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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-05-28 · 22 (28.5.1909) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
22 (28.5.1909)
Date
1909-05-28
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 384 Dr. Vlochs Wochenschrift. Nr. 22 in den Städten — wie sie schon in New-Iork und Rußland besteht — sondern derart, daß sie die Wurzeln ihrer Existenz im Ackerbau hat. Diese Bevölkerung würde wohl in den ersten Jahrhunderten noch nicht stark genug für vollständige Unabhängigkeit sein — sogar Kanada und Australien sind dazu nicht stark genug — aber unter dem Schutze einer suzeränen Macht könnte sie sehr bald ein beträchtliches Maß von Selbstverwaltung genießen. Der Stoff für eine solche Gründung ist nicht weit zu suchen. Es ist nicht nötig, die in Glück und Sicherheit angesiedelten Juden zu stören, die hohe See ist voller Schiffe, die zehntausende jüdischer Auswanderer mit Geld in ihren Taschen zu neuen und unbekannten Zielen bringen. Es handelt sich nur darum, ein anziehendes und aufftrebendes Zentrum zu schaffen, zu dem alle diese Auswanderer natürlicherweise zusammenströmen und es langsam aber" sicher zu dem Lande mit Freiheit, Glück und Frieden auszubauen, das unser Präsident geschildert hat. Die autonome Basis. Eben dieser unser Plan fand von Anbeginn an großen Anklang in den Reihen der Juden der ganzen Welt — ausgenommen einen Teil desselben, nämlich, daß die jüdische Kolonie auf Basis der Selbstverwaltung geschaffen werde; „auf einer autonomen Basis", wie es unser Programm aufstellt. Einerseits bestrebt, unseren russischen und rumänischen Brüdern zu helfen, waren sie andererseits besorgt, daß diese Kolonie taufende von Meilen entfernt auf ihren eigenen englischen, amerikanischen, französischen oder deutschen Patriotismus Zweifel werfen könnte. Das war in der Tat eine absurde Befürchtung, doch selbst wenn dies einen Sinn gehabt hätte, aber von uns verlangen, daß wir die autonome Basis aufgeben, wäre ebenso viel, wie verlangen, daß wir den ganzen Plan aufgeben. Sie können keinen Dreadnought ohne wasserdichten Kiel bauen; ebensowenig können Sie ein Zufluchtsland ohne autonome Basis aufbauen. Wollen Sie etwa jemand anderen das Recht einräumen, zu sagen, wer hereinkommen und wer hinausgehen soll, und wo ist dann Ihr Zufluchtsland? Gerade diese Furcht, zu handeln, war von Anfang an das Haupthindernis für unsere Bewegung. Nehmen wir an, wir hätten gesagt, wir wollen unsere neue Heimat in Messina errichten — wo ein Erdbeben kommen und es verschlingen könnte — so wäre unsere Mitgliederzahl auf Millionen angewachsen; hätten wir gesagt, wir wollen ein Dreadnought zu unserer Verteidigung bauen, aber vorsichtig darin ein Loch offen lassen, so wären Subskriptionen wie Wasser eingefloffen. Aber jetzt sind drei Jahre verstrichen und der Schrecken hatte Zeit, sich zu legen. Die jüdischen Bürger des Westens haben sich von ihrem Schrecken erholt und haben verstanden, daß die „autonome Basis" nicht notwendig Autonomie von Anbeginn an bedeutet und daß alles, was unser Programm verlangt, ist, daß die Autonomie erreichbar sein muß, sobald die Bevölkerung entsprechend angewachsen ist. Sie haben die Worte unseres Programmes gelesen, die auf das schreckliche Wort „autonome Basis" folgten; Sie haben gesehen, daß es nur sagt „für die Juden, die in dem Lande, wo sie jetzt leben, nicht bleiben können oder wollen". Sie haben gesehen, daß es nichts von den Juden sagt, die in dem Lande, in dem sie gegenwärtig leben, bleiben können und wollen — obgleich es zu diesen Juden sagt, daß, wenn Gott sie gesegnet hat, es kein Grund ist, daß er nicht auch andere segnen sollte. Notwendigkeit der Einigkeit. Ein so gigantisches Werk wie die Gründung eines jüdischen Heimatslandes kann nicht einem kleinen Bruchteil der Juden oder einer einzigen Organisation überlassen werden. Unser Volk und unser Plan müffen eins sein. Zwei Köpfe mögen bester sein als einer, -aber nicht zwei Pläne. Die ganze Kraft des jüdischen Volkes muß auf ein einziges Gebiet konzentriert sein. Selbst in diesem Falle ist der Erfolg noch lange nicht sicher. Aber ohne daß ein Volk an einem Plane arbeitet, ist er hoffnungslos. Ein Volk — ein Plan, daß ist die Parole zur Rettung, der einzige Hoffnungsschimmer in der dichten Finsternis. Das war immer die Parole und die Hoffnung der „Jto". Wie aber bringt man diese Einigkeit zustande? Sie werden glauben, der natürliche Weg wäre, daß sich alle Schichten unseres Volkes in einer repräsentativen Konferenz versammeln und sich auf den einen Plan einigen. Das ist ein so verständiger Weg, daß Sie sicher sein können, daß er bei uns unmöglich ist. Zerstreut durch Verfolgung und getrennt durch das Glück, voller internationaler Spaltungen und Eifersüchteleien, zeigt unser Volk das tragische Schauspiel einer durch ihren eigenen Wahn zur Zerstörung verurteilten Raffe. Wie soll denn also das große Werk der Schaffung eines Zufluchtslandes vollbracht werden? Zum Glück steht da ein Weg offen. Ein Volk, ein Plan ist unmöglich. Aber ein Plan, ein Volk — das ist eine andere Geschichte. Um das berühmte Kochbuch zu parodieren: Zuerst fasse deinen Plan. Faste deinen Plan und dann wirst du dein Volk fasten. Zeig ihm einen Plan, einen wirklichen Arbeitsplan und dann wirst du ein Volk dazu bekommen, ein wirklich arbeitendes Volk. Das war die Politik der „Jto". Wir haben versucht, den einen Plan zu finden, im Vertrauen, daß das eine Volk nicht weit davon sei. Der oft afrikanische Plan. Aber man könnte einwenden: es bestand ein Plan, der Ostafrika Plan, und doch sammelte sich das jüdische Volk nicht um ihn. Ja, es bestand ein Plan in Ostafrika, wo ein verlockendes Gebiet war, das jetzt (so schreibt mir ein Komiteemitglied aus Südafrika) zu zwei Dritteln von den Buren kolonisiert ist. Aber dieser Plan kam, bevor das jüdische Volk reif dafür war. Die „Jto" hatte noch nicht das jüdische Volk erzogen. Der Zionismus hatte es mit seiner Forderung nach Loyalität für einen jüdischen Staat, der noch nicht existierte, nur verwirrt. Es bedurfte dreier Jahre, um die Luft zu reinigen. Es bedurfte dreier Jahre, um die zahlreichen Juden, die mit dem unverdünnten Zionismus nichts zu tun haben wollten, für die Idee einer jüdischen Heimat zu gewinnen, ohne die doch nichts getan werden kann. Aber diese drei Jahre territorialen Unterrichts haben das ihrige getan, und wenn uns heute ein britisches Gebiet angeboten würde, würde es anders ausgenommen werden. Aber andere werden uns einwenden, daß doch ein Plan für das jüdische Volk besteht, — der Palästina-Plan, — und daß das jüdische Volk doch nicht einig ist. Nein, meine Damen und Herren, das ist kein Plan für das jüdische Volk. Der Zionismus ist ein Wunsch, nicht ein Plan, Palästina, das gewohnt war, ein Gebet zu sein, wurde in ein Programm verwandelt, aber es wurde zu keinem Projekt. Es ist ein Gedicht, aber kein Plan. Einige zionistische Schwierigkeiten. Nach zwölf Jahren Zionismus ist es den Juden sogar noch immer verwehrt, Palästina zu betreten, und selbst Doktor Paul Nathan, der kam, um etwas von dem Kapital und der Energie nach Palästina zu bringen, die der Türkei so nötig sind, mußte die rote Karte empfangen, die seinen Aufenthalt auf drei Monate beschränkte. Sogar unter der türkischen Konstitution ist unter den vier aus Palästina ins Parlament eingezogenen Vertretern kein einziger Jude. Auch haben die Juden numerisch kein Recht auf eine jüdische Vertretung, da auf sieben Einwohner in Palästina nur ein Jude kommt. Von einer Bevölkerung von 600.000 find nur 86.000 Juden. Auch find diese keine derartigen Leute, daß sie als Minderheit sich selbst geltend machen und weiter aufschwiugen könnten. Sie find in Stämme und durch Streitigkeiten getrennt und zum größten Teil in Armut, Schmutz und Aberglauben versunken. Sie machen allerdings in Jerusalem eine Zweidrittel-Majorität aus, aber da wenige das türkische Bürgerrecht besitzen, ist sogar der Abgeordnete von Jerusalem kein Jude. Auch gibt es in Jerusalem kein jüdisches Postamt, doch ist dort ein österreichisches Postamt, ein franzö-

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