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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-01-29 · 5 (29.1.1909) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
5 (29.1.1909)
Date
1909-01-29
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 5 Jahrgang XXVI Dr. Bloch’s Zentralorgan für die gesamten Ilnteressen des Zudentums O (j— o —0 o Vft. Postsparftafsenamt O -ü Llearing-verkebr Nr. 810.976. Redaktion und Administration: Wien IX/i, Hahnqaffc Nr. 15. 5 Xelefon Nr. 14.847. c OG: £)o Wien, 29. Jänner 1909 : Lrscdeint \ cp e n Freitag, i Brief-Adresse: Wien. IX/i, Hahngasse 15 Telegramm-Adresse: Bloch's Wo^cnschrift. Wien. Venlgsnreis für OrUrrrri.lj: ^al'.'jährig Kronen: Einzekeremplare.'0 Heller. Fiir's Ausland: Halb jährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. I Anzeigen: Dis 4mal gespal- O lene Pelirzeile 24 .Heller. O o0- ' ---0 Inhalt: Leitartikel: Galizien allein. — Hausraths neueste antisemitische Kunststücke. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Die Juden in Afghanistan. Bilder und Antiquitäten aus dem jüdischen Leben im Pariser Louvre. Ein preisgekröntes Wort. Der alte Orient und die Anfänge des zweiten jüdischen Staates. — Korrespondenzen: Wien. Der konfessionelle Kataster der bosnischen Juden. Von Edom nach Moab, uralte Wege und Siedlungen im Lichte zeitgemäßer Kultur- und Kolonisationsaufgaben. Dr. Leopold Kahn. Der Regenerator des ungarischen Telegraphendienstes. Ist die Enterbung wegen Religionswechsels gestattet? Prag. Jüdische Zuwendungen au das British-Museum. — Vermischtes: Vortragszyklus aus jüdischer Geschichte, Literatur und Kultur. Primararzt Professor Ehrmaun. Verein zur Gründung und Erhaltung des Kaiserin Elisabeth-Institutes für israelitische Krankenpflegerinnen. „Beth-Hamidrasch Talmud-Thora". Beth-Hamidrasch „Montefiore". Der Brigittenauer israelitische Frauenwobltätigkeits-Verein. Jüdische Toynbeehalle. Austritte aus dem Judentum. Graz. Lemberg. Nachod. Sissek. Klattau. Verbö. Straßnitz. Eine österreichische Erforschungsreise nach Mesopotamien. Doktorpromotion einer verheirateten Frau. Offenbach a. M. Die Juden in Russisch-Polen. Auszeichnung eines jüdischen Gelehrten in Finnland. Boykott der Juden in Hebron. Konstantinopel. Brüssel. London. Moskau. New- Uork. — Feuilleton: Der erste Jude in Schweden. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. Galizien allein. Wir erhalten folgende Zuschrift von besonderer Seite, deren Ausführungen wohl in weiten Kreisen lebhaften Widerhall finden dürften. Löbliche Redaktion! Dem Leitartikel in der letzten Nummer Ihres geschätzten Blattes entnahm ich mit argem Mißvergnügen, daß wir Juden mit unserer Vernunft und unserem Charakter noch genau so weit halten wie vor zweitausend Jahren, als sich Galiläa mit Judäa stritt und Rom die Beute hatte. Welche Schande, daß uns d?r Verstand immer eingeprügelt werden muß! Wenn das Unglück so groß wird, daß es kaum mehr ertragen werden kann, dann stehen die Juden endlich zusammen, ihr übermütiger Eigensinn wird gebrochen und sie begreifen die Kinderlehre der Geschichte von der Macht der Einigkeit. Aber wenn der Antisemitismus nur ein bischen nachläßt, so zieht der eine mit seinem Strang nach rechts, der andere nach links und der Karren in der Mitte geht in Trümmer. — Also Galizien will bei der Gesamtorganisation der österreichischen Juden nicht mitmachen. Lassen wir uns von Wien nicht befehlen, schreien Führer und Führerchen und reden wie serbische Kronprinzen gegen Oesterreich. Zangwill hat schon sehr treffend gesagt, daß wir Juden als Einzelpersonen-vielleicht sehr klug wären, als Gesamtvolk aber sicherlich sehr dumm und wir wollen uns daher selbst über den haarsträubendsten Unsinn nicht wundern, sondern bloß seine Gründe untersuchen. Woher und wohin der Widerstand und der Krawall? Man hat in Galizien das Bewußtsein der Masse. Der Masse in Bezug auf das Menschenmaterial. Man weiß, daß man dort eine ganze Reihe von Reichsratsmaudateu zu vergeben hat und man will diese Macht mit dem Westen nicht teilen. Man will auch etwaige Kommandostellen im neuen Gemeindebund nicht an die „Datschen" vergeben, obwohl doch wahrhaftig jede Ehrenstelle darin mit schwerer Arbeit wird bezahlt werden müssen. Aber die Herren aus Galizien, die Armeen hinter sich fühlen, vergessen eine Kleinigkeit: Daß nämlich die gehaßten Westjuden auch eine Masse repräsentieren, eine Masse an Einfluß, an Kapital, an Intelligenz und Arbeitskraft. Man sieht das am besten, wenn es zu Opfern für das Judentum kommt. Da ist immer der Westen der große Bruder, der im Vordergründe steht. Obwohl doch wahrlich auch in Galizien wohlhabende Leute genug existieren, sind es doch fast ausschließlich Leute aus „diesseits von Biala", welche eine großzügige jüdische Solidarität selbstlos betätigen und gerne das schwere Jndeneleud des österreichischen Ostens mildern, ohne daß man sie mit dem Kriegsruf „Los von Wien" zurückscheuchen würde. Das soll durchaus keuie Gegenrechnung sein. Die westlichen Juden verlangen nichts, gar nichts. Es ist das nur eine Würdigung des einseitig geschliffenen Kriegsbeils, das man jetzt ausgräbt. Was hätten wohl die Herren aus Galizien gesagt, wenn die Sache umgekehrt wäre? Wenn die Westler erklärt hätten, sie wollten mit Galizien nichts zu tun haben und würden einer gemeinsamen Vereinigung nicht beitreten? Man hätte sie — und mit Recht — als Verräter am Judentum, als krasse Egoisten und lächerliche Politiker hingestellt. Man hätte ihnen gesagt, daß sie dem Judentum eine unbeschreibliche Schande bereiten, indem sie seinen Feinden zeigen, daß wir selbst einander nicht leiden können, daß wir unfähig sind zur Einigkeit und zum Zusammenschluß. Man hätte ihnen vorgeworfen, daß sie unsere Stellung vor der Regierung schwäch-n, welche nun sieht, daß sie mit einem zerfahrenen Judentum nach Belieben umspringen kann. Man hätte sie gescholten, weil sie einen übertriebenen Ehrgeiz besäßen, da es sich doch höchstens um einige mit dem bei Juden üblichen Undank bezahlte Ehrenstellen handelt. Man hätte ihnen die Grundlosigkeit ihrer Beschlüsse nachgewiesen, weil man doch an rituelle und ähnliche Fragen gar nicht anzurühren gedenkt und nicht einmal das Selbstbestimmungsrecht einer einzigen Gemeinde verletzen will, geschweige denn eines ganzen Landes. So hätte man sicher gesprochen und geschrieben, wenn die westlichen Juden die Protestanten gewesen wären. Aber da es die Galizianer getan haben, so verteidigen sie es als ihr gutes Recht und neunen es bei allen Gelegenheiten eine yeilige Sache. Dämmen wir unseren Zorn und unsere Trauer. Es wird sichtlich in Galizien noch Leute geben, welche stärker

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