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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-12-11 · 50 (11.12.1908) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
50 (11.12.1908)
Date
1908-12-11
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 50 Vr. Vwch's WochrnfttzrW. Seite 881 II. Bon den höherbesteuerten Mitgliedern: Emil Askonas kais. Rat Bernh. Räch t- Julius Bellak k. k. Kom.-Rat Eduaril Doktor Adolf Ehrenfeld Alex. Engel de Janosi kais. Rat Philipp Fleischl Hermann Freistadtl kais. Rat Arnold Fröhlich Julius Granichstätten Ludwig Herschmann Paul Hirsch k. k. Kom.-Rat Ernst Klinger Philipp Kohn Rudolf Kohn k. k. Kom.-Rat Karl Kraus Wilhem Kux, Direkior kais. Rat Goltlieb Lederer kais. Rat Alois Lemberger kais. Rat Paul Lemberger Richard Lieben Gustav Perger Pollak Friedrich Quittner Siephan Siggmund Ries/ k. k. Kom.-Rat Karl Schiit/. Ignaz Selinko Gustav Sobotka Dr. Josef Stern kais. Rat Josef Tofller kais. Rat Friedrich Vogel k. k. Kom.-Rat Eduard Wiener Ernst Wolf Julius Wolf Donat Zifferer Eine Parlamentsinterpellation über den Zionismus.. Im ungarischen Parlamente richtete das Mitglied der antisemitischen Volkspariei, Abgeordneter Szinrecsany, an den Unterrichtsminister eine Interpellation über die dem Zionistenverbande angehörenden Professoren. Georg Szmrecsany versichert, er sei bei seiner Interpellation nicht von konfessionellen Momenten geleitet und wolle gegen die Judenheit nicht Stimmung machen. (Heiterkeit.) Redner verwahrt sich gegen diesen Ausbruch der Heiterkeit, welche gegen den Ernst seiner Interpellation gerichtet zu sein scheint. Präsident ersucht den Redner, das Urteil darüber, wann eine Ermahnung am Platze ist, ihm zu überlassen. (Zustimmung.) Georg Szmrecsany gibt ein Bild von dem Entstehen des Zionismus und nennt als dessen Urheber H e r z l und N o r d a n. (Große Heiterkeit.) Zwischenrufe: „N o rd a u nicht Nord a n!" Der Zionismus hat keine konfessionelle, sondern eine Rassen- und nationale Grundlage und er strebt die Errichtung eines nationalen Staates an, aus Elementen, welche in ihrer gegenwärtigen Heimat sich nicht assimilieren können oder wollen. Der Zionismus ist aber keine humane Aktion oder Institution, wie es die Baron Hirsch'sche Stiftung ist, sondern eine politische Propaganda mit irredentistischem Charakter. (Heiterkeit.) Der erste zionistische Kongreß fand in Ungarn im Iahre 1904 in Pozsony statt. Seither hat hier diese Bewegung so um sich gegriffen, daß es kaum eine Ortschaft oder Gemeinde gibt, in welcher nicht ein Komitee für den Zionismus mit Verbreitung seiner Lehren und mit Sammeln von Geldspenden wirken würde. In 1058 Sammelbüchsen wurden 1301 Kronen gesammelt. (Große Heiterkeit.) Diese Lehren wollen die ungarischen Iuden, deren größter Teil bisher immer patriotisch war. dahin bringen, daß sie dieses Land verlassen, in welchem sie eine Heimstätte und Brot gefunden. (Stürmische Heiterkeit.) Redner würde ja die jüdischen Elemente, welche hier unzufrieden sind, nicht mit Gewalt zurückhallen. (Große Heiterkeit), wenn nicht nach seiner Meinung der ganze Zionismus eine Utopie wäre. So aber haben die zionistischen Lehrer keinen anderen Erfolg, als daß sie den Samen der Vaterlandsfeindlichkeit streuen. Und deshalb muß das Vertrauen gegen jöne jüdischen Professoren erschüttert werden, die an unseren Hoch- und Mittelschulen lehren, dabei sich der zionistischen Bewegung angeschlossen haben, ihren Vereinen angehören, an ihren Versammlungen teilnehmen. Redner empfiehlt demnach dem Kultusminister, feine Aufmerksamkeit der Lehrtätigkeit dieser Professoren zuzuwenden. und wünscht, den Minister des Innern darauf aufmerksam zu machen, daß der Zionistenverein Statuten hat. in welchen zu Geldsammlungen aufgefordert wird, welche jedoch behördlich gar nicht genehmigt sind. Redner glaubt, richtig gehandelt zu haben, indem er zur Eindämmung dieser gefährlichen Bewegung das Wort genommen hat und bringt folgende Interpellation ein: „Hat der Herr Minister des Innern Kenntnisdavon, daß sich im ganzen Lande Zionistenvereine bilden und daß sie Geld sammeln, ohne daß sie behördlich genehmigte Statuten und die Erlaubnis zum Geldsammeln haben, und ist er geneigt, in dieser Sache eine Untersuchung einzuleiten? Hat der Herr Kultusminister Kenntnis davon, daß Universitäts- und Mittelschulprofessoren, sowie Bolksschullehrer an Zionistenbewegungen teilnehmen, Mitglieder von Zionistenvereinen sind, im Kreise der ihrer Fürsorge anvertrauten Iugend zionistische Ideen verbreiten, zionistische Iugendvereine bilden und in denselben zur Förderung der zionistischen Zwecke Geld sammeln? Hält der Herr Kultusminister eine solche Tätigkeit mit dem Lehrberufe vereinbar?" Die Interpellation wird an den Kultusminister geleitet. Die Interpellation, die, wie man sieht auch im ungarischen Parlamente nicht ernst genommen wurde, ist eigentlich die Antwort auf eine Aktion einiger jüdischer Budapester Gemeinderäte gegen den antisemitischen Gymnasiallehrer Friedrich, der es sich zum Sport gemacht hatte, die jüdischen Mittelschüler sowohl in der Schule als auch in der antisemitischen Presse in rüdester Weise zu beschimpfen. Die Interpellation Szmrecsany s war eine mißglückte Anwendung des im Antisemitismus entstandenen Sprichwortes: „Schlägst du meinen Iuden, schlag' ich deinen Iuden." Antisemitische Preßblüten. Eines der bösartigsten Preßreptilien, welches in Oesterreich existiert, find wohl die „Egerer Nachrichten", welchemangels des nötigen Stoffes seine Spalten teils mit gestohlenen Nachrichten, teils mit Schimpfartikeln über die Juden ausfüllt. Keine Woche vergeht, ohne daß nicht in der schamlosesten Weise über die Juden im Egerer Kreise hergefallen wird, und zwar mit einer so abscheulichen Ausdrucksweise, wie man fie selbst in den verkommensten antisemitischen Blättern nicht findet. Unsere Glaubensgenoffen sollten fich über dieses Schimpfen nicht ärgern. Bor 15, 10 oder sogar vor fünf Jahren waren die politischen Verhältnisse in Eger, Karlsbad oder Komotau derart, daß die Schönerer-Partei mit ihrem Georg Schönerer, ihrem Iro, Stein und H o f e r eine unbefiegbare Großmacht in Nordwestböhmen bildete. Heute spielt die Partei eine wahrhaft klägliche Rolle; fie führt ein klägliches Dasein; aus den Anhängern, die fich stolz „nackensteife deutsche Recken" nannten, find halbverhungerte Diurnisten, Lehrburschen, Dorfmufikanten und Marktfieranten geworden; in den elendesten Kneipen und unter den Plattenbrüdern des Egerlandes muß man nach den „Anhängern der großen Schönerer-Partei" suchen. Dieser erbärmliche Zusammenbruch der Schönerer-Partei ist in erster Reihe den „Egerer Nachrichten" zu verdanken. Dies Blatt hat das Schönerertum infolge seiner Schreibweise derart heruntergebracht, daß es schließlich auf den Hund kam. Im Parlament und Landtag strengten fich die Führer an, die Partei zu halten und schrieen fich die Kehlen wund, und zuhause, in Eger, verdarb das tölpelhafte und geschickte Schimpfen ihres Leibblattes, die „Egerer Nachrichten", was in Wien und Prag gekocht wurde. Wie man immer von den Deutschnationalen des Egerlandes denken mag. so muß man zugeben, daß fie fich nicht nur selbst nach und nach von diesem Blatt zurückgezogen haben, sondern sogar die verantwortlichen Führer der eigenen Partei haben fich von demselben losgesagt. Bei dieser Sachlage ist es wahrlich ganz ungerechtfertigt, fich wegen Angriffe in diesem Blatte zu ärgern, und wir geben unseren Glaubeusgenoffen im Egerland den Rat, den Auslassungen eines derartigen Schundblattes keine Beachtung zu schenken.

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