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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-03-05 · 10 (5.3.1909) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
10 (5.3.1909)
Date
1909-03-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 10 Dr. Bloch’s Jahrgang IXV1 Zentraloroan kür die gesamten linteressen des Judentums- -□...□- Wien, 5. März 1909 Lrscbeint jeden Freitag. Brief-Adresse: Wien, IX/i, Hahngaffe 15. Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift, Wien. Verugs^reis für Vestrrrrirkz: Halbjährig 8 Kronen; , Einzelexemplare 50 Heller. Für'« Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig £0 Kronen. Anzeigen: Die 4malgespaltene Petitzeile 24 Heller. C, Q CF^- ■ —o o * K. ft. Postsxarftassenamt Lleartng--Verk ebr Mr. 810.976. RedaMon und Administration: wirn IX/i. Hahngaffe Nr. 15. i Telefon Nr. 14.847. Q P--- -Q Q Inhalt: L e ita rt i kel: Baron Horace von Günzburg s. A. — Die Radikalen als Werkzeuge der Reaktion. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Wirtschaftliche Aufgaben des Wiener Judentums. Jüdische Studenten. Aufreizung zum Boykott gegen Juden — keine unsittliche Handlung. — Eine Bemerkung zur Serubabel-Studie. — Die Bibelschule und der Unterricht an derselben. — Korrespondenzen: Die Aktion des „Qesterreichischen Gemeindebundes" für die bosnischen Juden. Der Präsident der israel. Kultusgemeinde, Dr. Alfred Stern, und die jüdisch-akademische Verbindung „Unitas". Zur Reform der Armenpflege. Baron Sigmund Kornfeld. Verein israelitischer gedienter Soldaten in Nikolsburg. Verein der Holleschauer. Albert Landau. Adolf Freyban. Königin Leonore in einer jüdischen Schule. — Vermischtes: Kranzablösungsspenden rc. Mark Antolski. Wien. Jüdische Toynbeehalle, XV., Herklotzgasse 21. Beth-Hamidrasch. Lese- und Redehalle jü-, ischer Hochschöler in Wien. Verein zur Bekleidung und Unterstützung armer alter Männer israelitischer Konfession. Austritte aus dem Judentum. Meran. Brünn. Tschechischer Antisemitismus. Berlin. Misrachi-Mitteilung. Paris. New-Aork. — Feuilleton: Purim. — Literatur. — Briefkasten. — No.izen. — Inserate. Karo« Harare von Günzburg s. A. Aus St. Petersburg kommt soeben die Trauerkunde, daß in der vergangenen Nacht dort der bekannte Philanthrop Horace Baron von Günzburg gestorben ist. Im Jahre 1832 geboren, genoß er eine ausgezeichnete Erziehung — er beherrschte das Hebräische in hervorragendem Maße und sprach perfekt russisch, deutsch, französisch und englisch — und trat in jungen Jahren seinem Vater Joseph Günzburg in der Leitung der von diesem gegründeten Bankhäuser in St. Petersburg und Paris zur Seite, welche Leitung er nach dem im Jahre 1879 erfolgten Ableben seines Vaters selbständig übernahm. Er wurde hessischer Generalkonsul in St. Petersburg und erhielt vom Großherzog von Heffen den Freiherrnstand, welche Standeserhebung mittelst Dekrets der ruffischen Regierung — der Verstorbene war bekanntlich russischer Staatsangehöriger — in seinem Heimatlande bestätigt und anerkannt wurde. Zar Alexander II. verlieh ihm die Würde eines wirklichen Staatsrates, mit welcher in Rußland der Titel „Exzellenz" verbunden ist, und in der Folge erhielt er den russischen Stanislaus-Orden 1. Klaffe und anläßlich seines siebzigsten Geburtstages den Annen-Orden I. Klasse. Schreiber dieser Zeilen nahm damals an der großartigen Feier teil, an der ganz Rußland sich beteiligte, und war Zeuge der seltenen Ovationen, die dem nunmehr Verewigten von der gesamten — nicht nur jüdischen — Bevölkerung Rußlands dargebracht wurden. Der damalige Finanzminister Witte brachte ihm persönlich den Annen-Orden in die Wohnung. Seine Verdienste am seine Glaubensgenossen waren aber auch ganz hervorragende. Waisenhäuser und Spitäler hat er geschaffen und kaum gibt es in Rußland eine Wohltätigkeitsstiftung, an deren Gründung oder Förderung er nicht 'teilgenommen. Unermüdlich tätig für die Besserung der drückenden Lage der russischen Juden, ist es ihm durch seine einflußreichen Beziehungen oft gelungen, manche Härte zu beseitigen oder zu verringern. Und er scheute keine Opfer, wenn ga galt, im Dienste der Humanität tätig zu sein. Ja, sogar mit Hintansetzung seiner eigenen persönlichen Interessen wirkte er unaufhörlich für das Wohl Anderer. — In ununterbrochenem Verkehr mit allen jenen Institutionen, die ins Leben gerufen wurden, um jüdische Interessen zu fördern, mit ihren Vertretungen in Berlin, Paris, London und New-Aork, scheute er selbst in hohem Alter nicht, lange Reisen zu machen, um an wichtigen Beratungen teilzunehmen. pan©» xbi psm S>k Sen Und wer kommt nach ihm? — — Ein Leben reich an Arbeit und an Erfolgen ist mit ihm dahingeschwunden! Im Juli 1907 erkrankte er an einem schweren inneren Leiden, mußte sich einer Operation unterziehen, welche von Prof. Hochenegg im Sanatorium Löw in Wien vorgenommen wurde, und genas zwar; — den Eingeweihten aber war es leider kein Geheimnis, daß die Hand des Todes ihn bereits berührt hatte. Noch zwanzig Monate lebte er, — aber es war ein langsames Sterben, dieses Scheinleben. — Nun hat ihn der Tod sanft erlöst. — An seiner Bahre trauern 7 Söhne und 3 Töchter mit einer Schar von 40 Enkeln. — Bei der Einen seiner Töchter, Frau Mathilde von Gutmann, pflegte er alljährlich in Wien und Baden längere Zeit als Gast zu weilen und vor fünf Wochen ist sie zum schwerkranken Vater nach Petersburg gereist, um in den letzten Tagen seines Lebens ihn noch zu pflegen. Die Leiche des Verewigten wird nach Paris gebracht und an der Seite seiner vor mehr als 30 Jahren verstorbenen Gattin zur Ruhe gebettet werden. Dr. A. K. In Nr. 6 der „Oesterreichischen Wochenschrift", Jahrgang 1885, haben wir versucht, ein Bild dieses seltenen Mannes als Mensch, Kaufmann, Bürger, Jude, Philanthrop und persona publica zu entwerfen, und wir entnehmen jenem Artikel nachstehende Stelle: „Eine große, stämmige, imposante Figur, von edler und vornehmer Haltung, mit einem schön geformten Kopfe, ernem von dunklem Vollbarte umrahmten schönen Gesichte, mit regelmäßigen Zügen bildet das unbedingt angenehme und sympathische Aeußere des Baron von Günzburg. Feine, distinguierte Manieren und ein nobles Benehmen zeigen in ihm den Mann von guter Herkunft und sorgfältiger Erziehung und Bildung. In der Tat gehört H. v. G. zu einer der besten Familien Rußlands, und schon sein Großvater war unter dem Namen Reb Gawriel Jacow nicht bloß in seiner Vaterstadt WitebSk, sondern auch in den weitesten Kreisen des „Ansiedlungsrayons" der rusiischen Juden als frommer, wohltätiger, patriotisch gesinnter und reicher Jude bekannt und geachtet, der bereits in den ersten Dezennien dieses Jahrhunderts als einer der vornehmsten Kronpächter in Petersburg oft seinen Aufenthalt nahm, wo er reiche Gelegenheit batte, für seine armen bedrängten Brüder mit Rat und Tat einzuschreiten. Dessen Gemahlin war schon damals ihres feinen Verständnisses wegen für die hebräische Literatur unter den damaligen neuhebräischen Schriftstellern eine gefeierte Persönlichkeit, die sie in Poemen verherrlichten und der

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