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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-11-27 · 48 (27.11.1908) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
48 (27.11.1908)
Date
1908-11-27
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Nr. 4S »eile «48 Dr. Wlocb's MoctzenscbrM. Israelitischer Frauen-Wohltätigkeitsverein Baden. Anläßlich des sechzigjährigen Regierungsjubiläums Seinr Majestät Kaiser Franz Joseph I. werden vom israelitischen Frauen- Wohkätigkeitsvereine Baden unter der Leitung seiner Präsidentin, der Frau Julie L ei t n e r, im Sitzungssaale der Kultusgemeinde arme Kinder mit Winterkleidern beteilt und mit einer Jause bewirtet. St. Pötten. Am 22. d. M. wurde Herr I. Kaiser, Mitglied der hiesigen Kultusgemeinde und Verwalter bei H. Munk & Söhne in Gr.-Pöchlarn, hier zu Grabe getragen. Das Leichenbegängnis gestaltete sich zu einer aufrichtigen Trauerkundgebung für een so jäh aus dem Leben geschiedenen, überaus beliebten Mann. Der geräumige Zeremoniensaal konnte kaum die grobe Menge der Traurrgäste fassen, unter welchen Kultusvorsteher und Obmann der Chewra-Kadischa Herr Siegfried Schwarz mit dem Gesamtvorstand, der Chef des Hauses H. Btunk & Söhne, Kommerzialrat Herr A. Mahler, viele Großindustrielle, Deputationen des Mannergesangvereines, der Feuerwehr. des Beamtenkörpers und der Arbeiter sich befanden. An der Bahre hielt Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. S. Schächter die Trauerrede, in welcher er den Lebensqang des Verblichenen als Mensch und Familienvater in ergreifenden Worten schilderte. Auch der gesangliche Teil der Trauerzeremonie durch Herrn Kantor Rabinovie machte ergreifenden Eindruck. Am Grabe nahm noch der Chef des Hauses H. Munk & Söhne mit Tranen erstickter Stimme in bewegten Worten Abschied von seinem lai gjährigrn treuen Beamten. 5. K. Freiwaldau Anläßlich des Regierungs-Jubiläums S' . Majestät unseres erhabenen Monarchen findet am Vorabend ein Fcstgottesdienst statt, bei welchem Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. David Rudolfer aus Jägerndorf die Festrede hält. Nagy-Kauizsa. Am 28. d. M. feiert die hiesige Kultusgemeindo das 40jährige Amtsjubiläum ihres Chordirigenten und Bassisten, Herrn Moritz Eckstein. - Der Werdegang dieses von bescheidenen Anfängen sich zu einer rühmlichen Meisterschaft aufgeschwungenen tüchtigen Tempelbeamten bildet die kleine Geschichte seines Lebens. Jahre 1868, als die Kräfte des hier seit Jahrzehnten wirkenden Chordirigenten und Bassisten Jos.f Jeitcles zu schwinden begannen, wurde zur Besetzung dieses Faches ein Konkurs ausgeschrieben und unter vielen Reflektanten wurde Herr Moriz Eckstein, welcher bereits m zwei namhaften Gemeinden teils als Baffist, teils als Kantor wirtte, als vorzüglichster befunden und angestellt. Herr Moritz Eckstein hat sich in der Gesellschaft allgemeine Liebe und Anerkennung "erworbrn und die Gemeinde im Vereine mit den Tempelbeamten ist bemüht, diese Jubiläumsfeier zu eitler der schönsten und herrlichsten zu gestalten. G. . . . Krakau. Aus Freundeskreisen kommt uns folgende Nachricht an: Am 2. Dezember d. I. feiert der hiesige angesehene Kaufmann, svrr Heinrich Heumauu, Kultus- und Gemeinderat der Stadt Krakau, mit seiner Gemabtin Karoline geb. Silberstein, das Fest seiner silbernen Hochzeit. Hemnaun wurde im Jahre 1855 in Tarnow arboren und nach Absolvierung seiner Studien für die kaufmännische Laufbahn bestimmt. Er trat als einfacher Praktikant in das Großh ndlungshaus der Gebrüder Salamou in Tarnow ein, welche ihn schon nach einigen Jahren infolge seiner besonders geistigen Begabung zu ihrem Prokuristen ernannt haben. Späterhin übernahm er selbst das Geschäft dieser Firma und verlegte den Sitz derselben nach Krakau. Hier hat er es.in kaum 12 Jahren infolge des besonderen Vertrauens seiner Glaubensgenoffen soweit gebracht, daß sie ihn zu ihrem Kultus-und Gemeinderat erwählt haben. Heumann ist ein edler, vortrefflicher Mensch von äußerst vornehmen Charaktereigenschaften und erfteut sich deshalb der größten Wertschätzung Aller, die ihn kennen zu lernen Gelegenheit hatten. Dem verdienstvollen Manne, sowie auch seiner Gattin, die ihm treu zur Seite steht und den größten Wohltätigkeitsfinn entfaltet, werden anläßlich ihres Jubel!ages von allen Seiten zahlreiche Gratulationen und Glückwünsche zngehen. Hotzenplotz. (T r a u u n g.) Sonntag den 6. Dezember d. I., um halb 2 Uhr nachmittags, findet im israelitischen Tempel zu Jägerndorf die Trauung des Fräuleins Erna Rudolfer, Tochter Sr. Ehrwürden des Herrn Rabbiners Moses R u d o l f e r, mit Herrn Friedrich Karpfen, Sohn des Herrn Bernhard Karpfen in Krems, k. k. Rechnungsbeamter in Wien, statt. Frankfurt a. M. Professor Dr. Paul Ehrlich, Direktor des königlichen Institutes für experimentelle Therapie, erhielt den Nobelpreis. Ehrlich wurde um 14. März 1854 zu Strehlen in Schlesien geboren. Ein ordentliche Univerfitätsprofeffur konnte d-r geniale Gelehrte, weil er Jude ist, nicht erreichen. Feuilleton. Der Jude von Trient. Von O. Dörry. (Fortsetzung.) Es war keine allzu lange Zeit nach der Hinrichtung des einen und nach der Vertreibung des anderen Teiles der Judenschaft verfloffen, als die ehrbaren Bürger von Trient gegründete Ursache fanden, die Weisheit des gesprochenen Urteils, wenigstens was den letzten Teil desselben betrifft, in Zweifel zu ziehen. Seitdem es in Trient keine Juden mehr gab, konnte ein guter Christ kaum noch leben. Aller Handel und Verkehr war plötzlich verschwunden, und es waren daraus größere Uebelstände und Unbequemlichkeiten erwachsen, als man es denken sollte. Die Unzufriedenheit stieg mit jeder Woche und die hohe Obrigkeit sah sich endlich genötigt, den Juden, die sich in den benachbarten Dörfern niedergelassen hatten, weil sie in anderen Städten nicht ausgenommen wurden, zu gestatten, an gewissen Tagen nach Trieyt zu kommen, um dort ihre Geschäfte wieder aufzunehmen und den Handel zu beleben. An jeglichem dieser Tage, deren nicht allzu viele waren, durften die armen Verstoßenen jedoch nur drei km^e Stunden verweilen und setzten sich den härtesten Strafen aus, wenn der Schlag der dritten Stunde sie noch innerhalb der Mauern ereilte. So war es noch im Jahre 1563, und der freundliche Leser weiß nun, warum der ehrliche Solomon mit seinem blondlockigen Sohn Benjamin seine Hütte unter dem Felsen bei Mora aufgeschlagen hatte und abends unter der fröhlichen Jugend am Brunnen erschien, seine Handelsgeschäfte zu treiben. Natürlich versäumte er es nie, an den bestimmten Tagen gleich allen seinen Glaubensgenossen in die nahe Stadt zu eilen und die drei kostbaren Stunden so gut zu benutzen, als es irgend möglich war. Ein solcher Tag der Gnade war auch der 4. Dezember 1563, ein Tag, der überdem nicht bloß in dem Leben des armen Juden, sondern auch in der Geschichte der christlichen Kirche die größte Bedeutung und Wichtigkeit hat. Der gute, alte Kaiser Karl Y. hatte fast . sein ganzes sorgen- und tatenreiches Leben dazu verwendet, die streitenden Religionsparteien in Deutschland wieder zu vereinigen und den gewaltigen Riß, den der gewaltige Dr. Luther in den Mante des Papstes hineingerissen hatte, dadurch zusammenzuheften, daß er die Abtrünnigen wieder versammelte unter den weiten Falten desselben. Er hatte alles versucht, die Güte und das Schwert, Religionsgespräche und Reichsversammlungen, Bitten und Drohungen; nichts wollte zum erwünschten Ziele führen. Wie es dem alten Kaiser mit den Uhren erging, als er im Kloster St. Just sich bemühte, sie in Uebereinstimmung zu bringen, so war es ihm während seiner Regierung mit den Menschen auch ergangen. Er wollte jedoch noch Eins versuchen. Schon seit vielen Jahren hatte die christliche Welt nach einer Reformation der Kirche an Haupt und Gliedern, nach einem vom Papst unabhängigen Konzil geschrieen. Die Päpste hatten natürlich taube Ohren; es gab für sie nichts unbequemeres als ein solches K.nzil. Jetzt verlangte es der mächtige Kaiser und da hörten denn die päpstlichen Ohren etwas schärfer. Das so sehnlich herbeigewünschte Konzil wurde im Jahre 1545 zu Trient eröffnet; es dauerte, eine kurze Unterbrechung ungerechnet, 18 Jahre und wurde am 4. Dezember 1563 geschlossen, ohne für den beabsichtigten Zweck auch nur das Geringste gewirkt zu haben. Am Morgen des denkwürdigen Tages eilte Freund Salomon den Toren der Stadt zu, an seiner Hand den kleinen Benjamin mitschleppend. Auch am südlichen Abhang der Alpen zeigt der Winter seine Strenge, es war ein frischer Morgen, die scharfe Lust rötete das liebliche Gesicht des Judenknaben, und der ziemlich lebhafte Wind spielte mit seinen wallenden Locken.

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