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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-03-12 · 11 (12.3.1909) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
11 (12.3.1909)
Date
1909-03-12
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 11 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 191 spräche der Sprecherin Grete Löss, dankte Herr Dr. Zwick tief gerührt und erflehte seinen Segen üver die Kinder. Nachdem noch Herr Kultusvorsteher Sigmund Fürst den neuen Seelsorger auf der Estrade willkommen geheißen hatte und denselben zu seinem Sitze geleitete, begann die eigentliche Feier mit der Absingung des „Ulatowu“. Hierauf folgte das Minchagebet. Nach Vollendung desselben betrat Se. Ehrwürden die Kanzel und hielt in fast einstündiger, glänzender Rede die andächtigen Zuhörer in Atem. Die einschlägigen Gebete und Gesänge gelangten vom Herrn Oberkantor Wilhelm Lustig in exakter Werre zum Vortrage. Mit dem „Olenn" und einem nachfolgenden „Postludium“ schloß die erhebende Feier. Am Abend desselben Tages fand im kgl. städtischen Redoutensaale zu Ehren der Ankunft Sr. Ehrwürden, sowie aus Anlaß des bereits 30jährigen Bestandes der Chewra-Kadischa ein Festbankett statt, an welchem die meisten Mitglieder der Kultusgemeinde teilnahmen. Der Obmann des Vereines Herr Emanuel Adler warf einen Rückblick auf die segensreiche Tätigkeit d s Vereines, gedachte der dahingeschiedenen Mitglieder, welche sich Verdienste um den Verein erworben haben. Er schloß mit einem Toaste aus den Rabbiner Herrn Dr. Zwick. Dieser erwiderte in längerer Rede, die durch Ihren Humor und Witz den größten Beifall fand. Es wurden noch mancherlei Reden gehalten und verschiedene Toaste, darunter einer auf Seine Majestät den Kaiser ausgebracht. Noch lange blieb man in fröhlichster Laune beisammen und erst in vorgerückter Nachtstunde verließen die Teilnehmer in gehobener Stimmung den Saal. Ilm das Zustandekommen des gelungenen Abends haben sich in hervorragender Weise die Vorstandsmitglieder der Chewra-Kadischa Herren Jakob Herzog und Heinrich Zweigenthal hervorgetan. Auszeichnung eines jüdischen Lehrers. Wie das „Budapester Amtsblatt" mellet, bat der Kaiser dem Szolnoker Lehrer Eduard Finger anläßlich seines fünfzigjährigen Lehrerjubiläums das goldene Verdienstkreuz verliehen. Aus diesem Anlasse fand im städtischen Rathause eine Festsitzung statt, in welcher der Oberstuhlrichter Paul Winkler dem Lehrer das Verdienstkreuz in Begleitung einer Festrede an die Brust hütete. Abends fand zu Ehren des Ausgezeichneten ein Festbankett statt. Hohe Gäste bei der Trauerandacht für Baron Günzburg. Aus Petersburg wird berichtet: Am 2. März fand die erste Trauerandacht für den verstorbenen Baron Horace Günzburg statt. An der Trauerandacht haben sämtliche angesehenen Mitglieder der Petersburger jüdischen Gemeinde teilgenommen. Es waren auch die Leiter fast aller städtischen Behörden, Mitglieder der Aristokratie, Prinzessin Oldenburg, Graf Witte u. m. a. anwesend. Oxford. Die Universität hat dem Professor Felix Liebermann -Berlin honoris causa den Grad eines Doktors of civil law verliehen. Oefterreichische Auszeichnung in Salonichi. Der Kaiser hat dem Kaufmanne Isak N. Aseo in Salonichi in Anerkennung seiner Verdienste um die Hebung des österreichischen Handels in der Türkei das Ritterkreuz des Franz Joseph-Ordens verliehen. Neues jüdisches Tagblatt in Salonichi. Seit dem l. d. M. erscheint in Salonichi ein neues jüdisches Tagblatt in spaniolischer Sprache. Das Blatt führt den Titel „El Jmparcial" und ist ein Bruderorgan des von demselben Herausgeber geleiteten Tagblattes „Progres de Salonique". Paris. Theodor R e i n a ch. der jüngste Bruder von Josef und Salomon Reinach, ist zum Mitgliede der Akademie der Inschriften und schönen Künste gewählt worden. Es gehören nunmehr der Gesamtakademie l Institut de France) zehn Glaubensgenossen an: vier, Michael B r e a l, Salomon Reinach, Theodor Reinach und Henry Weil, der Akademie der Inschriften usw., drei, Michel Levy, Moritz Livy und Gabriel Lippmann, der Akademie der Wissenschaften, zwei, Lyon-Caöu und B e r g s o n, der Akademie der moralischen und politischen Wissenschaften, einer, Baron Edmund von R o t hschild, der Akademie der schönen Künste. Feuilleton. Girre alte Kegende. Novelle von M. D. Rywkin. Uebersetzt aus dem Russischen von Malvine Blumberg. Zweimal hatte der Schammes mit seiner breiten knochigen Faust auf den Tisch geschlagen und die Zuhörer aufgefordert, sich ruhig und still zu verhalten. Die wenigen, in dunklen, verrosteten Messingleuchtern steckenden Talgkerzen erzitterten leise und ihr flimmerndes unstetes Licht huschte über das vergilbte Pergament der der zusammengerollten „Megillah". Der großgewachsene. hagere Vorleser mit dem schwärzen, kleinen Bart und den eingesunkenen, in fieberhaftem Glanze glühenden Augen neigte sich tief über die dunklen, von der Hand eines geübten Schreibers in dichten Reihtn aufgestellten Buchstaben, — und das alte Pergament begann zu reden. Es sprach in einer eigenartigen, wilden Melodie. Es war nicht die schluchzende, herzergreifende, seelenerschütternde Klage Ieremia's. nicht der einschmeichelnde, sonst melancholische Sang der Idylle Ruths, es war auch nicht der machtvolle, hinreißende Akkord der im „Lied der Lieder" verkörperten, orientalischen Liebe und Leidenschaft. Eintönig, mit hie und da erfolgenden Ausbrüchen, düster wie das Schicksal des Stammes, der so viel gelitten, ungleich und launisch wie das Wesen jenes Despoten, unter dessen schwer auf ihm lastendk'n Herrschest das Volk sich io lange gequält, — drang diese Melodie tief in die Seele der Hörer und entrollte vor ihren Augen der Reihe nach die Bilder einer entfernten, längst vergangenen Zeit. Da war die poetische Landschaftsmalerei neben dem wilden, in Liebe und Sinnlichkeit dahinschmelzenden Orient, mit welchem sowohl Israels Ruhm wie seine Leiden so eng verbunden sind. Sonderbare, in Gold und kostbaren Juwelen blitzende Paläste — und der Galgen: entzückende, duftende Gärten voll vom Zauber heimlicher Liebe — und das kalte Dunkel der Gefängnisse: Ströme verschwenderisch ausgegossener Weine — und Blutgeruch: die wilde Orgie der Schmausenden — und das Aechzen der Verstoßenen und Verachteten: kostbarer Byssus und Purpur, — ebenso mit Füßen getreten wie die heiligsten Menschenrechte. — gleichviel ob die kaiserliche Gemahlin oder die letzte der Sklavinnen in Betracht kam, — all' dies zieht wie ein eigenartiger, buntfarbener Kaleidoskov vor den Augen der stummen Menge vorüber, die aufmerksam der alten und doch ewig neuen Erzählung lauscht. * - ■- In der Synagoge herrscht Stille. Von Zeit zu Zeit nur hört man in den Ecken, hinter dem Ofen, ein unruhiges. sich wiederholendes Geräusch. Es sind dies die im Hinterhalt liegenden, bewaffneten Kräfte der Heranwachsenden Generation, die bereit sind, dem verhaßten Feinde mit dem Schwert in der Hand mutig entgegen zu treten. Und in der Tat. kaum strömt in der Schilderung der bald märchenhaften Genüsse, bald abgrundtiefen Qualen, die den orientalischen Despoten, den Herrscher über Geschicke umgeben, der verhaßte Name Hamans hernieder, als sofort, aus allen Ecken des weiten Raumes der Siegesruf der Bewaffneten erklingt, zu dem sich lautes Schlagen und das Klappern der Rasseln gesellt, der einzigen Waffe des kriegerischen Israels. Dieser Lärm würde einen Jeden erschrecken, aber der Verfechter der Bosheit und des Zornes, der würdige Nachkomme der Amalekiter, welche die Ersten waren, die dem jugendlichen Israel auf dem Wege ins gelobte Land entgegentraten, auf dem Wege zur ersehnten Freiheit, der Urenkel des vom Propheten Samuel einst be-

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