Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 19 (7.5.1909)
- Date
- 1909-05-07
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 19 Dr. Blochs Wochenschrift. Sette 347 störend wäre. Besonders interessant, wenn auch zu wenig ausgeführt, ist der angedeutete innere Konflikt in Tirzah, ,die, römischer Herkunft, durch Erziehung und Sympathie dem Judentume angehört und die an den Widersprüchen beider Raffen, die sich in ihr treffen, unbewußt leidet. Denn wie sie das Geheimnis ihrer Abstammung erfährt und ihrem wirklichen Vater, dem Feldherrn Junius gegenübersteht, ihm, den Feind Judas, den sie in den Tod gelockt hat, verwirrt sich ihr armer Geist, von den furchtbaren Eceigniffen überwältigt, und sie fällt schließlich von der Hand eines Centurio, der seinen Feldherrn rächt. Dies ist der vierte Akt, bis zur fünften Szene der wirkungsvollste des ganzen Dramas. Gegen den Schluß fällt er ab und wird traditionell zu Ende geführt. Der Autor ist nach dem Töten so vieler Helden ermattet und gibt uns nur noch eine Art Epilog, in dem wir das Schicksal des Jonathan ahnen dürfen, der vermutlich in einem zweiten Drama fällt. Die Sprache ist flüssig, blumenreich und an vielen Stellen von wirklicher Schönheit. Doch hier wütet eine neue Macht, die ohne den Willen des Autors in das Drama tritt — der Setzer. Der Kampf, den dieser mit der deutschen Sprache führt, grenzt an Vandalismus und ist einer von den vielen ungarischen Gewaltakten, die selbst den Sterbenden in Druckfehlern Abschied nehmen lassen. Auch betrauern wir den Abgang unzähliger Beistriche. Dies alles stört die Leserlichkeit dieses Dramas, das wirklich wirkungsvoll und geschickt gemacht ist. Thekla Blech-Merwin. Peters N Papst Pins X. und das Bibelstudium. Paderborn 1908. F. Schöningh. 83 S. Eine Anzahl von Aeußerungen des jetzigen Papstes» die seinen regen Eifer für die Belebung und Vertiefung des Bibelstudiums bekunden. werden besonders mit Rücksicht auf das Paderborner Seminar kommentiert. Von allgemeinem Interesse sind einige Entscheidungen der päpstlichen Bibelkommission über bibelexegetische Grundfragen. so „über die Mosaische Echtheit des Pentateuch" (vom 27. Juni 1906). Auf das Studium der semitischen Sprachen und vor allem auf eine gründliche Behandlung der Psalmen wird vom Papste besonderer Nachdruck gelegt. R. Krüger P., Hellenismus und Judentum. Mit einem Geleitswort von Prof. D. R. Kittel, Leipzig 1908. Hinrichs. 47 S. M. 1 20. Mit diesem Heft beginnt das Jnstitutum Delitzschianum in Leipzig, das der Aufgabe dienen will, in die jüdische Wiffcnschaft einzuführen, Schriften herauszugeben, die von den dort getriebenen Studien Kunde zu geben imstande sind. In drei Vorträgen: „Der Hellenismus", „Der Hellenismus und das palästinensische Judentum" und „Der Hellenismus und das Judentum in der Zerstreuung unter den Griechen" wird in lichtvoller Darstellung das jetzt so eifrig ventilierte Thema behandet. Diasporajudentum und Christentum bedeuten nach dem Verfasser „prinzipielle Gegensätze, die es ausschließen, daß die Diaspora die Mutter des Christentums gewesen ist. Das Wesen des Diasporajudentums hat einen anderen Geist denn das Christentum." 21 Weber O. Forschungsreisen in Südarabien, bis zum Auftreten Eo. Glasers (Der Alte Orient, VIII, 8) Leipzig 1907, I. C. Hinrichs. 34 S. 3 Kartenskizzen und 4 Abbildungen. M. 0.60. Von sachkundiger Feder wird über die Schicksale und die wiffenschaftliche Ausbeute der älteren Forschungsreisen nach Südarabien berichtet, die bis auf das Jahr 1508 zurückdatieren. Ganz besondere Würdigung finden Joseph Halevys Verdienste, wobei auch auf die jüdischen Gemeinden im „Djof" ein Streiflicht fällt, bei denen der vortreffliche Forscher bereitwillige Förderung gefunden hat. Zum Schluffe wird Eduard Glaser auf das höchste Piedestal gestellt, „alle überragend, die vorher und nachher den gleichen Zielen zugestrebt haben". X. Briefwechsel zwischen Clemens Brentano und Sophie Mereau. Nach den Handschriften zum ersten Male herausgegeben von Heinz Amelung. Mit zwei Bildnissen in Lichtdruck. Leipzig im Insel-Verlag. Geheftet M. 6.—, in Leinen M. 8 Wir erhalten hier ein wichtiges Dokument der ebenso oft gepriesenen, wie geschmähten, selten aber liebevoll gewürdigten, sittlichen und künstlerischen Bestrebungen vom Anfänge des letztvergangenen Jahrhunderts. Natürlich werden auch jüdische Zeitgenossen, wie Dr. Markus in Bamberg, Dorothea Schlegel, Rahel Levin, ein Hekscher, der mit Geißler in Gotha in Verbindung stand, und eine Judenfamilie daselbst (tl. 10.) erwähnt. Im Aeußern schließt sich die Ausgabe den bekannten Brentano-Büchern des Jnse! Verlages an. X. Reue Bücher. NahttM Tkouschz, vocteur es Lettres Anxiliaire ä l'Acadömie des Inscriptions et Belles-Lettres. Archive» Marocaines. Pablication de la Mission Scientifique de Maroc Volume XIV. Hebraeo-Phöniciens et Judöo-Berbfcrus introduction ä, l’histoire des juifs et du juda'ismo en Afrique. Erne st Lervux, Paris 1908. Elieser Ben Jehnda, Jerusalem. Thesaurus der alt- und neuhebräischen Sprache. Gesamtwörterbuch der alt- und neuhebräischen Sprache. XI. und XII. Heft. Langenfcheidtsche Verlagsbuchhandlung. Berlin-Schöneberg. G. Freytag. Verkehrsplan der k. k. Reichshaupt- und Residenzstadt Wien. Buch-Ausgabe. Preis schmiegsam gebunden X 2.40. Verlag von G. F r e y t a g u. Bernd t, Wien VII. Jean Lamarck. Deutsch von Dr. Heinrich Schmidt (Jena). Zoologische Philosophie. Volksausgabe. Kartoniert. Preis 1 Mark. Alfred K r ö n e r, Verlag Leipzig. Giaeomo Leopardi. Gedichte. Ins Deutsche übertragen und erläutert von Heinrich Mück. Modernes Verlagsbureau Curt Wigand, Berlin-Leipzig 1909. Meyer M. A. History of the cifcy of Geza, Newyorkigos, The Macmillan Comp. S. 179, D. 150. Diese von Rich. Gottheil mit einem kurzen Vorwort eingeleitete Geschichte Gezas bildet eine willkommene Ergänzung und Fortsetzung des grundlegenden Werkes, das Stark 1853 der an bunten Schicksalen so reichen uralten Grenzfeste im Südwesten Palästinas gewidmet hat. x. Nobel I Perlen aus Bibel und Talmud. Mainz 1904. Selbstverlag des Verfassers. 123 S. Der Verfasser, der sich als Muster auf diesem Gebiete längst bewährt hat, bietet hier eine Sammlung von kunst- und geschmackvollen Deutungen an sich oft recht unscheinbarer Midraschstellen. Das Bändchen verdient, wie eS der Verfasser tut, eine Fortsetzung des .Herman" genannt zu werden. x. Kuratorium der Stiftuug „Waisenhaus für israelitische Mädchen Charlotte Merores Itzeles“ in Wien, I., Schottenbastei 5. Im „Waisenhause für israelitische Mädchen Charlotte Merores Itzeles“ in Wien, werden ab September 1909 zehn mittellose, ganz oder halb verwaiste oder verlassene, gesunde israelitische Mädchen im Alter von sechs bis zwölf Jahren aufgenommen. Die Zöglinge besuchen, solange sie im schulpflichtigen Alter stehen, die öffentliche Volks- oder Bürgerschule, erhalten vom vollendeten 14. bis zur Vollendung des 15. Lebensjahres den Unterricht in allen Zweigen der Hauswirtschaft, werden sodann für einen Beruf ausgebildet und bis zur erlangten Erwerbsfähigkeit, spästestens aber bis zum vollendeten siebzehnten Lebensjahre in der Anstalt erhalten. Aufnahmsgesuche sind namens der Bewerberinnen von deren gesetzlichen Vertretung unter Beilegung des Geburtsscheines, des Heimatsscheines, des Nachweises der Verwaisung oder der Verlassenheit, des Mittellosigkeitszeugnisses und eventuell Schulausweises, des Impfzeugnisses, eines Gesundheitszeugnisses, sowie im Falle der überstandenen natürlichen Blattern eines besonderen ärztlichen Zeugnisses hierüber bis 31. Mai Mai i909 an das gefertigte Kuratorium zu Händen des Herrn Dr. Felix Katzau, Wien, I., Schottenbastei 3, zu richten. Unter den Bewerberinnen werden jene, welche nach Wien zuständig sind oder deren Eltern durch längere Zeit im Wiener Gemeindegebiet gewohnt haben, in erster Linie berücksichtigt. Der Eintritt in die Anstalt kann nur gegen Beibringung eines vom Gemeindearzte ausgestellten, gemeindeamtlich bestätigten Zeugnisses erfolgen, laut dessen in den letzten vier Wochen vor dem Eintrittstermin im Hausstande des Mädchens kein Fall einer infektiösen Erkrankung vorgekommen ist. Kuratorium der Stiftung „Waisenhaus für israelitische Mädchen _Charlotte Merores Itzeles“ in Wien, Ettal Goldschmldt-Stiftung für Schaler der Wiener höheren Gewerbeschulen. Anzahl der Plätze: Zwei im Betrage von je K 200.—. — Bewerbungsberechtigt sind: Israelitische Schüler der Wiener höheren Gewerbeschulen. — Gesuchsbeilagen: Geburtsschein, Armutszeugnis, letztes Schulzeugnis. — Letzter Tag der Einreichungsfrist: 31. Mai 1909. — Einreichungsstelle: I., Seitenstettengasse 4, II. Stock (Einreichungsprotokoli). — Näheres in den von der Einreichungstelle unentgeltlich erhältlichen Gesuehsblanketten.