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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-10-23 · 43 (23.10.1908) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
43 (23.10.1908)
Date
1908-10-23
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 43 D|*b BlOCh’S Jahrgang IXT Zentralorgan für die gesamten Interessen des Judentums. Wim, 23. Oktober 1908. Lrrcvetnt jeden grettsg. Brief-Adrefie: fBie». u/i. Hahsgaffe 15. rckgramm-Sdreffe: «wch'9 Wochesschrift» Wie». Inhalt: Leitartikel: Der Bruch des Berliner Vertrages. — Der empfindliche Ruber. — Zionismus und „Jto" nach der türkischen Umwälzung. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Aus der Karriere des Feldmarschall-Leutnants Eouard v. Schweitzer. Henri Bernstein über sein „Israel". — Zur Frage der Unechtheit des Samaritanischen Josuabuches. — Der alte Orient und die Anfänge des zweiten jüdischen Staates. Korreipondenzen: Die neuesten Beschützer der Religion des galizischen Judentums in W en. Morris Rosenfeld-Abend. Luzatti als Reorganisator der türkischen Finanzen. Konstantinopel. Ein Gouverneur Ehrenpräsident einer jüdischen Kultusgemeinde. Nathan Strauß' neue Erfindung. — Vermischtes: Kranzablösungsspenden rc. Temvelspenden. Oeffentliche Plenarsitzung der Kultusgemeinde. Die Jugend für die Jugend. Scholem-Aleichem-Abend. Verein zur Hebung der Gewerbe in Wien. Wien- Fünfbaus Jüdische Toynbee-Halle. Hebräischer Konversations-Klub. Wien. Verein zur Bekleidung armer alter Frauen. Ai stritle aus dem Judentum. Liesing. Bethamidrasch-Säknlarfeier in Holleschau. Todesco-Slitnng, Baden. Neukonstituierung des Vorstandes der israelitischen Kultusgemeinde in Budweis. — Feuilleton: Eine Rabbinerwahl — Literatur. — Neue Bücher — Briefkasten. — Inserate. 0{ß .------- OC tu* ' l HaldtLhrtg 8 •tateletemplBt* SO &«*«*. Halbjährig io Kroa». »auzjLhrtg 20 „ Snteiaen: Di« 4m«l ges»«k» ten« 9«tit|ctl« 24 £ nP ■ -—.- On ° ü' "■ " N. k. Postsp«»»N»««»3 =QC CI Oleitinfl-Vccitebs nt. 810.976. RebcM«» and »dmivistratto«: »im H/i. Hahugaffe Wt, 15. ö XelcroM Nr. 14.847. ( nP "Tr Der Druch des Kerlirrer Dertrages. /Das Vorgehen Oesterreich-Ungarns in der AnnexionsfrageToessen Notwendigkeit und Richtigkeit das Wutgeschrei der serbischen Balkanirredenta nachträglich beweist,' hat in den Zeitungsstimmeu der Völker alles eher als Billigung gefunden. Das rührt niemanden, noch überrascht es ihn. Man hat ja nicht die Meinung der ausländischen Redakteure des Auswärtigen verlangt, sondern die der inländischen Korpskommandanten und daß die fremdsprachige Hetzpresse mit den schärfsten Ausdrücken herumwirft, ist keine Beleidigung, sondern ein Amüsement. Wer schnaubt denn eigentlich so nach Moral und internationaler Gerechtigkeit? Die Engländer, die den Burenkrieg mit einem Raubanfall im Stile gewöhnlicher Wegelagerer begannen. Die Franzosen, welche trotz der Algeciras-Akte Marokko eingesteckt hätten, wenn sie von den Patrioten nicht hinausgeworfen worden wären. Rußland, das von Japan an weiterem Länderdiebstahl im Osten gehindert wurde. Gerade sie sind lebhaft besorgt um die Ehrenhaftigkeit anderer und es bricht ihnen das Herz, weil angeblich der Berliner Vertrag gebrochen wurde, obwohl doch wahrhaftig nur der Titel geändert wurde von einem Besitz, den niemand mehr unserer Monarchie hätte entreißen können. Da aber vier Großmächte gegen zwei andere stehen, so wird wohl die geforderte Konferenz doch zustande kommen, die als eine Gerichtssitzung über Oesterreich-Ungarn und Bulgarien geplant ist und wahrscheinlich mit dem salamonischen Urteil enden wird, daß der Privatkläger, die Türkei, zu der bisherigen Einbuße noch weitere Besitztitel in Egypten, Kreta, den Dardanellen zu verlieren hat. Denn, um wirklich die Moral zu retten, hat noch keine Großmacht an Konferenzen teilgenommen, die Politiker sind die Gegenfüßler der Idealisten und anderer reiner Toren^> Aber die Moral ist das Aushängeschild der kommenden Konferenz und das ist uns Juden eine sehr willkommene Tatsache. Auf allgemeine^ Verlangen soll die Heiligkeit bestehender Abmachungen unter den Staaten dem aufhorchenden Europa gezeigt, soll bewiesen werden, daß an den Königs¬ und Ministerworten des Berliner Vertrages niemand drehen noch deuteln darf. Dann erst werden die aufgeregten Staatsmänner und Leitartikler des Auslandes wieder ruhig schlafen können. Das verdient die Note „ausgezeichnet in Sitten", aber mit emem Fragezeichen. ^Varum waren denn die Nächte der Konferenzler bisher nicht gestört, obwohl der so heftig verteidigte, heilig gesprochene Berliner Vertrag bisher täglich und stündlich verletzt worden ist? Sie können doch nicht behaupten, daß sie davon nichts bemerkt hätten. Eine so ausgezeichnete und große englische Zeitung wie „Daily Graphic" in London war sogar gütig und gerecht genug, sich an dieses Faktum jetzt zu erinnern und festzustellen, daß die Großmächte im Prinzip das Recht zur unerbittlichen Verteidigung des Berliner Vertrages verloren hätten, weil sie es ruhig geduldet hatten, daß Rumänien ihren strengen Auftrag, seine Juden zu emanzipieren, einfach verhöhnt hatte. Wenn es den Großmächten wirklich so furchtbar ernst ist mit Verträgen, so hätten sieden^ 44 des Berliner Staatenregulativs ebenso energisch verteidigen müssen wie den § 2 oder 3. Wenn ein Gesetz wirklich gelten soll, so darf man gegen keine seiner Bestimmungen freveln lassen. War denn der rumänische Judenparagraph des Berliner Vertrages vielleicht weniger wichtig? XFür die verfolgten Armenier und Mazedonier paradlertm drohende Kriegsschiffe im Bosporus und die Botschafter hielten Kriegsreden. Für die durch das Wort der europäischen Potentaten geschützten Juden Rumäniens redete alle zehn Jahre einmal ein amerikanischer Diplomat ein sanftes, vollständig überhörtes Wort der Menschlichkeit, obwohl eine ganz ungerechte Grausamkeit die Juden mit Feder und Schwert verfolgte, nicht buchstäblich gesprochen. Das Recht aber ist so lange eine eherne Säule, als sie nicht durch einen einzigen Rostfleck schon brüchig gemacht wird. Wir haben oft schon darauf hingewiesen, daß man das Gesetz auch für die Juden gelten lassen müsse, sonst werde es überhaupt nicht gelten. An wem haben unsere Völker gelernt, mit roher Gewalt auf der Straße gegeneinander zu kämpfen? An den Juden, gegen die man sie gewähren ließ. Wer waren die Lehrmeister der Bulgaren, welche die Griechen ihres Landes mit Mord und Plünderung vertrieben? Sicherlich die Pogromhelden im russischen Ghetto. Und jetzt wieder hat im Bruch des § 44 der bulgarische König die moralische Begründung für den Bruch des Paragraphen, der ihm angeht.

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