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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-04-16 · 16 (16.4.1909) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
16 (16.4.1909)
Date
1909-04-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 16 Jahrgang XXVI Dr. Bloch’s mschrist Zentralorgan für die gesamten Unteressen des Judentums. Wien, 16. April 1909 Lrscbelnr jeden FreLtag. Brief-Adresse: Wien. IX/i, Hahngasse 15. Telegramm-Adresse: Bloches Wochenschrift. Wien. Oü' . ■ -==0 O p Vezugspreis für Drsterrrich: p Halbjährig 8 Kronen; Einzelexemplare 50 Heller. Für'» Ausland: Halbjährig IO Kronen. Ganzjährig.0 Kronen. Anzeigen: Die 4mal gespaltene Pelitzeils 24 Heller. C nO- ■ ■ —Do 0(J==^0 r N. ft. Poflsxarftaffensrni C [ ea ring s:\Dern ebr Mr. 810.976. Redaktion und Administration: H Wien IX/i, Hahngasse Nr. 15. Z Telefon Nr. 14.847. £ oO - ■ - -Qo Inhalt: Leit artikel: Adolf Sonnenthals Tod und unsere Feinde. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Tie österreichischen Juden in New-Iork. Zur Tragödie der vornehmen und wohlbekannten Wiener Jüdin Lconore (1651). Baron Sügnund Kornfeld. Zur Statistik der Juden in Böhmen. Die Stammpflanze des Weizens in Palästina. Felix Dahn und die Juden. Wie Catulle Mendes getauft wurde. Ein altjüdischer Münzfund in Südafrika. Ter Steinbruch des Königs Salomo. Zur Abstammung Richard Wagners. Ein Jnerview mit Giacomo Meyerbeer. Neues Assimilanttntum unter „zionistischer" Flagge. — Korrespondenzen: Baurat Oskar Marinorek. Adolf von Sonnenthal und seine Stellung zum Judentum. Trauerkundgebung in der Plenarsitzung. Antisemitismus unter Spitalärzten. Prag. Ein jüdisches Gymnasium in Budapest. Das Schicksal einer aufrechten Jüdin. Das Vorlesungsverzeichnis der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums. Dank der Königin von Italien an die Minsker Judengemeinde. Das katholische und das israelitische Luftschiff. Schwere Lage der Juden in Jemen. Deutscher Gesellig-Wissenschaftlicher Verein. — Vermischtes. — Feuilleton: Heinrich Heine in Düsseldorf. — Neue Bücher. — Briefkasten. — Inserate. Adolf SormenthaLs Tod und unsere Feinde. Adolf Sonnenthals Leben war wie das aller unserer berühmt gewordenen Stammesgenosseu das beste Argument gegen den Antisemitismus. Wenn sich ein Jude so hoch hinaufschwingt, daß er von der ganzen Welt gesehen wird, wenn er auf seiner Höhe in Charakter und Taten nur Gutes und Lobenswertes zeigt, dann geht cs ganz einfach nicht, daß man ihn weglügt oder gegen das bessere Wissen jedes Hörers und Lesers verkleinert. Dann muß sogar der antisemitische Agitator und Redakteur die Wahrheit sagen, so schwer ihm das auch fällt und so sehr er die Folgen fürchtet. Denn wie leicht denkt nicht selbst der Parteigläubigste ein Quentchen weiter und besinnt sich, daß man denn doch die Juden nicht von der freien Mitarbeit an der Kultur zurückdrängen sollte, da sie doch Hervorragendes leisten. Deswegen ist das Andenken Sonnenthals auch in seinem Tode ein Segen, denn es hat den Antisemitismus zu eimr achtungsvollen Handlung gegen das Judentum gezwungen, zu einer umso wertvolleren Anerkennung, als der tote Künstler seinem gedrückten Volke voll Ehrlichkeit und Innigkeit angehörte. Es hat also der dritte Vizebürgermeister des christlichsozialen Gemeinderates Herr Hierhammer am Grabe Sonnenthals Worte gefunden, die gesprochen werden mußten, sollte -nicht die Gemeinde vor der gebildeten Welt blamiert werden. Anhänglich dazu war es auch der christlichsozialen Presse, dem „Deutschen Volksblatt" und der „Reichspost", unmöglich, über die Tatsachen wegzukommen, und wenn sie auch so viel Abträgliches als möglich an Sonnenthal hervorkehrte, so mußte sie sich schließlich zu einem widerwilligen Lobe herbeilassen. Etwas für Parteizwecke mußte aber denn doch erbeutet werden und es wurde auch gefunden. Gefunden in dem stolz-lauten Bekenntnis des Künstlers zum Judentum während seines Lebens und im Testamente. Diese freimütige Treue wurde von den genannten Blättern mit Sympathie hervorgehoben, aber zu einem jüdischen Klerikalismus umgedeutet und als solcher den Freisinnigen und den Juden vorgehalten, welche sich angeblich sehr entrüsten würden, wenn etwa ein anderer Hofburgschauspieler sein Christentum ostentativ hervorkehren wollte. Das ist eine Ansicht und eine Schlußfolgerung, welche vor jeder Logik zerflattert. Wir wollen nicht dagegen polemisieren, daß ein Arier sein Christentum nach Belieben betont, sondern daß Sonnenthal ein Klerikaler war. Wenn ein Katholik als solcher hervortritt, so hat er sich damit noch immer kein außerordentliches Verdienst erworben. Er läßt vielmehr die Meinung offen, daß er die Hand auf den Schlüssel zu Macht und Fortkommen legt, auf das sahnendeutliche Christentum nämlich, das heute die Vorbedingung ist zur Erlangung von Amtsdienerposten, und wenn man Glück hat, von Ministerstellen. Ja, wenn heute Märtyrerzeiten der Christen wären! Der Heroismus der Märtyrer unter den Zäsaren ist achtunggebietend. Aber das waren Einzelne. Die Masse der Christen in Rom und später in der Türkei zog es vor, bei Verfolgungen den Glauben sehr rasch zu wechseln und vermehrte sich erst später, als die Gefahr vorüber war bis jetzt, wo das ostentative Christentum das Mittel ist zum Erfolge. Jetzt sind demonstrative Katholiken allerdings zahlreich wie der Sand am Meere. Aber die Juden haben unter keiner Bedingung jemals geheuchelt. Sie waren und sind Märtyrer als Einzelne und in der Masse. Wir wollen gar nicht vom Mittelalter reden, wo sie auch vom Schwerte nicht zum Taufbecken getrieben werden konnten. Aber haben sie es heute nötig, sich vom „Deutschen Volksblatt" und der „Reichspost" täglich beschimpfen, in ihrem Erwerbsleben schädigen, als Staatsbürger niederer Ordnung behandeln zu lassen, weil sie sich selber treu bleiben? Der ärgste jüdische Wucherer, der sein Judentum behält, hat sich um die Moral verdienter gemacht, als ein Christ mit Betonung. Denn letzterer hat heute nur seine Position verbessert, der Wucherer aber bekommt für sein Judentum noch einige Jahre über das gewöhnliche Strafausmaß hinaus, wenn er vor Gericht kommt. Was sollte uns daran hindern, uns einfach in Massen taufen zu lassen und mit einer leichten Zeremonie den schweren Kampf einfach zu umgehen, den wir wegen der berühmten Rubrik in unseren Geburts- und anderen Zeugnissen führen müssen? Der Ernst ihres religiösen Bekenntnisses würde viele von uns nicht von dem Uebertritt zurückhalten. Viele von uns besitzen ein Judentum ohne jeden Glauben, ohne Zeremonien, ohne Synagoge. Der Skep-

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