Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 11 (12.3.1909)
- Date
- 1909-03-12
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 188 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 11 hat sich daher ein Komitee gebildet, das sich die Aufgabe gestellt hat. die Vorbedingungen zur Errichtung einer Kultusgemeinde zu schaffen. Dasselbe wendet sich vertrauensvoll an den Gemeinsinn und die Opferfreudigkeit der Glaubensgenossen mit der ergebenen und dringenden Bitte ihr Scheiflein beizutragen zum Gelingen dieses hehren Werkes — zu Nutz und Frommen des Judentums, zum Ruhme und zur Ehre Gottes! Das Komitee: Dr. Martin 8 z i g e ti Obmann. Sigm. Kurz Dr. 8. Ebel Obmann-Stellvertreter. Schriftführer. Adolf Freund, Josef Nathan, Michael Sternbach, Apotheker, Dr. Julius G r a f, Dr. U. B r e 11 h o 1 z, Rabbiner, Triest. Die Namen jener edlen Spender, welche einen Betrag von mindestens 2000 Kronen leisten, werde n für ewige Zeiten auf der marmornen Gedenktafel in dem zu errichtenden" Tempel verzeichnet, die Namen derjenigen, die eine einmalige Spende von mindestens 500 Kronen erlegen, werden zur bleibenden Erinnerung in dem Ehrenbuche der Kultnsgemeinde eingetragen, die Namen aller anderen Spender werden öffentlich ausgewiesen. Die Namen der Spender werden in der „Oesteireichischen Wochenschrift“ veröffentlicht. (gttte Deputation jüdischer Bäcker im ungarischen Handelsministerium. Aus Budavest wird berichtet: Eine Deputation jüdischer Bäcker erschien dieser Tage unter Führung des Abgeordn. ten Ludwig Fried im Handelsministerium, woselbst sie vom Staatssekretär Josef Sterenyi empfangen wurde. Die Deputation bat um Abhilfe gegen das Nebel, welches darin liegt, daß die jüdischen Bäcker am Sonntage infolge des landesgesetzlicheu nnd am Samstag infolge des religiösen Verbotes nicht arbeiten können und daher in ihrem Erwerbe empfindlich geschädigt werden. Die jüdischen Bäcker glauben, daß man rhnen wenigstens gestatten könnte, am Sonntag um 12 Uhr Nachts mit der Arbeit zu beginnen. In seiner Antwort verwies Staatssekretär Sterenyi darauf, daß diese Frage nicht nur die Munkacser, sondern sämtliche Bäcker des Landes berühre. Die Frage der Sonntagsruhe fei jetzt in Verhandlung und Handelsminister Kofiuth beabsichtige, dieselbe ehestens zu erledigen. Seinerseits versprach Sterenyi der Deputation, in ihrem Jntereffe das Möglichste zu tun. Konkurrenzkampf um jüdische Mittelschüler. Aus Miskolcz in Ungarn wird uns von einem drolligen Konkurrenzkampf berichtet, der zwischen dem dortigen katholischen und protestantischen Obergymnasium entbrannt ist. Das katholische Gymnasium möchte gerne die Zahl seiner Schüler vermehren und schreit nun Zeter und Mordio über die Inferiorität der protestantischen Mittelschule, um die jüdischen Schüler, welche die protestantische Schule besuchen, für sich zu kapern. „Bei uns," heißt es in einem katholischen Aufrufe, „ist der Lehrplan besser, die Schüler haben Zeit genug, Privatstudien zu treiben, und — was die Hauptsache ist — bei uns gibt es keinen Antisemitismus." Demgegenüber erklärt die Direktion der protestantischen Schule hoch und heilig, daß nirgends bester unterrichtet werde, als in ihr und daß es den jüdischen Schülern in der ganzen Welt, auch Palästina nicht ausgeschlosten, nicht bester gehen könnte, als im protestantischen Gymnasium von Miskolcz. Die Juden, die sich gerne mit beiden Parteien vertragen möchten, wiffen sich in diesem embarras de richesse nicht zu helfen, denn sie wissen ganz gut. daß sie, wie sie jetzt die gesuchten Lieblinge sind, zuletzt denn doch die Prügelknaben der beiden streitenden Parteien sein werden. Die Erforschung des Toten Meeres. Dieser Tage ist nach Palästina eine Expedition abgegangen, die sich die Erforschung des Toren Meeres zum Ziele gesetzt hat. Die Expedition besteht, der „Italic" zufolge, aus zwanzig Personen, darunter neun Dominrkaner und eine Anzahl Ordensleute aus Frankreich, Belgien, Deutschland, Holland, England und Amerika. Die Leitung der Expedition haben die Professoren der Bibelschule der Dominikaner in Jerusalem; sie haben für eine bestimmte Zeit den einzigen Dampfer gemietet, der das Tote Meer befährt; die Mitglieder der Expedition schlafen on Bord des Schiffes und machen untertags ihre Ausstüge. Die Expedition hat topographische, archäologische und naturwissenschaftliche Zwecke, und man erwartet, daß sie die bisherigen Kenntnisse, die Louis Lortet, Guillaume Rey, Vugüe nnd andere Forscher uns über das Tote Meer vermittelt haben, wesentlich erweitern werde. Es ist bereits anerkannt, daß der Kern der biblischen Erzählung richtig ist, wonach an der Stelle des Toten Meeres sich Städte befunden haben, die durch eine Katastrophe vernichtet worden sind. Das Tote Meer verdankt seine Entstehung einertiefen Einfenkung, die durch den Hauptzufluß, den Jordan, bis zu eiüer gewissen Höhe ausgefüllt worden ist; der Spiegel des Toten Meeres liegt heute noch 436 Meter unter dem Spiegel des Mittelländischen Meer.s. Das Tote Meer ist 75 Kilometer lang und bis 16 Kllometer breit; es findet sich in ihm kein Fisch, keine Pflanze, keine Koralle und keine Muschel. Sein Boden enthält namentlich Asphalt und viel Salz; der Salzgehalt des Meerwassers beträgt 26'25 Perzent, während der Salzgehalt des Meerwassers sonst nuc 4 Perzent beträgt; das spezifische Gewicht des Wassers des Toten Meeres ist darum auch um ein Fünftel größer als das Gewicht des anderen Meerwassers. Man glaubt, daß aus diesem Grunde das Wasser des Toten Meeres besonders für therapeutische Zwecke geeignet wäre, und die Expedition wird wohl auch die Frage zur Errichtung von Kur- und Badeanstalten an den Ufern des Toten Meeres in den Kreis ihrer Forschungen und Beobachtungen ziehen. Das Einwandernngsverbot in Palästina nicht aufgehoben. Das hebräische Organ des „Misrachi", „Hamizpeh" in Krakau, schreibt ein Korrespondent aus Jerusalem, berichtet: Zu meinem großen Leidwesen muß ich Ihnen Mitteilen, daß die Nachricht der jüdischen Blätter, die auch im „Hamizpeh" erschienen ist, wonach das Einwanderungsverbot gegen die Juden in Palästina aufgehoben sei, leider nicht den Tatsachen entspricht. Der Herausgeber des „Hazewi", Ben Jehuda, hat wohl beim Gouverneur von Jerusalem Subchi Bey um die Abschaffung der roten Scheine, die den einwandernden Juden zum Zeichen, daß sie sich im Lande nicht anfiedeln dürsten, seit zehn Jahren ausgefolgt werden, angesucht, doch wurde dem Ansuchen nicht Folge geleistet. Noch heute werden den neuankommenden Juden die Pässe abgenommen und ihnen dagegen die roten Scheine ausgefolgt, wie unter dem alten Regime. Vor einigen Tagen kamen vier russische Juden nach Jaffa. Da sie nicht im Besitze von legalen Reisepässen waren, wurde ihnen die Landung verweigert und mußten aufs Schiff zurückkehren. Es ist notwendig, daß unsere jüdischen Brüder erfahren, daß das Einwanderungsverbot heute in voller Kraft besteht, wie vor der Konstitution. Hingegen habe ich eine andere Erleichterung zu verzeichnen. Auf Ansuchen des Herrn Mendl Krümmer in Jerusalem hat der Pascha von Jerusalem die alte Verfügung aufgehoben, wonach Juden, die türkische Untertanen sind, bei Ankauf von Häusern und Grundstücken bisher verpflichtet waren, einen Revers zu unterfertigen, daß sie die erworbenen Immobilien nicht an jüdische Einwanderer vermieten und auf demselben keine Synagogen errichten werden. Herr Krümmer wies darauf hin, daß diese Verordnung den Prinzipien der Konstitution widerspreche und das Ansehen der jüdischen Gemeinde erniedrige, weshalb sie aufgehoben werden müßte. Der Pascha stimmte dem zu und die Verordnung wurde annulliert. Dieser alte Usus war nicht nur ein lästiger Schandfleck für die Juden, sondern war auch mit materiellen Schäden verbunden, denn für jeden schlechten Revers mußte eine Gebühr von 20 Francs erlegt werden. Diese eigenartige Judensteuer betrug jährlich rund 20.000 Francs. Der sinnländische Frauenverein über die Rechtlosigkeit der Juden. Vorige Woche hielt der finnländische Frauenverein „Union" in Helsingfors eine Versammlung ab, in welcher die Schriftstellerin Helene Westerman ein Referat über die Lage der Juden in Finnland hielt. Die Referentin besprach eingehend hie Ungerechtigkeit und die Härte der finnländischen Gesetze gegen die Juden. Diese Gesetze seien ein Erbe aus jener Zeit, da die Schweden das Land beherrschten. Inzwischen aber habe Schweden in seinem eigenen Lande gerechte und humane Gesetze betreffend die Juden geschaffen, während in Finnland alles beim Alten geblieben ist. Die Korreferentin, Lehrerin Tengen, verwarf wohl im Prinzipe gleichfalls die ungerechten und veralteten Judengesetze, meinte aber, daß es inopportun wäre, im gegenwärtigen Zeitpunkte all zu hohe Forderungen zugunsten der Juden aufzuflellen. Jetzt, wo die Juden in Rußland allerorten so stark verfolgt werden, wäre es für Finnland zu gewagt, alle seine