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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-09-18 · 38 (18.9.1908) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
38 (18.9.1908)
Date
1908-09-18
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 674 Sr. Lwcb s MocdeKSLbritt. Nr. 38 Welchen Dank die ganze Gesellschaft begeistert einstimmte, die unter dem angenehmen Eindrücke, einen gemütlichen, genußreichen Abend verbracht zu haben, das gastfreundliche Haus verließ. Dr. Seemann aber hatte an diesem Abend eine ansehnliche Zahl intelligenter Gönner gewonnen. (Fortsetzung folgt.) Literatur. Der Weg zmu Heile. Neue Beiträge zur Gesellschafts- und Selbst- Reform. Von Leopold Schwarz. Zweite erweiterte Auflage. 162 Seiten. Mk. 1.25 K 1.50. Verlag von A. Peitz & Sohn, Flöha i. S. Der Verfasser schildert in beredten, stellenweise allzu krassen Farben die chronische Degenerierung des Menschengeschlechtes und die Unnatürlichkeit der ganzen Weltordnung, welche er als Folge einer durch Fleischgenuß, Alkohol, Luxus, Unsiltlichkeit rc. entarteten Lebensführung und eines hiedurch hervorgerufenen körperlichen und ethischen Niederganges darstellt. Ein gewaltiger Grundirrtum beherrscht seiner Ansicht nach das ganze moderne Kulturleben, das erst durch Vegetarismus im weiteren Sinne, nicht als bloße Magenfrage, sondern vielmehr als Lebens- und Weltanschauung: bewußte Scheu vor Tiermord, Lebensweise ohne Blutvergießen und Rückkehr zur Einfachheit und Natur eine umfaffende und durchgreifende Selbst- und Gesellschaftsreform, die „humane Revolution" zu erzeugen vermag. In der historischen Entwicklungsgeschichte des Vegetarismus geht der Verfaffer bis auf die Bibel zurück, indem er die den Fleffchgenuß erschwerenden mosaischen Vorschriften als Voretappe für die im Buche Daniel und der apokryphen Schrift Henoch zum Ausdrucke gebrachte totale Fleischabstinenz bezeichnet. Er schildert die Sekte der Mäer oder Nazarener, welche das Gebot „Du sollst nicht töten" auch dem Haustiere gegenüber befolgten und sich deshalb des Fleischgenusses sowie des Weines vollständig enthielten. Graf Leo Tolstoi, der berühmteste Vegetarier der Gegenwart, erscheint ihm auch als gegenwärtiger Repräsentant des einfachen, naturwüchsigen Essäertums, dem auch Johannes der Täufer, Jesus und die ersten Christen angehörten. Das Buch ist klar und übersichtlich gehalten und behandelt den an und für sich trockenen Stoff ziemlich spannend. Man muß dem Verfaffer in vielen Punkten zustimmen, und wenn auch die ihm als Ideal vorschwebende neue Weltordnung noch in nebulöser Ferne schwebt, so beweist doch das Erscheinen des Buches in zweitervermehrter, Auflage, daß die überzeugenden Argumente des Verfassers einen entsprechenden Leserkreis gefunden haben, an denen der Inhalt des Buches gewiß nicht spurlos vorübergleiten wird. Dr. Theodor Haas. Brünn. Sehr geehrter Herr Redakteur! Zur Ergänzung der in Ihrem geschätzten Blatte aus der „Frankfurter Zeitung" üdergegangenen Notiz: „Die Sprache der Spaniolen", gestatte ich mir auf das soeben erschienene vortreffliche Buch von Salomo» Rosaves „Geschichte derJuden in der Türkei (1300 bis 15a0) aufmerksam zu machen. In diesem wahrhaft wissenschaftlichen und gründlichen Werke, das in klassischem Hebräisch abgefaßt ist, finden sich Denkmäler l„Zijunim") aller Juden, die in die Türkei einwänderten, natürlich am ausführlichsten die der Sephardim (Spaniolen a. a. O. Seite 179—222). Aus diesem Z'jun der Sephardim kann man ersehen, wie getreu die spanischen Geruschim, Sprache, Literatur, Namen, Sprüche und Lieder ihrer ursprünglichen Heimat bewahrt haben, ja, wie sie noch jetzt, nach ihren ehemaligen Wohnsitzen in den Provinzen Kastilien, Anagonien, Katalonien, Andalusien und Granada geschieden werden können. Den „Bene Portugal" ist ein eigenes Kapitel gewidmet. Besonders interessant für die Sprachgeschichte sind die „Pisgomim und Meligoth", welche die spanischen Juden bis auf den heutigen Tag bewahren (a. a. O. Seite 202). Die „Pisgomim" nennen die Juden „Refranes" oder „Palabra decidera“. Selbst „Liebeslieder" ihrer ehemaligen Heimat haben die Sephardim bewahrt, die in Spanien selbst, nach 400 Jahren, vergessen sind, so. das, welches mit den Worten beginnt: „A las muntanas, mi alma A las muntanas, mi ayre.“ „Auf die Berge, meine Seele Auf die Berge, mein Geist." Von den „Meligoth" erwähnen wir: „Quien todo le giriere, todo Jo pierde“ („Wer vieles will, verliert vieles"), ferner: „Non digas mal del ano hasta que sea pasado“ („Sprich nichts Schlechtes von demem Nächsten, damit es dir nicht heimgezahlt werde") u. a. m. Sehr lehrreich ist auch die Auseinandersetzung, wie die Spaniolen ihre Sprache mit hebräischen Buchstaben transskribieren. Jedenfalls möchten wir alle, die sich mit dem Spaniolischen beschäftigen, auf das Werk von Rosanes hingewiesen haben. Hochachtend Dr. M. G r ü n f e l d. Neue Bücher. Palästina. Monatsschrift für die wirtschaftliche Erschließung Palästinas. Redaktion München, Pettenkoferstraße 25. 5. Jahrgang. Nr. 7, Inhalt: Die Bergjuden. Josef Gerstmann: Ueber die jetzigen Kultur- und Bildungsverhältnisse der Juden Palästinas. Die Hedschazbahn. M. F. S e i d m a n: Die jüdische Arbeiterfrage in Palästina. Aus den Hauptstädten. Aus der Türkei. Aus den Kolonien. Eingesandt. 'Notizen. Allerlei. Kriefkastr«. L. K. Wir haben das Gymnasium in P. empfohlen, weil wir den Religionslehrer dieser Anstalt kennen und achten. Daß auf die Konfession der Schüler an diesem Gymnasium in gerechter Weise Rücksicht genommen wird, geben Sie selber zu. Die Polemik ist somit unangebracht. Dr. K. Jnfektionsübertragung durch Insekten war dem Talmud bekannt. Im Traktat „Ketubot", 7. Abschnitt, Kapitel „Hamadir" weist der Talmud darauf hin, daß Fliegen Krankheiten auf gesunde Menschen übertragen können. Rabbi Jochanan ließ bekannt machen: Man solle sich vor Fliegen hüten, die auf einem Kranken standen, der „Würmer im Gehirn hatte" (gemeint ist wahrscheinlich der Blasenwurm, oyticereus cellulosae, der in verschiedene Organe: Auge, Hirn, Muskeln u. c. des Menschen eindringen und diese gefährden kann), weil die Fliegen die Krankheit auf andere übertragen könnten. Rabbi Sira, Rabbi Eleasar, Rabbi Ami und Rabbi Assi verschärften diese Vorsichtsmaßregel noch bedeutend. Es liegt durch dieses Beispiel klar zutage, daß die Insekten als Infektionsträger unseren Alten vor anderthalb Jahrtausenden bereits bekannt gewesen sind. L. F. 100. Eine Taktlosigkeit, die einer gewissen Komik nicht entbehrt, hat zweifelsohne der Warschauer Advokat, Herr Könitz, begangen, als er, ein Jude, als Vertreter der Polen am Panslaviflenkongresse in Prag teilnahm und seine Rede sogar mit den Worten „wir Slaven" einleitete. Die Preffe aller Schattierungen versäumte es nicht, auf die unendlich lächerliche Rolle dieses jüdischen Agitators des Panslavismus hinzuweisen. G. G. Eine Arbeit des deutschen Volksdichters Heinrich S v o b o d a, Bürgermeisters in T a ch a u, enthält folgende Verse: „Ein Scheusal,, das dem Höllengeist gedieh Im tollsten Wutausbruch der Phantasie.; Ein Drache, der nur Gift und Haß und Neid, Gestank und Schmutz dem Tag ins Antlitz speit; Ein Ding, halb Kannibale und halb Jesuit; Die Mißgeburt — sie heißt ,Antisemit." Berichtigung. In unserem jüngsten Berichte aus S a l z b u r g stand Rabbiner Adolf U l l m a n n, es soll richtig heißen Rabbiner Adolf A l t m a n n. Danksagung. Ausserstande, allen, die mir anlässlich des Ablebens meines unvergesslichen Vaters, Herrn David Lewin s. A., Rabbiner in 111 a v a, Beweise der aufrichtigen Teilnahme gegeben haben, einzeln zu danken, spreche ich auf diesem Wege den wärmsten Dank aus. Nikolsburg im September 1908. Rabbiner D.. Lewin. Kundmachung. Es wird hiemit zur Kenntnis gebracht, dass im grossen Musikvereins-Saal I. Bezirk, Kärntnerring, Dumbagasse Nr. 3 anlässlich der hohen Festtage, wie in den Vorjahren, ein Gottesdienst stattfinden wird. Parteien, welche auf die im Vorjahre gehabten Plätze reflektieren, können die betreffenden Betsitzkarten bereits vom 7. September bis 17. September a. c. an der Kasse der israelitischen Kultusgemeinde I., Seitenstettengasse 4, I. Stock, täglich von 9 Uhr vormittags bis 1 Uhr nachmittags beheben. Ab 18. September gelangen die nicht behobenen Karten zur allgemeinen Ausgabe. Wien im August 1908. Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde.

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