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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-12-18 · 51 (18.12.1908) · page 18

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
51 (18.12.1908)
Date
1908-12-18
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Seite 906 Dr. Mocb's Mocbenscbrttt. Ar. 51 Sendungen sind zu richten an Elsbeth Meyer, geb. Neumann, Berlin, W. 62 per Adresse Frau E. Brünn, Kurfürstenstraße 126. Austritte aus dem Judentum. Vom 6. bis 12. Dezember 1908. Blum Rudolf, Dr., praktischer Arzt, geb. 18. April 1871, Znaim, VIII., Josefstädterstrasse 73. Fritz Adolf, Hilfsarbeiter, geb. 3. Juli 1890, Krems, XII., Koppreitergasse 2. Justitz Maria, Köchin, geb. 10. Februar 1683, Benescbau, II., Erummbaumgasse 10. Katay Julius, Kapellmeister, geb. 7. Juli 1883, Wien. Klamper Rosa, geb. 29. September 1884, Wien, XIV., Schwendergasse 9. Koch Gabriele, Private, geb. 3. September 1873, Lemberg, XIII, Hadikgasse 112. Borges Ritter von Portheim Viktor, Privaf, geb. 19. Februar 1871, Prag I., Opernring 3. Schreiber Zygmunt, Privatbeamter, geb. 16. November 1884, Tarnow, II., Obere Donaustrasse 37. Sokal Marcell, Dr., Advokaturskandidat, geb. 4, September 1894, Czernowitz, I., Bankgasse 2. Pohrlitz. Am 9. Dezember feierten der Beirat unserer Kultusgemeinde Herr Wilhelm Bader und dessen Gattin Rosa, welche dem israelitischen Frauenwohltätigkeitsverein als Präsidentin vorsteht, in aller Stille das Fest ihrer silbernen Hochzeit. Wegen ihres biederen Charakters, wie auch wegen ihrer regen Betätigung an wohltätigen Akten erfreuen sie sich in hohem Maße der Achtung und Wertschätzung ihrer Mitbürger, die auch bei diesem Anlässe vielfachen Ausdruck erhielt. Möge es Ihnen auch vergönnt sein, in abermals 25 Jahren in ungetrübter geistiger und körperlicher Frische ebenso ihre goldene Hochzeit zu feiern. Czernowitz. (Trauung.) Dienstag den 22. Dezember l. I. um 2 Va Uhr nachmittags findet im hiesigen Tempel die Trauung des Fräulein Irma Rosenfeld, Tochter des Herrn Oberrabbiners Dr. Josef R o s e n f e l d, mit Herrn Josef Rosenberg statt. Prag. (Antisemitische Exzesse in Böhmen.) Aus Schlau wird unterm 9. Dezember berichtet: Gestern abends wurden hier nach einer Versammlung der tschechisch-nationalen Sozialisten den jüdischen Kaufleuten Fensterscheiben eingeschlagen. Die Eheste waren vorher angedroht worden. Gleichwohl haben die Beamten der Bezirkshauptmannschaft alle Maßnahmen unterlassen und auch die bekannten Anstifter der Exzesse nicht verfolgt. Pilsen. Am 9 d. M. starb hier der gewesene Fabrikant Herr Mmöws Pollak aus Hartmanitz, der es in reichstem Maße verdient, daß feiner auch in dieser Zeitschrift in ehrenden Worten gedacht werde. Ausgestattet mit einem fromm angelegten Gemüt, besaß er ein warmes Herz^ fürs Judentum und deffen Glaubenslehren, so daß in seiner Persönlichkeit Trefflichkeit des Charakters und edles Menschentum zu einer mnigen Harmonie verschmolzen. Wohltätig gegen alle Armen ohne Unterschied der Konfession, betätigte er seine hervorragende Herzensgüte ganz besonders gegen die verschämten Notleidenden, deren Gefühle er seiner vornehmen Gesinnung entsprechend zu schonen verstand. Im Vereine mtt seiner wackeren Gattin, die ihm würdig zur Seite stand, bildete sein Haus eine Pflanzstätte echt religiösen Lebens, darin die hehren Traditionen unserer heiligen Lehre eifrig gepflegt wurden. Wie belebten sich die Züge des alten Mannes, wenn er darauf zu sprechen kam, daß in seinem Hause auch die orthodox denkenden Rabbiner speisen konnten. Als seine edle Gefährtin vor ungefähr zwei Jahren starb, da brach sein Herz, er konnte diesen Schmerz nicht verwinden; er welkte ihr nach und siechte zrsehends hin. Das Andenken dieses guten Juden, der das Glück hatte, von trefflichen Kindern und Schwiegersöhnen betreut zu werden, wird stets ein Segen bleiben. Lecher Zadik liwrochoh. Olmiitz. Von einem schweren, fast unersetzlichen Verlust wurde unsere Gemeinde betroffen. Der Vizepräsident derselben, Likörfabrikant Herr Josef Löw, wurde im 67. Lebensjahre am 11. d. M. nach kurzem Verden^ unvermutet in ein besieres Jenseits abderufen. Josef Low war ein Mann von hervorragenden Anlagen des Geistes und noch herrlicheren Vorzügen des Herzens, stets hilsteich mit Rat und Tat, eine unermüdliche, fast übermenschliche Arbeitskraft. Durch diese seine Eigenschaften erwarb er sich das Vertrauen nicht nur seiner Glaubensgenoffen, sondern auch seiner Mitbürger. Durch viele Jahre ein rastlos und verständnisvoll arbeitendes Mitglied des Stadtverordnetenkollegiums, wurde er — hier der erste Jude - jüngst in den Gemeinderat gewählt; er war Mitglied der Handelskammer, Mitbegründer, Mitglied und Leiter vieler beruflicher, öffentlicher und finanzieller Institute und Genoffenschaften und aller Wohltätigkeits- Vereine. Als glaubenstreuer Jude widmete er durch 80 Jahre den größten Teil seiner Zeit unserer Gemeinde, die er von ihren ersten kleinen Anfängen heranwachsen sah, und um deren Emporblühen er sich am meisten verdient gemacht hat. Zu allen Wohltätigkeitsvereinen, zu allen Wohltätigkeitsaktionen legte er den festen Grundstein, stets bereit, zu geben, mit vollem Herzen zu geben, wo es nottat. Sonntag den 14. l. M. fand sein Leichenbegängnis statt, welches Zeugnis gab von der allgemeinen Anerkennung und Verehrung. Das Gotteshaus im Trauerschmuck erwies sich als viel zu klein für die große Zahl derer, die herbeigeeilt waren, ihm die letzte Ehre zu erweisen. Die Vertreter aller staatlichen und kommunalen Behörden, aller öffentlichen und finanziellen Institute und Vereine, Abgesandte vieler Nachbargemeinden waren zur Trauerfeier erschienen. Nach den rituellen Gesängen, unter der Leitung des Oberkantors Schlesinger hielt Se. Ehrw. Herr Rabbiner Dr. Oppenheim eine herzergreifende, die seltenen Eigenschaften, Wert und Bedeutung des Verewigten, würdigende Trauerrede. Wie das Blut zum Herzen geht und vom Herzen in die Adern und Aederchen geleitet wird, um allen Teilen des Körpers Leben und Kraft zuzuführen, führte der Redner aus, so war Josef Löw das Herz der Gemeinde, dessen Hand alle die wichtigsten und kleinsten Angelegenheiten leitete und immer, so weit es an ihm lag. zum Guten und Segen leitete, war er auch das gute Herz der Gemeinde, denn er war ein Mann der Vermittlung und des Friedens, der sein Amt mit Milde, maßvoll, nicht pochend auf das Recht und die Macht seiner Würde ausübte. Hierauf nahm Kultuspräsident Dr. Eben in herzlichen Worten von dem langjährigen Mitarbeiter Abschied. Ein schier endloser Zug gab dem Verstorbenen das Geleite zum Gottesacker, wo er in der eigenen Familiengruft zur ewigen Ruhe beigesetzt wurde. Skotschnu. Sonntag den 13. d. M. veranstaltete die hiesige Gemeinde einen Trauergottesdienst für ihren in Gott ruhenden, ihr so plötzlich entrissenen Seelsorger, Se. Ehrwürden Herrn Dr. L. D o b s ch ü tz. In der schwarz drapierten Synagoge war fast die ganze Gemeinde samt der tiefgebeugten Witwe und den beiden Kindern versammelt. Herr Rabbiner Dr. D r o b i n s k i aus Friedek-Mistek, der treue Freund des Verblichenen, schilderte in bewegten Worten, wiederholt von Tränen erstickt, das Wirken dieses edlen Mannes. Freiwaldau. Am 13. d. M. fanden die Neuwahlen in den Ausschuß statt und wurden gewählt die Herren: Julius L i ch t w i tz, Dr. Max Wasservogel, Dr. Siegfr. Gl aser, Sigm. Werner, A. Lichtenstern, Sig. Braun und Georg Bruder; als Ersatzmänner die Herren: Baukommissär der k. k. Staatsbahn Ing. Emil Schlesinger, Heinrich Löwy und A. Bergmann. Das Mendelssohn-Denkmal in Berlin. Aus Berlin wird berichtet: Das Denkmal für den Philosophen Moses Mendelssohn ist in dem Vorgarten der jüdischen Knabenschule in der Großen Hamburgerstraße aufgestellt worden. Es ist eine Schöpfung des Berliner Bildhauers Rudolf M a r k u s e und besteht aus einem Sockel aus grünem Dolomit, auf dem sich die Bronzebüste des Verstorbenen erhebt. Die Inschrift auf dem Sockel lautet: „Moses Mendelssohn 1729—1786." Die Büste ist vorläufig noch verhüllt, da die schlichte Einweihung am 4. Jänner, dem 122. Todestage Mendelssohns, erfolgen wird. Berlin. Aus dem Nachlasse der am 11. Juni 1908 in Berlin verstorbenen Frau Professor F. Bernstein find dem „Hilfsverein der deutschen Juden" 20.000 Mark überwiesen worden. Diese Stiftung ruft die Erinnerung wach an den angesehenen Berliner Universitätslehrer Professor Bernstein, der im Jahre 1894 verstorben ist. Bei den ersten russischen Judenverfolgungen unter Jgnatiew hat er sich in eifrigster Weise an der Hilfsaktion zugunsten der Unglücklichen beteiligt. Seine ihn um viele Jahre überlebende Gattin war. nicht nur durch ihre Wohltätigkeit bekannt, sie war auch eine feinsinnige, namentlich auf dem Gebiete der Kunst hervorragende Dame, deren Haus der Mittelpunkt angesehener intellektueller Kreise war. Konftantinopel, 1. Dezember. Außer Rechtsanwalt C a r a s s o in Saloniki, dessen Wahl wir bereits meldeten, ist unser Glaubensgenosse Mazliach in Smyrna zum Parlaments-Deputierten gewählt worden. Es ist begründete Aussicht, daß hier der jüdische Kandidat F a r a g g i siegreich sein wird.

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