Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 18 (30.4.1909)
- Date
- 1909-04-30
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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Nr. 18 Dr. Blochs Wochenschrift. Sette 321 Ein jüdischer Oberpostrat in Oesterreich. Der Kaiser hat den Postrat Norbert Lichtendorf in Czernoroitz zum Oberpostrat ernannt. Es ist dies der erste Fall in Oesterreich, datz ein Jude diese Stelle beNeidet. Brünn. (Ein Herb st Manöver im Frühling.) Das arme Brünner Theaterpublikum und zumal das jüdische hat seinen „schwarzen Sonntag" hinter sich. Das arme Brunner Publikum und zumal das jüdische mußte statt der neuen Operette „Herbstmanöver", wo nur ein jüdischer Held „verhonigelt" wird, mit der „Schönen Helena", wo gleich alle Helden Griechenlands herhalten mußten, vorlieb nehmen. Ist das nicht tragisch! ... Im „Herbstmanöver", einem musikalisch und textlich sonst ziemlich farblosen Werke, wird ein jüdischer Kadett-Feldwebel so.ziemlich mit all' den unmilitärischen, bildungslosen, unmanierlichen, gesellschaftlich unmöglichen Allüren ausgestattet, die die Gegner unserer „Ebenbürtigkeit" von uns behaupten. Die Rolle ist ein mimisch-drastischer, rhetorisch-plastischer Protest gegen die Militärfähigkeit, zumal gar Offiziersfähigkeit der Juden. Der normale Arier steht diesem Machwerke, das uns unser ungarischer Kon,Patriot bescheerte, ziemlich unberührt gegenüber. Für einen richtigen Antisemiten ist es eine Fundgrube neuer Argumente, für das jüdische Publikum aber ein Labsal, ein Hochgenuß — da muß man dabei gewesen sein. Und in Wien zumal stößt und rauft man sich, um auch dabei zu sein, wenn der jüdische Soldat auf der Bühne, öffentlich, eoram pudlieo verhöhnt, verspottet, hin- und hergestoßen wird! Glückliches Wiener jüdisches Publikum! Aber nicht lange brauchten wir Brünner unser Residenzpublikum zu beneiden. Endlich, endlich erschien auch bei uns das „Herbstmanöver" mit dieser Jammergestalt, dieser Zerrfigur, diesem Spatzenschreck eines jüdischen Kadett-Feldwebels. Zwar — unser intelligentes arisches Publikum — zu seiner Ehre sei es gesagt — hat an dem Machwerke keinen Gefallen gefunden, in militärischen Kreisen hat es einigermaßen verschnupft, denn schließlich trägt doch auch der jüdische Kadett-Feldwebel — eine Uniform. Aber unsere Juden, wie die immer zu drei Viertel das Haus füllten. Die amüsierten sich königlich! Die verhalfen dem Stücke zu einem Erfolge! Die unbeeinflußte Kritik nannte zwar das Kind nicht beim Namen, aber sie lehnte doch mit deutlichem Hinweise auf diese unwürdige Figur die Neuheit ab, trotz der Wiener Aufführungs-Serien! Bravo! Aber die Juden. Sie wollten Ihren jüdischen Kadett-Feldwebel! Sie fühlten nicht den Geißelhieb im Antlitze, den Fußtritt auf ihr Ehrgefühl! Oder doch! Man munkelt etwas von einer jungjüdischen Opposition gegen das Stück, Sonntag sollte es gelegentlich einer Wiederholung zu Demonstrationen kommen Es kam nicht dazu, eine Soubrette machte dem „Herbstmanöver" ein Ende durch eine gesunde rechtzeitige Heiserkeit. Das Stück tauchte unter — möge es untergetaucht bleiben. Wie lange aber wird das jüdische Publikum selbst das Scheitholz herbeitragen zur Errichtung seiner moralischen Scheiterhaufen! I. b. M. Eger. (Trauung.) Der verdienstvolle und allseits hochverehrte Vorsteher der hiesigen Kultnsgemeinde Herr Handelskammerrat Jakob Zuckermann feierte vor einigen Tagen ein doppeltes Familienfest: die Vermählung seiner beiden Töchter Alma mit Herrn Arnold Fuhrmann, Fabrikant in Wien, und E l s a mit Herrn Rudolf Bloch aus Neuern. Die Trauungszeremonie vollzog Rabbiner Doktor Proßnitz, der in seiner Trauungsrede besonders die Verdienste des Brautvaters Jakob Z u ck e r m a n n um die Gemeinde betonte und sein Leben und Wirken auch seinen in die Ehe einziehenden Kindern als nachahmenswertes Muster hinstellte. Die kantorale Funktion versah Oberkantor W i l k o w i t s ch mit dem Chor. Aus Anlaß dieses Doppelfestes sind der in der ganzen Gegend beliebten Familie Zuckermann zahlreiche Glückwünsche aus Nah und Fern zugekommen. Dürrmaul. Die heute abgeschlossenen Kultuswahlen ergaben folgendes Resultat: Sigmund Doktor zum Vorsteher; Markus Kohorn zum Stellvertreter und Tempelvorsteher; Moritz Fried zum Kassier; Daniel L ö w y zum Tempelvorsteher; Alois Hübscher und Ignaz W o l l r a b zu Ersatzmännern. Verstärkter Vorstand: Ernst F l e i s ch e r e r, Natan F l e i s ch n e r, Julius W o l f n e r und Bernard Zimmer; Umlagekommisfion: Josef Doktor, Ernst F l e i s ch n e r; Kassarevisoren: Josef Doktor, Julius W o l f n e r. Olmütz. Bei der Seelenfeier am Peffachfeste gedachte Se. Ehrw. Herr Rabb. Dr. Oppenheim des im Laufe des Winters verstorbenen unvergeßlichen Kultusvizepräsidenten Josef Löw in herzlichen Worten dankbarer Erinnerung. Damals ahnte die andächtige Gemeinde nicht, daß sie in wenigen Tagen ihrer Z erde beraubt werden werde durch den plötzlichen Heimgang des Handelskammervizepräsidenten Wilhelm Briest. Die imposante Leichenfeier, welche auf Beschluß des Knltusvorstandes im Tempel stattfand, gestaltete sich zu einem ergreifenden Akte besonderer Verehrung. An derselben nahmen teil die Spitzen aller Behörden, Vertreter des Eisenbahnrates, des Jndustricrates, mehrerer Handelskammern, des deutschen Volksrates, der deutschen Vereine, mehrerer Städte- und Kultusgemeinden :c. Nach Abfingung eines Chorals durch den Tempelchor unter der Leitung des Oberkantors Schlesinger hielt Herr Rabb. Dr. Oppenheim dem Hingeschiedenen eine herzlichen Nachruf. Anknüpfend an 3. M. JO, 3 entwarf der Redner in markanten Zügen das Lebensbild des Verstorbenen, schilderte sein verdienstvolles, auch durch kaiserliche Gnade mehrfach ausgezeichnetes Wirken für die Allgemeinheit und sein in demselben stets bewiesenes treues Festhalten am Judentnm. Namens der Olmützer Handelskammer widmete Herr Kammerpräsident Robert Primavefi, namens des Vereines österr. Malzfabrikanten dessen Vizepräsident Hauser und namens der Kultusgemeinde dessen Vorsteher Herr Dr. Eben Worte der Anerkennung und des Abschiedes. Aussig. (Dekorierungsfeier.) Ein seltener Festakt wurde kürzlich im reichgeschmückten Tempel der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde vollzogen: Die Ueberreichung der Ordensauszeichnung an das Vorstandsmitglied Herrn L. Hammerschlag. Der Feier wohnten der k. k. Bezirkshauptmann Herr C. Lendecke in Begleitung des Bürgermeisters Herrn Dr. Ohusorg und des Bezirkskommiffärs Herrn Haus Jellinek, sämtliche Mitglieder der Repräsentanz und die Mitglieder der Gemeinde in sehr stattlicher Zahl bei. Eingeleitet wurde die Feier durch den Vortrag eines Choralcs seitens des Tempelchores. Nachdem sodann der Herr Bezirkshauptmann die kaiserliche Auszeichnung des Herrn Hammerschlag zur Kenntnis gebracht, hielt er an den Gefeierten eine Ansprache, in der er auf die großen Verdienste hinwies, die sich dieser durch Gründung der hiesigen israelitischen Gemeinde, sowie durch dessen selbstloses, ersprießliches Wirken als langjähriges Vorstandsmitglied, als Obmann des Wohltätigkeits- und Unterstützungsvereines, als Armenvater erworben. Mit dem herzlichsten Glückwünsche an den Gefeierten und an die Gemeinde heftete er sodann Herrn Hammerschlag das goldene Verdienstkreuz an die Brust. Tiefgerührt dankte Herr Hammerschlag dem Herrn Bezirkshauptmann und ersuchte ihn, seinen tiefgefühlten Dank auch an die Stufen des Thrones gelangen zu lassen Das von ihm auf den Kaiser ausgebrachte dreifache Hoch fand begeisterten Widerhall. In 'längerer, die Verdienste Hammerschlags hervorhebender Ansprache beglückwünschte sodann der Vorstand der Gemeinde, Herr Dr. Wittenberg, namens der Repräsentanz und der Gemeinde den Gefeierten; Herr Bürgermeister Dr. Ohnsorg brachte die Glückwünsche des Stadtrates und der Stadtgemeinde dar, auf die Verdienste hinweisend, die sich Herr Hammerschlag durch sein humanitäres ersprießliches Wirken um die Allgemeinheit erworben habe. Tiefgerührt dankte der Gefeierte für die ihm gewordene Anerkennung. Hiemit war die wohl schlichte, aber erhebende Feier, der sich ein feierlicher Festgottesdienst anschloß, beendet. Im Verlaufe des Gottesdienstes hielt Herr Rabbiner Baß an Herrn Hammerschlag eine längere Ansprach', in der er deffen Verdienste nach jeder Richtung würdigte. Straßnitz. (Ableben des Rabbiners Dr. A. Friedman n.) Samstag den 17. d. M., nach dem Morgengottesdienst, hat unser ehrwürdiger Rabbiner Dr. A. Friedman» im Tempel einen Schlaganfall erlitten, dem er Samstag den 24. morgens erlegen war. Montag, den 28. fand die Beerdigung statt, an welcher sich die Honoratioren der Stadt, die Mitglieder des Bezirksgerichtes, des Steueramtes, der Schloßverwaltung, der Lehrkörper mit der Schuljugend, Deputationen aus Weffely a. d. M.. Lundenburg, Goya, Ung.-Ostra und Skalitz, die Führer der politischen Gemeinde, der gesamte Kültusvorstand und der Vorstand der Chewra-Kadischa beteiligten. Im Trauerhause sprach der Schwiegersohn des Verblichenen Herr Rabbiner Samu Schlesinger aus Aranyosmaroth (Ungarn) und seine Worte erweckten allgemeine Rührung in der ganzen Trauergesellschaft. Der Sarg wurde sodann in die schwarz-