Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 14 (2.4.1909)
- Date
- 1909-04-02
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 14 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 249 partikularistischen Bestrebungen in Anlehnung, an ein nichttürkisches Mutterland zu verwirklichen trachten, und andererseits jene Völker, die ihr Heil im Wohke des gemeinsamen' osmanischen Reiches sehen und entschlossen sind, nach besten Kräften an der Wahrung der Reichseinheit mitzuwirken. In Saloniki haben sich nun zum ersten Mal die Griechen, im Kampfe gegen die komiteetreuen Juden des modernen Kampfmittels, des wirtschaftlichen Boykotts bedient, selbstverständlich nicht ohne auf jüdischer Seite Gegenmaßregeln hervorzurufen. Bilden die Juden auch die Majorität der Saloniker Bevölkerung, so' macht der Rückhalt, den die Griechen in ihrem eigenen Mutterlande finden, dieselben doch zu gefährlichen Gegnern. Die Sympathien der Jungtürken befinden sich in diesem Kämpfe natürlich auf Seiten der Juden und finden in den Preßorganen der Regierung lebhaften Ausdruck. Wie verlautet, sind die angesehenen Juden Salonikis damit beschäftigt, ein eigenes Bankinstitut ins Leben zu rufen, und wollen sich an die Zionistischen Bankinstitute in London (Jewifh Colonial Trust) zwecks Unterstützung ihres Vorhabens wenden. Der Chefredakteur und Besitzer der „Nowoje Wremja", des fanatischesten russischen Antisemitenblattes, Alexej Ssergewitsch Ssuworin, hat am 13. d. M. sein 50jähriges Schriftstellerjubiläum gefeiert. Prof. Schiemann fällt aus diesem Anlaß in der „Kreuz-Ztg." folgendes vernichtende Urteil über das Blatt: „Die „Nowoje Wremja" ist während der ganzen Dauer ihrer Existenz eines der schädlichsten Blatter gewesen, die Rußland her vorgebracht hat. Sie bat jeden Chauvinismus, gefördert, und das ist das einzige Feld, auf dem sie sich treu geblieben ist. Im klebrigen schloß sie sich den Strömungen des Augenblickes au. Sie war religiös und national unduldsam, von rücksichtsloser Parteilichkeit, so daß es fast unmöglich war, von .ihr die Zu r e ch t st e l l un g falsch berichteter Tat fach ep zu erlangen. Aber sie duldete keine Unfähigkeiten am Redaktionstisch, hatte ein Heer von Korrespondenten, stand mit allen Stellen in Verbindung,' die rhr Auskünfte schaffen konnten und war schließlich jeder Sensation; ug ä n glich. Zur V er giftun g der deutsch-russischen Beziehungen hat sie mehr beigetragen als jede andere russische Zeitung. Wir haben keinen Grund, Herrn Ssuworin Kränze zu flechten." Wir empfehlen diese Charakteristik des ruffischen Hetzblattes insbesondere jenen deutschen antisemitischen Blättern zur Beachtung, welche erst kürzlich auf das blöde Geschwätz der „Now. Wr." über den angeblichen Antisemitismus in Japan hereingefallen find. Jüdisches in der Turgenjew-Ausstellung in Petersburg. In den nächsten Tagen wird in der Petersburger Akademie der Wissenschaften eine Turgenjew-Ausstellung eröffnet werden; die Vorbereitungen zu derselben find bereits abgeschlossen. Gleich beim Eingang in den Hauptsaal sind die Turgenjew-Büsten von Antokolski und Aronsohn aufgestellt, deren künstlerische Ausführung von der russischen Presse wiederholt lobend hervorgehoben wird. In der Sammlung der Werke Turgenjews nehmen auch die Uebersetzungen derselben in die jüdische und hebräische Sprache einen würdigen Platz ein. Ein Millionär als Progromdieb. Aus Odessa wird der „R. I. K." von ihrem dortigen Korrespondenten geschrieben: In Theodosia wurde am 9. März eine Strafsache gegen den Gutsbesitzer und Millionär Kusma Iwanow verhandelt, der beschuldigt war, während des Pogroms, der bekanntlich auch in Theodosia mit besonderer Heftigkeit wütete, aus dem Manufakturladen des Juden Zeugin verschiedene Waren gestohlen zu haben. Vor Gericht wurde nun durch Zeugenaussagen festgestellt, daß der .ehrenwerte Herr Iwanow an dem Pogrom überhaupt einen sehr tätigen Anteil genommen habe. Der brave Patriot wird sich daher demnächst wegen seiner diversen Heldentaten und Diebereien gemeinsam demnächst nochmals vor dem Strafrichter zu verantworten haben. "Ä Die endgiltige Faffung des finnländffchen Iudengesetzes. Im Jahre 1607 beschloß der finnlündische Senat, an die Ausarbeitung eines neuen Gesetzes über die Rech e der Juden in Finnland zu schreiten. Nunmehr sind die Vorarbeiten abgeschlossen und der Gesetzentwurf liegt in seiner endgiltigen Fassung vor. Die Gesetzesvorlage enthält im wesentlichen die folgenden Punkte: Die in Finnland geborenen, oder solche Juden, die zumindest seit zehn Jahren vor dem Inkrafttreten des neuen Gesetzes ununterbrochen in Finnland ansässig sind, können die finnländischen Bürgerrechte unter denselben Bedingungen erlangen wie alle übrigen Ausländer. Die Rechte der auf diese Weise zu finnländischen Bürgern gewordenen Juden sind mit denjenigen der Lutheraner vollständig gleich. Eine Begrenzung der Rechte dieser Juden ist unzulässig. Hingegen ist das neue Gesetz gegenüber neuankommenden Juden äußerst streng. Lein Jude darf ohne besondere Erlaubnis länger als drei Monats in Finnland bleiben. Der Gouverneur ist berechtigt, die Erlaubnis zum Aufenthalte auf weitere sechs Monate zu verlängern. Alle weiteren Fristerstreckungen sind nur mit Zustimmung der Kommunalbebörden jener Gemeinde zulässig, in welcher der betreffende Jude zu bleiben beabsichtigt. Diese Art geduldeter Juden, die kein Bürgerrecht besitzen, stehen unter eigener polizeilicher Aufsicht. Hingegen werden alle Sonderbestimmungen betreffend die Ausübung des jüdischen Glaubens, die Beschränkungen der jüdischen Ehen usw.. unter welchen die Juden in Finnland jetzt so viel zu leiden haben, aufgehoben. Weibliche Schutzleute im Newyvrke? Ghetto. Das Newyorker Ghetto soll demnächst weibliche Publizist-m erhalten. Diese weiblichen Schutzleute werden hauptsächlich die Aufgabe haben, die öffentlichen Jugendspielplätze zu überwachen und die spielende Jugend einerseits vor der Roheit der männlichen Wachleute, andererseits vor den immer mehr überhandnehmenden Individuen zu schützen, die die kleinen Kinder ihrer kleinen Habseligkeiten beraubten oder sie zur Verübung verschiedener Verbrechen mißbrauchten. Die „Mutter" dieser Idee ist eine Frau Julie Goldzieher und da die Anregung auch die Billigung des Staatssekretärs Samuel S. König gefunden hat. dürfte diese neue Institution, von der man sich in Amerika viel verspricht, nicht nur in Newyork-City, sondern auch in den Provinzstädten des Staates Newyork bald eingeführt werden. Vermischtes. Kranzablösungsspenden zugunsten der Chewra-Kadischa in Wie» I., Leitenstettengasse 4 für arme kranke Glaubensgenosse». Anläßlich des Ablebens des sel. Wilhelm N e u m a u n: Bon Max Neumann. Bielitz K. 10.—, Leopold Karpeles 10.—, W. Karpeles 3.—, Arnold Roienthal 40.—, Dr. A. G. K 20 —. Zusammen K 83 —. Bon R. E. als Spende K 10 — Anläßlich des Ablebens der sel. Frau Friderike^G r ü n h nt Von Drs. Hermann und Immanuel Bruch K 20.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Dr. Leo Wiener: Von Ernestine und Leon Wiener K 20.—, Franzl und Eduard Wiener 20.—, Lilli und Alfred Wiener 20.—, Josef Mauksch K 50.—. Zusammen K 110. — . Anläßlich des Ablebens des sel. Ludwig Persic aner: Von Wilhelm Neumann K 20.—, Julius Markstein K 10.— Tusammen K 30.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Baron Sigmund K o r nfeld: Von Rudolf Kahler K 30.—.