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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-02-12 · 7 (12.2.1909) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
7 (12.2.1909)
Date
1909-02-12
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 132 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 7 „Sie müssen mit mir ins Beshamidrasch gehen", antwortete Groß. „In welches Beshamidrasch", fragte jener. „In die Schiurstnbe." „Ja, was dort machen, heute ist kein Schiur?" fragte Freud. „Kommen Sie nur, kommen Sie nur ins Beshamidrasch, dort sollen Sie schon alles andere erfahren." Es fiel den Begleitern wohl auf, daß Groß die Schiurstube heute konstant Beshamidrasch nannte, doch er forschte niemand nach dem Grunde; die Neugierde, was Lob Groß dem Freud in der Schiurstube zu sagen hatte, nahm alle gefangen. Sie liefen mehr als sie gingen, den Berg der Schlotzgrundgasse hinan, Lob Groß allen voran, stiegen die zwei Stockwerke zur Schiurstube hinauf, langten vor der Tür derselben pustend und nach Atem ringend an. „Herr Freud", begann Lob Groß, als er sich ein wenig verschnauft, „wissen Sie, zu welchem Zwecke ich Sie hierher geführt?" „Nein", antwortete Freud. „Sie wissen es nicht, dann", so sprach Groß mit erhöhter Stimme, „sind Sie ein Amhorez (Ignorant)." „Ich ein Amhorez". fragte Freud. „Gewiß", antwortete Groß. „Warum", fragte Freud, mit vor Zorn gerötetem Gesicht. „Warum, fragen Sie. Sehen Sie, daß Sie ein Amhorez sind", antwortete Groß, „sonst könnten Sie den Ausspruch unserer Ehachomim (Weisen): „im poga boch menuwel seh moschehehu lebeshamidrasch.*) Ohne Freuds Antwort abzuwarten lief Löb Groß die Treppen Hinab und seiner Wohnung zu. Freud lief wutentbrannt hinter ihm her, holte ihn aber nicht mehr ein. Literatur. Das Bucht vom Beda. „Getaufte und Baldgetaufte".*) Bevor wir dazu gekommen find, Bedas Buch zu besprechen, liegt schon die zweite Auflage vor uns. Das enthebt uns des Urteils über Wert und Unwert. Das Publikum hat auf die erste Serie im Handumdrehen Beschlag gelegt und wird auch die nächsten nicht bei den Verlegern staubig werden lassen. Gedichte, mit denen man Geschäfte macht, sind ein Weltwunder zu unseren Zeiten, wo die besten Lyriker Deutschlands von Gnadengaben leben. Aber Bedas Gedichte werden von den ersten Schauspielern in ersten Gesellschaften vorgetragen, werden von den ersten Buchhändlern mit Empfehlungen ausgehängt, bilden ein Stückchen des Tagesgespräches in Salons, wo vor kurzem nur Kainz, die Zimelienausstellung und das Volksbildungsheim die absolute Herrschaft hatten. Trotzdem sie vom Judentum handeln, das in eben diesen Salons mit großen Banne belegt wurde, weil es gewagt hat, die Besitzer mit seiner Anhänglichkeit zu belästigen. Beda hat nämlich auf einem ganz neuen, noch jungfräulichen Felde der Dichtkunst eine herrliche Ernte gemacht. Keine Lyrik, wo in jede einzelne Strophe der sentimentale Mond hineinscheint. Keine westöstlichen Rauuzelegien über einen senil gewordenen Ahasver mit tränenverwaschenen Gefühlen in mühsamen Reimen. Keine Trompetenliteratur auf hinkenden Versfüßen. Beda träumt nicht und schwadronniert nicht. Er dichtet über unsere Zeit und ihren Inhalt. Ueber die jüdische Zeit. Das macht er hinreißend. Beda hat eine königliche Gewalt in der Narreupritsche, ist witzig bis in die Fingerspitzen. *) Selbstverlag. Zu beziehen bei jedem Buchhändler. Aber ohne die jüdische Note zu verlassen, ist er himmelweit entfernt von jenem breiigen, abscheulichen Humor, mit dem die Juden sich selbst karikieren. Mit seinen Gedichten wollte Beda dasselbe, wie mit seinen Tendenzreden. Er ist Kadimahner und ein schneidiger Sprecher gegen knechtselige und lächerliche Asiimilation, kindliches Verstecken des unverst-ckbaren Judentums, erlogenes Gefühl für fremde Nationen, jüdischen und christlichen Antisemitismus, israelitisch-freisinnige Politik, gedankenlose Indolenz und Hoffart. Namentlich die Welt von Lächerlichkeit, die zwischen einer altererbten Judenuase und einem funkelnagelneuen, ostentativ getragenen Kreuze besieht, ist seine Domäne. Was er nun in Prosa dagegen sagte, goß er in wunderbare, dichterische Formen um, gedankentief bei aller Kürze, die Pointen satirisch zugeschnitzt, aufknallend wie ein Schuß. Beda ist ein sittlicher Dichter der jüdischen Gesellschaft, deren Verkehrtheiten er geraderichten will. Er weiß, daß der Weg zum Herzen der Juden durch das Zwerchfell geht, daß die sicherste Todesart für närrische Personen und Zustände das Totlachen ist und er läßt nichts lebendig, was ihm in die spöttischen Augen gerät. Das Gedicht vom Chemiker, der einen Juden mit allen möglichen Zutaten in allen möglichen Hitzegraden umzuschmelzeu sucht, dabei aber immer wieder einen Juden herausbekommt, ist die Krone der köstlichen Sammlung. Dann möchte ich das „Nikolofest" Herstellen, das von lauter Inden für ausschließlich nichtjüdische Zwecke veranstaltet wird — jede Zeile ein Schlager. Entzückend ist auch die Geschichte von dem deutschliberalen alten Juden, den das Deutschtum seines studentischen Sohnes so begeistert, der aber zu, einer Ohrfeige ausholt, weil der Sohn das Judentum unter das Deutschtum stellt. Das ganze Buch ist ein Kranz von Kostbarkeiten und es wird bei seinem billigen Preis sicherlich eine Massenverbreitung finden. Jeder Jude wird es besitzen wollen, um stets eine Stunde voll frischen, fröhlichen Humors eines originellen begnadeten Dichters genießen zu können, dessen scharfe Bosheit wohltuend vermengt ist mit glühender Liebe zum Judentum, das er nicht verhöhnen, sondern gutmütig bessern will. Und wer einen dummen Assimilanten, einen lächerlichen Getauften oder Baldgetauften in der Familie hat, der mag dem Manne postwendend Bedas glitzernden Ghettospiegel einsenden. Er kann sicher sein, daß der Adressat sich die Galle gründlich herausärgert. Es ist nur zu hoffen, daß der auch aus der „Jugend" bekannte Beda, dem Musketenzeichner Karl Josef feine, glänzende Umschlagzeichnung schuf — die Typen einer getauften Familie — nicht auf seinen Lorbeeren sitzen bleibt, sondern uns bald wieder etwas aus dem Ernst des Lebens in herzerfrischende, sprudelnde Satiren übersetzt. Hriefkafte«. „P. Salus" Dr. Minkowski, ordentl. Professor der Mathematik in Götttngen, der am 12. Jänner infolge einer Blinddarmoperation plötzlich aus dem Leben geschieden ist, war Jude. Wie wir von berufener Seite hören, war Minkowski eine Zierde der Wissenschaft, der ihre Grenzen in geradezu genialer Weise erweiterte und der im In- und Auslande von allen Fachgenossen als einer der allerersten Mathematiker der Gegenwart anerkannt war. Geboren 1864 in Rußland, studierte er in Königsberg und Berlin und erhielt 1893 einen Ruf nach Bonn als außerordentlicher Professor, wurde 1894 in gleicher Eigenschaft nach Königsberg berufen, wo er dann 1895 ordentlicher Professor wurde. Im nächsten Jahre wirkte er als ordentlicher Professor am Polytechnikum in Zürich, von wo er nach Göttingen berufen wurde. Sind. G. Einer soeben erschienenen Selbstmordstaiistik zufolge gibt es unter den Juden verhältnismäßig am wenigsten Selbstmörder. Nach dieser Statistik entfallen auf je eine Million Seelen bei Juden 25, griechischem Ritus 40, Römisch-katholischen 58 und Protestanten 190 Selbstmörder. K. L. Ueber die Feuerbestattung liegt folgende Statistik vor: Unter den 4050 Personen, deren Leichen im Jahre 1908

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