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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-10-23 · 43 (23.10.1908) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
43 (23.10.1908)
Date
1908-10-23
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 758 Ar. jgiocß s- MscdLKscvrm. Nr. 48 trieb ihn Not und Arbeitslosigkeit nach Amerika. Tagsüber frohnte er an der Nähmaschine. Des Nachts dichtete er seine traurigen, erschütternden Gesänge von Leibesnot und Seelenleiden. So wurde Morris Rosenfeld zum Dichter des Leides, des eigenen Leides und des seines Volkes. Er steigt zu den Elenden, zu den Armen und Geknechteten, zu den rücksichtslos Ausgebeuteten, zu den traurigen Enterbten des Glückes hinab und sagt milde zu ihnen: „Ich verstehe Euch. Ich kenne Eure Leiden. Ich fühle mit Euch. Und den Großen und Mächtigen will ich sagen, wie bitter die Brosamen von der Tafel des Glückes schmecken — und ich will es Ihnen in Eurer Sprache sagen!" Den Arbeiter, vom Getöse und Gepolter der Maschine umbraust, den selbst zur Maschine gewordenen Menschen, sucht er auf und enthüllt seine geheimsten Kümmernisse, seinen ergebenen Stumpfsinn, seine müde Verzweiflung. Die Lichteljüdin vor dem Tempel belauscht er und schasst aus ihrem Schmerz und Jammer eines seiner ergreifendsten Gebilde. Vom rühmlosen jüdischen Soldaten erzählt er, vom armen Glück der Judengasse, von der Körper und Geist zerstampfenden und zermarternden Werkstatt, in der Rosenfeld so lange robotete, von den geheimen alten Schätzen an heiliger Weisheit, die die Juden in einem langen Elend wandernd mitführten. Aber ergreifender als das Symbolische klingt ein kleines Lied, das Lied eines Vaters, der von früh bis spät in der Fabrik arbeiten. muß und das Einzige, Heißgeliebte nur im Schlafe sehen kann. Eine Tragödie in wenigen Strophen, mit einfachen und zarten Farben, und erschütternder als große Tiraden klang die stille, schluchzende Anklage. Seine Lieder erschüttern. Es ist eine starke Gewalt in ihnen, sie zwingen den Hörer in ihren Zauberbann. Den Abend leitete Schriftsteller Heinrich G l ü ck s m a n n mit einem seinen, durchgefühlten Essay ein, der das Charakterbild des Poeten mit liebevollen Strichen entwarf. Sodann trat Morris R o s e n f e l d felbst vor und rezitierte mehrere seiner ergreifendsten Poesien. R o s e n f e l d ist ein noch im jüngeren Mannesalter stehender Mann mit ausdrucksvoller Physiognomie. Sein Ton ist ergreifend, allein seine Sprache klingt auch dem Kenner des Jargons fremd durch den Beisatz amerikanisierter und russischer Ausdrücke. Das Gefühl, nicht genau verstanden zu werden, verleitet ihn zu einer allzu nachdrücklichen, wie um Hilfe suchenden Geste und sein schönes Organ klingt dann unbeherrscht und voll vom Leid der Erlebnisse. Ein schüchterner Humor wagt sich dazwischen hervor, ein Lächeln mit zitternden Lippen . . . Nun trat Meister Sonnenthal an den Vorlesetisch und lieh dem Dichter seine Meisterkunst. Der Jubel wollte nicht enden. Sonnenthal las die Gedichte in hochdeutscher Uebersetzung. Was sie dabei verloren, ersetzte der Künstler reichlich aus Eigenem, indem er sie in den Golfstrom seiner prachtvollen, jung gebliebenen Empfindung tauchte. Zum Schluffe wieder: Morris R o s e n f e l d in Person. Sogar ein scherzhaftes Poöm brachte er: „Den assimilierten Schuster". Es war wie ein freundlicher Lichtblick im düsteren Gewittersturm seiner Dichtung. Luzatti als Reorganisator der türkischen Finanzen. Englische Blätter meid en aus Konstantinopel, daß Luigi Luzatti der wiederholt Finanzminister in Italien war und Verfasser mehrerer wichtiger nationalökonomischer Werke ist, von der türkischen Regierung zur Reorganisierung der türkischen Finanzen berufen werden soll. Gleich nach Gewährung der Konstitution wurde dem Sultan von der türkischen Presse nahegelegt, die anerkannte Genialität Luzattis in Anspruch zu nehmen und es heißt nun, der Sultan habe nunmehr zu diesem Schritte eingewilligt. König Alfonso über den konfessionellen Frieden. König Alfonso hat sich während seiner Anwesenheit in Budapest, wie es scheint, für alles, was er hier Neues vorfand, lebhaft interessiert. Auch für die Juden in Ungarn bekundete er Jntereffe. So erzählte vor einigen Tagen Minister Graf Apponyi im Klub der Ünabhängigkeitspartei, daß der König von Spanien an ihn während des Hofdiners die Frage gerichtet habe, ob es in Ungarn viele Juden gebe. Darauf antwortete der Minister: „Es leben in Ungarn zahlreiche Juden, aber es herrscht zwischen allen Konfeffionen das beste Einvernehmen." „Das ist auch das Beste, was es für ein Land geben kann" erwiderte König Alfonso. Konstantinopel. Der Generaldirektor der Anatolischen Eisenbahngesellschast, Herr Huguenin, hat vor den jüngsten jüdischen Feiertagen eine Zirkularverfügung an die Hauptämter des gesamten Eisenbahnnetzes gerichtet des Inhaltes, es solle die Diensteinteilung so vorbereitet werden, daß die jüdischen Beamten der Gesellschaft während ihrer hohen Festtage dienstfrei seien. Bei dieser Gelegenheit sei hervorgehoben, daß bei allen in der Türkei in Betrieb befindlichen Eisenbahnen Juden in großer Zahl in allen Dienstgraden beamtet sind. Vorzugsweise sind es nach der Türkei eingewanderte russische Juden, die sich mit Vorliebe dem Eisenbahndienst widmen und das besondere Vertrauen der Direktionen genießen. Das gilt namentlich von dem jüdischen Streckenpersonal, den Zug- und Lokomotivführern Heizern und Schaffnern, weil diese sich durch Nüchternheit und Gewiffenhaftigkeit auszeichnen und damit die Betriebssicherheit des Eisenbahndienstes erhöhen. Ein Gouverneur Ehrenpräsident einer jüdischen Kultusgemeinde. Der Gouverneur von Natal in Südafrika, Sir Mathew Nathan, ergreift jede Gelegenheit, um zu zeigen, daß er trotz der hohen Position die er einnimmt, auf seine Zugehörigkeit zum Judentume stolz ist. So weilte er jüngst in der südafrikanischen Stadt Voyheid und sprach den Wunsch aus, die dortige Synagoge zu besichtigen. Am nächsten Vormittag wurde sein Wunsch erfüllt. Nach der Besichtigung der Synagoge sprach das Präsidium bei Sr. Exzellenz vor und bat ihn, das ihm in einer außerordentlichen Vorstandssitzung verliehene Ehrenamt eines Ehrenpräsidenten der jüdischen Kultusgemeinde von Voyheid anzunehmen schon mit Rücksicht darauf, daß es in ganz Natal zwei jüdische Kulturgemeinden gibt u. zw. in Durban, und in Voyheid. Se. Exzellenz nahm die „Auszeichnung", wie er es selbst nannte, nach einigen leutseligen Worten an, gab seiner Freude Ausdruck, eine solche Ehrenstelle bekleiden zu dürfen und sprach den Wunsch aus, daß die Gemeinde zum Wohle des Judentums blühen und einer segensreichen Zukunft entgegengehen möge. - Nathan Strauß' neue Erfindung. Der berühmte amerikanische Philanthrop Nathan Strauß, der sich besonders durch seine philanthropische Anlage pasteurisierter Milch einen Weltruf erworben hat und erst im letzten Sommer auf seiner Europareise durch Vorführung seines Systems die Anerkennung aller Fachleute fand, hat jetzt, wie aus London berichtet wird, eine neue überaus.wichtige Erfindung gemacht. Es ist dies ein Hausapparat zur Pasteurisierung der Milch, der es jedem noch so bescheidenen Haushalte möglich macht, die Pasteurisierung der Milch selbst zu besorgen. Das Wichtigste ist aber, daß der Apparat für 50 Cent per Stück zu haben und die Manipulation mit demselben sehr leicht und einfach ist. Vermischtes. Kranzablösungsfpenden zugunsten der Chetvra-Kadischa in Wien I., Seitenftettengaffe 4 für arme kranke Glaubensgenoffen. Anläßlich des Ablebens des sel. Oswald Feßler: Bon Jakob Schnabl & Co. X 10.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Dr. I u l i u s R e l l y: Von Anton und Jda von Eisenstädter X 20.—, Minna Spitzer. 10.^—, Dr. Hermann Fialla 20.—, Ferdinand von Eisenstädter 20.—, Alfred und Therese Sachs 20.—, Alexander Nirenstein X 20.— ., Zusammen X 110.-. . .; Anläßlich des Ablebens der sel.. Sabine Ulrich: ..Von Ignaz Glück X 10.—, Alfred Klinenberger 5.—, L. Wollner K 4,^. Zusammen X 19.—.

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