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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-12-04 · 49 (4.12.1908) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
49 (4.12.1908)
Date
1908-12-04
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 49 Dr. Liocb's Mocbensebrm« Seite 865 Die Unterscheidung nach Religionen bedeutet eigentlich nichts anderes, als die Bevorzugung des Bekenners der einen Religion vor den Bekennern einer anderen Religion. Gegen Jemand Stellung zu nehmen, weil er einer bestimmten Religion angehört oder weil er, wie Abraham Lincoln es getan, sich weigert, überhaupt irgend einer Religion sich anzuschließen, ist ein Attentat auf jene Gewissensfreiheit, welche das Fundament des amerikanischen-Lebens bildet. Sie haben das Recht, Auskunft darüber zu verlangen, ob ein Mann, der sich um Ihre Stimme bewirbt, ein Mann von reinem, aufrechten Leben ist, ob er in allen seinen Handlungen seinen Mitmenschen gegenüber ehrenhaft ist und ob er all die Fähigkeiten und Vorsätze besitzt, die er besitzen müsse, um auf dem großen Posten, den er anstrebt, Gutes schaffen zu können, aber Sie haben nicht das Recht, über Angelegenheiten Informationen einzuholen, die ausschließlich zwischen ihm und seinem Schöpfer ausgetragen werden können. Hat es einen Sinn oder eine Berechtigung, Jemanden anzugreisen, bloß weil er Unitarier ist, so müßte es gleichfalls als berechtigt angenommen werden, Jemand zurückzuweisen, weil er über einzelne dogmatische Fragen anderer Anschauung ist. Machen wir in solchen Unterscheidungen einmal den ersten Schritt, dann ist es nicht abzusehen, wo wir mit Recht und gesetzmäßig stehen bleiben dürften. Sie machen Mr. Taft auch den Vorwurf, daß seine Frau und sein Bruder Katholiken seien. Zufällig find fies nicht, aber selbst wenn das ja der Fall wäre, oder gar er selbst römisch-katholischer Konfession wäre, so dürfte dies keinen Menschen in seiner Unterstützung als Präsidentschaftskandidaten irgendwie beeinflussen. Sie behaupten, daß eine große Menge von Wählern, die nicht Katholiken find, nicht wollen einen Mann, sei es für welchen Posten immer, besonders aber für die Präfidentschastsstelle, fördern, der der römisch-katholischen Kirche angehört. Ich bin völlig überzeugt, daß sie durch diese Behauptung ihre Landsleute unbegründeterweise verleumden. Ich kann es nicht glauben, daß eine Masse unserer Mitglieder oder selbst eine geringe Anzahl unserer Mitbürger von so engherziger Bigotterie befangen sei, daß sie einem an sich ehrenwerten Manne ihre Stimme versagen, nur weil er einem bestimmten Glauben angehört. Ein solcher Gesichtspunkt sollte niemals maßgebend sein für die Propagierung oder Ablehnung eines Kandidaten für einen politischen Posten. Ist es Ihnen nicht bekannt, daß es in Amerika einzelne Staaten gibt, in denen die Majorität katholisch ist? Ich würde es in der schärfsten Weise mißbilligen, wenn diese Katholiken ihre Stimme einem Manne versagen würden, bloß deshalb, weil er Protestant ist, und ebenso würde ich es im umgekehrten Falle mit den Protestanten tun. Im öffentlichen Leben war ich gar häufig in der glücklichen Lage, Männer kennen zu lernen, die für politische Stellen gewählt und konstant wiedergewählt wurden in Distrikten, in denen die Majorität der Bevölkerung einer anderen Religion angehört. Ich kenne Katholiken, die fast ganz protestantische Distrikte vertreten und Protestanten, die Vertreter katholischer Bezirke find und unter den Kongreßmitgliedern, zu denen ich in besonders nahen Beziehungen stand, befand sich auch ein Jude, der einen Distrikt vertrat, in welchem es fast gar keine Juden gibt. Alle diese Männer find lebendige Widerlegungen Ihrer Verleumdungen. Ich habe den festen Glauben, daß diese Republik viele Jahrhunderte bestehen wird und dann werden sich unter ihren Präsidenten Protestanten und Katholiken und wahrscheinlich zeitweise auch Juden befinden. Ich habe mich während meiner Präsidentschaft bestrebt, die Katholiken so zu behandeln, wie ich hoffe, daß ein künftiger Präsident, der zufällig der katholischen Kirche angehört, seine protestantischen Mitbürger behandeln möge. Hätte ich einen anderen Kurs eingeschlagen, so hätte ich das Gefühl gehabt, ungeeignet zu sein, das amerikanische Volk zu vertreten. In meinem Kabinett sitzen jetzt Seite an Seite Katholiken und Protestanten, Christen und Juden, von denen jeder erwählt wurde, weil ich die Ueberzeugung hatte, daß er meinem Volke auf dem Posten, auf welchen er gesetzt wurde, nützlich sein könne. In keinem Falle wird ein Mann von seinem religiösen Glaubensbekenntnisse in der Richtung einer Entlastung von seinen Pflichten beeinflußt. Dieselben Grundsätze, die bei der Ernennung der Mitglieder meines Kabinetts, der höchsten Beamten unter mir, denen die Ausführung aller wichtigen politischen Handlungen meiner Administration maßgebend waren, sollten allen amerikanischen Bürgern bei der Auswahl der Männer — sei es im Wege der Abstimmung oder der Ernennung — für den kleinsten oder für den höchsten Posten im Lande richtunggebend bleiben." Vermischtes. Vortragszyklus aus jüdischer Geschichte, Literatur und Kultur. Donnerstag den 10. Dezember 190 8, präzise halb 8 Uhr abends, findet im Festsaale des Ingenieur- und Architektenvereines, I., Eschenbachgaffe 9, ein Vortrag des Herrn Rabbiners Dr. Max Gruuwald statt. — Thema: Ein jüdischer Künstler. Mit Vorführung von Lichtbildern. Eintritt frei, ohne Karten. Oeffentliche Sitzung des Bertreterkollegiums. Sonntag den 6. Dezember 190 8, 10 Uhr vormittags, I., Seitenstettengaffe 4, II. Stock. Gegenstand: Ermittlung und Verkündigung des Ergebniffes der am 3. Dezember 1908 vorgenommenen Wahlen der höherbesteuerten Mitglieder der Kultusgemeinde. Wien. (Vermählung.) Am 9. d. M. findet hier die Vermählung des Komponisten des „Walzertraum" Oskar Straus mit Fräulein Klara Singer, Tochter des Oberkantors kaiserlichen Rat Josef Singer, statt. Wien. (Trauung.) Dienstag den 8. d. M. um V-2 Uhr nachmittags findet im Bethause II., Große Schiffgaffe 8 die Trauung des Fräuleins Cäcilie Hofbauer, Tochter des Herrn Bernhard H o f b a u e r, mit Herrn Benjamin Schreiber statt. Wien. (Trauung.) Sonntag den 6. d. M. um halb 3 Uhr nachmittags findet im Tempel, II., Tempelgaffe, die Trauung des Fräuleins Minni Buchbinder mit Herrn Gustav König st ein statt. Wien. In festlicher und würdiger Weise wurde die Kaiserfeier im israelitischen Mädchen-Waisenhause in der Ruthgasse begangen. Im großen Turnsaale des Institutes, der an der Stirnseite mit einer Kaiserbüste geziert war und dessen Feilster, dem Anlässe entsprechend, durch Kerzenbeleuchtung erhellt, einen schönen Anblick gewährten, versammelten sich die zahlreichen Gäste, welche den an sie ergangenen Einladungen Folge leisteten; man bemerkte unter den Erschienenen den Präsidenten der Anstalt David Ritter v. G u t m a n n mit der Schwiegertochter und der Gesamtfamilie, das Schutzdamenkomitee mit der Präsidentin Baronin Charlotte v. K ö n i g s w a r t e r an der Spitze, den Vizepräsidenten der israelitischen Kultusgemeinde Landesschulrat Dr. Gustav K oh n, Rabbiner Dr. Feuchtwang, Religionsschulinspektor Prof. Dr. M. K a n i tz, die Sekretäre Dr. Adler und Dr. Arnold Ascher, Baurat Wilhelm S t i a ß n y, die Direktoren Fischer von der Kinderbewahranstalt und S. Heller vom Blindeninftitut, sowie viele andere mehr. Dem stimmungsvollen Chor, der als Einleitung der Feier zu Gehör gebracht wurde, liegt ein Festgedicht zugrunde, das von Oberkantor Singer, dem langjährigen, so sehr ersprießlich wirkenden Gesangslehrer des Instituts, vertont und unter dessen Leitung vor-

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