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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-12-25 · 52 (25.12.1908) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
52 (25.12.1908)
Date
1908-12-25
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Nr. 52 Sette SS6 Dr. Llocb's Moedenscbtttt. Olmütz. Am 1. Chanuka-Abenhat der hiesige israelitische Frauenverein, an dessen Spitze seit Jahren die Damen Sophie Zweig und Sophie Kaufmann verdienstvoll wirken, 35 arme Kinder und 1V Sieche mit warmen Winterkleidern, Backwerk und Obst betritt. Nach einigen Dankesworten des Herrn Dr. Eben, derbes testamentarischen Vermächtnisses des verstorbenen Josef Low für den Verein gedachte, hielt Se. Ehrw. Herr Rabbiner Doktor Oppenheim eine Ansprache an die Kirche, feierte in einem herzlichen Nachruf das Andenken Josef Löws als eines eifrigen Förderers des Vereines und widmete den Vörstandsdamen warme Worte der Anerkennung. Nach einer bekannten Erzählung, führte der Redner aus, seien die Kapitalien, welche man in Wohltaten für die Armen angelegt habe, das alleinige wahre Besitztum des Menschen, welches ihm einen ehrenvollen Namen verbürge. Darum werde auch der Name Josef Löw stets mit Ehren genannt werden. Ebenso bringe nicht der Ausweis des' großen Vermögensstandes des Vereines, sondern die große Ziffer der Ausgaben für wohltätige Zwecke dem Vereine und ihren Leiterinnen dauernde Anerkennung. Frau Sophie Zweig schloß ihre an. die Vereinsschwestern gerichtete Ansprache mit der Versicherung, Josef Löws Andenken werde im Verein fortleben. Olmütz. An Stelle des verstorbenen Josef Löw wurde Herr kais. Rat Sigmund Zweig zum Vize-Präsidenten der Kultusgemeinde gewählt. Ung.-BrM». Am 2, Chanuka-Abend fand in der von Se. Ehrw. Herr« Rabbiner Dr. Juug gegründeten Gymnasiallehranstalt eine Ehannka-Feier statt; die durch ihr; in echt jüdischem Geiste gehaltenen Vorträge einen erhebenden Verlauf nahm. Nachdem der Letter der Anstalt die zahlreich erschienenen Gäste begrüßt hatte, betrat der älteste Sohn des Gründers, Max Jung, .das Podium und hielt eine glänzende Rede, durch die er dre Anwesenden bis zu Ende zu seffeln verstand. Herr Profeffor Liebreich trug das Epos „Die Mutter mtt den sieben Söhnen" mit warmer Begeisterung und tiefer Innigkeit vor. Nachdem noch einige Schüler hebräische und deutsche Gedichte deklamierten, schloß das „Moaus-Znr", gesungen vom Schülerchore der Anstalt, die würdige Feier. Triefch. In der am 16. Oktober l. I. stattgefundenen Generalversammlung der Kultusgemeinde T r i e s ch wurde die durch das im September dieses Jahres erfolgte Ableben Sr. Ehrwürden des seligen Rabbiners Herrn Dr. M. L. Stern erledigte Stelle einstimmig Herrn Rabbiner Kalman Nürnberger verliehen, der sein Amt am 29. November angetreten hat. Von einer Abordnung der Kultusgemeinde aufs Herzlichste begrüßt, hielt Herr Rabbiner Nürnberger beim Nachmtttagsgsttesdienste feine, mit allgemeinem Beifall aufgenommene Antrittsrede, in der er gelobte, getreu dem Vorbilde seiner Amtsvorgänger wirken und speziell seine ganze Kraft der Erziehung der Jugend im jüdischen Sinne widmen zu wollen. Herr Rabbiner Nürnberger absolvierte das Gymnasium in Brünn, studierte mehrere Jahre an der Jeschibah zu Preßburg und besuchte das Hildes« heimer'sche Rabbiner-Seminar zu Berlin. Äm Abende des 1. Dezember fand anläßlich des 60jährigen Regierungs-Jubiläums Sr. Majestät des Kaisers Franz Joseph I. im reichgeschmückten Tempel ein Festgotttsdienft statt. Rach den durch Kantor Laub und einen gemischten Chor vorgetragenen Festpsalmen hielt Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Nürnberger die in Form und Inhalt der Feier entsprechende Festpredigt. Nagybeeskerek. Zum Andenken an den jüngstverstorbenen, gelehrten Lektor Maier Friedmann hielt gestern . u»ser Herr Oberrabbiner Dr. M. Klein, als einstmaliger Schüler Friedmanns, einen Trauergottesdienst bei großer BeteiliWng der Gemeidemüglieder ab. In tiefergreifender Rede schilderte er den Lebensgang und die unverwelklichen Verdienste KMmtmns um Jugenbildung und Erziehnng und hob seine segensreiche Wirksamkeit auf dem Gebiete der halachischen Midraschliteratur besonders hervor. Feuilleton. Um Mitternacht. Novelle von M. D. Rtzwkdr. Uebersetzt aus dem Russischen von M a l w i n a B l u m b e r g. Zwei dumpfe Schläge an die festverschlossenen Läden. Im Hause wird es lebendig; im Nebenzimmer wird Licht gemacht. Der schmale, helle Streifen dringt durch die Ritze der halboffenen Tür, erhellt auf einen Augenblick den weißen Kachelofen, huscht die Wand entlang, am Schränk vorüber und verliert sich in der gegenüberlietzenden Ecke am Fenster. Mein Vater hustet und sagt mit heiserer Stimme: „Zu Selichoth! Es ist Zeit!"... Langsam richte ich mich auf. Die weiche Decke gleitet mir von den Knien hinunter, ein leichtes Frösteln schüttelt meinen Körper. Draußen herrschen Regen, Nebel und die Kälte einer sternenlosen Herbstnacht, — und mich zieht es unwiderstehlich zurück unter die Decke, wo es so warm und wohlig ist, auf das Kissen, auf dem ich soeben noch geruht, zurück in die phantastische Welt .meiner Kinderträume, der mich der unerbittliche Asriel mit dem Klopfen seines seelenlosen Holzhammers so mitleidslos entrissen. .... Mittlerweile beginnt es im Hause geräuschvoller zuzugehen. Durch den Saal eilt das Dienstmädchen mit einer a'ngezündeten Lampe, und der Fußboden knarrt unter ihren Füßen. Eine Tür fällt laut ins Schloß. Mit beiden Füßen zugleich springe ich auf die kalte Diele, ziehe rasch die Socken an, ergreife irrtümlich den rechten Stiefel statt des linken, werfe ihn fort, und ziehe wiederum den linken Stiefel auf den rechten Fuß. Doch habe ich, — trotzdem er mich drückt, — keine Zeit mehr zum Wechseln, denn schon steht mein älterer Bruder Chaim mit einer Laterne in der Hand neben mir, — und einen Augenblick später sind wir beide auf der Straße. Der Himmel, unheilverkündend und tief schwarz, scheint dicht über unseren Häuptern zu hängen. Kalte, große Regentropfen peitschen mir das Gesicht, und hinter die Ohren und den Kragen dringend, rinnen sie mir langsam den Rücken entlang. Zornig weht der Wind die Schöße meines -Rockes auseinander, reißt mir die Mütze vom Kopfe, klopft voller Wut an alle geschlossenen Tore, und in den Dächern der Häuser sich verfangend, singt er dort ein trübes, düsteres Lied. . . . Aengstlich schmiege ich mich an meinen, mich an der Hand haltenden >Vrüder. Eine lange Holzlaterne, deren eine, zur Hälfte ausgeschlagene Scheibe durch ein Stück Papier ersetzt ist, wiegt sich in seiner Hand regelmäßig hin und her, und die schwachen Lichtstrahlen gleiten rasch von einer Pfütze in die andere. Und dort, .in der, Ferne, sieht man durch den dichten Nebel mehr und immer mehr solch' leuchtender Punkte, welche, in dem undurchdringlichen Dunkel flimmernd, alle auf dasselbe Ziel zusteuern. Mit Mühe schleppe ich die Füße in dem kalten, klebrigen Straßenschmutz, strenge mich an, vorwärts zu kommen, und fühle das immer heftiger werdende Klopfen meines Herzens. Schon haben wir die alte, halbverfaulte Brücke, die über den Graben führt, hinter uns gelassen, irgend einen vernachlässigten Garten durchschritten, — da tauchten aus dem uns umgebenden Dunkel plötzlich die Umrisse der alten Synagoge vor ,uns auf. Wie ein großer, schwarzer Fleck ragt, mit,der Finsternis der Nacht zusammenfließend, das hohe Dach empor. Eine einsame, halb kahle Birke schmiegt sich schüchtern an die sich neigende Mauer der Synagoge, als ob sie in diesem schrecklichen Unwetter Schutz und Schirm bei "ihr suche. Rasch steige ich die glatten, halbverfaulten Stufen empor. Wir öffnen die laut kreischende Tür, — und sofort umfängt uns eine warme, drückende Luft. Die Synagoge ist voll von Andächtigen. Trübe rauchen an den Wänden winzige Petroleumlämpchen: hie und da flimmert das unsichere Licht einer Talgkerze, und sein matter Glanz huscht über ein hageres, müdes, verschlafenes Gesicht. Und über all' dem erhebt sich ein ununterbrochenes, einem dumpfen, entfernten Brausen gleichendes Geräusch. Man empfängt den Eindruck, als ob die Synagoge mit dem Sich-Versammeln der Leute hier nicht einverstanden sei: warum stören sie ihren stillen Frieden? warum hallt um Mitternacht, da alles, was lebt, sich dem süßen Vergessen hingibt, hier ihr lautes Schluchzen wieder? Kann denn ihr Weinen nur des Nachts gehört werden? Gibt es denn ein Schluchzen, welches jenes unterdrücken könnte? Gibt es denn Tränen, in denen jenes sich auflösen kann? .. . - ,

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