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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-01-15 · 3 (15.1.1909) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
3 (15.1.1909)
Date
1909-01-15
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 3 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 51 laffene und darum — sagen wir es offen heraus — in Vergessenheit geratene Gute aufs Neue au erwerben, um es zu besitzen und den Nachkommen zu erhalten. Mit Genugtuung blickt der Vorstand unseres Vereines auf die immer steigende Zahl seiner Mitglieder, wie auf die immer um sich greifende Begeisterung für die von ihm vertretene Sache. Bei der am 24. Oktober des vorigen Jahres stattgefundenen Konstituierung des Vereines wurden folgende Herren und Damen in den Ausschutz gewählt: Rabbiner Dr. Günzig zum Obmann, Heinrich Langer zum Schriftführer, Frau Karoline Ehrlich zur Kassierin, Edmund Knöpfelmacher und die Damen Jda Hirsch, Flora Langer und Wilma Ehrlich zu Vorstandsmitgliedern. — Bis heute wurden folgende Vorträge gehalten: 1. Am 1. November 1908: Rabbiner Günzig über „Rabbi Akkiba und seine Zeit". 2. 15. November: Rabbiner Dr Oppenheim aus Olmütz über „Esra. ein Erbalter des Judentums". 3. 22. November Dr. Günzig: „Morris Rosenf-Id u> d seine Dichtung". 4. 29. November Rabbiner Dr. Goldschmidt aus Protznitz: „Wer will das Ghetto ff" 5. 6. Dezember : Rabbiner Dr. Rosenmann aus Mährisch-Säiönberg: ..Moses Mendelssohn und sein Wirken". 6. 27. Dezember Rabbiner Dr. Günzig: „Die jüdische Weltanschauung über die Welt des menschlichen Lebens". Auf jeden Vortrag folgte eine gemütliche Unterhaltung. die fast ausschließlich von Mitgliedern des Vereines bestritten wurde. Am 2. Dezember fand aus Anlaß des Regierungsjubiläums unseres Kaisers eine gesellige Unterhaltung mit Konzert und komischen Vorträgen statt. Herr Emil Langer, Wattafabrikant. las einige heitere, hübsch pointierte Geschichtchen und Herr Heinrich Langer, dessen Bruder, pikannte Humoristika. Am letzten Chanuka- Abende fand ebenfalls eine gemütliche Zusammenkunft der Vereinsmitglieder statt, da wegen eines Trauerfalles in einer hiesigen vornehmen Familie eine geplante Makkabäerfeier unterbleiben mußte. So hat dieser Verein während der kurzen Zeit seines Bestehens rastlos an der Erfüllung seiner Aufgaben gearbeitet. Gailingen. Herrn Bezirksrabbiner Dr. Spitz ist der Zähringer Löwenorden verliehen worden. München. Unter den zahlreichen Neujahrs-Auszeichnungen, die am Sylvestertag in Bayern erfolgten, wird die Verleihung des Michael-Ordens an den Rabbiner der hiesigen Gemeinde, Herrn Dr. K. Werner, von der ganzen jüdischen Bevölkerung Bayerns mit besonderer Freude begrüßt. Diese Auszeichnung ist seit vierzig Jahren keinem bayrischen Rabbiner mehr zuteil geworden; zuletzt erfolgte dieselbe im Jahre 1868 anläßlich des siebzigsten Geburtstages des damaligen Rabbiners A u b in München. Petersburg. Der Vorsitzende des „Verbandes des russischen Volkes" wurde von dem Chef der kaiserlichen Bittschriftenkanzlei mittels amtlichen Schreibens benachrichtigt, daß sämtliche im Bialystoker Pogromprozeß Verurteilte vom Zaren begnadigt worden sind. Wie nicht anders zu erwarten war. Und es nimmt ebenso Wunder, daß der Justizminister Stscheglowitow den Staatsanwalt in Wilna ermächtigt hat. gegen den Verteidiger Hillersohn wegen seiner Rede im Bialystoker Prozeß die Anklage zu erheben. Die Pogrom- Macher begnadigt, die Pogromisten-Ankläger gerichtlich verfolgt! Russische „Justiz". Warschau. Die seit 43 Jahren hier erscheinende jüdische Wochenschrift „Jsraelita" hat mit dem heutigen Tage ihr Erscheinen eingestellt. Feuilleton. Methusalem. (Lebensgeschichte eines jüdischen Pferdes.) Von Schalom Alechem. Uebersetzt von Malwina Blumberg. VIII. Einer der Talmud-Thora - Schüler war der kleine Rüben; ein gescheiter Junge, aber ein Uebermut — daß Gott behüte und beschütze! — Jedem mußte er etwas zum Possen tun. Auf allen Heuböden, in allen Kellern stöberte er umher. Hühner, Gänse und Enten auseinandertreiben, Ziegen erschrecken, Katzen quälen — von Schweinen schon gar nicht zu reden — das war sein größtes Vergnügen. Schläge von der Mutter, regelrechte Prügel vom Talmud- Thora-Melamed, gelegentliche Püffe von den Nachbarn, blieben — ebenso wie. die ihm reichlich gespendeten Flüche — vollkommen erfolglos. Soeben war er abgeprügelt worden, soeben noch hatte er bittere Tränen vergossen — und schon streckte er wieder Jemand die Zunge aus, ließ die Unterlippe hängen und blies die Backen auf und Backen hatte er, so rund wie Aepfelchen. Immer war er gesund, immer lustig, und daß seine Mutter eine arme Witwe war, vom Morgen bis spät in die Nacht hinein arbeiten mußte und jedes halbe Jahr einen Rubel für seinen Unterricht zahlte — daraus machte er sich nun einmal nicht das Geringste. . . Als der kleine Rüben von Kasryls Kindern erfuhr, daß ihr Vater ein Pferd vom Jahrmarkt heimgebracht hatte, sprang er auf einen Schemel und rief laut: „Kinder, jetzt haben wir einen Bogen!" Hier muß erwähnt werden, daß Rubenchen von jcher ein großer Musikfreund war. Sein sehnlichster Wunsch ging dahin, eine Violine zu besitzen; wenn er spielen hörte, wurde er fast ohnmächtig vor Freude. Er hatte eine glockenhelle Stimme, und alle Melodien konnte er auswendig. Da vom Kauf einer wirklichen Violine gegenwärtig nicht die Rede sein konnte, hatte er sich mittlerweile ein kleines Instrument aus Holz verfertigt, zu den Saiten hatte er Bindfaden verwendet. Selbstverständlich erhielt er dafür von der Mutter eine tüchtige Strafe. „Ein Musikant willst du werden? Was? Nicht erleben sollst du es!" Gegen Abend, als Chaim-Chuna, der Melamed. die Kinder nach Hause schickte, gingen sie alle zu Kasryls, um Methusalems Bekanntschaft zu machen. Rüben erklärte, es sei ein herrliches Roß, denn es würde aus seinem Schwanz so viel Haare zu Biolinsaiten hergeben, wie man nur verlangen würde. „Uebrigens können wir gleich einen Versuch machen!" Mit diesen Worten schlich er sich hinter Methusalem und begann ihm die Haare aus dem Schwänze zu ziehen. So lange er sich mit einzelnen Haaren begnügte, stund Methusalem ruhig da, als dächte er: „Die Haare aus dem Schwanz? Was kann mir das schaden? I, was da, ein Haar mehr oder weniger . . ." Als aber Rüben den ganzen Schwanz in Angriff nahm und ihm auf einmal ganze Strähne ausriß, wurde Methusalem zornig: „Lass' ein Schwein ins Zimmer, und es kriecht dir auf den Tisch . . ." Und ohne erst lange nachzudenken, versetzte er Rüben mit dem Hinterfuß einen Schlag in die Zähne und spaltete ihm die Lippe. „Geschieht dir recht . . . Sehr gut ist's so . . . O, ich Unglückliche!" So jammerte Jenta, Rubens Mutter, und indem sie dem Knaben kalte Umschläge auf die blutende Lippe legte, weinte sie, rang die Hände, lief zu Chejne, der Wundärztin, verdrehte allen Leuten die Köpfe und war wie rasend. IX. Der kleine Rüben war aber Gott Lob ein Kind, bei dem alles im Handumdrehen heilte. So war denn auch die Lippe bald zusammengewachsen, und der Junge hatte schon wieder etwas neues ausgeheckt. Ein Spazierritt auf Methusalem schien ihm etwas Reizendes, und zwar müßten alle Schüler der Talmud-Thora auf einmal reiten. Wie führt man dies aber aus, ohne daß irgend jemand es erführt? Auch dem wußte Rüben abzuhelfen: am Samstag, nach dem Mittagessen, wenn alle schlafen, ist die rechte Zeit zu dem Spaß. „Darf man denn aber am Samstag reiten?" wandte eines der Kinder ein.

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