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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-10-30 · 44 (30.10.1908) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
44 (30.10.1908)
Date
1908-10-30
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 44 Dr. Bloch’s I«hr-«km Zentralorgan kür die gesamten Interessen des Judentums. Wim, BO. Oktober 1908. Lrscbeint jeden Fretrsg. m »nrf-«drrße: «ie». U/i. Hah»gasie 15. LeKgramm-Adreffe: Bloch'» Wochenschrift, Wie». 00 * ■ —— p Bimafnta fü» * $albi&tyetft 8 fttrata: •toitlesentvltttc 58 &*I*s. Für'» Halbjährt- 10 Xronta. •aml4I»rta 20 •nietgen: 9t* 4»«l acft«8» I) t«u 9*ttta*u* 24 nO - i ■—4>q 0<? O ÖG Q M. k. Popsp»rk»rk»»«mt Cleaefna^Vctfeebt Vit. 810.970. Red*M«» an* fftmtatflraltcn: »tr» u/i. Hahngaffe M. 15. _ Telefoa Nr. 14.84T. _ oP “Tn Inhalt: Leitartikel: Der Montag der Schwarzen.— Eine jüdische Ausstellung für Handwerk und Gewerbe. — VomJahrmarktdesLebens: Lucien Wolf über die Juden in der Balkankrise. Die Juden an den deutschen Universitäten. Getaufte Juden. — Der alte Orient und die Anfänge des zweiten jüdischen Staates. — Korrespondenzen: Aus der öffentlichen Plenarsitzung des Kultusvorstandes. H AWien. Ritter v. Taussig — Gouverneur der Bodenkreditanstalt. Zwangstaufe in Galizien. Ein Opfer galizischer Justiz. Rabbiner und Kardinal. Verein zur Abwehr des Antisemitismus. Die russische Judenverfolgung. Ehrung eines jüdischen Physikers in Cambridge. ^UErrichtung einer Lehrkanzel zum Andenken an einen jüdischen Arzt. Die jüdischen Matrosen in der amerikauiichen Flotte. Roofevelts -i 'MKritik des Zangwillschen Dramas. Ein jüdischer Ministerkandidat in Amerika. — Vermischtes: Wien. Jüdische Toynbee-Halle. Akademischer Verein „Jüdische Kultur". Jüdische Sprachkurse. Jahrmarktsfest für Groß und Klein. Austritte aus dem Judentum. Krenüier. Berlin. Konstantinopel. — Feuilleton: Eine Rabbinerwahl. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. Der Montag der Schwarzen. Das politische Glaubensbekenntnis der Wiener Bevölkerung ist das christlichsoziale. Dafür waren die jetzigen Landtagswahlen ein für jede freisinnige Hoffnung niederschmetternder Beweis. Von den Landstädten gar nicht zu reden. Der pfiffige Bauer und Hauer merkt schon längst, daß er mit den blutigen Steuergelderu der Wiener gefüttert wird, und nichts ist fester als eine Gesinnung der Tasche. Der Wiener Kurzsichtigkeit fällt diese Ausbeutung nicht auf. Daß er um sechs Kreuzer Tramway fährt statt wie früher um zehn, springt dem Kleinbürger mehr in die Augen, als daß ihm die christlichsoziale Schuldenwirtschaft Zins und Steuern ins Unerträgliche hinaufschraubt. Auf ihn wirken dann noch das auch in der Politik geltende physikalische Gesetz von der größeren Anziehungskraft der größeren Masse, das patriotische und volkstümliche Getue der Christlich-Sozialen, schließlich ihr großer Besitz an Aemtern und Aemtchen, den sie für Freunde bereithalten. Die Masse der Wähler ist christlichsozial, das muß man sich kaltblütig eingestehen und die Liberalen sind nicht dem Wahlschwindel und der Mandatsgeometrie ohne auch nur den mindesten Teilerfolg unterlegen, sondern dem Willen der Bevölkerung. Damit soll nicht gesagt sein, daß etwa die herrschende Partei ihren Besitz mit reinen Händen erlangte. Die neue Wahlordnung ist ganz nach ihrem Willen aufgebaut, die Wahlbezirke mit behördlicher Protektion nach ihrem Willen zugeschnitten, ihre Agitatoren haben im Bewußtsein der sicheren Straflosigkeit sich bei der Verbesserung der Chancen wenig geniert und die Rathausgewaltigen terrorisierten die Massen ihrer Angestellten weitaus mehr, als einer herrschenden Partei erlaubt ist. Aber das bedeutet immerhin nur wenige tausend Stimmen, und wenn der Grundstock der Wählerschaft anders gewollt hätte, so hätten diese Manöver nicht viel Nutzen gebracht, hätte es wenigstens irgendwo einen Lichtblick gegeben. Das Bild der Landstube aber bleibt schwarz. Sechs Sozialdemokraten oder keiner, das ist ganz gleichgültig. Erreichen werden die Sechse nichts, höchstens den übermütigen Siegern die Zeit vertreiben, Gelegenheit zum Höhnen geben, so wie im Gemeinderate. Von Liberalen wurde keiner gewählt, die alten, freisinnigen Großgrundbesitzer, Virilisten und der Vertreter der Handelskammer sind so viel wert wie ein paar Körner zwischen Mühlsteinen. Es war früher nicht anders, trösten sich die Juden und glauben an eine neue Theorie, daß jede Partei, wenn sie noch so mächtig und unbesiegbar scheine, doch nach einer Reihe von Jahren an innerer Zersetzung zugrunde gehen müsse. Möglich. Vielleicht kommt es nicht in Betracht, daß die Christlich-Sozialen eigentlich eine Partei der katholischen Kirche sind, daß für sie jede der zahllosen Kanzeln im Reiche zur Tribüne wird. Vielleicht ist der eisern-unvergängliche Bestand der klerikalen Zentrumsparteien im deutschen Reichstag und baierischen Landtag nur ein Irrtum. Vielleicht macht im kommenden Juli der Mann bereits Matura, der vom Schicksal dazu ausersehen wurde, statt der nichtssagenden freisinnigen Kandidaten der letzten Wahlen die Götzendämmerung der Christlich-Sozialen herbeizuführen. Aber nach menschlichem Ermessen sind das Träume und Hoffnungen auf eine weite Ferne. Politik heißt aber nicht träumen, Politik heißt handeln, und zwar nach den gegebenen Umständen und Wahrscheinlichkeiten handeln. Wer die Augen offen hat, wird sich nicht sagen, daß die vergangenen Landtagswahlen eine glerchgiltige Wiederholung bestehender Zustände sind. Der große Sieg der Christlich-Sozialen muß einen riesigen Eindruck auf die Regierung, die parlamentarischen Kreise und die Bevölkerung machen. Diese drei Faktoren fragen viel darnach, ob die Sieger eigentlich eine Rowdypartei sind, ob ihnen für ihr Hinaufkommen Viehtreiber die erste Hilfe leisteten, ob sie Vorkämpfer der Klerikalen sind, ob von ihnen eine Klaffe der Bevölkerung verfolgt, die geltenden Gesetze mißachtet werden. Regierung, Volk und Parteien haben nur das selbstverständliche egoistische Gefühl, dem Starken gefällig zu sein, der einen neuen Beweis seiner politischen Großmachtstellung erbracht hat. Dieser Starke hat auch den hochverräterischen Alldeutschen und den Sozialdemokraten starken Schaden zugefügt. Das sichert ihm die höchste Protektion bei denen, welche von den Alldeutschen und Sozialdemokraten angegriffen wurden. Mit kurzem Wort: die Christlich-Sozialen sind noch lange nicht am Gipfelpunkt ihrer Macht angekommen, die Liberalen, welche mühsam einen Wahlfonds zusammenkratzten und bei den Wahlen weniger als nichts ausrichten konnten,

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