Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 39 (25.9.1908)
- Date
- 1908-09-25
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Sette 692 £>r. Lloco s MocvenscvrM. Nr. 3 hältmffe zum karg zugemeffenen Einkommen des Rabbiners, er wirk verschuldet, verliert den Kredit und — das Ansehen, dessen er so sehr bedarf. Zudem überschreitet solch eine „reiche" Frau, die in der Regel einem Hause entstammt, wo man es mit den Gesetzen der Religion, mit der jüdischen Haushaltung nicht gar genau nimmt, die Schranken, die einer Rabbinersgattin gesteckt find, ste lebt freier, als sie sollte und dürfte und wirft damit einen Schatten auf ihren Gatten, der um des lieben Hausfriedens willen gar nicht wagt, es ihr zu wehren, was auch nichts nützen würde. Wie Sie also sehen, ist der Vorteil und das Glück auf meiner Seite, wenn ich nicht nur dem Zuge meines Herzens folge, sondern auch auf die Stimme der Vernunft höre und ein gutes, frommes, wohlerwogenes, an bescheidene Verhältnisse gewöhntes Kind ans einem Rabbinerhause wähle, das mir als wahre Gehilfin zur Seite stehen und die praktischen Erfahrungen, die es im Elternhause gewonnen, zu meinem Nutz und Frommen verwerten wird. Wollen Sie warten bis ich komme, um an Ihr Herz eine Frage zu richten?" „Ich werde warten," Lispelte Jlka und Tränen traten ihr in die Augen. „Also auf ballriges Wiedersehen!" Mit diesen Worten eilte Seemann rasch von dannen, um nicht die tiefe Rührung zu verraten, die ihn beim Abschiede von diesem ihm teuer gewordenen, weinenden Mädchen übermannte. Er machte «och einen kurzen Abschiedsbesuch beim Präses, der ihn sehr warm empfing und ihm die Versicherung gab, daß er alles Mögliche in feinem Jutereffe tun werde. «»Ich gebe mich Hemer Selbsttäuschung hin. Ich war der erste und werde wahrscheinlich auch der letzte sein, der in Kombination kommt. Ich danke Ihnen herzlichst für Ihre Bemühungen, aber meinethalben soll der Friede und die Einheit der Gemeinde nicht gestört werden. Ich werde mich stets mit Vergnügen an Sie erinnern." (Fortsetzung folgt.) Üibnt«. Schloß Tobitschau. Sehr geehrter Herr Redakteur! Auf Sette «74 Ihrer geschätzten Zeitschrift vom 18. September übersetzt Herr Dr. M. Grünfeld in der Rubrik „Literatur", in seiner Mitteilnug aus Brünn ein spanisches Sprichwort: Non digas mal del ano, hasta que sea pasado — mit: „Sprich nichts Schlechtes von deinem Nächsten, damit es dir nicht heimgezahlt werde". — Das ist ganz falsch. Richtig ist bloß der Anfang: non digas mal heißt: sprich nicht schlecht; hören wir zuerst den Schluß: basta qus sea pasado bedeutet: bis er (es) vorübergegangen (verstrichen) ist. Ob „ano- — der Nächste bedeutet, weiß ich momentan nicht, ich möchte aber hierin eine dialektische Form für ano (sprich an jo) erblicken; dann bedeutet das Sprichwort: Sprich nicht schlecht vom Jahre, bevor es zu Ende ist. Ein optimistisches Seitenstück zum deutschen pessimistischen Spruch: Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben. Mtt vorzüglicher Hochachtung Ihr ergebener Dr. A. K a p r a l i k. Neue Bücher. Jeremias, Privatdozent Lie. Dr. Alfred: Die Paubabylouiste«. — Der Alte Orient und die Egyptische Religion. Mit 6 Abb. und Sach- und Autorenregister. 73 S. Mk. —.80. „Das Alter der babylonischen Astronomie." Mk. 1.20. Leipzig 1908. Kriefkaste«. A. F. DaS Kaffastück des jüdischen Dichters Franz MolnLr, „Der Teufel", das in Europa so große Erfolge errungen hat, wird jetzt zu gleicher Zeit in drei New-Dorker jüdischen Theatern bei stets auSverkaustem Hause in jüdischer Sprache aufgeführt. Die Hauptrollen werden in Peoples Theater von Tomaschewski, im Windsor- Theater von MoSkowttsch und im Thalia-Theater von Keßler (es sind dies drei berühmte Schauspieler) gegeb n. Dr. K. in R. Auf dem Europäischen Baptistenkongreß, der dieser Tage unter starker Beteiligung aus aller Herren Länder in Berlin abgehalten worden ist, führte Pastor Herrman (Berlin) iu seinem Vortrage über die Arbeiterfrage u. a. folgendes aus: „Daß die sozialen Zustände der Gegenwart keine Ideale sind, beweist die Zerklüftung des Arbeiterstandes. Gewiß, in der Bibel wird keine Nationalökonomie getrieben, aber dennoch verhält sie sich den sozialen Fragen gegenüber nicht verständnislos. Sie enthält eine soziale Gesetzgebung und löst das soziale Problem in Israel vollkommen. Bettler gab es in Israel-nicht. -Da nach Gottes.Wort jeder ein Arbeiter ist, so gab es in Israel auch keine Zerklüftung zwischen Arbeitgebern und Arbeitern. Die soziale Gesetzgebung Israels hinderte das Anwachsen riesiger Kapitalien und machte eine große Bedürftigkeit unmöglich. Sie schloß auch die Leuteschinderei aus. Die soziale Frage würde für uns ihre Schrecken verlieren, wenn Fabrikant und Arbeiter, Meister und Gesellen sich von diesen biblischen Idealen erfüllen ließen. Wie anders ist die Arbeiterfrage bei uns geworden'nsw." Schickler, Wien. Rabbiner Dr. Z. ist Besitzer des Franz Joseph-Ordens. Jos. Winkler, Gr.-Enzersdorf. Das Verhalten des Kantors in der fraglichen Angelegenheit, der wegen einer Lappalie zwei Gemeindemitglieder zu einer Eidesleistung vor dem Richter zwingt, ist entschieden zu mißbilligen. Ob der betreffende Kantor noch würdig ist, als Scheliach-zibbur zu fungieren, — darüber steht allein der Gemeinde die Entscheidung zu. Oanhsagung. Für die uns anläßlich des Ablebens unseres unvergeßlichen Familienoberhauptes Dr. M. L. Stern erwiesene gütige Teilnahme dankt herzlichst Familie Dr. M L. Stern. Triesch, im September 1808. TälniQd^TllOra, Fünfhaus, Turnergasse 22. Die Einschreibung der Schüler und Schülerinnen für das Schuljahr 1908/9 finden statt: Dienstag den 29. September d. J. von 5—7 Uhr nachmittags Mittwoch „30. „ „ n » 6—7 „ „ Donnerstag „ 1. Oktober „ „ „ 5—7 . „ „ Der Unterricht beginnt Dienstag' den 6. Oktober d. J. Kundmachung. Die Einschreibungen in die Bibelschule für Mittelschüler finden in der „Religionsschule“, I., Seitenstettengasse 4, II. Stock, Dienstag den 29. September 1908, von 4—5 Uhr nachmitt. statt. Der Torstand der isr. Kultusgemeinde. Dr. Adolf Schmledl Widmung. Ans den Erträgnissen dieser, aus Anlass der am 26. Jänner 1901 stattgehabten Feier des achtzigjährigen Geburtstages Sr. Ehrwürden des Herrn Rabbiner Dr. Adolf Schmiedl, von dem Vorstande der israelitischen Kultusgemeinde Wien begründeten Widmung gelangen drei Stipendien ä K 100 {einhundert Kronen) an Gymnasialschttler, welche Talmudstudien betreiben, zur Verleihung. Die mit Geburts-, Armuts- und den Studienzeugnissen, sowie mit dem Nachweise über das schulgemässe Studium des Talmuds versehenen. Gesuche sind bis längstens 15. Oktober 1908 im Einreichungsprotokolle der israelitischen Kultusgemeinde Wien, I., Seitenstettengasse 4, III. Stock, woselbst auch Gesuchsblankette unentgeltlich verabfolgt werden, während der Amtsstunden zwischen 9 und .12 Uhr vormittags zu überreichen. Auszüge aus den Metriken der Israel. Kultusgemeinde Wien sind als Gesuchshelege nicht erforderlich; es genügt vielmehr die genaue Angabe der betreffenden Daten. Nicht entsprechend belegte oder verspätet überreichte Gesuche werden nicht berücksichtigt. Ludwig Brettauer'Fond. Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Wien gibt hiemit bekannt, dass am 30. Dezember 1908 die Erträgnisse der obgenannten Widmung per insgesamt K £15 au besonders bedürftige jüdische Arme zur Verteilung gelangen werden. Gesuche um Verleihung eines Betrages aus dieser Widmung sind, belegt mit dem Geburtsscheine und dem Armutszeugnisse des Bewerbers, bis 15. OktObBF 1908 im Ein-, reichungsprotokolle der israelitischen Kultusgemeinde Wien, I., Seitenstettengasse 4, III. Stock, woselbst auch Gesncbsblankette unentgeltlich verabfolgt werden, während der Amtsstunden zwischen 9 und 12 Uhr vormittags zu überreichen. Auszüge aus den Metriken der israelitischen Kultusgemeinde Wien sind als Gesuchshelege nicht erforderlich; es genügt vielmehr die genaue Angabe der betreffenden Daten. Verspätet überreichte oder nicht entsprechend belegte Gesuche werden nicht berücksichtigt.