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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-11-10 · 47 (10.11.1908) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
47 (10.11.1908)
Date
1908-11-10
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Mettes^ Br Lised's WscVenscbrM. Nr. 47 und erprobte Männer angeschlofieu haben. Das Hauptargumeut ist ein in der Verlegenheit ausgesprochenes Schlagwort, das in keiner Kultusgemeinde der Welt — nicht in England, nicht in Frankreich und nicht in Amerika — in der Praxis aus geführt wird und angeführt werden kann, ohne den Bestand der Kultusgemeinde aufs Schwerste zu gefährden. Es haben sich denn auch bekannte und alte zionistische Führer, obwohl von einigen Heißspornen gedrängt, nicht zugunsten dieses sonderbaren Argumentes ausgesprochen. Aber der „Wahlrechtsraub", den die Kultusgemeinde begangen hat und den die Oppositionellen ausposaunen! Das jetzt existierende Statut steht nun einmal in gesetzlicher Kraft und mau muß nach seinem Wortlaut Vorgehen, um sich gegen die von den Oppositionellen wiederholt übereichten und bis zu den höchsten Gerichtsinstanzen getriebenen Wahlproteste zu decken. Nach dem Wortlaut dieses Statuts müßten säumige Steuerzahler aus der Wählerliste gestrichen werden. Daß man dabei etwa eine Auswahl traf, daß die gleichmäßige Streichung, auf welche doch der Vorstand nicht den mindesten Einfluß nehmen konnte, gegen die Interessen irgend einer Partei gerichtet sein konnte, kann nur jemand behaupten, der in seiner Kampfeswut vor nichts zurückschreckt. Man schreckt denn auch vor nichts zurück. Die Leute, welche jetzt gerade im oppositionellen Wahlkomitee am Worte sind, führen einen Kampf, welcher den Antisemiten geradezu Entzücken verursacht, und das „Deutsche Volksblatt" lebt publizistisch zu einem beträchtlichen Teil von den gedruckten und gesprochenen Worten der Opposition, nährt seine antisemitische Politik von ihren Argumenten. Darüber helfen den- Oppositionellen keine Gerichtstagen hinaus, das kennzeichnet ihre tieftraurige Kampfmethode und macht die Oppositionellen ohne ihr Zutun zu Verbündeten der ärgsten Reaktionäre. Das ist aber mit eine Ursache, warum sich eine ganze Reihe alter und bewährter Z i o n i st e n im I n- und Auslande von den derzeitigen Führern der.Jüdischnationalen in Oesterreich entschieden zurückzieht. Sie machen weder solche Argumente des Kampfes mit, noch solche Methoden. Die angeblichen „Erben Herzls" verunglimpfen durch ihr Vorgehen das Andenken ihres Vorbildes. Ihrer Unerfahrenheit und Verantwortungslosigkeit die Kultusgemeinde zu übergeben, wHre verhängnisvoll, ihrem Terrorismus zu weichen, sträflich. Es ist vielmehr Pflicht eines jeden Wählers, der jüdisches Empfinden in seinem Innern nicht ganz erstickt hat,' die Gemeinde 'vor solchen Gegnern zu bewahren, mit dem Stimmzettel in der Hand ein verwerfliches Gebühren zu brandmarken, welches den jüdischen Namen dem Spott und dem Hohne unserer Feinde aus liefert. Dr. Jos. S. Bloch. An die geehrte» Wähler der Wiener Kultusgemeinde. Am 22. November findet die Wahl von neun Vorstandsmitgliedern der israel. Kultusgemeinde Wien statt. In überaus ernster Zeit schreitet die Wählerschaft in diesem Jahre zur Urne. Von allen Seiten werden die Juden bedrängt, lauern ihre offenen und geheimen Gegner, um sie in wirtschaftlicher, in sozialer und in politischer Beziehung zu unterdrücken. Nie wäre ein enger Zusammenschluß innerhalb des Judentums notwendiger gewesen als jetzt, nie ein einiges Vorgehen wichtiger als in dieser schweren Zeit. Statt dessen aber wird in leichtfertiger Weise in unseren eigenen Reihen Zwietracht gesät, zur hämischen Freude unserer Feinde, denen die ostgerühmte Mische Solidarität längst ein Dorn im Auge war. Auch unsere Gemeinde ist von dieser traurigen Erscheinung nicht verschont geblieben. Unter tönenden, auf Wählerfang berechneten Schlagworten, deren Erfüllung zum Teile ausgeschlossen, zum Teile nur unter Gefährdung des mit Mühe hergestellten, finanziellen Gleichgewichtes möglich ist, zieht die Opposition in den Wahlkampf ein und droht, d aS gemeinde er halte ndeElement von der Verwaltung der Gemeinde zu verdrängen. Der Weg der allmählichen, zielbewußten Entwicklung sollverlasseuunddie abschüssige Bahn derphantastischen Experimente betreten werden. Was die Gemeindevertretung in den letzten Jahren in ruhiger, einträchtiger Arbeit geleistet hat, ist aus den von zwei zu zwei Jahren au die Gemeindcmitglieder gesandten Berichten ersichtlich. Wem die Erhaltung und ruhige Entwicklung unserer Gemeinde am Herzen liegt, wird es nicht zugeben daß der von der Opposition angestrebte „neue Kurs" in der Gemeindestube zur Geltung komme, sondern wird gleich uns bestrebt sein, Männer iu den Kultusvorstand zu entsenden, die für gesunde Reformen aus dem Gebiete der Gemeindeverwaltung Sinn und Verständnis haben,, aber frei sind von dem Bestreben, Umwälzungen vorzunehme», durch welche der Bestand der Gemeinde gefährdet wird und ernste erfahrungsreiche Gemeindemitglieder von der Verwaltung abgestoßen werden. Die Opposition hat jedoch eines voraus: die werbende Kraft einer skrupellosen Agitation. Eine solche Agitation kann aber nicht von Männern betrieben werden, die gewohnt sind, ihre Worte zu wägen, ihre Versprechungen zn halten, die nicht Ehrgeiz dazu treibt, ein Mandat für den Knltusvorstand anzustreben. Wähler der Wiener Kultusgemeinde! Die Gefahr, im Wahlkampf zu unterliegen, liegt nicht in der Stärke der Opposition, die durch lärmende Aufdringlichkeit ersetzen will, was ihr an Kraft und Zahl fehlt; sie liegt vielmehr in der Gleichgültigkeit der weitaus überwiegenden Mehrheit der Gemeindemitglieder, die es bisher versäumt hat, einer die ruhige Entwicklung der Gemeinde bedrohenden, künstlich aufgebauschten Bewegung durch die Ausübung des Wahlrechtes entgegenzutreten. Kein Wählerdarf es diesmalverabfäumen, durch seinen Stimmzettel zu bekunden, daß er nicht gewillt ist, auch in den Kultusvorstand deu Unfriede» hin ei »tragen zu lassen, der dem Ansehen unserer Gemeinde nach Außen schon soviel Schaden zugefügt hat. Unsere Kandidaten sind Männer, die den festen Willen haben, ihre reiche Lebenserfahrung, ihr fachliches Wissen in den Dienst unserer Gemeinde zu stellen, es sind Männer, die Neues s chaffen wollen, ohne das müh-

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