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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-01-08 · 2 (8.1.1909) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
2 (8.1.1909)
Date
1909-01-08
Page
– (sequence 12)
Language
German
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SS Seite 32 Or. Lloebs Wocöenscbtttt. Nr. 2 Wie». (Vortragsabend.) Der „Jüdische Kolonisationsverein" veranstaltet am 11. d. M. abends halb 8 Uhr im Festsaale des Oesterreichischen Ingenieur- und Architekten- Vereines I., Eschenbachgasse 9, seinen Vortragsabend. Herr Maler A. L. Mielich-Mielichhofer wird über: Von Edom bis Moab. Uralte Wege und Siedlungen im Lichte zeitgemäßer Kultur- und Kolonisations-Aufgaben, sprechen. Mit Vorführung von Skioptikon-Bildern nach eigenen Aufnahmen. Eintrittskarten sind im Sekretariat des Vereines II. Nestroygasse 4 zu haben. Wie«. Die Oesterr.-Jsrael. Union veranstaltet Montag, den 11. d. M., halb 8 Uhr abends im „Hotel Post"> 1. Bez., Fleischmarkt, einen Vortragsabend. Thema: „Der nationale Boykott und die Regierung". Weitere interessante Vorträge stehen in nächster Zeit bevor seitens der Herren Schauspieler Dr. D a r n a u, Reichsratsabg. Univ.-Doz. Dr. Mahler und Dr. I. Samuely. Beth-Harmdrasch „Montefiore . II., Taborstratze 38. Sonntag abends halb 5 Uhr Vortrag des Herrn Rabbiners Schöufeld: Midrasch-rabba. Mittwoch abends halb 5 Uhr: Psalmen. Wie«. Der Humanitätsverein „Nachlat Jeschurun" erhielt von dem Herrn Oscar Trebitsch, Seidenfabrikant, Schottenfeldgaffe 15, den Betrag von 1000 Kronen als Stiftung — mit der Bestimmung, daß die Zinsen dieses Betrages am Sterbetage des Vaters, kaiserlichen Rates Leopold Trebitsch, au ein bis zwei würdige Zöglinge des Freitisches zur Verteilung gelangen. Wie«. Der Verein zur Unterstützung armer kranker Israeliten in Wien, II., Untere Augartenstraße 17, gibt bekannt, daß Sonntag den 10. Jänner d. I., 6 Uhr abends, eine außerordentliche Generalversammlung im Turnsaale des Talmud-Thora-Vereiues, II., Malzgafse 16, stattfinden wird. Wien. (Leichenbegängnis.) Unter zahlreicher Beteiligung fand am 3. d M. die Beerdigung des ehemaligen langjährigen Obmannes vom Tempelverein „Beth-Hachneses" im dritten Bezirke Dr. Ludwig Straffer statt. Der Verstorbene erfreute sich ob seiner Tüchtigkeit und seines jovialen Wesens großer Beliebtheit. An seiner Bahre trauerten außer der Gattin noch seine vier Söhne Med.-Dr. Josef Straffer, Rechtsanwalt Dr. Alfred Straffer, Bankier Ernst Straffer, cand. med. Paul St.affer, sowie seine Tochter Frieda. Nach Vortrag der rituellen Gesänge durch den Kantor Jurberger mit dem Tempelchor hielt der Freund des Dahingeschiedenen, Rabbiner Dr. Bach, eine ergreifende Trauerrede, in welcher er der trefflichen Eigenschaften des Verblichenen gedachte. Es folgten noch Grabreden seitens der Mitglieder des Tempelvereinsvorbandes lm dritten Bezirke, welcher durch die Herren Dr. Josef Auerbach, Tausky und Juwelier Kohu. vertreten war. Dem Leichenbegängnisse wohnten noch bei: Kultusvorsteher Dr. Markus Spitzer, Rechtsanwalt Dr. Kramer, die Bankiers Baum, Freund und Erwin und Frau als Chef der Bankfirma Straffer u. Kohn, sowie das Personal dieser Firma, welcher der eine Sohn des Verblichenen, Herr Ernst Straffer als Teilhaber angehört. Dr. Straffer hinterläßt eine große Lücke in der Reihe der Aerzte im dritten Bezirke, der seine Hilfe den Armen ohne Entgelt in allen Fällen zur Verfügung stellte und einer jener Wohltäter war, wie sie leider nur mehr selten zu finden sind. Austritte ans dem Judentum. Vom 27. bis 31. Dezember 1908. Dr. Gustav Cornell, Advokat, geb. 19. November 1847, Prag (Böhmen), IX., Hahngasse 8. Hermann Feinmann, geh. 18. November 1882, Olmütz, Kaufmann in Hongkong. Dr. Ludwig Lichtenstern, Hof- und Gerichtsadvokat, geboren am 4. Mai 1865, Wien, XIX., Gebhardgasse 6. Maria Low geb. Haslinger, geh. 1. September 1836, Pfarre Weilbach zu Degelhof (O.-Oe.), Proselytin, IX., Hörigasse 18. Margarethe Munk, Malerin, geh. 20. Jänner 1873, Wien, III., Veithgasse 3. Maria Tauss geb. Galia, k. k. Polizeikommissärsgattin, geboren 26. September 1864, Ung.-Ostrau (Mähren), IX., Fluchtgasse 2. Marie Werchota geb. Pollak, geb. 1. Juni 1880, Boskowitz (Mähr.), XVI., Neumayergasse 19. Budweis. (Verlobung.) Fräulein Frida Kohn, Tochter des Herrn Jur.-Dr. I. Kohn, Advokaten und Vorstehers der israel. Kultusgemeinde in Budweis, hat sich mit Herrn Fritz G o l d r e i ch, k. k. Realschul-Profefsor in Bielitz, verlobt. Nachod. In der konstituierenden Versammlung des neugewählten Vorstandes vom 3. Jänner 1909 wurden gewählt die Herren: Jakob Pick zum viertenmal als Vorsteher der israel. Kultusgemeinde, Gustav Schur als Vorsteher- Stellvertreter, Hermann Pick als Kassier, Siegfried Pichl als Rechnungsführer, Jonas Lewith als Tempelvorsteher, Otto Pick als Tempelvorsteher-Stellvertreter. In dem neugewählten Vorstand erscheinen ferner die Herren: Max Pick, Leopold Stransky, Jakob Sommernitz, Ludwig Fanta. Berlin. Die erste Mitgliederversammlung der Allgemeinen Jüdischen Kolonisations-Organisation findet am Dienstag den 19. Jänner 1909, abends 8l/2 Uhr, im Hotelrestaurant Ruhland, Berlin, Mittelstraße 60, statt. Tagesordnung: 1. Bericht über die vorbereitenden Arbeiten des provisorischen Vorstandes der Allgemeinen Jüdischen Kolonisations-Organisation. Rechnungslegung. 2. Beschlußfassung über die definitive Konstituierung der Allgemeinen Jüdischen Kolonisations-Organisation. 3. Wahl des definitiven Vorstandes. 4. Wahl einer Kommission für die Festsetzung der Statuten. 5. Verschiedenes. Feuilleton. Methusalem. (Lebensgeschichte eines jüdischen Pferdes.) Von Schalem Alechem. Uebersetzt von Malwina Blumberg. V. Bis zu diesem Tage war Kasryl, — ein breitschultriger Jude, mit einer platten Nase und einem bärtigen Gesicht, — zugleich Fuhrmann und Gaul gewesen; d. h. er hatte sich vor sein Faß gespannt und auf diese Weise selbst das Wasser durch das Städtchen geschleppt. Obgleich er in seinem Leben sehr viel Elend kennen gelernt hatte, war ihm das Gefühl des Neides vollkommen fremd, nur wenn er Jemand fah"en sah, blieb er stehen, und lange, lange folgte sein Blick dem munter dahintrabenden Pferdchen. Sein einziger Wunsch war: ein Pferd zu besitzen. Trotz der größten Sparsamkeit jedoch war es ihm nicht möglich, ein zu diesem Zwecke genügendes Kapital zusammevzubringen. Nichtsdestoweniger unterließ er es nie, die auf den Jahrmärkten zum Verkauf ausgestellten Pferde zu besichtigen. So, zum Vergnügen: Sehen kostet ja nickts. Als er nun inmitten des Marktes den unglücklichen, nicht mal an den Pfahl gebundenen Gaul gewahrte, blieb Kasryl stehen. Er verstand sofort, daß dieses Pferd seinem Beutel zugänglich sein würde. . Und so war es auch. Kasryl brauchte nicht lange zu feilschen. Nachdem er den Gaul gekauft, eilte er fröhlichen Herzens nach Hause. Als er an die Tür klopfte, kam ihm seine Frau erschrocken entgegen. „Was ist das? . . . Gott mit dir! . . .“ „Ich habe ihn gekauft! <Zo wahr ich ein Jude bin, ich habe ihn gekauft!" Die Eheleute wußten nicht, wo sie das Pferdchen hinstellen sollten. Wenn sie sich ihrer Nachbarn nicht geschämt hätten, so würden sie es am liebsten in ihre Wohnung gebracht haben. Nachdem sie sich etwas Heu und Stroh verschafft hatten, blieben sie vor Methusalem stehen und blickten auf ihn, ohne die Augen wegzuwenden, wie in eine Sonne. Alle Nachbarn liefen zusammen, um das Wundertier, das Kasryl vom Jahrmarkt nach Hause gebracht hatte, anzustaunen. Sie lachten und spotteten über den armen Gaul.

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