K 10.—, Helene Back 5.—, Sami und Henriette Seidl 10.—, Leo Kronau K 5.—« Zusam. K. 30.—. Anläßlich des Ablebens der sel. Julie Kraus: Von Doktor Alfred Mittler L 10.- Anläßlich des Ablebens des sel. Sigmund Lamberg: Von Sigmund Schönfeld, Budapest IS 20.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Dr. Ferdinand Kornfeld: In ewiger Dankbarkeit C. P. K 3 —.

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