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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-04-02 · 14 (2.4.1909) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
14 (2.4.1909)
Date
1909-04-02
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 14 Dr. Bloche Wochenschrift- Sette 243 Vorliebe jüdische Themen verwertet. Lilien steht allerdings im Rufe, ein jüdischer Künstler zu sein, aber damit läßt sich allenfalls seine Abstammung, nicht aber seine künstlerische Eigenart charakterisieren. Die jüdisch-nationale Bewegung, deren Schützling Lilien ist und die ihren Ideen Literatur und Kunst nutzbar machen mußte, ging da weniger von einem kritischen als agitatorischen Standpunkte aus und das kulturelle Bedürfnis, die jüdische Kunst zu beleben und zu vermehren, ließ sie mehr auf Quantität als auf Qualität Wert legen. Lilien ist Künstler der Schwarz-Weißtechnik und damit ist seine Eigenart bezeichnet. Aber selbst wenn man vom Standpunkte der Notwendigkeit einer jüdischen Eigenart abfieht, so ist dies nicht die Kunst, die große Arbeiten bewältigt. Es fehlt ihr, die schon mehr an daß Kunstgewerbliche grenzt, jene schöpferische Kraft und jene dekorative äußere Form, jene Farbenentfaltung und jener phantastische Schwung, die zu einer Illustrierung der Bibel erforderlich find. Es fehlen ihr sowohl die äußeren Mittel als Lilien selbst die visionäre Entfaltung, die geschichtliche Auffassung um die verschlungenen Wege biblischer Mystik zu ergründen, um alle die machtvollen Ereignisse von erschütternder Wirkung würdig zu begleiten. Das Tote, Starre, das bei aller feinen Stilisierung seiner Tuschkunst anhastet, vermag die tönende Farbenpracht der Bibel nicht wiederzugeben, ihr ist versagt, lebhaft zu wirken und vom lebendigen Bilde selbst kann sie nur Andeutungen geben. Das vielgerühmte Nichtakademische an Lilien, das ihm die Freiheit gab, seine Talente für eine handwerksmäßige Form der Kunst zu Pflegen, versagt ihm andererseits die Möglichkeit, monumentale Stoffe, wie die der Bibel, zu bewältigen. Mit einer peinlich sauberen Zeichnung, mit wie von einem Lineal gezogenen Strichen, mit dem Einerlei des Schwarz-Weiß, mit einer graziösen Stilisierung sogar unterbricht man die Posaunenklänge des biblischen Textes nicht angenehm. Zudem kämpft Lilien immerfort mit einer veralteten, allzudeutlichen Symbolistik, die im Einzelfalle nicht auffällt, im Rahmen einer großen Arbeit'aber ungemein störend wirkt. Hand in Hand mit diesem Fehler geht eine ewige Wiederholung der symbolischen Andeutungen, die die Sprache seiner Bilder etwas eintönig gestalten. Es lebt zu wenig Reichtum in diesen Arbeiten, die Gestalten sind allzu schwächlich, gar nicht biblisch geraten und ohne Andeutung ihrer wunderbaren Kräfte. Den Gekrönten fehlt die morgenländische prunkvolle Entfaltung. Das Gesicht des jungen Mose, um ein Beispiel anzuführen, ähnelt nur auffallend dem fanatisierten Gesicht des Rabbi aus dem „Hohen oder stillen Liede", wenn ich mich recht erinnere, läßt aber von jener wunderbaren Kraft des jungen Mose nichts ahnen. Bei allem Anklingen an orientalische Art ist auch die Erscheinung der Mirjam sehr wenig biblisch und zeigt von willkürlicher unmotivierter Auffassung. Ein ausgeprägter Zug phantastischer Aufnahmsfähigkeit gibt Lilien anscheinend eine Berechtigung, sich an eine solche Aufgabe, wie die Illustrierung der Bibel, zu wagen. Aber selbst wenn der Künstler all diese Fülle von Farbe und Bildern, von historischem Verständnis, von dunkler Mystik und visionärer Gestaltungsfähigkeit, die in diesem Fünfbuche leben, in sich tragen sollte, die Kräfte seines scharf umriffenen, engbegrenzten Könnens müßten versagen. Denn mit der Tuschfeder macht man wohl eine ins Auge fallende, reinliche Zeichnung, aber keine würdige Illustrierung der Bibel. Abgesehen davon fällt in der Ausführung selbst störend die beabsichtigte Mißachtung von Perspektiven auf, die eine Lilien'sche Eigenart kennzeichnet. Die hinter der im Vordergründe befindlichen Gestalt gewöhnlich schemenhaft und winzig angedeuteten Gegenden und Städte machen nichts weniger als einen guten Eindruck. Was wir in diesem Werke wieder freudig begrüßen, ist eine geschmackvolle, finnige, oft arabeskenartige dekorative Umrahmung, die immer abwechselnd und reizend bleibt. Das Dekorative ist auch ein Teil jener Kunst, die bei Lilien stark ausgeprägt scheint. Jetzt, wo die Bibel so modern geworden ist, daß man sie in prachtvoller Ausstattung erscheinen läßt, wie einen sensationellen Roman und daß man sie in jeder guten Gesellschaft „gelesen haben muß", klingt die Einführung des Herausgebers gar nicht so unwahrscheinlich, daß jeder Gebildete sie in seiner Bibliothek neben Homer, Dante, Shakespeare, Goethe einreihen soll. Sie wird auch dort stehen und sich durch äußere Eleganz von den Klassikern nicht unterscheiden. Die Zeit, wo die Bibel heilige Scheu weckte, ist längst vorbei, die alten Propheten werden kritisiert, manchmal sogar gelesen und der ehrerbietige Abstand zwischen den Menschen und der Bibel hat sich so verringert, daß man sie ganz unbarmherzig modern illustriert. Nun werden sie auch die lieben Backfische lesen, die einst Prevost's Offenbarungen genossen, denn diese Westermann'sche Bibelausgabe ist so wunderbar leserlich, so elegant und dabei so behaglich, daß sie sich wie eine Zeitschrift liest, in der der liebe Gott Artikel veröffentlicht. Und einen vornehmeren Mitarbeiter bekommt man nicht so leicht. Freilich wird es auch Menschen geben, die klagen werden, daß man der Bibel den Nimbus geraubt hat, Menschen, bei denen das Wort Bibel die lebhafte Vorstellung von alten Folianten, unerschütterlichem Gottesvertrauen und Großmutters Brille erweckt. Aber die find lächerlich veraltet und eventuell imstande, die Bibel im Urtexte zu lesen — wenn sie nicht gerade jüdische Politiker find. Thekla B l e ch-M e r w i n. Korrespondenzen« Ans den Plenarsitzungen des Knltnsvorftandes vom 21., 24. «nd 28. März 1909 unter dem Borsitze des Präsidenten Dr. Alfred Stern. Vor Eingang in die Tagesordnung hält der Vorsitzende dem plötzlich verstorbenen Vorstandsmitgliede Karl Seligmann s. A. einen warmen Nachruf. Er hebt die ausgezeichneten Eigenschaften des Verewigten hervor, schildert die außerordentlichen Verdienste, die sich der Verstorbene um das Judentum überhaupt, um die Hebung und Erhaltung des religiösen Lebens im X. Wiener Gemeindebezirke im Besonderen erworben hat. Die Entstehung des Tempels in diesem Bezirke ist zum großen Teile der unermüdlichen Hingabe des Verewigten zu danken, und seine unausgesetzte Sorge galt der Entwicklung und dem Aufblühen dieses Gotteshauses. Dem Kultusvorstande war es leider nur wenige Wochen gegönnt, dem Verstorbenen in seiner Mitte wirken zu sehen. Sein Hinscheiden hat die Kollegen im Vorstande, welche dem liebenswürdigen, überaus bescheidenen Manne die herzlichsten Sympathien entgegenbrachten, mit tiefer Trauer erfüllt. Sein Andenken wird im Kultusvorstande, wie in allen Kreisen, die ihn und sein Wirken kannten, ein gesegnetes bleiben. Der Präsident verfügt unter Zustimmung der Versammlung, die sich zum Zeichen der Trauer von den Sitzen erhoben hat, die Einverleibung dieser Kundgebung in das Protokoll. Im Einlaufe befinden sich: Ein Dankschreiben des Vereines der Sabbathfreunde (Schomre Schabbos) für das Eintreten des Präsidenten gegen die öffentliche, ostentative Entweihung des Sabbaths seitens einer jüdischen Studentenverbindun g. Ein Dankschreiben der Kultusgemeinde Brünn für die Kondolenzkundgebung des Wiener Kultusvorstandes anläßlich des Ablebens des Ehrenpräsidenten der Brünner Kultusgemeinde, Julius Ritter v. G o m p e r z. Ein Dankschreiben des Ehepaares Adam und Rosalie Kraus für die Glückwünsche des Vorstandes anläßlich ihrer goldenen Hochzeit. Ferner befindet sich im Einlaufe eine Zuschrift des Vorstandsmitgliedes Bernhard P o l l a ck Edler von P a r n a u, in welcher er mitteilt, daß er mit Rücksicht auf seinen geschwächten Gesundheitszustand sich veranlaßt sehe, sein Mandat als Kultusvorstand niederzulegen. Das Vertreterkollegium hat diese Zuschrift mit dem Ausdrucke des lebhaftesten Bedauerns

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