Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 9 (26.2.1909)
- Date
- 1909-02-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. 9 Jahrgang XXVI Dr. Bloch’s Zentralorgan für die gesamten Interessen des Judentums. -- Wien, 26. Februar 1909 Erscheint jeden Zfreitag. Brief-Adresse: Wien, ix/i, Hahngasse 15. Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift, Wien. OGfO Vr;ugspreks DO Tür ßefirrreicfj: C Halbjährig 8 Kronen: Einzelexemplare 50 Heller. Für s Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die 4mal gespallene Petttzeil- 24 Heller. < oP- - " .Q 0 6^ ——uo r N. ft. PofiTparftassenaniT Q Glearing^Werftebr Nr. 810.976. Redaktion und Administration: Viru U/i, Hahngaffe Skr. 15. Telefon Nr. 14.847. o p -O O Inhalt: Der Rücktritt des k. u. k. General-Oberstabsarztes Sr. Exzellenz des Geheimen Rates Dr. Josef Ritter von Uriel. — Zurückgewiesen wegen mangelnder Legitimation. — Bo m Jahrmarkt des Lebens: Barbarismus deutschnationaler Studenten. Generalmajor Simon Vogel. Zur Vorgeschichte des Schachwettkampfes in Petersburg. Hohe jüdische Würdenträger im italienischen Justizdienste. Marmoreks Antituberknlose-Serum. Wie „Ritualmord"-Geschichten fabriziert werden. Die Bibelschule und der Unterricht an derselben. Der alte Orient und die Anfänge des zweiten jüdischen Staates. — Korrespondenzen: Die bosnischen Juden erhalten keine eigene Wahlkurie. Frequenz der Wiener israelitischen Gemeindebibliothek im Jahre 1908. Tempelbau- Verein des VIII. Bezirkes der Stadt Wien. Herrenhausmitglied Julius Ritter von Gomperz. Saaz. Zur Kofcherfleifchfrage. Böhmisch-Leipa. Dippelbaumbrand im israelitischen Tempel in Pilsen. Berlin. Kroatien. — Vermischtes: Kranzablösungsspenden rc. Vortragszyklus aus jüdischer Geschichte, Literatur und Kultur Wien. Verein für Krankenpflege und Unterstützung Handlungsangehöriger Israeliten. Verein „Ehewra-Kadisch" im 16. und 17. Bezirk. Verein „Ehewra-Kadischa", Wien, im 18. Bezirk. Konzerte der Toynbeehalle im 20. Bezirk. Jüdische Toynbeehalle, XV., Herklotzgasse 21. Beth-Hamidrasch „Talmud- Thora". Beth-Hamidrasch „Montefiore". Jüdischer Turnverein in Fünfhaus. Verein zur Ausspeisung armer israelitischer Schulkinder für den 16. und 17. Bezirk mit anqegliedertem Knaben- und Mädchenhort. Hietzinger Frauen-Wohltätigkeitsverein. Austritte aus dem Judentum. Kremsier. Prag. Pilsen. Olmütz. Aussig. Zablocie. Salomon Fantl. Budweis. Brief aus Pohrlitz. Breslau. Berlin. Feuilleton: Zwei jüdisch-persische Dichter Schahin und Jmrani. Eine alte, jüdische Anekdote und — Melin de Saint-Gelais. — Literatur. — Neue Bücher. — Briefkasten. — Inserate. Der Rücktritt des k. u. k. General-Oberstabsarztes, Kr. Grjeüenj des Geheimen Rates Dr. Josef Wter non Uriel. Nun ist er endlich dahin eingekehrt, wohin er so viele — leider nur zu viele! — verdiente Militärärzte vorzeitig und gewaltsam hinausgedrängt hat — in den Ruhestand! — Wir sind sicherlich die letzten, die ihm die wohlverdiente Ruhe nicht gönnen würden, und seine pensionierten Kameraden haben sogar Ursache, stolz zu sein, denn Ritter von Uriel ist der erste General-Oberstabsarzt, der erste Geheime Rat, die erste Exzellenz, die ihren Stand — den militärärztlichen Ruhestand — zieren wird. — Sollte jemand aus dem Publikum fragen: „Ja, hat denn der Uriel wirklich so viele Verdienste um die Hebung des Sanitätswesens in der Armee, daß er so außergewöhnlich ausgezeichnet wurde, wie es bis nun noch keinem anderen Chef des militärärztlichen Korps widerfahren ist?" so werden darauf — die „N. F. Preffe" hat es bereits getan — in mancherlei Journalen für ihn sehr schmeichelhafte Antworten erscheinen. Alle jedoch übertreffend wird ein gewaltiges Reklame-Bum-bum in der nächsten Nummer des „Militärarztes" von den Herren Redakteuren Dr. Heinrich Adler und Dr. Adolf Kronfeld über Se. Exzellenz erscheinen. Nicht so sehr aus Rücksicht auf dessen Persönlichkeit, die ja nunmehr ihren Einfluß verloren hat, als vielmehr wegen der 14. Abteilung, aus deren Hand man sozusagen das tägliche journalistische Brod empfängt. Die „N. Fr. Preffe" wußte schon von den großen Verdiensten des Ritters von Uriel um die Hebung des Militärsanitätswesens zu erzählen, indem sie die Errichtung der Applikationsschule, die Verbesserung der Avancementsverhältniffe im militärärztlichen Korps, die Vermehrung der Rechte und Verbesserung der Stellung (?) u. s. w. gedachte. — Nun. es |ci sine ira et odio festgefteHt, daß er in vieler Beziehung das Militärsanitätshat: aber die Errichtung der Applikationsschule, deren Wert übrigens von manchen bestritten wird, im Verein mit den nur an arische Mediziner verliehenen Stipendien. sowie die Verbesserung der Avancements-Verhältnisse und die Verleihung des Kommandorechtes in den Garnisonsspitälern, waren ja nur für die arischen Militärärzte gemacht und wurden andererseits als Mittel gebraucht, um dem einen für Uriel unverrückbaren Zwecke zu dienen: der Reinigung des militärärztlichen Korps von der semitischen Rasse! Dies ist ihm allerdings im vollen Maße gelungen. Allein der Status der Militärärzte hat hierdurch in erschreckender Weise gelitten, denn über 200 Oberärzte fehlen augenblicklich der Armee. Und was dieser Mangel zu bedeuten hat, empfinden nicht nur die Truppenkörper und die bei denselben dienstlich überlasteten Aerzte, sondern es kann dies auch eine Kalamität werden im Falle einer derzeit nicht ausgeschloffenen kriegerischen Verwickelung. Und da drängt sich denn unwillkürlich die Frage auf, ob es denn ratsam und geboten war. gerade in diesem kritischen Zeitpunkte den erfahrenen Chef ziehen und die Last der Arbeit, der erhöhten Anforderungen und der Verantwortung für ^in lückenloses Militärsanitätswesen aufsbte schwächeren schultern unerfahrener neuer Männer wälzen zu lassen! Und wirft man einen Blick auf die Mittel, mittels welchen die Militärärzte mosaischen Glaubens aus dem Korps hinausgedrängt wurden, so fällt einem das Wort Loyolas und seiner Jünger ein: Der Zweck heiligt die Mittel. Es wurden Regimentsärzte trotz ihres ausgezeichneten Wiffens bei der Stabsarztprüfung aus einem Gegenstände fallen gelaffen, um ihnen später, bei Erlangung der Charge eines Oberstabsarztes 2. Klaffe die Bemerkung in die Qualifikationsliste hineinzuschreiben: „Wegen des ungenügenden Erfolges bei der Stabsarztsprüfung zum Oberstabsarzt 1. Klaffe nicht geeignet." Auf diese Weise wurden viele, um uns des terminus technicus militaris zu bedienen, „umgebracht". Anderen wurde ihr in den meisten Fällen übrigens