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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1909-01-01 · 1 (1.1.1909) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
26 (1909)
Issue
1 (1.1.1909)
Date
1909-01-01
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Rr. 1 Seite 11 DT. VLortz's WochrNschrM Posten 11—17, 31—34, 37 und 39, ist durch die Einnahme aus der neu eingestellten Stiftung von X 608.000, Seite 86, Post 37, und den mit X 2000.— höher veranschlagten Verpflegsgebühren, Seite 88, Post 62, gedeckt. Ich kann nicht umhin, bei Besprechung dieses Kapitels mit hoher Genugtuung darauf hinzuweisen, daß wir nunmehr dank der eben erwähnten, hochherzigen, großen Stiftung in der Lage find, für unsere unglücklichen Siechen in ausgiebiger Weise zu sorgen. Bei den so erhöhten Aufgaben, sowie überhaupt bei der Verwaltung der Anstalt ist uns, wie stets, unser rühriges und umsichtiges Damenkomitee in hingebungsvoller Weise zur Seite gestanden, und ich benütze gerne diese Gelegenheit, um allen den Damen und insbesondere der Präsidentin des Komitees, Frau Jda Diamant, unseren herzlichsten Dank abzustatten. Durch die oben erwähnte Stiftung der Frau Ernestine Thorsch ist, ganz abgesehen von der reinen Wohltat, die dadurch geschaffen wurde, auch ein leuchtendes Beispiel edlen Gemeinfinnes gegeben worden, eine herrliche Auffassung von den Pflichten des Besitzes, eine Auffassung, die leider in Oe st erreich noch sehr vereinzelt i st. Es genügt wohl der einfache Hinweis darauf,, daß wir im Jahre 1908 fast gar keine Stiftungen, Widmungen oder Schenkungen von der Wiener Judenschaft bekamen und daß mein vorjähriger Appell, unseres zu gründenden Kinderspital es zu gedenken, vollständig ungehört verhallt ist. Abschnitt F : Armen- und Wohltätigkeits-Angelegenheiten. Hier ist ein Mehrerfordernis von zirka X 25.000.— angenommen, und zwar ist es hauptsächlich Kapitel 25, Unterstützungen, bei welchem die Ausgaben um X 21.500.— gestiegen find, vornehmlich bei den Posten 1, 2, 7, 9 und 16. Kapitel 26, Subventionen, erfordert ein Plus der Ausgaben von zirka X 1000.—, Kapitel 27, Rituelle Verköstigung, hat durch Erhöhung von Post 7 und der Reserve Post 15 einen Mehrbedarf von X 4300.—, Kapitel 28, Pflegerinnen-Jnstitut, dagegen ein Mindererfordernis von X 1000.—. Die wirtschaftliche Notlage, unter der in allererster Linie wir Juden am meisten mitzuleiden haben, kann keine bessere Illustration finden, als eben in der alljährlichen Steigerung dieses Kapitels, und trotzdem bin ich der Ansicht, daß unter allen Umständen gerade dieser Abschnitt noch in ausgiebiger Weise wird ausgestaltet werden müssen. Denn ich kann ohne jede Einleitung und Begründung wohl die bedauerliche Tatsache feststellen, daß die Armenpflege bei uns sehr im Argen liegt und daß eine moderne Reform derselben zweifellos nicht gut mehr aufgeschoben werden darf. Wir verausgaben jährlich eine Viertelmillion Kronen für dieses Kapitel und weitere 40.000 Kronen als Subvention an solche Vereine, die sich mit Armenpflege befassen, zusammen 300.000 Kronen, also ein immerhin beachtenswerter Betrag. Welch ungeheuerer Fortschritt wäre es, wenn man diese große Summe, anstatt wie bisher ungeregelt, von einer Zentralstelle aus verteilen oder wenigstens kontrollieren ließe, und welche Summe von dauerndem Nutzen könnten wir dadurch schaffen. Auch ist es meines Erachtens eine der obersten Pflichten einer jüdischen Gemeinde, für die verlassenen Kinder zu sorgen, und ich kann uns den Borwurf nicht ersparen, daß dies bisher nicht in entsprechendem Maße geschah. Die Gefahr, die von dieser Seite droht, wird nämlich vielfach verkannt und. auch unterschätzt. Ich habe zu der Lebenskraft des Judentums viel zu viel Vertrauen, um es bedroht zu sehen, wenn etwa einzelne Kinder, was ja leider in der Tat vorkommt, dem Judentum abwendig gemacht werden, die weit größere Gefahr sehe ich vielmehr darin, daß solche Kinder, die zwar dem Namen nach dem Judentum angehören, aber nicht in jüdischem Geiste erzogen werden, auf Abwege geratend, der Judenschaft Schaden und Schande bereiten. Wir haben für diese Post, in Anbetracht des schlechten Standes unserer Finanzen nur X 20.000.— eingesetzt, doch bin ich mir nicht einen Moment darüber im Unkl 'ren, daß dieser Betrag wird wesentlich erhöht werden müss.n, wenn wir auf dem so überaus wichtigen Gebiete der Kinderfürsorge halbwegs erfolgreich wirken wollen. Abschnitt G: Finanzielle und administrative Angelegenheiten, läßt sich im Ganzen nicht fassen und muß ich hier über die einzelnen Kapitel referieren. — Kapitel 29, Kultussteuer, ist auf Grund des Ergebnisses im Jahre 1907 mit X 50.000.— höher angenommen worden, Kapitel 30, Gemeindeverwaltung, hat, trotzdem diesmal die Post 29, Drucksorten für Vorstandswahlen, X 16.000.— entfällt, doch nur ein Gesamt- Mindererfordernis von X 3000.—, weil Gehalte und außerordentliche Erfordernisse sab. Post 1, 2 um X 12.000.—, Beitrag zum Penfionsfond, Post 26 um X 2000.—, diverse Spesen Post 30 um X 2000.— gestiegen und als neue Ausgabspost das Erfordernis für die Gcmeindekanzlei im XXI. Bezirk mit K 3600.— hinzugekommen ist. Dagegen find bei Post 4, Mietwert, Post 8, Mobilien-Erhaltung, Post 20/21, Drucksorten, und anderen Posten insgesamt Mindererforderniffe von X 6200.— eingestellt. Bei Kapitel 31, Matrikelamt, find infolge von Gehaltserhöhungen Post 1/2 X 2000.— mehr in die Ausgaben eingesetzt, denen kleine Ersparniffe bei anderen Posten, sowie die mit zirka X 900.— höher veranschlagten Einnahmen gegenüberstehen. Gesamtmehrerfordernis bei diesem Kapitel ist X 1600.—. Kapitel 32, Penfionszulagen, erfordert X 2500.— weniger als im letzten Budget, ebenso find die Ausgaben bei Kapitel 23, Gnadengaben, um X 2000.— zurückgegangen. Kapitel 34, Gebäudeerhaltung und Verwaltung, hat einen um X 10 000.— höher veranschlagten Ueberschuß. Es würde zu weit führen, wenn ich hier, wo es sich meist um reine buchmäßige Annahmen handelt, ins Detail gehen würde, und verweise ich auf den Ihnen vorliegenden Voranschlag. Kapitel 35, Gebäudeinspektion und Technisches Amt, ist wenig verändert, bei Kapitel 36, Zinsen und Konto-Korrentspesen ist der Zuschuß um X 3000.— höher angenommen, als im Vorjahre, Kapitel 37, Diverse Einnahmen und Ausgaben, hat ein Mindererfordernis von X 22.000.—, weil vor allem der im letzten Budget Post 8. als Zuschuß für Floridsdorf veranschlagte Betrag von X 12.000 hier entfällt, da er ja und leider in wesentlich erhöhtem Maße auf die anderen Kapitel aufgeteilt wurde, ferner find für die Allgemeine Reserve Post 11 um X 10.000.— weniger eingestellt, als im vorjährigen Budget. Das Kapitel Darlehens- Rückzahlungen und Annuitäten ist gegen das Vorjahr um X 900.— in den Ausgaben gestiegen. Wenn ich bei diesem Kapitel von Veränderungen gegen das Vorjahr gesprochen habe, so kann ich mit großer Genugtuung feststellen, daß die Pflichttreue und Anhänglichkeit unseres Beamtenkörpers unverändert blieb, und gerne will ich an dieser Stelle unserer Beamtenschaft, an ihrer Spitze Herrn kais. Rat Dr. Theodor Lieben, für ihre nie versagende Mithilfe, auch bei der diesjährigen Budgetberatung unseren herzlichsten Dank aussprechen. Auch die anerkennenswerte Leistung des Herrn Liquidators Emil K a tz bei der so schwierigen und verantwortungsvollen Zusammenstellung des Budgets sei besonders hervorgeboben. Wenn Sie nun. meine verehrten Herren, all diese einzelnen Posten zusammennehmen, so ergibt sich, wie bereits erwähnt, ein Fehlbetrag von X 81.173 33, also eine scheinbare Besserung gegen das litzte Budget, welches einen Fehlbetrag von X 196.779 51 angenommen hat. Wenn wir aber den Voranschlag kritisch beleuchten, so finden wir sofort, daß die Ausgabeposten konstant steigen, denen einen entsprechende Steigerung der Einnahmen, mit Ausnahme des etwas höher präliminierten Einganges aus der Kultussteuer, keineswegs gegenübersteht und daß das scheinbar bessere Ergebnis des kommenden Finanzjahres nur durch zufällig entfallende größere Ausgabeposten des vorangegangenen Jahres begründet ist. Außerdem darf man ja nicht übersehen, daß die im nächsten Jabre zur Auszahlung gelangenden X 80.000, Rest des Baues der Mikwah (Seite 139, Post 10) und X 100.000, Spende für das zu erbauende Waisenhaus (Seite 139, Post 9), eigentlich das Defizit des nächsten Jahres auf fast X 260.000 erhöhen würden, wenn dieser Betrag nicht durch eine unter dem Titel „Aufzunehmendes Darlehen" in den Einnahmen sud Post 8, Seite 138, eingestellte Summe von

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