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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-10-02 · 40 (2.10.1908) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
40 (2.10.1908)
Date
1908-10-02
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 710 Sr. Lwcd s Mocvenscbrttt. Nr. 40 Literatur. Die Geschichte Israels nach den Urquellen neu und selbständig bearbeitet von W. I a w i tz. Sechster Band. Von dem Untergänge des jüdischen Staates bis zum Tode Jehuda II. Nessiah. Verlag des Verfaffers. Adresse: W. Jawitz, Nieder-Schönhausen bei Berlin, Lindenstraße 24. Krakau, 1907. L76 -f- 73. Talmud und Midrasch, die Jahrhunderte lang nur den Männern der Halacha und Agada, den in Gewissenssachen entscheidenden Rabbinen und Vortragenden Predigern, als Quelle der Belehrung und als Richtschnur in der Unterweisung dienten, sind auch für die Forschungen auf dein Gebiete der Geschichte des jüdischen Volkes überaus wichtige und unentbehrliche Hilfsmittel. Die Geschichtsqnellen werden bekanntlich in zwei Gruppen geteilt: in direkte und indirekte Nachrichten. Beide haben Vor- und Nachteile. Die Geschichtswerke, die uns die Ereignisse und Geschehnisse eines Zeitalters, das Leben großer Männer, das Werden und Vergehen eines Volkes darstellen, sind der Geschichtsforschung äußerst willkommen, jedoch fordert die Tendenz oder subjektive Auffassung des Darstellers auf Schritt und Tritt die Kritik der Forschung heraus.- Die nur gelegentlich und nebstbei erwähnten Charakterzüge eines Mannes, die ohne Absicht hingeworfenen Bemerkungen über einzelne Taten und Handlungen über die Schicksale eines Zeitalters oder eines Volkes verlangen ebenfalls eine gründliche Prüfung, sind, wenn auch nicht immer, jedoch glaubwürdiger und beachtenswerter — wenn sie frei von jeder Tendenz sind. Allein das Aufsuchen dieser Daten ist schwieriger. Talmud und Midrasch erwähnen Ereignisse und Geschehnisse nur ganz nebenbei; die Belehrung und Erbauung der Schüler oder Zuhörer ist Hauptzweck, es ist nun immer die Aufgabe der Forschung, den historischen Kern und die Wahrheit herauszusinden. Herr Jawitz, der aus dem Vollen schöpft, bearbeitet die Geschichte Israels nach den Urquellen. Der vorliegende sechste Band bespricht das Leben und Wirken R. Jochanan b. Zakais, die Rückkehr des Fürstentums an die Nachkommen Hillels, die politischen Zustände von der Zerstörung des Tempels bis zum Bar kochba-Aufstand, R. Akiba und seine Genossen, den Krieg unter Hadrians Regierung, die Tag« des R. Jehuda, R. Meir, dt. Simon und R. Jose, das Zeitalter des Patriarchen R. Jehuda, die Redaktion der Mischna. Rabban Ganliel II. Das Leben sämtlicher Tannaiten wird mit größtmöglichster Ausführlichkeit und Genauigkeit nach den zerstreuten und mit großer Sorgfalt gesammelten Nachrichten geschildert, mit solcher Vollständigkeit sind das Leben, das Wirken, der Charakter und die Lebensumstände eines R. Nechnja ben Kakana, Nachum aus Gimso, R. Jochanan ben Gudguda, R. Dosa ben Hyrkanos nirgeuds gezeichnet, als. bei Jawitz. Jedoch kann man mit der Methode des Herrn Verfaffers nicht ganz Lbereinstimmen, und man muß mehr Kritik verlangen. So kann man zum Beispiel die Nachrichten und Erzählungen der politischen Mission Nahum aus Gimso nicht ohne Weiteres als bare Münze hinnehmen, (p. 15.) Solche Erzählungen gehören in das Reich der Legende und verlangen sorgfältige Prüfung, bevor man sie für die Geschichte verwerten will. Lehrreich und wertvoll sind die Untersuchungen über die Schrifterklärung und Methode der einzelnen Tannaim, ferner die Beitrage zur Gelehrten- und Lebensgeschichte der Mischnalehrer. Von seinen Vorgängern hat der Verfasser meistens Frankels ewig wertvolle Forschungen benützt, jedoch ist er in seiner Polemik gegen Frankel oft ungerecht, obwohl er ihm nicht nur in einem Falle beivflichten muß. Frankel schließt aus .der Tosefta (Abodo Zara. III, 6), daß der Schwiegersohn der Tochter des R. Gamliel I. (Hazaken), Simon ben Natanel ein „Am haarez" war, weil er ihm bei der Verheiratung seiner Enkelin dringend einschärfte, auf die Reinheitsgefetze mehr Sorgfalt zu verwenden als früher. (Darke hamischna p. 90) Jawitz will es nicht gelten lassen, daß der Mann der Enkelin des R. Gamliel I. ein „Am haarez" gewesen sein soll, obwohl man keinen triftigen Grund gegen Frankels Anschauung anführen kann, denn wozu um Gotteswillen hatte er ihm die Beobachtung der Reinheitsgesetze sonst Ms Herz gelegt? Das muß doch einen guten Grund gehabt haben? Weil es dem Einen oder dem Anderen nicht gefällt, deßbalb dürfen wir die Tatsache nicht ableugnen und aus der Welt schaffen. Diese Nachricht bestätigt nur unsere Anschauung, daß in der Praxis die Absonderung der Schriftgelehrten, selbst jene der strengsten Observanz, von dem Am haarez gar nicht so groß war als in der Theorie und nach der Anschauung der modernen, protestantischen Theologie. Männer, die öffentlich verkündeten: ich bin ein Geschöpf und mein Nebenmensch ist ein Geschöpf, ich verrichte meine Arbeit in der Stadt, er verrichtet seine Arbeit am Felde, ich rüste mich zu meiner, er rüstet sich zu seiner Arbeit, wie er seinen Wirkungskreis nicht Übertritt, so übertrete ich meinen nicht, vielleicht aber leiste ich mehr und er weniger? — heißt es denn nicht in der Mischna: einerlei, ob der eine weniger und der andere mehr verrichtet, er soll nur sein Herz zum Vater im Himmel richten, können dem Am haarez gegenüber nicht ungerecht gewesen sein. (b. Berachot 17 a). Hier ist offenbar nicht nur vom Ehaber die Rede, sondern auch von eineni Am haarez, der ein ehrliches und rechtschaffenes Leben führt. Obzwar Herr Jawitz dank feiner großen Belesenheit im Talmud und Midrasch so manches historische Ereignis erhellt und beleuchtet, so läßt er sich manchesmal von seiner Kombinationsgabe hinreißen. Die Einstellung der Opfer, die Einführung der Gebetordnung, die Errichtung des Gerichtshofes in Jabne ging nicht so leicht vor sich, wie der Herr Verfasser es sich vorstcllt. Die Zeit war günstig und geeignet für die Reformen, jedoch blieben sie nicht ohne Widerspruch und konnten nicht so leicht durchdringen. Ebenso gewagt ist es, die Romfahrt der Gelehrten mit der Verordnung Domitians in Zusammenhang zu bringen. Debarim rabba K. 4 sagt nur, daß die Gelehrten R. Gamliel, R. Eliezßr, R. Josua und wahrscheinlich auch R. Akiba damals gerade in Rom gewesen sind. Ueberhaupt sind die Nachrichten über die Verfolgungen unter Domitian sehr nebelhaft. Wahrscheinlich gingen die Gelehrten auch nach Rom, die Schulunrerstützungen einzukassieren, wie ja Horajot III. 4. Levitikus rabba ITVIII. nach Liberias, a»aan na:» pap bx Der Ausdruck nstatan pa schlürfe den „Inhalt des Ringes", deutet die Todesart an, wie sie beiden Römern in der Kaiserzeit üblich war (p. 69). Ebenso bedarf es noch eines Beweises, daß pn und nJiüfc gleiche Bedeutung haben. Jedoch es finden sich im Buche Jawitz zahlreiche Bemerkungen, die ernste Beachtung finden werden und dieselbe auch verdienen. Den Text begleiten folgende Abhandlungen in den Noten: die Erinnerungen an die Zerstörung Jerusalems und des Tempels, die synagogalen Einrichtungen an Stelle des Opferdienstes, das erste Gelehrtengeschlecht nach der Zerstörung, die Kollegen des R. Gamliel I., der Sieg des Hauses Hillel, der Proselyt Kalmanes - und seine Frau, die vier Gelehrten im Pordes, die Vorstellungen der Minäer, die Kollegen des R. Simon ben Gamliel, |rbttn p. der Patriarch R. Jehuda und seine Zeitgenossen Chronologie und die Niederschrift der Mischna, wobei sich der Verfasser für die schriftliche Ueberlieferung der Mischna entscheidet. Die Reichhaltigkeit des Stoffes, die schöne und würdige Sprache, die selbständige und originelle Bearbeitung werden gewiß diesem Werke viele Freunde verschaffen, denn es verdient Beachtung nicht nur im Gelehrtenkrcise, sondern in den breitesten Schichten des hebräischlesenden Publikums. Wir können nur mit Dank von diesem Buche scheiden, denn wir verdanken ihm so manche Belehrung und Anregung. I a m n i tz (Mähren) den 16. August 1908. Rabb. Dr. Marmor st ein. Neue Bücher. Im Verlage von I. C. Hinrichs, L e i p z i g, in zweiter erweiterter Auflage soeben erschienen: Als Heft 1 und 3 der Wehr- und Zeitschriften „JmKampfe um denAlten Orient" herausgegeben von Alfred Jeremias und Hugo Winckler: Jeremias, Privatdozent Lie. Dr. Alfred: Die Panbabyloniften. — DerAlte Orient und die Egyptische Religion. Mit 6 Abb. und Sach- und Autorenregister. 73 S. Mk. —.80. „Das Alter der babylonischen Astronomie." Mk. 1*20. Leipzig 1908. Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums. Begründet von Dr. Z. Frankel. Organ der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums. Herausgegeben von Dr. M. B r a n n. 52. Jahrgang. Neue Folge, sechzehnter Jahrgang. Heft 7./8. Juli—August 1908. Breslau. Koebnersche Verlagsbuchhandlung. (Barasch und Riesenfeld.) Inhalt: Josef Eschelbacher: Michael Sachs. H. Rosenberg: Das Geschlecht der Hauptwörter in der Mischna. (Fortsetzung.) V. Aptowitzer: Die talmudische Literatur der letzten Jahre. (Schluß.) Simon Eppenstein: Beiträge zur Geschichte und Literatur im gaonäischen Zeitalter. (Fortsetzung.) Adolf L e w i n: Die Vorarbeiten für die badische Judengesetzgebung in den Edikten 1807—1809. (Schluß.) Besprechungen: Coblenz F.: Jüdische Religion. Von B. Jakob. Bibliographische Uebersicht über die im Jahre 1907 erschienenen Schriften. Von M. Brann. Mitteilungen der „Israelitischen Allianz zu Wien". Neue Folge. Erscheint viermal jährlich. Redigiert von Rabbiner Dr. Armand Kaminka. Nr. 6. September 1908. Inhalt: Tempelspenden für die Allianz. — Die Juden in Finnland. — Der Prozeß wegen des Pogroms in Bialystock. — Die Falascha-Expedition. — Die 35. ordentliche Generalversammlung. — Neubeigetretene Mitglieder. — Allgemeine Spenden. — Rumänische und russische Spenden. Eine Lebensarbeit des Rabbiners Dr. S. Mühsam sel. And., seine Predigten, sollen demnächst in drei Bänden

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