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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-11-06 · 45 (6.11.1908) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
45 (6.11.1908)
Date
1908-11-06
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 45 m. Biocb s mocozmcmtih Seite 798 frischer Butter. Nun, aus all dem ließ ich mir einen Pfannkuchen backen". „O das ist ein großer Unterschied! Einzeln, jedes für sich ist ja gut, aber wenn sie Zusammenkommen, da soll Gott behüten, da ist das Unglück fertig". „Nun, was uns betrifft, sind wir wohl zusammengekommen, aber es ist kein Unglück geschehen, weder dem Rabbiner Kohn, der seinen Posten hat, noch uns, die wir aus ihn verzichten". Hierauf eröffnete der Präses neuerdings die unterbrochene Sitzung. „Nun, meine Herren! nachdem das Resultat unserer Konkurs-Ausschreibung bisher ein negatives war, bleibt uns nichts anderes übrig, als aus der Reihe der Reflektanten andere drei auszuwählen und zur Abhaltung von Probercden einzuladen. Vielleicht sind wir da glücklicher". Da erhoben sich zu gleicher Zeit Dr. Pollak und Steiger, um das Wort zu ergreifen. Steiger überließ es bescheiden dem ersteren, der folgendes sprach: „Geehrter Vorstand! Ich bedauere, diesmal die Ansicht unseres Herrn Präses nicht teilen zu können. Meines Erachtens dürfte auch die Berufung der zweiten Serie Nicht zum gcwünschten Ziele führen. Haben wir doch die nach unserer Ansicht Besten ausgewählt. Aber, meine Herren! Wozu in die Ferne schweifen, und das Gute ist so nahe. — Wir haben in unserer Mitte einen Mann, der tiefes gründliches Wissen mit reinem Charakter, strenge Frömmigkeit mit wahrer Toleranz verbindet. Es ist das, wie Sie berei s erraten haben, der Sohn unseres verewigten Rabbiners. Schon die Pietät gegen den Mann, der vierzig Jahre unser Seelsorger gewesen, und die Erwägung, daß dieser junge Mann infolge dessen, daß ihn seine eigene Vaterstadt nicht mag, nur sehr schwer zu einem Posten gelangen könnte, müßte uns veranlassen, ihn mindestens mit anderen Kandidaten auf gleiche Stufe zu stellen. Ich erlaube mir daher zu beantragen, daß wir Herrn Gustav Weber einladen, an einem der nächsten Sabbate einen Vortrag zu halten. Entspricht er, nun, dann haben wir den rechten Mann, entspricht er nicht, so können wir noch immer andere berufen." Hierauf meldete sich Steiger zum Wort. „Ich nehme mit Vergnügen den Antrag des Herrn' Vorredners an und will nur noch hinzufügen, daß die Gemeinde in finanzieller Beziehung gut fahren würde. Die Rabbinerin. der wir doch samt ihrer Tochter anständig zu leben geben müßten, würde bei ihrem Sohne bleiben und die Pension könnte dann eine viel kleinere sein." Der Antrag wurde beifällig ausgenommen und der Präses sagte: „Bevor ich den Antrag, der, wie ich sehe, Ihre Zustimmung gefunden, als angenommen enunziere, will ich zur Aufklärung nur noch folgendes bemerken: Wir haben Herrn Weber aus dem Grunde nicht in die Liste der Kandidaten ausgenommen, weil wir von dem Gesichtspunkte ausgegangen find, daß er als hiesiges Kind, das wir heranwachsen sahen, uns, besonders aber der Jugend, seinen Altersgenossen, nicht genügend imponieren würde." „O fürchten Sie nicht!" rief Pollak dem Präses zu, „der wird noch riesengroß über uns sich herauswachsen. Uebrigens könnte ich Fälle anführen, wo die Söhne als Nachfolger berühmter Rabbiner noch eines viel größeren Ansehens sich erfreuen als ihre verewigten Väter." Der Antrag wurde hierauf einstimmig angenommen. (Schluß folgt.) Literatur. „Beiträge zur Geschichte der jüdischen Gemeinde Eiseustadt." (Nach archrvarischeu Quellen bearbeitet von Moritz Markbreiter. Wien 1906, Verlag des „Humanitären Vereines der Eisenstädter" in Wien. II., Kaiser Josefstraße. Der Autor, der einer alten Elsenstädter Familie entstammt, wollte im Namen aller seiner Landsleute der altehrwürdigen Gemeinde mit berühmter großer Vergangenheit den Zoll der Dankbarkeit durch die Herausgabe des angeführten Büchleins abstatten. Durch Auffindung von altem, bisher unbekanntem Geschichtsmaterial, welches zum größten Teile dem Hofkammerarchiv entstammt, konnten auch die ältesten Verhältnisse der mehr als 500 Jahre alten Judenniederlassung festgestellt werden. Die Freunde der alten Judengemeinde dürften dem Autor zu Dank verpflichtet sein, wenn er als Erster den Quellen nachgegangen ist. aus denen er die Geschichte der Juden Eisenstadts mit großem Fleiße geschöpft dat. Karl Jovl. Der freie Wille. München 1908.?r. Bruckmann A.-G. XVII und 724 S. Geb. II Mark, drosch. 10 Mark. In dem bekannten Chamberlain-Verlag ist da ein Buch erschienen, das kein Jude, der die jüdische Grundlehre von der Willensfreiheit mit allen Waffen der modernen Wissenschaft in glänzender Dialektik zum Siege geführt sehen will, ungelesen laffen sollte. Es ist kein geringes Wagnis, mit dem Determinismns. der zu einem Dogma der heutigen Weltweisen erhärtet ist, trotz aller gewichtig n Verfechter von den ältesten Zeiten bis auf Mach. Jodl, Eisler usw. den Kampf aufzunehmen. Das Buch, eine Art Bekennlnisschrift seines Verfasiers, wird allen Anhängern einer idealistischen Weltanschauung hohen Genuß und reiche Ausbeute bieten. Mit gewissem Geschick ist die Form des Dialoges gewählt. Ein naiver Jndeterminist empfängt von einem modernen Aufklärer zuerst den Stachel des Problems, des umstrittensten das je die Menschheit beschäftigt hat. Er wird dann zu tieferer Einführung durch die nacheinander aufgerufenen Vertreter aller Wissenschaften belehrt, immer stärker in dem modernen Determinismus hineingedrängt bis zur völligen Bekehrung; dann aber tritt ihm noch einmal ein kritischer fundierter Indeterminismus entgegen, von Stufe zu Stufe sich Bahn brechend, höher führend und schließlich sich durchsetzend, bis in nochmaliger Wendung im Schlußgespräch der metaphysische Ausgleich mit dem Determinismus gewonnen wird. Nur ist dem Verfasser ein Versehen unterlaufen, indem er Jeremia 10. 33 als ein Dokument deterministischer Lebensauffaffung anfiihlt. Nach den christlichen Auslegern ist hier nur von der Ohnmacht des Menschen, sein Geschick allein zu bestimmen, die Rede. Man denke an Spr. 16, 9, wo bei aller Freiheit des menschlichen Entschließens doch der Erfolg als von Gott abhängig bezeichnet wird. 6. Wilhelm Busch. Hernach, München, Lothar Joachim, 1908. 61 S. Mit der Bestimmung, daß es nach seinem Tode geöffnet werde, hinterließ Busch das versiegelte, druckfertige Manuskript dieser Sammlung von „Schnitzeln", wie er sie selbst zumeist bezeichnet, als Geschenk für seine Schwester. Sein Neffe, Pastor Nöldeke, hat sie nun herausgegeben und alle Verehrer des unvergleichlichen Lieblings unserer Kinderzeit, das heißt alle Freunde kernigen Humors find durch diese Gabe zu Dank verpflichtet. Die Ausstattung ist des Gegenstandes durchaus würdig. M. W.Schwaner. Vom Gottsuchen der Völker. Aus heiligen Schriften aller Zeiten. Germanenbibel- und Volkserzieher. Verlag, Berlin 1908. Dieser Gottsucher sucht offenbar auch die Wahrheit. Sein Programm berührt durchaus sympaihisch. Nur hat er sich über das Judentum — er spricht freilich von Moiaismus — nicht gut beraten lassen. Es ist einem Laien gewiß manches nachzusehen. Doch ein Buch, das für die weiteste Oeffentlichkeit bestimmt ist und ein Volksbuch werden soll, muß die strengste Gerechtigkeit zu seinem obersten Gesetze erheben. Was über den Ursprung der Religion Israels gesagt wird, über den Gott „EU" des „Babyloniers" Abraham und die „babylonischen und egyptischen Quadern" des jüdischen Gottesstaates, „die den Unterbau legen sollten zum Welttewpel des Christentums" usw. schließt würdig ab mit dem Endurteil: „Als Raffe besteht das Judentum weiter, als Religion ist der Mosaismns am Sterben." Alles genau nach dem Schema jener geschichtsklitternden Theologen, denen der Verfasser doch sonst zu folgen so wenig Laune zeigt. Die Uebersetzung der zehn Gebote bringt, von anderen Schnitzern abgesehen, natürlich auch im zweiten Gebot die dem „Gott der Rache" auf den Leib zugefchnittenen verworfenen Enkel und Urenkel „derer", die mich Haffen. Sehr ungereimt nimmt sich ein Zitat aus Mos. Mendelssohns „Phaedra" (sie!) über den „Selbsterhaltungstrieb" aus. Aus S. 128 wird sogar Jesaias 11,2, mit diesem ausdrücklichen Hinweis unter Lehren des Christ ent ums angeführt. Um so angenehmer berührt es, daß 'doch das so viel umstrittene Gebot der Menschen- und selbst der Feindesliebe dem Judentum als ursprüngliches Eigentum zuerkannt wird (116). allerdings ein geringer Trost für so Vieles, was unbedingte Abweisung herausfordert. Immerhin ist das löbliche Streben des Verfassers über jeden Zweifel erhaben Nur müssen wir ihm für eine etwaige neue Auflage eine gründliche Revidierung feiner Urteile über das Judentum und feine weltgeschichtliche Stellung dringend empfehlen. Nicht aus Nörgelei oder konfessioneller Befangenheit, sondern aus Liebe zu der Sache, die er vertreten will. 6.

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