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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-11-06 · 45 (6.11.1908) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
45 (6.11.1908)
Date
1908-11-06
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Hr. 43 Df*b Bloch’s I«hrg«lg nt Mrifi. Lentrslorgsn für die gesamten Interessen des Judentums. Wien, 6. November 1908. Lrscvelnt jeden Fretrsg. Vrief-Adreße: Wie». H/i, Hahngsffe 15. Lekgramm-Adreffe: Bloch"» Wochenschrift. Wie». Inhalt: Leitartikel: Ein Anlaß zn Sorge und Tat. — Gustav Karpeles.- — Dr. Adolph Kohut. — „Für den Kaiser!" — Vom Jahrmarkt des Lebens: Nietzsche und der Antisemitismus. — Minister Oskar Strauß über Zangwills neues Stück. — Eine englische Schriftstellerin über den Antisemitismus in Deutschland. — Der alte Orient und die Anfänge des zweiten jüdischen Staates. — Korrespondenzen: Aus der öffentlichen Sitzung des israelitischen Kultusvorstandes. Zur Lage der bosnischen Juden. Zur Lage der Juden in Rumänien. Die Verarmung der jüdischen Bevölkerung. Bülitz. Ezernonritz. Ueber das russische Paßwesen. Petersburg. Der offizielle Bericht über die jüdischen landwirtschaftlichen Kolonien in Kanada. Ein jüdisch-politischer Klub. Ein jüdischer Matrose als mehrfacher Lebensretter. — Vermischtes: Kranzablösungsspenden rc. Wien. Verein „TtfilaS haneorim". Austritte aus dem Judentum. Rabbiner Dr. L. Dobschntz. Mähr.-Ostrau. Holleschau. Gänserndorf. Nagy-Szentmiklos. Bagdad. Aus dem Amsterdamer Ghetto. Ein jüdisches Weltdrama. Von den Bergjuden im Kaukasus. St. Louis. — Feuilleton: Eine Rabbinerwahl. — Literatur. — Neue Bücher. — Briefkasten. — Inserate. Oer ■ - jo fp Vspmainut» f&x? HaldtLyrt- 8 Kr«»»: •taitUtemplaTc M H«A«r. Hatdtährl, 10 Xvanca. LaojjLhrt, 20 » «njetten: Dt, 4m«l -es»«»» tev» P«ltt»eU« 24 Hell«. »— . — Qr> Oü =■—■■ P I. k. Postsp»rIt«T»m««t =ÖC c aieartna-Oetfcebi nt. 810.97». Rtbtttt«* trab SbKtinifltttian: »ltn H/i. Hahugaffe 91?« 15. L Telcfom Nr. 14.84T. , ©in Anlaß ju Sorge nnb Tat. Aus Bosnien kommt eine Nachricht, welche geeignet ist, in jüdischen Kreisen lebhafte Beunruhigung hervorzurufen, und Anlaß genug wäre, alle jüdischen Parteien gegen einen gemeinsamen äußeren Feind zusammenzuschließen. Kürzlich registrierten wir die Meldung, daß die Wahlen zum kommenden Parlament des Okkupationsgebietes, Bosniens und der Herzegowina nicht nach Steuerkurien oder Nationalitätenkatastern, sondern nach dem religiösen Bekenntnis vorgenommen werden würden. Wir knüpften daran die Forderung,, daß bei dieser Gelegenheit der auf die Juden entfallende Teil der politischen Macht vorsorglich durch Einhelligkeit und Umsicht gestärkt werde. Nun erfährt man von näheren Bestimmungen des Grundprogrammes für die Wahlen und wir sehen in diesen einen unerhörten Gewältstreich, einen moralischen Faustschlag ins Gesicht der Juden, deren Schwäche und Zerfahrenheit dazu benützt wird, um sie in einen Zustand voller Rechtlosigkeit zu versenken. Es werden nämlich für die Wahlen im Okkupationsgebiet eine mohammedanische, eine katholische und eine christlichsoziale Wählergruppe gebildet, aber keine jüdische. Wie es heißt, werden die Juden „schon irgendwo bei einer dieser Gruppen eingeteilt werden", von ihrer selbständinge Zusammenfassung ist keine Rede. . Das ist die unerhörteste politische Unterdrückung, würdig des Mittelalters und der Zeiten des Augsburger Friedens. Womit haben es denn die Juden verschuldet, daß man über sie zur antisemitischen Tagesordnung übergeht? Die Regierung, welche derartige Verfügungen trifft, möge uns gefälligst sagen, ob unter den Okkupationstruppen seinerzeit keine Juden waren, ob in den bosnisch-herzegowinischen Garnisonen heute vielleicht keine Juden stehen. Die Regierung möge uns und der Wahrheit sagen, wie viel Juden unter den Beamten waren, welche die sogar von England gerühmte Verwaltung der österreichisch-ungarischen Balkanländer einrichten halfen. Es ist eine unleugbare Tatsache, daß die Landesregierung jüdische Beamte in großer Menge bezogen und angestellt hat. Aus dem ganz einfachen Grunde, weil sie für die weitab von jeder Zivilisation gelegenen Orte keine anderen Bezirksrichter, Geometer, Steuerbeamte, Eisenbahner, niemand anderen bekommen hat, als eben die zähen, genügsamen Juden, welche in den anderen Teilen der Monarchie von den Jntelligenzberufen, abgedrängt waren. Nun eine himmelschreiende Brutalität als Lohn für alle diese unter Gefahren hingebungsvolle Arbeit? Es kommt aber noch ein Moment in Betracht, kein unwichtiges bei den speziellen Verhältnissen der in Rede stehenden Landesteile: Wir rufen den gewesenen und den jetzigen Chef der Landesregierung und Kommandierenden des XV. Korps in Sarajevo, wir rufen die Feldzengmeister Baron Albori und den Edlen v. Winzor zu Zeugen dafür an, ob es nicht gerade die Juden waren, welche als Muster von Loyalität und Vaterlandsliebe den dynastischen und patriotischen Gedanken in Bosnien-Herzegowina wecken und erhalten halfen. Sollte dem gegenüber wirklich und endgültig die Gemeinheit begangen werden, die Juden des Okkupationsgebietes politisch rechtlos zu machen, soll der freche und blöde Antisemitismus die Parole des neuen Regimes werden? Es ist unmöglich. Unmöglich, weil wir das Wort des Kaisers besitzen, daß er durch die Annexion den Frieden, die Gerechtigkeit, den Fortschritt in den annektierten Ländern fördern wolle. Wir Juden kennen das Herz unseres geliebten Monarchen, wir wissen, wie heilig es ihm ist mit den gemachten Versprechungen und wie fremd ihm die Feindseligkeit mid das Unrecht gegen den geringsten seiner Untertanen sind. Wenn es trotzdem dazu kommen sollte, daß die Juden das Opfer der Annexion sind, dann hat irgend ein moralisch und geistig rückständiger Handlanger unserer felsenfesten Ueberzeugung nach gegen den Willen und das Wissen unseres geliebten Monarchen, gegen seine ersten Ratgeber das politische Verbrechen begangen. Das werden, das dürfen wir nicht zulassen. Weil wir es unmöglich dulden können, daß die Juden des Okkupationsgebietes für alle kommenden Zeiten recht- und schutzlos bleiben. Weil es nicht nur für die Balkanländer, sondern für die ganze Monarchie von unbeschreiblichem Einstuß wäre, wenn von rechts- und staatswegeu die Juden zu minderwertigen Bürgern heruntergedrückt würden. Das müßte Rumänien, Serbien, Bulgarien ermuntern, das würde den Kamm aller Antisemiten im Reiche ins Maßlose schwellen

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