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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-12-11 · 50 (11.12.1908) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
50 (11.12.1908)
Date
1908-12-11
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 50 Dr. Lised's Moedenscbrirr« Seite 877 Ertrag der Häuser war 5539 fl. 27 Pfd. alt 9 H., so daß der Rat, der dem König hiefür 8000 fl. bezahlt, einen Verlust von über 2460 fl. zu verzeichnen hatte. Die Juden aber hatten vor Mittfasten 1499, also bis etwa zum 9. März, die Stadt verlassen müssen, was diesmal allerdings ohne alle Gewalttätigkeit des Nürnberger Pöbels erfolgt war Ein Teil fand dank der Menschenfreundlichkeit der Markgräfin Anna von Brandenburg in deren Witwensitz Neustadt a. H. eine Heimat, die sie aber nach ihrem Tode im Jahre 1515 auf Anordnung der Markgrafen Kasimir und Georg wieder verlassen mußten. Der größte Teil zog nach' Frankfurt, wo er trotz des Einspruches des Pfarrers Konrad Hensel Aufnahme fand, ein geringerer Teil soll sich nach Prag gewendet haben. Vielleicht fanden auch einzelne in der Umgegend von Nürnberg, wie in Ottenioos, Schnaittach, Hüttenbach und anderswo Unterkunft, nur nicht in Fürth, wo Markgraf Georg der Fromme erst im Jahre 1528 einen Inden namens B ermann aufnahm. Das Ghetto von Kopenhagen. Nach einem Berichte des „Morning Leader" aus Kopenhagen hat sich im Verlaufe des letzten Jahres eine unverhältnismäßig große Zahl russischer Flüchtlinge in Kopenhagen niedergelassen und daselbst ein neues Ghetto feschaffen. Woche um Woche kamen die russischen Juden zu Hunderten in das Land; die Meisten besetzten die ärmsten Teile der Hauptstadt. Die Uebersüllung dieses neuen Ghettos, welches von mehreren tausend Juden bewohnt wird, hat bereits die öffentliche Aufmerksamkeit auf sich gelenkt. Die sanitären Zustände in diesem Viertel wurden immer bedrohlicher, so daß die Stadtbehörden den vielen stürmischen Protesten gegen die Duldung solcher Zustände nachgeben mußten und nun den Beschluß faßten, das Ghettoviertel vollständig zu demolieren und an dessen Stelle neue moderne Straßen anzulegen. Die ärmeren Juden beginnen auch schon das Ghetto zu verlassen und außerhalb der Stadt sich anzusiedeln. Die jüdischen Fleischbeschauer sind zu strenge. Im englischen Unterhause kam vorige Woche eine interessante Frage zur Sprache. Abgeordneter Mr. Hunt richtete an den Präsidenten der Kommission für Lokalverwaltung die Anfrage, ob es ihm bekannt sei, daß Tausende von importiertem geschlachteten Vieh, die von den Behörden ° der jüdischen Gemeinde wegen verschiedener Krankheitssymptome für den Genuß verboten wurden, dennoch in Verkehr gebracht und an Christen verkauft wurden. Der Interpellant fragt nun, ob die kompetenten Behörden die Absicht haben, dieser für die sanitären Zustände der Hauptstadt Englands wichtigen Frage ihr Aufmerksamkeit zuzuwenden? In seiner Antwort gibt nun Mr. B u r n s zu, daß jüdische Fleischbeschauer in zahlreichen Fällen importiertes geschlachtetes Fleisch zurückgewiesen haben und daß dieses Fleisch dann tatsächlich zum Verkaufe gelangt ist. „Die Zurückweisung durch den jüdischen Fleischbeschauer", meint Mr. Burns, ist noch kein Beweis dafür, daß das Fleisch sich nicht als Nahrung für Menschen eigne. Die jüdischen Fleischbeschauer stellen eben an die Genießbarkeit des Fleisches viel strengere Bedingungen als selbst die strengsten Hygieniker." Das verkannte Deutschland. Dem in Boston erscheinenden „Globe" entnehmen wir folgende Notiz über den amerikanischen Austauschprofessor Doktor Adler an der Berliner Universität. „Die Aufnahme Prof. Adlers, dessen jüdisches Stammestum und dessen Ausbildung zum jüdischen Theologen im offiziellen Verzeichnis der Berliner Universität verzeichnet ist, hat eine mehr denn rein akademische Bedeutung. Als amerikanischer Professor an einer preußischen Universität empfängt er Ehren und Auszeichnungen, auf welche deutsch-jüdische Professoren vergeblich warten sollen. Eine Sendung wie die Dr. Adlers überragt natürlich alle akademischen Abgrenzungen und seine Aufnahme seitens der demokratischen Intelligenz der Berliner Universität muß einen merklichen Einfluß auf das öffentliche Gewissen bezüglich der Gleichberechtigung und brüderlichen Achtung der Juden ausüben." Angesichts solcher Illusionen erkennt man die Notwendigkeit des Institutes der Austauschprofefforen, das geeignet ist, hüben und drüben gegenseitig die Kenntnis der Volkspsyche zu vermitteln. Iubiliirrmsfeierlichkeiten. Ansprache beim HnldigungsgoLtesdienst am 2. Dezember 1AV8 im israelitischen Tempel der Seitenstetteugasse, gehalten von Oberrabbiner Dr. Gndemann. „Die außergewöhnliche Andacht, die uns versammelt, entspricht dem außergewöhnlichen Anlaß, der sie hervorgerufen hat. Sechzig Jahre — ein Zeitraum, den nicht sehr viele Menschen vollenden und nur wenige überschreiten, — sechzig Jahre find verflossen, seitdem unser erhabener Kaiser den Thron bestiegen hat. Als Jüngling nahm er davon Besitz, mutig und entschloffen einer ungewissen Zukunft harrend, und als hochbetagter Greis behauptet er ihn mit Jugendkraft und schaut zurück auf eine ruhmreiche Vergangenheit. Wenn wir Juden, als das Volk der Schrift, bei jedem wichtigen Anlaß dieses alte Gottesbuch aufschlagen, um daraus Belehrung und Erbauung zu schöpfen, so fällt heute unser Blick auf die ehrwürdige Gestalt Abrahams. Von ihm sagt die Schrift: „Abraham war alt geworden und in die Tage gekommen." Damit man aber nicht glaube, daß diese Worte eine bloße Zeitangabe enthalten, bemerken unsere Weisen dazu: „Bis zu Abraham hat es kein Greisenalter gegeben". Wenn wir diese Bemerkung buchstäblich nehmen, dann steht sie in völligem Widerspruch mit der biblischen Geschichte. Denn vor Abraham sind die Menschen viel älter geworden als er. Dennoch ist die Bemerkung unserer Weisen wahr und treffend, wenn wir ihr auf den Grund gehen. Denn alt geworden sein, wie es die Schrift von Abraham aussagt, heißt nicht einen langen Zeitraum willen- und einflußlos durch messen haben und gleichsam von dem Rade der Zeit mitgeschleift worden sein, sondern dieses Altgewordensein, worin sich die hohe Würde des Greisenalters darstellt, das bedeutet über sich selbst hinaus- und an sich selbst herangewachsen sein. Das aber ist es, was durch die erhabene Persönlichkeit unseres Kaisers bestätigt wird und was gerade heute als das hervorstechende Merkmal an dieser Persönlichkeit sich uns aufdrängt. Der einstige achtzehnjährige Jüngling vom 2. Dezember 1848 hat nicht bloß einen sechzigjährigen Zeitraum auf dem Throne durchmessen, sondern die wechselvollen Schicksale, die diesen Zeitraum ausfüllen — Schicksale, die das Reich in seinen GrundvesLen erschütterten und es von neuem befestigten, Schicksale, die den Kaiser als Familienvater ins Herz trafen und ihn doch nicht zu beugen vermochten, — alle diese wechselvollen Erfahrungen, die kaum zum zweiten Male auf einen einzigen Menschen sich vereinigt haben, sie haben den Kaiser zu der größten Leistung emporgehoben, die ein Mensch zu vollbringen vermag: Er ist über sich selbst hinausgcwachsen, und das will sagen, da dieses Wachstum nur von innen heraus erfolgen konnte, er ist an sich selbst herangewachsen zu der alles überragenden Größe und Erhabenheit, die einst Abraham erreichte und die der Psalmensänger mit den Worten beschreibt: „Der Gerechte blüht wie eine Palme, wie eine Ceder auf dem Libanon ragt er empor". So bewährt sich an unserm Kaiser das Huldigungswort aus dem Königspfalm: „Du liebtest Gerechtigkeit und haßtest Frevel, darum salbte dich Gott, dein Gott, mit Freudenöl vor deinen Genossen". Es mag unter den Menschen aller Zeiten größere Herrscher gegeben haben, aber es hat unter den Herrschern aller Zeiten keinen größeren Menschen gegeben, als unfern Kaiser. Unter allen Völkern und Bekenntnissen dieses großen Reiches aber dürfen, ja müssen wir Juden in diesen Huldigungsruf für unfern Kaiser am lautesten einstimmen. Denn während

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