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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-03-19 · 12 (19.3.1909) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
12 (19.3.1909)
Date
1909-03-19
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 208 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 12 befindlichen Stiftungen und Widmungen für Wöchnerinnen an 14 P e t e n t i n n e n mit dem Betrage von EL 730.—. 2. Kindermilch seitens der israelitischen Armena n st a l t an 84 Petentinnen im Ausmaße von 4740 Liter mit dem Kostenbeträge von EL 1280.—. Statt st isches: Im Jahre 1908 sind im Geburtsbuche der israelitischer Kultusgemeinde Wien 2670 im Gemeindeg^biete der Stadt Wien erfolgte Geburten israelitischer Kinder eingetragen. Es beträgt somit die Zahl jener Geburtsfälle, rücksichtlich welcher seitens des Verbandes Unterstützungen bewilligt worden sind (unter Annahme von 601 Wöchnerinnen) rund 22-5 Perzent sämtlicher Geburten im Jahre 1908. Bemerkung: Ueber Anweisung der niederösterreichischen Landesgebäranstalt wurden im Jahre 1908 131 israe itische Wöchnerinnen, welche in dieser Anstalt entbunden haben, mit dem Betrag von K 2620.— von der isra elitischen Kultusgemeinde unterstützt. Der Verband zur Unterstützung armer israelitischer Wöchnerinnen ist eine Vereinigung der Wiener israelitische:! FrauenwohltäUgkeitsvereine zu gemeinsamer, planmäßig geregelter Pflege armer jüdischer Wöchnerinnen in einer den Anforderungen der Hygiene entsprechenden Weise. Hilfsbedürftige Wöchnerinnen erhalten Geldunterstützungen, Wäsche, Utensilien, Verstellung der Hebamme, erforderlichenfalls auch ärztliche Hilfe und Wartung durch eine Pflegeperson. Jüdische Frauen und Mütter! Gedenket Eurer armen Glaubensschwestern zur Zeit ihrer schweren Stunde! yelfet den Armen in dem Momente, da sie hilflos in bedrängter Lage fremden Beistandes bedürfen! Geldspenden und für die Wöchnerinnenpflege geeignete Naturalien — außer Verwendung gesetzte Bett-, Leib- und Kindswäsche in hygienisch unbedenklichem gebrauchsfähigem Zustande — werden erbeten an den Verband zur Unterstützung armer, israelitischer Wöchnerinnen, I., Seitenstettenaasse Nr. 2. Diese Gaben wollen mit Namensnennung oder anonym gewidmet werden. Naturalien werden über Wunsch auch abgeholt. Das siebzigjährige Jubiläum des ungarischen Porzellans. Die Ungarn haben heuer Gelegenheit, das Jubiläum der ungarischen Porzellanmanufaktur in Herend bei Veszprim, welche 1839 zur Zeit des allgemeinen Strebens nach Begründung einer nationalen Industrie in Ungarn von Moritz Fischer errichtet wurde, zu feiern. Die Herender Porzellanmanufaktur ist schon bald nach ihrer Gründung durch die außerordentlichen Vorzüge ihrer Produktion, welche in der getreuen Nachahmung der ältesten und schönsten Arbeiten in Porzellan bestand, zu allgemeiner Anerkennung und unbestrittener Berühmtheit gelangt. Das rasche Aufblühen eines, derartigen Industriezweiges in einem so exklusiven ' Agrikulturlande, wie es damals Ungarn gewesen ist, war schon an sich eine der merkwürdigen Erscheinungen in der Kulturgeschichte Ungarns. Sie war ausschließlich das Verdienst der eigenen Kraft und Energie ihres jüdischen Gründers und seiner Söhne, die jahrzehntelang die größten Erfolge errangen, ohne sich einer Förderung und Unterstützung von seiten der Wiener Porzellanfabrik zu erfreuen. Dagegen hatte die Herender Fabrik den Erfolg einer zweiten Blüte, während das berühmte Wiener Etablissement sich von seinem Niedergange nicht mehr zu erholen vermochte. Die Herender Porzellanfabrik wurde von den Ungarn als ein nationales Unternehmen betrachtet und wurde nicht bloß von den Familien des damaligen ungarischen Adels, sondern auch von Ludwig Kossuth gefördert. Sie hat den Krieg von 1848/49 glücklich überstanden, während ihr Begründer und seine Söhne in den Reihen der nationalen Armee standen. Schon 1846 hatte die Fischer'sche Fabrik in Herend mit der Ausstellung von Imitationen des Meißner Porzellans in Wien Aufsehen erregt und das Ehrendiplom errungen, und als, wenigstens zum Scheine, ruhige und ftiedliche Zustände in Ungarn hergestellt waren, errang Herend in der ersten Londoner Weltausstellung einen großen, für seinen Weltruf entscheidenden Erfolg. Ebenso großartig war der Erfolg in der ersten Pariser Weltausstellung von 1855. Es waren dies jene Zeiten, in welchen das Kunstgewerbe in Oesterreich auf den tiefften Punkt des Niederganges herabgesunken war. Als die Weltausstellung von 1873 in Wien stattfand, hatte Herend unter der Leitung der Söhne des alten Moritz Fischer, Desider und Leo, und seiner genialen Schwiegertochter Katharina, den Höhepunkt der Vollendung erreicht, und Kaiser Franz Joseph kaufte unter den Herender Prachtstücken die Ehrengeschenke für seine fürstlichen Gäste. Die Leistungsfähigkeit der Herender Porzellanmanufaktur zeigte sich damals namentlich in der Imitation der chinesischen Porzellantassen. Im Jahre 1884 mußten die Eigentümer von Herend eine Subvention von der ungarischen Regierung verlangen, und durch die Vermittlung des Handelsministers Grafen Paul Szechenyi wurde Herend in eine Aktiengesellschaft verwandelt, die sich auf die Erzeugung billiger Marktware verlegte. Im Jahre 1897 kaufte aber Eugen von Farkashazy, der Enkel des ersten Begründers von Herend, das Etabliffement wieder zurück und erneuerte die alten rühmlichen Traditionen des Hauses. Dies bewies schon der glänzende Erfolg, den Herend bei der Pariser Ausstellung von 1900 hatte. Herend hat sein altes Renommee wiedergewonnen. Gründungsfeier des Vereines „Afike Jehuda". In würdiger Weise beging der Verein „Afike Jehuda" die Feier seines vierzigjährigen Bestandes. Im Hotel Bristol, wo die Festlichkeit stattfand, hatten sich die Freunde des Vereines überaus zahlreich eingefunden. Als erster sprach Rabbiner Dr. H. Ehrentreu aus München über den einstigen Prager Oberrabdiner Lippmann Heller, der sowohl durch den Ruhm seiner Gelehrsamkeit als auch durch seine wechselvollen Schicksale denkwürdig ist. Lippmann Heller, geboren 1579, war Oberrabbiner in Prag und Wien, wurde durch gehässige Verleumder eines Religionsfrevels beschuldigt und zu einer hohen Geldstrafe verurteilt, die seine Freunde für ihn erlegten. Des Landes verwiesen, wurde er Rabbiner in mehreren Städten Rußlands und starb als das geistige Oberhaupt der Krakauer Gemeinde. Redner streifte zum Schluß seiner gehaltvollen Rede die wissenschaftliche Tätigkeit Heller's, deren wertvollstes Ergebnis das Buch „Tossafot Jomtof" ist. Einen historischen Rückblick auf die vierzigjährige Tätigkeit des Vereines warf dessen Obmann Rabbiner Prof. Dr. Aladar Deutsch. Der Verein wurde zum Andenken an den Prager Rabbiner Jehuda T e w e l e s im Jahre 1869 gegründet und entfaltete bald eine rege Tätigkeit. Gründende Mitglieder waren die Herren V. S. B o n d y, Dr. Jakob Braun, JakobJ.Freund, Simon Ge h angmacher, B. A. I e i t e l e s, - Ephraim L ö b l. Hermann Schütz, Moritz U n g e r, Michael Wiener, Leopold Wolf. Auch Dr. Ludwig Bendiener und Dr. Arnold Rosenbacher gehörten dem Ausschuß an. Es wurde eine Vereinsbibliothek und ein Lesezimmer eingerichtet und zahlreiche Vorträge gehalten. Nach diesen Blütejahren folgte eine Zeit des Rückganges, bis der Verein wieder einen Aufschwung zum Besseren nahm. Redner machte Mitteilung davon, daß in der am 21. Februar 1909 abgehaltenen Generalversammlung die Herren Hermann Schütz, B. A. Iei teles, Dr. Rosenbacher, Dr. Bendiener und der Schwiegersohn T e w e l e s', Herr Rabbiner Prof. Salomon Knöpfelmacher, anläßlich seines 75. Geburtstages zu Ehrenmitgliedern gewählt wurden. Ueber Rabbi Jehuda Teweles sprach dann in anregender Weise dessen Enkel Rabbiner Friedrich Knöpfelmacher. Teweles wurde 1808 in Prag geboren, erlernte das Uhrmachergewerbe und erregte schon in jungen Jahren durch seine Gelehrsamkeit Aufsehen. Zum Rabbiner ernannt, entfaltete er dann eine jahrelange Tätigkeit und sein 1869 erfolgter Tod erweckte nicht nur in Prag allgemeine Trauer. Von seinen zahlreichen Schülern sind die Prager Rabbiner Prof. Salomon Knöpfelmacher und Moses Stark zu nennen. Hierauf erhob sich Prof. S. Knöpfelmacher und dankte mit bewegten Worten für die ihm zuteil gewordene Ehrung. Schließlich erzählte Herr Simon Teweles, der Sohn Rabbi Jehudas, Anekdoten aus dem Leben seines Vaters. Offene landwirtschaftliche Lehrstellen für junge Israeliten. Die A. und F. Simon'sche Stiftung zu Hannover (Hansahaus) vermittelt seit einiger Zeit jungen Israeliten, die sich der Landwirtschaft zuwenden wollen, Lehrstellen. Die Nachfrage nach solchen Stellen wird allmählich erfreulich rege. Auch befinden sich unter den stellesuchenden jungen Leuten solche aus begüterten Familien. Die Simon'sche Stiftung prüft jeden einzelnen ihr vorgelegten Fall genau, sowohl mit Rücksicht auf die Verhältnisse des Gutes, auf dem der junge Mann beschäftigt werden soll, als auch inbezug auf die persönlichen Verhältnisse des Stellesuchenden, erteilt im einzelnen Falle Ratschläge über die Form der Ausbildung und unterstützt Mittellose unter Umständen durch Beihilfen. Erfreulicherweise finden sich neuerdings auch mehr jüdische Gutsbesitzer bereit, junge Glaubensgenossen zur Ausbildung auf ihren Betrieben, aufzunehmen. Eine Rundfrage von Dr. Katz, des Syndikus der Stiftung, bei etwa 100 größeren, jüdischen Grundbesitzern der Ostproyinzen

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