Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 50 (11.12.1908)
- Date
- 1908-12-11
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 50 Dr. Llocb's Mocbenscdrttt. Sette 883 z. B. die Armenier, die die Juden an Zahl bedeutend übersteigen, im Vilajet Aidin, dessen Sitz Smyrna ist, noch keinen einzigen Abgeordneten. Die Griechen, deren Bevölkerung bloß im Vilajet Aidin fich einer halben Million nähert, haben trotz Propaganda, dre mit den lärmendsten Szenen verfolgt wurde, es nur mit Mühe auf zwei Deputierte bringen können. Der Grund ist darin zu suchen, daß die Türken gegen die Griechen sehr argwöhnisch sind und den Juden Vertrauen entgegenbringen. Eine jüdische Anleihe an die Türkei. Ein englisches Blatt berichtet: Der bekannte jüdische Finanzier und Philanthrop, Eduard Stern in London, weilt gegenwärtig in Konstantinopel, wohin er wegen Durchführung einer Anleihe von der türkischen Regierung berufen wurde. Herr E. S t e r n ist als Philanthrop und besonderer Kenner des Orients bekannt. Er ist der Begründer und Förderer des jüdischen Spitals in Damaskus, und auch andere philanthropische Einrichtungen im Orient haben die Juden seiner Initiative und Fürsorge zu danken. Israel Zangwill über Scholem Aleichem. Die „Union of Jewish Literary Societies" von London hat vorige Woche zu Ehren und zu Gunsten des jubilierenden jüdischen Humoristen Scholem Aleichem (Salomon Rabinowitz) eine Festversammlung veranstaltet, zu welcher auch Israel Zangwill geladen war. In einem Entschuldigungsschreiben an den Schriftsteller Isaak Kohen schreibt Zangwill u. a.: „Ein silbernes Jubiläum scheint wirklich ein ironischer Ausdruck für einen Mann, der von seiner Arbeit nur wenig Silber aufzuweisen hat und dessen Gesundheit ihm wenig Grund zum Jubilieren gibt. Der Humor und das Pathos in den Werken unseres Freundes sind so meisterhaft, daß er, hätte er nur das Glück gehabt, in englischer Sprache zu schreiben, ohne Zweifel das Einkommen eines amerikanischen Humoristen gehabt hätte. Sein Anspruch an die jüdische Öffentlichkeit von heute besteht nicht in der Tatsache, daß er jüdisch schreibt, sondern, daß 'er ein Mann ist, der nach einer langen und tadellosen Laufbahn sich in gebrochenem Gesundheitszustände und demzufolge stark herabgeminderter Arbeitsfähigkeit befindet. Versuchen wir, sein silbernes Jubiläum ihm zu vergolden." Die Eröffnung des jüdifch-galizifchen Spitals „Har Hamoriah" in Newyork. Aus Newyork wird geschrieben: Vielleicht niemals noch hat auf der Ostseile von London eine so imposante solenne Feier stattgefunden, wie die Eröffnung des vom „Verbände der galizischen und Bukowinaer Juden" errichteten jüdischen Spitals „Har-Hamoriah". Die Front des Spitals war teils mit Fahnen, unter ihnen auch die jüdische Nationalfahne festlich geschmückt. Schon mehrere Stunden vor Beginn der Feier haben sich nahezu 30.000 Menschen vor der neuen Krankenanstalt angesammelt. Die Feier begann mit einer Festversammlung in den „Progreß Assemoly Rooms", wo sich über 1000 Festgäste eingefunden hatten. Als erster sprach Herr A. Schechner, der dem Verbände zu seiner großartigen Leistung gratulierte. Nach ihm sprachen Dr. Salomo Neumann. I. Pfeffer und Josef Barondes, die ^>ie Entwicklung des Verbandes und die Entstehung des Spitals schilderten und die Mitglieder des Verbandes aufforderten, dessen Bestrebungen auch weiterhin zu fördern. Hierauf begab sich die Versammlung zum Spital. Die Straßen waren so dicht von Menschen besetzt, daß die Festgäste sich nur mit Mühe und Not einen Weg bahnen konnten. Im Spitalsgebäude hielt der Präsident des Verbandes, Herr B. Semmel, die Eröffnungsrede und stellte dann den Präsidenten des Stadtrates, Patrick Mac Gowan, vor, der die Gratulationen der Kommune überbracht hatte. Hierauf hielt der bekannte Philanthrop Jakob H. Schiff eine Rede, die auf die Zuhörer einen mächtigen Eindruck hervorrief. Herr Schiff selbst war bei der Schilderung des Anteils, den die galizischen Juden an der Entwicklung Newyorks und Amerikas hüben, so gerührt, daß er zu schluchzen begann. Herr Schiff öffnete das Haupttor des Spitals mit einem goldenen Schlüssel, worauf die Festgäste die inneren Räume der Anstalt besichtigten. Das Spital hat vorläufig 100 Betten und 4 private Krankenzimmer, ist mit allen modernen Hilfsmitteln aufs glänzendste ausgestattet. Jeder der Gäste, der das Spital besichtigte, ließ eine Spende zurück, oder ließ sich ins goldene Buch eintragen. Auf diese Weise wurden in einigen Stunden über 10.000 Dollars aufgebracht. Jakob H. Schiff meldete seine Mitgliedschaft mit einem Check auf 500 Dollars an. Die Einweihungsfeier hat volle zwei Wochen gedauert. Jeden Tag marschierten andere Vereine, die dem Verhande angehören, mit Fahnen unter Musikspiel in das Spital und jeden Abend wurde ein anderes Fest veranstaltet. Der Verband zählt heute über 350 Vereine zu seinen Mitgliedern. Die musterhafte Leitung des Verbandes hat in jüngster Zeit auch mehrere ungarische und rumänische Vereine veranlaßt, um Aufnahme in den Verband anzusuchen. Wird der Verband dem Ansuchen stattgeben, so dürfte das der erste Schritt zur Vereinigung aller österreichischen Juden in Newyork zu einem Verbände sein. Auch der Ärztestab besteht aus lauter Galizianern, beziehungsweise Bukowinaer Juden. Es sind dies die Professoren DDr. Abraham Jako bi, Isaak Adler. W. S. Falk, Howard Lilienthal. Willy Meyer. M. Kaplik, N. Hoffmann. A. Freudenthal, L. Koller und S. Fränkel. Veriniscbtes. Israelitische Kultusgemeinde Wien. Oeffentliche Plenarsitzung des Kultusvorstandes Sonntag den 13. Dezember 1908, 10 Uhr vormittags, I., Seitenstettengasse 4, II. Stock. Tagesordnung: Bericht des Präsidenten über die Leitung der gesamten Wahlbandlimg und Entscheidung über die Gültigkeit der am 23. November und 3. Dezember 1908 vorgenommenen Wahlen. Vortragszyklus ans jüdischer Geschichte, Literatur und Kultur. Donnerstag den 17. Dezember 1908, präzise 728 Uhr abends, findet im Festsaale des Ingenieur- und Architekten-Vereines, I.. Eschenbachgaffe 9, ein Vortrag deS Herrn Rabbiners Dr. Max Orunwald statt. Thema: „Das Kiud in der jüdischen Geschichte nnd Volkskunde". Mit Vorführung von Lichtbildern. Eintritt frei, ohne Karten. Die Wohltätigkeitsvereine in der Brigittenau- Anläßlich des 60jährigen Regierungsjubiläums hatten die israelitischen Wohltätigkeitsvereine: der „Frauenverein" unter dem Präsidium der Frau Dr. Emilie Weiß, die „Bruder" unter der Leitung des Herrn Heinrich Weiner und der „Unterstützungsoerein" unter dem Obmanne Jakob Ko hu, am 29. November 367 arme Schulkinder mit neuen warmen Neidern und Schuhen beschenkt. Tags darauf veranstalteten die Vorstände dieser drei Vereine im Gasthaus M a r k o v i t s einen gemütlichen Abend, der sehr gut besucht war. Bei demselben hielt Herr Josef K o h n die Festrede auf den Kaiser als edlen Menschenfreund auf dem Thron und in das von ihm ausgebrachte Hoch stimmten alle dreimal begeistert ein. (Brigittenauer israelitischer Frauen- Wohltätigkeits-Berein.) Die Generalversammlung dieses Vereines findet Sonntag den 13. d. M. um 3 Uhr