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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-02-12 · 7 (12.2.1909) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
7 (12.2.1909)
Date
1909-02-12
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite U6 Dr. Vlochs Wochenschrift. Nr. 7 «ute Erfolge aufzuweisen. Die durch die amerikanische Krise bedingte Sistierung der Transporte nach dem Westen Amerikas via Galveston konnte dank der Besserung der Lage wieder aufgeboben werden. In Besprechung der Zwecke der hiesigen Organisatlon meint Redner, daß es Aufgabe des hiesigen Zentralvereines der «Jto" sei, die maßgebenden jüdischen Kreise innerhalb Oesterreichs für die „Jto"- Jdee zu intereffieren und zu gewinnen, damit im gegebenen Moment das Jtowerk tatkräftigste Unterstützung erfahre. Auch mit Rücksicht auf die starke Emigration aus Galizien und der Durchzugs-Emigration aus anderen Ländern sei es an der Zeit, eine energische Initiative im Sinne der „Jto" zu entwickeln. Diese Arbeit wird das eigens zu diesem Zwecke gegründete österreichische „Jto"-Komitee zur Regelung der jüdischen Auswanderung in allernächster Zeit in Angriff nehmen. Im Verlaufe seines Vortrages konstatiert der Redner mit Bedauern die unter den jüdischen Parteien bestehenden Rivalitäten. Redner verweist als Beispiel auf die Gründung der Allgemeinen jüdischen Kolonisations-Gesellschaft in Berlin, welcher er unter Hinweis auf die Tatsache, daß nationale Kolonisationen von der itoistischen und von der zionistischen Partei angestrebt werden, während philanthropische Kolonisationen von der „Jca", welche auch über die nötigen Mittel verfligt, prattisch durchgeführt werden, jede Existenzberechtigung abspricht. Die maßgebenden Kreise und Korporationen haben auch diese neue Gründung als überflüssig sehr kühl ausgenommen und ihr jede Unterstützung versagt. Auch auf dem Emigrationsgebiet ist in der „Allgemeinen jüdischen Emigrations-Gesellschaft" in Petersburg ein Konkurrenzunternehmen erstanden, welches mit Rücksicht auf den bereits von der „Jto" ausgebauten Emigrations-Regulierungs-Apparat ganz überflüssig ist. Nachdem die „Jto" auf dem Gebiete der Eu'.igration bereits mit Erfolg arbeitet und es ihr auch gelungen ist, die finanzielle Unterstützung der maßgebenden Kreise Amerikas, Englands und auch anderer Länder für dieses Werk zu gewinnen, so wäre es Pflicht der Herren, welche die neue Konkurrenz-Gesellschaft gegründet haben, sich diesem Werke anzuschließen und nicht eine neue Gründung zu machen, welche die Kräfte nur zersplittert und worunter nur die armen jüdischen Maffen zu leiden haben. Hingegen verweist Redner mit Genugtuung auf die Tatsache, daß die „Jto" jeden Partei-Egoismus und jede Partei-Rivalität ausschaltet und vielmehr bestrebt ist, alle Parteien und alle Kräfte des Judentums, für die durch die „Jto" im Jntereffe der jüdischen Volksmaffen geleiteten Arbeiten auf dem Gebiete der Kolonisation und Emigration um sich zu scharren, was der „Jto" von Tag zu Tag immer mehr und mehr gelingt. Die ..Jto" verfolgt auf der ganzen Linie die Taktik, die Gegner ihrer Ansichten nicht zu erstürmen, sondern durch ruhiges und Ernstes Arbeiten, sowie durch ihr bescheidenes Auftreten zu überzeugen und zu gewinnen. Diesem Umstande ist es auch zu verdanken, daß während des verhältnismäßig kurzen Bestandes der „Jto" es ihr gelungen ist, sehr einflußreiche Kreise aus allen Parteischattierungen des Judentums auf ihrem Programm zu vereinigen. Redner schließt mit der Aufforderung an die Versammlung, auch in Oesterreich die Bestrebungen der „Jto" zu fördern und sich dem Wiener Zentralverein der Jüdisch-Territorialen Organisation anzuschließen. An den Vortrag des Herrn Schmidt, welcher von der Versammlung mit Beifall ausgenommen wurde, schloß sich eine sehr angeregte Diskussion, welche das vollständige Einverständnis der Anwesenden mit dem Programm der Jto, sowie das feste Vertrauen an die Führung Zangwills zum Ausdruck brachte. An der Diskussion beteiligte sich u. a. Herr Redakteur Jakob St r a u s, der die wichtigste Arbeit der Wiener Jto in der Aufklärung über das alljüdische Problem im allgemeinen unter gleichzeitiger Sammlung und Systematisierung des statistischen Materials innerhalb unseres Reiches erblickt. Auf Grund dieser ersten Arbeiten eine gründliche Vorbereitung auf eine Massenauswanderung, die sicher zu erwarten steht, sei es infolge einer Katastrophe oder aus ökonomischen Gründen. Und da Redner der Ansicht ist, daß Oesterreich in Galizien sein eigentliches Emigrationsmaterial besitzt, fordert er auch ein eingehendes Studium der galizischen Verhältnisse. Herr Dr. I. Samuely konstatiert zunächst, daß er seit längerer Zeit mit den Bestrebungen der Jto sympathisiere und sich auch bemüht hat, die maßgebenden Kreise Wiens für diese Bestrebungen zu gewinnen. Er reflektiert besonders auf die galizische Frage'und drückt den Wunsch aus, daß das Wiener Komitee nebst der Aufgabe, in Wien und in Oesterreich die maßgebenden Faktoren für die Jto zu gewinnen, in erster Linie trachten soll, in Galizien die richtigen Personen zu finden, welche sich an die Spitze der Bewegung insbesondere mit Rücksicht auf die Emigrationsfrage stellen sollen. Herr Dr. Samuely versichert die Versammlung, daß er nach wie vor seine Bemühungen für die Jto fortsetzen wird. Herr Dr. S. R. Landau gibt seiner Freude darüber Ausdruck, daß die hiesigen Itoisten die realen Verhältnisse in Galizien erfaßt haben und empfiehlt in erster Linie die wirtschaftlichen Momente in Berücksichtigung zu ziehen. Herr Dr. Krenberger ergänzt die Ausführungen des Referenten, Herrn Schmidt, dahin, indem er unter großem Beifall auf die unermüdliche Tätigkeit Zangwills und auf seinen großen Einfluß in allen jüdischen Kreisen hinweist. ^dem noch die Herren Ing. Löwenbein und D».. ^czewsky einige Anfragen gestellt hüben, die vo^ ^,errn Schmidt und Herrn Kraus zur Zufriedenheit der Fragesteller beantwortet wurden, schritt man in vorgerückter Stunde zur Wahl des Vorstandes. Auf Antrag des Herrn Dr. Samuely wurden unter Beifall folgende Herren einstimmig in den Vorstand gewählt: Gottlieb Vettelheim, Dr. Jakob Engel, Hof- und Gerichtsadvokat, Gemeinderat Dr. O. Hein, Herm. König, Dr. S. Krenberger, Dr. K. L ö w y, Anton Pick, Wolf Pappen he im, Dr. D. Rybaczewsky, Dr. I. Samuely, Dr. M. Schnabl, Hof- und Eerichtsadvokat, M. Schmidt. Als Revisoren: Die Herren Leopold Pick, Nathan Z i n d w e r und Ingenieur L ö w e n b e i n. Die Konstitutierung des Vorstandes findet am Montag den 15. Februar statt. Zuschriften für den Verein sind bis auf weiteres an Herrn M. Schmidt, Wien, XVIII., Colloredostraße Nr. 38 zu richten. Ein Besuch des Erzherzogs Roses Ferdinand im Spitale der israelitischen Kultnsgemeinde. Am 8. Februar l. I. wurde das Spital der Wiener israel. Kultusgemeinde (Rothschild-Stiftung) vom Kammervorsteher des Herrn Erzherzog Josef Ferdinand verständigt, daß Seine kaiserl. und königl. Hoheit noch am selben Tage das Spital zu besichtigen wünsche. Zur Begrüßung des hohen Gastes hatten sich der Präsident der israelitischen Kultusgemeinde Dr. Alfred Stern, namens der Spitalskommission k. k. Baurat Wilhelm S t i a ß n y und der I. Sekretär der Kultusgemeinde kaiserlicher Rat Dr. Theodor Lieben eingefunden. Präsident Dr. Alsted Stern stellte nach einer kurzen Begrüßung den Direktor des Spitals Hofrat Professor Doktor Leopold O s e r, sowie die Primarärzte Prof. Zuckerkandl und Dr. F l e i s ch m a n n vor. Unter Führung des Hostates Professors Oser besuchte der Erzherzog während seines einundeinhalbstündigen Aufenthaltes die meisten Räume der Heilanstalt. Im Röntgenlaboratorium demonstrierte dessen Vorstand Dr. Robinson eine Reihe von Aufnahmen, die den Erzherzog besonders interessierten. Der hohe Herr war sehr überrascht, als ihm über seine Frage nach der Dauer der Aufnahmen mitgeteilt wurde, daß dieselben im Zeiträume von nur 0*2 Sekunden ausgeführt werden. Primarius Dr. Fl ei sch mann erklärte im gynäkologischen und ebenso Professor Dr. Zuckerkandl im chirurgischen Trakte die modernen Einrichtungen, welche in Hinsicht auf Hygiene und Salubrität als vollendet bezeichnet werden können. Gegenüber Primarius Fleischmann bemerkte der Erzherzog, daß er mit Befriedigung vernommen habe, mit welch besonderer Humanität die Patienten in diesem Krankenhause behandelt werden. Nunmehr wurden das Laboratorium des Professors Dr. Zuckerkandl und sodann die beiden großenOperationssäle gezeigt, welche sich des vollsten'Beifalls des hohen Besuchers und seines Begleiters zu erfreuen hatten.

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