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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-10-16 · 42 (16.10.1908) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
42 (16.10.1908)
Date
1908-10-16
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seit, 744 Nr. 42 Dr. Mocb's Mlocdenscbrln. seltner Elise, Private, geb 17. November 1878, Wien, I., Esslinggasse 15. Moschkowitz Betti, recte Neuwirth, Private, geb. 14. März 1885, Wien, X., Humboldtgasse 36. Rode Sofie, Private, geb. 19. September 1877, Czernowitz ' (Bukowina), VI., Theobaldgasse 7. Rubinstein Adolf, Ingenieur, geb. 25. November 1883, Jassy, IV., Schönbrunnerstrasse 7. Saxl Friedrich, Student, geb. 8. Mai 1890, Wien, I., Salzgries 16. Seider Heinrich, Monteur, geb. 11. Februar 187», Humpoletz (Böhmen), XVI, Ottakringerstrasse 149. Siegfried Hugo, Dr., Assistent der I mediz. Klinik des k. k. Allg. Krankenhauses, IX., Mariannengasse 14. Sinai Emil, Prokurist, geb. 8. April 1873, Floridsdorf, XXI., Hauptstrasse 20. Singer Karoline, Private, geh. 9. November 1873, Budapest, IX,, Nussdorferstrasse 78. Steiner Ernst, Schlossergehilfe, geb. 30. Juni 1874, Klösterle, IX., Schlagergasse 4. Trebitsch Anna, Private, geb. 14. Juni 1878, Wien, XIII., Auhofstrasse 202. Weliesz Egon Josef, Dr., Privatbeamter, geb. 21. Oktober 1885, Wien, XIX, Beithlegasse 10. Wfnternitz Gustav, Privatbeamter, geb. 10. September 1837, Tur Bez. Jicin, Böhmen, IX., Servitengasse 1. Winternitz Klara, geb. Wurmser, Beamtensgattin, geb. 31. Jänner 1875, Mannheim, IX., Servitengasse l. Zwergbaum Moritz, Kommis, geb. 10. Februar 1884, XVII., Gschwandnergasse 40. Paris. Eine der letzten Nummern der „Oesterreichifchen Wochenschrift" enthält u. a. auch den Bericht über die Hochzeit im Hause Dr. Gustav Ko hn, der mich sehr interessierte. Die Brauteltern des in der Wiener Gesellschaft mit Recht so sehr geschätzten Ehepaares, Herr und Frau Dr. Gustav Kohn, hatten anläßlich dieses freudigen Ereignisses nahezu 1000 Telegramme erhalten! Ich empfinde die größte Wertschätzung für das Ehepaar Dr. Gustav Kohn. Frau Dr. Kohn war mir durch viele Jahre eine liebe, sympathische Kollegin im „Frauenhort", und bei Herrn Dr. Gustav Kohn, der mich in meinen schwachen philanthropischen Bestrebungen mit seinem großen Einfluß stets so warm unterstützte, habe ich gefunden, daß die Liebe und Hochschätzung seiner Mitbürger, die ihn auszeichnen, eine wohlverdiente ist. Nichtsdestoweniger habe ich dem Ehepaare Dr. Kohn anläßlich der Hochzeitsfeier kein Telegramm geschickt, ich habe es vorgezogen, anstatt eines Telegrammes meinen Obolus dem Arbeiterinnen- Erholungsheim zu übersenden. Schon seit längerer Zeit gehe ich so vor: anstatt eines Telegrammes spende ich zu gemeinnützigen Zwecken. . . .Tausend Telegramme! Das sind 1000 K, mit denen man manches Elend hätte lindern können, wenn' diese Sitte, oder vielmehr Unsitte ebenso zugunsten der Armen verschwinden würde, wie es schon mit den Blumen für unsere Verstorbenen geschehen ist und die jetzt unserer Chewra-Kadischa eine größere Einnahme für ihre frommen Zwecke sichert. Als ich meine kleine Spende dem Erholungsheim übersandte, da begleitete ich dieselbe mit ungefähr folgenden Worten an die befreundete Vorstandsdame: Warum führen Sie nicht die Tclegrammblankette zugunsten Ihrer gemeinnützigen Bestrebungen ein, die Hochzeit Dr. Gustav Kohn würde doch für diese Zwecke gewiß eine reiche Einnahme ergeben! Wie richtig ich vorausgesehen, haben die 1000 Telegramme bewiesen, die aber leider nicht zugunsten der Armen gespendet wurden. Es gibt doch soviel Elend in der Welt, warum soviel Geld vergeuden! Die Wohltätigkeitsvereine sollten Telegrammblankette k 1 K einführen, die nach dem Muster gewöhnlicher Blankette, aber mit einigen sinnbildlichen Emblemen verziert und mit der Bestätigung versehen sind, daß der Abnehmer für den betreffenden Verein gespendet hat. Dann werden sowohl der Absender dieses Blankettes, worauf er, auch im Telegrammstil, seine Glückwünsche niederschreiben und mittels Post übersendet hat, als auch der Empfänger desselben mit innerer Genugtuung sich sagen können, daß sie ein gutes Werk getan. Dann werden aber auch die Telegrammblankette, die bis nun mit ihrem stereotypen Inhalt von den Bräuten sorgfältig gesammelt wurden, eine wirklich schöne Erinnerung, ein Document humain bilden, das wert ist, aufbewahrt zu werden! — Paris, im Oktober 1908. Rosa Feigenbaum. Feuilleton. Eine Kaltlimerwahl. Ein Kulturbild der Gegenwart von Dr. Armin Schnitzer, Oberrabbiner in Komarom. X. Kapitel. Nach der Abreise Kohn's machte sich Spitzer an die Arbeit. Sein erster Weg war zu Steiger, bei dem er ein umso bereitwilligeres Entgegenkommen zu finden hoffte, als dieser , stark in. Orthodoxie machte und demnach Kohn „der Mann nach seinem Herzen" sein müßte, aber Steiger war zugeknöpft bis hinauf, er wolle keinen Einfluß auf die Rabbinerwahl nehmen, sagte er und selbst, als Spitzermit einem Angebot in klingender Münze an ihn herantrat, wies er ihn in schroffster Weise, ja mit Entrüstung zurück, — zur höchsten Ueberraschung Spitzers. Hatten doch die Ehrenmänner schon viel weniger lautere Geschäfte miteinander abgewickelt. In der Tat fiel es allgemein auf, daß Steiger, der sonst so rührige, ja aufrührerische Führer seiner Partei während der ganzen Zeit sich passiv verhielt und aus alle Fragen um seine Meinung über den einen und andern Kandidaten eine ausweichende Antwort gab. Der Mann müßte einen eigenen Plan haben, zu dessen Ausführung er die Zeit noch nicht gekommen sah. Spitzer versuchte es auch bei anderen, für Kohn Stimmung zu machen und Stimmen zu werben, deutete bei gewissen Personen auch auf ein eventuell abfallendes Profitchen hin, aber nur die wenigsten wollten sich engagieren. „Wir haben noch Zeit", erhielt er zur Antwort. „Wir wollen noch den dritten Proberedner anhören, dann werden wir uns unser Urteil bilden." Mit dem dritten Proberedner aber hatte es eine eigene Bewandtnis. Ein alter intimer Freund und auch entfernter Verwandter des Dr. Schwarz, Wilhelm Weißstein, GrundbefitzerAm Bereger Komitat, hatte eine einzige Tochter, die er an einen tüchtigen Talmudjünger, der die Befähigung zum Rabbinate hat, verheiraten wollte. Besonderes Gewicht aberlegte er auf „Jichus". Jichus ist die Abstammung von durch Gelehrsamkeit und Frömmigkeit zur Weltberühmtheit gewordenen Männern. Das ist der jüdische Hochadel, und je höher hinauf der Stammbaum reicht und je frömmer und gelehrter die Ahnen waren, um so größer und schätzbarer ist der Jichus. Jichus aber hat gegenwärtig nur noch in Rußland, Galizien und in den an dieses grenzenden Komitaten Ungarns Wert. O, wie Viele klopfen bettelnd an unsere Türe, die sich als „Enkel Raschis" uns vorstellen oder die als Rechtstitel für eine größere Gabe daraus Hinweisen, daß ihr Großvater der „Schames" (Famulus) des heiligen Rebbe in Bels oder Sadagora war. Einen Jichus suchte daher Weinstein für seine Tochter. Das galt in seiner Gegend für eine Glanzpartie. Und da trug man ihm einen Urenkel des Rabbi David Deutsch an, dem die Nachwelt noch heute ein pietätvolles Andenken bewahrt. Von seinem profunden talmudischen Wissen gibt dessen hinterlassenes Werk „Ohel David" Kunde und von seiner strengen Frömmigkeit, seiner heiligen Einfalt, seiner kindlichen Herzensgüte hat sich eine ganze Fülle von Legenden gebildet, die noch heute in Rabbinerkreisen von Mund zu Mund gehen. Rabbi David Deutsch wurde im Jahre 1756 in Neutra als der Sohn des dortigen Rabbiners Menachem Deutsch geboren, trat im Alter von achtundzwanzig Jahren das Rabbinat in Jamnitz (Mähren) an, kam dann nach Frauenkirchen, Duna- Szerdahely und Waag-Neustadtl. Er war der Schwiegervater des Rabbi Maier (Asch) Eisenstätter, weiland Rabbiners in Unghvar, ebenfalls einer rabbinischen Größe. Weinstein konnte daher mit dem Jichus zufrieden sein, denn es war alter, echter Adel von reinstem Geblüt, und da die Person des jungen Mannes, "der ebenfalls David Deutsch hieß, ihm und der Tochter zusagte, da ward der Bund geschlossen.

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