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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-02-12 · 7 (12.2.1909) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
7 (12.2.1909)
Date
1909-02-12
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 7 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 131 Frömmigkeit und große Intelligenz, seine Gelehrsamkeit und auch sein diplomatisches und rednerisches Talent verschafften ihm in allen Kreisen viele Freunde und Verehrer. Bei dem Leichenbegängnis, an welchem zahlreiche Verehrer des verblichenen Rabbiners von Nah und Fern teilgenommen hatten, war der Vorstand der Wiener israelitischen Kultusgemeinde durch sein Mitglied kais. Rat Sigmund K a u d e r s und Sekretär Doktor Emil Adler vertreten. Antisemitismus in Palästina. Die „N. Fr. Pr." meldet aus Konstantinopel: Der öfter' reichische Konsularagent in Sased in Palästina berichtet über Bedrohungen der dortig?« österreichischen Judenkolonie: die Lokalbehörde sei gewaltsam mit der Polizei in die Häuser der österreichischen Juden gedrungen und habe die Türen und Hausmöbel zertrümmert. Der Konsularagent wurde beschimpft. 300 österreichische Judenfamilien schweben in Angst vor dem Ausbruch der Bolkswut. Feuilleton. Im poga boch menuwel seit.*) Bon Dr. F. Rich. Heinschel. Es lebt noch in der Erinnerung gar vieler der langjährige Rosch Jeschiwa von Preßburg, Rabbi Lob Groß. Der breitschulterige Mann mit dem spärlichen Bartwuchse und dem glänzenden struppigen Haar, welches borstenartig von dem wie mit der Art zugehauenen Schädel abstand, war eine eigenartige Erscheinung, eine Persönlichkeit, die einen nicht gar leicht aus dem Gedächtnisse schwindet. Der große Mund mit großen, schaufelartigen Zähnen stand immer, auch wenn er nicht sprach, halb offen. Das ganze Gesicht hatte etwas tückisches, mephistoartiges an sich, und doch war der Mann herzensgut und voll väterlicher Fürsorge für die armen Talmudjünger; freilich saß ihm der Schalk im Nacken, und seine spitze Zunge, sein beißender Spott verwundeten gar oft tief, und auf wen er es abgesehen hatte, den konnte er der Lächerlichkeit preisgeben, von der man sich dann im Leben nimmer befreien tonnte. Die ganze Gestalt hatte etwas eckiges, ungehobeltes, dabei war der Mann quecksilberartig voll ewiger Beweglichkeit und Ruhelosigkeit, was auch nicht wenig dazu beitrug, auf die Personen, die ihm zum erstenmale näher traten, abstoßend zu wirken. Wenn aber Lob Groß zu sprechen begann, seines Geistes helle Blitze erstrahlen ließ, und man sah ihm dabei auf die große, strenge und klare Gelehrtenstirn, auf die kleinen aber lebhaften, nervösen Augen voll wechselnder Färbung, die bald Heller, bald dunkler strahlten, bald scharf aufblitzend wie Politikeraugen, bald wieder von solch verlorenem Ausdrucke waren, als wenn sich fremde Wellen in ihnen spiegelten, dann konnte man sich keine ansprechendere Persönlichkeit als Löb Groß denken. Es war an einem Freitag vormittag zwischen Purim und Pesach, als Löb Groß in Begleitung zweier Getreuen durch die Iudengaffe ging, oder besser gesagt lief, weil er einmal nicht langsam gehen konnte, nach allen Seiten höflich grüßend und dankend. „Herr Doktor, Herr Doktor Moses", rief er, im Laufen einhaltend, auf die andere Seite der Straße hinüber. Der Angerufene, ein junger Dr. phil. aus *) Wenn dir dieser Häßliche (damit ist der Satan, der böse Trieb gemeint) begegnet, so führe ihn ins Lehrhaus (Beshamidrasch). d. h. beschäftige dich mit der Thora und alle sündhaften Regungen werden von dir weichen. dem Deutschen Reiche und Hörer an der Ieschidah, überschritt die Straße und wurde von Löb Groß, dessen Liebling er war, mit einem warmen Händedruck begrüßt. „Herr Doktor, hiermit stelle ich Ihnen meine beiden Begleiter vor. Herrn Jakob Weiß, Professor der orientalischen Sprachen", und wies auf den Herrn, der zu seiner Rechten ging, „und Reb Harsch Heimer Pegelraw", dabei erfaßte er die Hand des linksstehenden Bochurs und verzog den breiten Mund zu einem Lächeln. „Ist mir ein besonderes Vergnügen, meine Herren", antwortete Dr. Moses. „Was dozieren Herr Professor, arabisch, syrisch, hebräisch, chaldäisch oder ethiopisch", fragte Dr. Moses, indem er sich dem Iakob Weiß zuwendete. „Wie, was meinen Herr Doktor", antwortete jener. „Run ja, was ^ie lehren, meine ich." Löb Groß brach in ein breites Lachen aus, daß ihm die Tränen über die Wangen rollten und sprach: „Der Herr Weiß unterrichtet den Knaben von Reb Ehajim B. im Aleph-bet. Der andere Herr aber", so fuhr er erläuternd fort, „ist beim Pegel, der am Kopfe der Donaubrücke angebracht ist, angestellt, gewissermaßen Maschgiach (Aufseher) oder Raw desselben. Herr Heimer kann Ihnen alltäglich über den Wasserstand Auskunft erteilen, er weiß, mit wie viel Zentimeter die Donau gestiegen oder gefallen, denn er ist zweimal täglich beim Pegel,- bei Hochwasser oder beim Abgehen des Eisstotzs ist Herr Heimer vom frühen Morgen bis spät in der Nacht beim Pegel, dessen Steigen und Fallen er genau beobachtet." Nun lachte auch Dr. Moses recht herzlich, dann wollte er sich von Löb Groß verabschieden: doch dieser ließ ihn nicht fort und bat ihn vielmehr, ihn zu Frau Sorel zu begleiten, bei der er die Zahl der Bachurim angeben müsse, die am Schabbos auf kosten der „Chewrah Mesaunaus" bei ihr speisen sollten. „Bei dieser Gelegenheit können Sie, Herr Doktor, auch sehen, wie Sorel die Schabbossuppe bereitet." „Schabbossuppe?" fragte Dr. Moses. „Sie meinen vielleicht „Schaletsuppe"." „Nein, nein, Schabbossuppe", replizierte Löb Groß. „Nanu, was wird denn wohl damit besonderes los sein", meinte Dr. Moses. „Frau Sorel wird wohl ein recht großes Stück Fleisch nebst dem nötigen Suppengrün und Wurzelwerk in den Topf stecken, später noch Grünkorn, oder irgend eine Grütze hinzufügen und eine recht kräftige Brühe für den Schabbos zurechtmachen." „Ia", antwortete Groß, „einen großen Topf Wasser, zu welchem das kleine Stückchen Fleisch, welches hineinkommt, in gar keinem Verhältnis steht, setzt Frau Sorel wohl bei, dann aber nimmt sie die Tchinoh zur Hand, setzt die weiße Sabbathhaube auf, beugt sich über den Topf und ruft mit lauter Stimme in denselben hinein : „wejikorch sehemoh bejisroel schabbossupp" (ihr Name sei genannt in Israel Sabbatsuppe), und was die armen Bachurim dann am Abend vorgesetzt bekommen, verdient alle Namen, nur nicht den Namen Suppe." Indessen waren die Herren beim Bernauerischen Hause angelangt, in welchem Sorel wohnte. „Gedulden Sie sich ein paar Minuten", sprach Löb Groß, „ich bin gleich fertig." Er hatte seine Mission rasch erledigt und kehrte zu den Herren zurück, um in deren Gesellschaft in seine Wohnung zu gehen. Plötzlich eilte Groß voraus, er hatte aus einer Entfernung von ungefähr 30 Schritten, den durch seine Häßlichkeit berühmten Bochur Sorech Freud erblickt, und rief mit lauter Stimme: „Herr Freud. Herr Freud." Der Angerufene kehrte sich um und wartete bis Löb Groß sich ihm genähert. Inzwischen hatten ihn auch seine Begleiter eingeholt. „Womit kann ich dienen", fragte Freud.

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