Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 7 (12.2.1909)
- Date
- 1909-02-12
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 7 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite IIS Verstorbenen gewidmet und mit prägnanten Strichen sein Charakterbild auf das Markanteste entworfen, entrollte Herr Prof. Dr. Alexander Kisch in großen Zügen den an wechselvollen Schicksalen reichen Lebensgang Falkowiczs. Ausgehend von den widerspruchsvollen Berichten über seine ersten Lebensjahre und in eingehender ungemein interessanter Befassung mit der ganz eigenartigen Persönlichkeit seines Vaters, des rusfischen Staatsrates Julian Falkowicz in Warschau, der auch seine lebensphilosophischen Ansichten in einem heute noch erhaltenen Vermächtnis an seinen Sohn niedergelegt, gelangt Redner zu Konklusionen, welche für den spatern merkwürdigen Entwicklungsgang des jungen Falkowicz den Schlüssel bieten. Fern von Vater und Mutter, im Hause seiner Urgroßmutter erzogen, findet er in seinem ersten Lehrer Steinberg den richtigen Förderer seines Bildungsdranges und die einzelnen Etappen seiner Lehr- und Wänderjahre, die über Brody. Wien, Lemberg und Pest führen, bieten wechselvolle Bilder seines reichen Innenlebens und unstillbaren Betätigungstriebes; zumal in Wien findet er in der Bekanntschaft mit dem damaligen, berühmten Kanzelredner Mannheimer die willkommene, geistige Anregung, und an der Seite - seiner Gattin Henriette Wied in fester Lebensstellung gelandet, führt Falkowicz. der ursprünglich sich im Bankfache erprobte, der mittlerweile erwählte Berus des Assekuranzfachmannes nach Prag, wo er bald nicht nur den Ruf eines der hervorragendsten Verficherungstechniker gewinnt, sondern auch eine angesehene, ja vielfach exzeptionelle Position in der Gesellschaft sich begründet und seine reiche Erfahrung, sowie seine eminenten Fähigkeiten insbesondere seiner Glaubensgemeinschaft zugute kommen läßt. In zahlreichen, gemeinnützigen sozialen und humanitären Vereinigungen ■ zur Leitung ausersehen, gleich ersprießlich tätig' in Handelskammer und Handelsgericht und im Direktorium des deutschen Kasinos und der „Konkordia", wirkt er, wenn auch seine freie Weltanschauung nicht verhehlend, durchs viele. Jahre, unermüdlich und unverdrossen in der israelitischen Kultusgemeinde-Repräsentanz und als Obmann des Zentralvereines, dessen Handwerkersektion er als einer der Ersten begründen und fortentwickeln half. Aber auch seine persönlichen Eigenschaften, die gewinnende Leutseligkeit und nie versagende Hilfsbereitschaft, sein in zahlreichen Schicksalsprüfungen gestählter Charakter und nicht zuletzt seine nie wankende Treue zu Allen, die ihm im Leben nahegestanden, brachten es zuwege, daß Falkowicz auch bei politischen Gegnern sich der höchsten Achtung und Freudschaft erfreute. „Wahrheit und Frieden war die Signatur seines Wirkens auf Erden," schloß Pr. Kisch seine Rede, die trotz der einstündigen Dauer auf alle Zuhörer mit mächtigstem Eindrücke wirkte, und so bildete die Gedenkfeier eine nicht geräuschvolle, aber umso würdigere Manifestation für das Andenken Falkowiczs. Berlin. (Ausschuß des Verbandes der Deutschen Juden.) Der Gesamtausschuß des Verbandes der Deutschen Juden war am 7. Februar 1909 in Berlin versammelt. Es wurde beschlossen, die Hauptversammlung im Herbst d. I. in Breslau abzuhalten. — Ueber die wünschenswerte Ordnung des jüdischen Religionsunterrichtes an höheren Lehranstalten in Preußen und die Vorbildung der hierfür anzustellenden Religionslehrer wurde ein einstimmiger Beschluß erzielt. Schließlich wurde die Herausgabe der von Dr. Hirsch Hildesheimer gesammelten, von über 450 hervorragenden Gelehrten und Praktikern abgegebenen Gutachten über die. Vorzüge der jüdisch-rituellen vor anderen Schlachtmethoden vom Verbände übernommen. Im Anschlüsse an die Sitzung tagte die literarischapologetische Kommission, welche über wissenschaftliche Vorbereitungen zur späteren Herausgabe jüdisch-apologetischer Schriften Beschlüsse faßte. Vermischtes. Bortragszyklus aus jüdifcher*Gefchichte, Literatur und Kultur. Donnerstag den 18. Februar 1909, präzise halb 8 Uhr abends, findet im Festsaale des Jngenieur- und Architekten-Bereines. I., Eschenbachgasse 9, ein Vortrag des Herrn Rabbiner Dr. David Feuchtwang strtt. Thema: „Der Rabbi von Rothenburg". Mit Vorführung von Lichtbildern. Eintritt frei, ohne Karten. Wien. (Verlobung.) Herr Tanzmeister Professor Julius Singer hat sich mit Frl. Regine Adler, Tochter des Kaufmannes Herrn Bernhard Adler im X. Bezirk, verlobt.' Wien. (Trauung.) Montag den 15. Februar laufenden Jahres findet in der Loge Karl in Frankfurt a. M. die Trauung des Herrn Siegmund B o n d i, Sohn des Herrn Markus Bondi, mit Fräulein Ernestine Mosbacher statt. Wien. (Trauungen.) Am 7. d. M. fanden im Tempel des IX. Bezirkes die Trauung des Fräulein Mathilde Freud, Tochter des Herrn Univerfitätsprofefsor Sigismund Freud und dessen Gemahlin Martha, geb. B e r n a y s, Enkelin des Chacham B e r n a y s, mit Kaufmann Herrn Robert H o l i t s ch e r. und die Trauung des Fräuleins Sofie Schreiber, Tochter des Herrn und der Frau Moriz Schreiber, mit Herrn kais. Rat Alexander Freud, Herausgeber des „Allgemeinen Tarifanzeigers" statt. Eine distinguierte Schar von Gästen wohnte dem Trauungsakte bei. Herr Gemeinderabbiner Dr. G e l b h a u s hielt an beide Brautpaare zwei Reden, welche erhebenden Eindruck machten. Herr Oberkantor Kläger exekutierte die Gesänge in eindrucksvoller Weise. Wien. Der Leopoldstädter Kranken-Unterstützungsvecein „Nächstenliebe" veranstaltet Mittwoch den 24. Februar 1909, Präzise 7 Uhr abends, in den Saallokalitäten „Zum goldenen Widder", II., Taborstraße 36, die XXlX. ordentliche Generalversammlung. Wien. (Humanitärer Verein der Eisenstädler.) Infolge Ablebens des Herrn Oberrabbiners Salomon Kutna s. A. findet das am 13. März 1909 in Aussicht genommene Elitekränzchen nicht statt. Allfällige Spenden für unsere wohltätigen Zwecke werden auch so dankend entgegengenommen. Die Vereinslei 1 u n g. II.. Kaiser Josefstraße 15. Wien. Das gefertigte Komitee veranstaltet zum Besten des Fonds für den Tempelbau Wieden-Margareten Dienstag, den 16. Februar d. I., 71 Uhr abends eine Theatervorstellung im Raimundtheater. Zur Aufführung gelangt die melodienreiche Operette' „Der Bettelstudent" unter Mitwirkung hervorragender Künstler. Die noch vorhandenen Karten sind an der Kasse des Raimundtheaters erhältlich. Das Damen-Aktions-Komitee. Jüdische Toynbeehalle, Wien, XV, Herklotz gaffe 21 Den Vortragsabend am 6. d. M. eröffnete Oberrevrdeut Strach mit einer längeren Ausführung über die Ziele und Erfolge der Jüdischen Toynbeehalle, sowie über diss Bedeutung dieser segensreichen Institution für das Judentum. Södann sprach Ehrw. Rabbiner Dr. M. H. Friedländer über „Judentum und moderne Wissenschaft". Brausender Beifall des die beiden Säle bis auf den letzten Platz füllenden Publikums lohnte die geistreichen Ausführungen. Geradezu mit Jubel wurden auch die künstlerischen Leistungen in dem folgenden Konzerte des Violinvirtuosen Herrn Reti ausgenommen, der mit bewunderungsvoller Technik das 5. Violinkonzert von Mozart. Arie v. Bach, Kol-Nidrei von Bruch und v. A. zum Vortrage brachte. Meisterhaft begleitete Herr Hanns Baß den Künstler auf dem Klaviere. Am 13. d. M. wird Schriftsteller Herr Uork-Steiner eigene Dichtungen vortragen. — Beginn der Vorträge halb 8 Nhr abends.