Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 20 (14.5.1909)
- Date
- 1909-05-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Kr. 20 Dr. Bloch’s Jahrgang XXVI Zenttaloroan für die gesamten Interessen des Zudentums. -□;~~g- Wien, 14. Mai 1909 Erscheint jeden Freitag. Brief-Adresse: Wien. IX/i, Hahngaffe 15. Telegramm-Adresse: Gloch's Wochenschrift, Wien. OCF ■ =DQ? Dezugspreis für VrKrrreich: Halbjährig 8 Kronen: Einzelexemplare 50 Heller. Fürs Auolanv: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die 4mal gespaltene Petttzeile 24 Heller. C O O— — ■_ --Q Q D. N. Pvstfxarkaffrnarnk Llearing-Verkebr «r. S10.976. Redattion und Administration: Wien n/i, Hahngaffe Nr. 15. Telefon Nr. 14.847. Inhalt: Leitartikel: Der Allgemeine Oesterreichisch-Jsraelitische Gemeindetag und die galizischen Knltusgemeinden. — Aus Rußland. — Bibelschätzung einst und jetzt. — Bom Jahrmarkt des Lebens: Moriz Lazarus und sein Einfluß auf die protestantische Theologie. Die Palästina-Frage. Oskar Straus Botschafter in Konstantinopel. — Korrespondenzen: Dritte ordentliche Generalversammlung des Hietzinger Frauenwohltätigkeitsvereines. Die jüdische Wahlkurie der bosnischen Juden. Ein Seehospiz für kranke jüdische Kinder. Reicksratsabgeordneter Dr. B. Straucher — Ehrenbürger von Czernowitz. Israelitischer Hilssverein „Maskil el dol". Von der Wiener „Jto". Bad Ischl. Meran. Trauerfeier für Baron Sigmund Kornfeld. Die Feier des 70. Geburtstages des Chiefrabbe Dr. Hermann Adler. Praktische Durchführung der Eintagsruhe in Algier. Die Juden von Saloniki an die Sieger von Konstantinopel. — Vermischtes. — Feuilleton: Heine in Paris. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. Der Allgemeine Oesterreichisch - Asraetitische Gemeindetag und die gaiipschen Kuilusgemrinden. Wir erhalten folgende Zuschrift: Herr Redakteur! Auf dem jüngsten „Bundestag" sind über galizische Kultusvorsteher so bittere Worte, so harte Urteile und recht b schämende Anschuldigungen gefallen, daß Sie loyal genug sein werden, einem der so schwer Angegriffenen ein Wort der Erwiderung, der Aufklärung und Verteidigung zu gestatten. Die „Oesterr. Wochenschrift" hat allerdings seit dem Erscheinen ihrer ersten Nummer für die Gesamtorganisation die eifrigste Propaganda betrieben, allein ich hoffe trotzdem, daß Sie diesen Zeilen die Aufnahme nicht versagen werden. Was mich zunächst zu einer Erwiderung drängt, das sind vor allem die auf dem „Gemeindetag" vernommenen Reden der Herren Dr. F i a l l a (Brünn) und Doktor Sonnenschein (Troppau), Männern von unbestreitbar hohen Verdiensten um das Judentum, deren Worte darum Gewicht und Bedeutung beanspruchen. Wir in den galizischen Großqemeinden sind, nicht von religiösen Skrupeln bei unserem Verhalten bestimmt; wohl aber haben wir die politischen Stimmungen und Strömungen der öffentlichen Meinung zu berücksichtigen, die politischen Tendenzen und Auffassungen der obersten und maßgebendsten Machtfaktoren, zu welchen wir uns nicht mutwillig in Gegensatz stellen dürfen, ohne die elementarsten Interessen der galizischen Judenschaft zu gefährden. Die herrschenden, politischen .Machtfaktoren in Galizien wachen eifersüchtig über die Landesautonomie und sehen in jedem neu zu schaffenden, gesetzlichen Band, welches Oesterreich mit Galizien verknüpfen soll, eine Verletzung des heiligsten, natienalen Dogmas, einen „Verrat" an dem Lande. Solche Imponderabilien, oder sagen Sie Vorurteile, müssen wir schonen — schonen gerade im Interesse der ärmsten Teile der jüdischen Bevölkerung, welche auf das Wohlwollen der Landes- und Kommunalbehörden mehr angewiesen ist, als die Bessersituierten. Daß Männer von Einsicht, wie die Herren Doktor Alfred Stern, Dr. F i a l l a und Dr. Sonnenschein diese Eigenart unserer Situation nicht zu würdigen vermögen, ist uns unverständlich. Als der Verfassungsentwurf für Bosnien und die Herzegowina publiziert wurde — mit seiner offenkundigen Zurücksetzung und politischen Entrechtung der jüdischen Bevölkerung des Landes — unternahm der „Allgemeine Oesterreichisch'Jsraelitiiche Bund" eine dankenswerte Aktion zum Schutze der Gleichberechtigung unserer dortigen Glaudeusbrüder. Der Präsident Herr Doktor Alfred Stern — eifrig und unermüdlich wie immer — wandte sich auch an die Führer der ungarischen Judenheit in Budapest und forderte sie auf zu einer gemeinsamen Aktion in dieser Angelegenheit und erklärte sich bereit, zum Zwecke einer gemeinsamen Beratung nach Budapest zu kommen. Welche Antwort erhielt er? Aus dem „Neuen Pester Journal" konnte man erfahren, daß die jüdischen Politiker in Budapest den Herrn Präsidenten Dr. Stern dahin verständigt haben, daß sie ihrerseits alle ihre Kräfte aufbieten und alle Schritte bei der ungarischen Regierung unternehmen werden, um die Juden in Bosnien vor d.'r angedrohten Rechtsverkürzuug zu schützen; daß sie aber jede gemeinsame politische Aktion mit den Juden Wiens entschieden ablehnen und den Herrn Präsidenten bitten, von dem angekündigten Besuch absehen zu wollen. Es wird wohl keinem Meirichen mit gesundem Urteil einfallen, die ungarischen Juden des Mangels an jüdischem Empfinden und an jüdischem Solidaritätsgefühl zu beschuldigen, weil sie die nun einmal in ihrem Lande herrschenden politischen Stimmungen uud Vorurteile schonen zu müssen glauben; es wird keinem Menschen mit gesunden Sinnen einfallen, zu sagen, daß der Präsident der israelitischen Kultusgemeinde in Budapest deswegen „mit dem Kopfe der ungarischen Regierung, mir dem Kopfe des Herrn von Kossuth, nur nicht mir einem jüdischen Kopfe denkt". Eine derartige Insulte wird bloß einem Kultusvorsteher in Galizien an den Kopf geschleudert, wenn er gleichen oder ähnlichen Erwägungen Raum gestaltet. Daß die zwei zionistischen Wortführer aus Lemberg auf uns schlecht zu sprechen waren, müßte man ihnen