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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-09-18 · 38 (18.9.1908) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
38 (18.9.1908)
Date
1908-09-18
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr- 38 Dr. Slocb’a MocvenscdrtN. Seite 689 Mannheim. In der „Zeitschrift für Schulgesundheits- Pflege" veröffentlicht Dr. med. Julius Moses in Mannheim „ein Nachwort zur Darmstädter Versammlung des Deutschen Vereines für Schulgesundheitspflege" und teilt darin mit, daß das ihm erst in Aussicht gestellte medizinische Referat über die Mädchenschulhygiene Herrn Prof. Dr. Schmidt in Bonn mit der unzutreffenden Begründung erteilt worden sei, da dieser die Frage zuerst angeregt habe. In Darmstadt habe ihm der Vorfitzende des Deutschen Vereins für Schulgesundheitspflege aber offen erklärt, er habe fich unter Hinweis auf seinen in Baden unter allseitigem Beifall gehaltenen Vortrag für ihn eingesetzt, der Vorstand habe ihn aber wegen seines alttestamentarischen Namens abgelehnt. Es sei in jener Sitzung erklärt worden, daß, wenn Moses Name als Referent auf der Tagesordnung stünde, das preußische Ministerium fich auf keinen Fall in Darmstadt vertreten lassen würde. Dr. Moses-Mannheim schreibt: „Das' Vorgehen des Vereinsvorstandes zielt darauf hinaus, die Mitglieder, die gleich mir mit der ohnehin nicht leicht zu tragenden Bürde eines alttestamentarischen Namens belastet find, zu Mitgliedern zweiter Klasse zu degradieren und ohne Rücksicht auf ihre sonstigen Qualitäten von der aktiven Beteiligung im Vereine auszuschließen. Die Rechtloserklärung einer Gruppe von Mitgliedern, denen man nichts vorwerfen kann als ihren Namen, hat mit dem politischen, wirtschaftlichen oder gesellschaftlichen Antisemitismus nichts zu tun. Es handelt fich vielmehr um die schroffe Durchbrechung der Gepflogenheiten der wissenschaftlichen Körperschaften, die auch in den vom Antisemitismus am lebhaftesten durchtobten Zeiten und Ländern einen neutralen Boden darstellten, auf dem alle wissenschaftlichen Arbeiter Platz fanden. In dem von Vorurteilen diktierten Verlassen eines in der Wissenschaft sonst hochgehaltenen Prinzips erblicke ich eine große Gefahr für das Gedeihen des Vereines selbst." Bemerkenswert ist daß der Berichterstatter über die Darmstädter Versammlung in derselben Nummer der Zeitschrift schreibt: „ . . . Nur so darf es erklärt werden, wenn verdiente Mitarbeiter auf dem Gebiete der Schulgesundheitspflege aus raffenpsychologischen Gründen (!) an die Wand gedrückt und hinsichtlich praktischer Mitarbeit kalt gestellt werden." Eine Aktion zugunsten der Sabbatruhe. Aus Budapest wird uns geschrieben: Die den Samstag feiernden orthodoxen jüdischen Groß- und Kleinhändler, Fabrikanten und Kleingewerbetreibenden hielten am 8. d. M. in der Hauptstadt ^ine Konferenz, an welcher zahlreiche Provinzdelegierte teilnahmen. Die Konferenz wählte Dr. Jakob Schächter (Budapest) zum Präsidenten, Defider Korein (Szombathely) zum Kopräsidenten und Leopold Großberg (Budapest) zum Schriftführer. Gegenstand der Beratung bildete der Gesetzentwurf betreffend die Regelung der Sonntagsruhe in den Gewerbebetrieben. Die Konferenz faßte in dieser Beziehung einhellige Beschlüsse, die in Form eines Memorandums an den Handelsminister geleitet werden sollen. Die Konferenz sendete an den Handelsminister Kossuth und Staatssekretär Szterenyi Begrüßungsdepeschen. Echt russische Leute und jüdische Mädchen. Die Häupter des Tiraspoler „Vereines des russischen Volkes" fassen vorige Woche über einige ihrer Mitglieder zu Gerichte. Sie erfuhren nämlich, daß einige Vorstandsmitglieder häufig in Gesellschaft jüdischer Mädchen gesehen werden, mit denen sie fich freundschaftlich unterhalten. Darob große Entrüstung. Der Präsident entsendete seine besten Spione, um Authentisches über den schrecklichen Fall zu erfahren. Und die Spitzel kamen und berichteten, daß das Gerücht auf Wahrheit beruhe und die Beschuldigten den Tatbestand gar nicht leugnen. Nun wurde strenges Gericht gehalten. Nach einer langen hochnotpeinlichen Verhandlung wurde beschlossen, die Beschuldigten vor die Alternative zu stellen: Entweder den Verkehr mit den jüdischen Mädchen aufgeben oder sofort aus dem Vereine ausscheiden. Und siehe da: Die schwarze Jugend entschloß fich fürs Letztere. Allesammt schieden sie aus dem Verbände der Pogromisten. Man sieht also, die ruffischen Pogromhelden find auch nicht beffer, als ihre westeuropäischen Gesinnungsgenossen. Die hebräische Sprache Verbote«. In Wilna besteht ein jüdischer, musikalisch-dramatischer Verein, dessen Statuten von der Behörde genehmigt wurden. Der Verein, der auch Diskusfionsabende veranstaltete, bat nun um die Erlaubnis, die Diskussion in hebräischer Sprache führen zu dürfen. Die Vereinsbehörde bewilligte jedoch das Ansuchen nicht, weil die hebräische Sprache keine Landessprache sei und die Verhandlungen in dieser Sprache nicht kontrolliert werden könnten. Ei« russischer Gemeinderat bestehend aus Jude«. In der Stadtgemeinde Klikol bilden die Juden eine so überwiegende Majorität, daß trotz aller Anstrengungen, die Juden aus dem Gemeinderat auszuschließen, der ganze Gemeinderat bis auf ein Mitglied, aus lauter Juden besteht. Zum Starosta (Bürgermeister) wurde natürlich der einzige Christ im Gemeinderate ernannt und da nach russischem Gesetze kein Jude in einer Ortsvorstehung eine Stelle bekleiden darf, mußte der Wilnaer Generalgouverneur erst vom Minister des Innern die Erlaubnis einholen, Juden für einzelne Aemter der Stadtvorstehung bestätigen zu dürfen. Dieser Fall wirft ein krasses Licht auf die Legalität der Ausnahmsgesetze gegen die Juden selbst in denjenigen Gegenden, wo sie eine kompakte Majorität bilden. Großer Brand im New-Aorker Ghetto. Einer Kabelmeldung der Londoner „Times" zufolge havorigen Montag im New-Aorker East-End, dem fast ausschließt lich von eingewanderten Juden bewohnten Stadtteil, ein großer Brand gewütet, der 31 Werkstätten, sogenannte Sweating Shops (Schwitzbuden) eingeäschert hat. Auch mehrere Menschenleben find zu beklagen. Es besteht der Verdacht, daß das Feuer von frevlerischer Hand gelegt wurde, da in der vergangenen Woche gleichfalls an 25 verschiedenen Stellen des East-End gelegtes Feuer zum Ausbruch gekommen war, jedoch rasch unterdrückt werden konnte. Die Opfer des Brandunglückes find zum Teile Werkstatthüter, die über Nacht in der Werkstätte schlafen müssen und nun dort den Feuertod gefunden haben. Außerdem pflegen arme Arbeiter, die den teuren Mietzins in dem dichtbevölkerten Ghetto nicht zu erschwingen vermögen, ihr Nachtquartier in den Werkstätten oder Geschäftslokalen ihrer Arbeitgeber auszuschlagen. Die übrigen rekrutieren fich aus frisch angekommenen Emigranten, die jeden Groschen zusammen sparen, um den in der Heimat zurückgebliebenen Angehörigen das Geld zur Ueberfahrt schicken zu können. Auch diese Leute verzichten auf ein eigenes Quartier und nächtigen in Werkstätten, woselbst manche von ihnen jetzt den Flammentod gefunden haben. Vermischtes. Kranzablösungsspenden zugunsten der Chewra-Kadischa in Wie» I., Seitenstettengaffe 4 für arme kranke Glaubensgenoffen. Anläßlich des Ablebens der sel. Charlotte Schmiedl: Von Jakob Kann K 10.—, Adolf Schramek 20.—, Friedrich Karbach und Frau 50.-, Dr. Treu 20.-.Baumgarten20.—,MichaelGlogau 10 —, Samuel Steiner 10.—, Moritz Breitner lv.—, Leopold Frankel 30.—, Julius Blum 4.—, Dr. Heinrich K 2.—. Zusam. K 176. Anläßlich des Ablebens des sel. Ignaz Lustig: Von Frau M. L. K 20. Anläßlich des Ablebens des sel. Adolf Löwy: Von Ignaz Haß K 30.—, Ch. M. Haß 3.—. Max Taussig L 10.—, Zusammen K 42.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Samuel Schächter:Von Familie Schächter K 20.—, Familie Josef Löffler 10.—, Sam. I. Schwarz K 5.—. Zusammen K 35.—. Anläßlich des Ablebens der sel. Bertha Müller: Von Leopold Wollner K 10.—.

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