Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 37 (11.9.1908)
- Date
- 1908-09-11
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. 37 Jahrgang UV Dr. Bloch’s Zentralorgan für die gesamten Interessen des Judentums.? K. fc. Postsp»rkakf,navtr * Slearln g-Verkedr Nr. 610.976. Wien, 11. September 1908. ) S«jnu»prxt» für »sOxrotafti Q Haldtähria 8 Krone«: «vreleremylare SS Hellem Redattto» und Administration: Isür'm IbnUO: JBM*n Lrscbelnt jeden Freitag. Halvtährig 10 Krone». ix/t, Hahugaffe Wt. 15. »anzlührtg 20 » t> Telefon Nr. 14.847. c Brief-Adreffe: Wie». IX/i, Hahngaffe 15. flnjetgen: Di« 4mal aespak» j tene PeNrzeU« 24 Heller. £ (>Q ■■■ — Or> Trirgramm-Adrefie: Bloch'S Wochenschrift. Wien. n O ...- > Inhalts Leitartikel: Briefe von Wilhelm von Gutmann. — Rede ZangwillS über die „Jto". —Vom Jahrmarkt des Lebens: M. G. Saphir's Vater und Kaiser Josef. Die Sprache der Spaniolen. — Korrespondenzen: Zum Kapitel „Austritte aus dem Judentum. Zum''Schulbeginn. Der erste jüdische Advokat in Ungarn gestorben. Lazarus Geiger. Jüdische Kunst im Fürstenschlosse. Landwirtschaftliche Ausbildungsgelegenheit für jüdische Schulentlassene und junge Leute. General Ottolenghi sel. And. Ein jüdischer Wachmann. Synagogenvorsteher Max Michelson in Riga. — Vermischtes: Gratulationen anläßlich des Neujahrsfestes zugunsten der Chewra-Kadischa. Wien. Der 70. Geburtstag des Bethhausvorstandes S. A. Wasservogel. Leichenbegängnis der Rabbinersgattin Frau Charlotte Schmiedl. Austritte aus dem Judentum. Salzburg. Pribram. Innsbruck. Tarnow. Vinkovce. Eine jüdische Auswandererzeitung. Eine österreichische Auszeichnung an einen englischen Juden. Der Eid More Judaico in Rußland. Jüdische Auswanderungsbewegung im Juli. — Feuilleton: Eine Rabbinerwahl. — Literatur. — Neue Bücher. — Brieflasten. — Inserate. Kriefe von Wilhelm von Girlmann. Mitgeteilt von Nahida Lazarus. Sollten auch die Klagen der Wohlmeinenden wahr sein, daß es mit der Religiosität bergab geht, sollten die Beobachtungen des Forschers richtig sein, daß unsere Juden, insbesondere die moderne jüdische Jugend mehr Interesse für Spiel und Sport.als für die Synagoge hat . . . .tröstlich bleibt es und eine Quelle der Ermutigung, daß sich immer wieder Männer finden, die, obwohl mitten im Erwerbsleben stehend, doch dem reinsten Idealismus huldigen. Ein solcher Mann war Wilhelm von Gutmann. Der 15. September, meines Mannes Geburtstag, veranlaßt mich alljährlich — wie zum Trost — Umschau zu halten unter denen, die ihn liebten, und da gedachte ich dieses seltenen Freundes und nahm seine Autobiographie in die Hand; aus S. 74 steht zu lesen: „Behandlung der Arbeite r." „Ein wesentlicher Fortschritt ist seit unserer Uebernahme der verschiedenen Bergbaue in der Behandlung der Arbeiter eingetreten. Dieselben waren früher schlecht untergebracht, minder gelohnt, undiszipliniert und dem Branutweintrunk ergeben. Es war unsere*) erste Sorge, gute, gesunde Wohnungen zu schaffen und den Lohn so zu normieren, daß dem fleißigen Arbeiter Gelegenheit geboten sei, mehr zu verdienen. Die Arbeiter wurden geschult und ihre Leistungsfähigkeit gehoben. Auch wurden für sie mancherlei gemeinnützige Unternehmungen geschaffen, die ihnen die Erziehung ihrer Kinder, die geregelte Führung ihres Haushaltes, sowie die nützliche Verwendung ihrer freien Zeit ermöglichen sollten. Schulen wurden für die Arbeiterkinder gebaut und ihnen die Lehrmittel eingehändigt. Es wurden Werksbiblirtheken ins Leben gerufen, die jedem Bergarbeiter zur freien Benützung stehen und demselben das Lesen gediegener Bücher ermöglichen. Es wurden Grundstücke gepachtet und den Arbeitern billig überlassen, wodurch ihnen in ihrer freien Zeit eine nützliche und anregende Beschäfti¬ *) Der Autor spricht hier von sich und seinem Bruder David vonGutmann, der noch heute zur Freude seiner Angehörigen und Freunde rüstig seinem Berufe lebt und die Familientradition der Religiosität nnd Menschenfreundlichkeit in seiner Person verkörpert. gung im Freien verschafft wurde. Lebensmittelmagazine wurden au den Schächten errichtet, die die Arbeiter mit guten und billigen Nahrungsmitteln versorgen. Eine seit vielen Jahren betriebene Suppenanstalt spendet monatlich zirka 24.000 Portionen gesunde Suppe, Fleisch, Gemüse und Brot zu den mäßigsten Selbstkostenpreisen usw." Weiterhin heißt es: „Ein den Arbeitern zugängliches Wäldchen, ausgerüstet mit mehr als 200 Sitzbänken, Musikpavillon und Kegelbahnen versammelt Sommers an den Sonntagsnachmittagen die Arbeiterschaft, die bei den Klängen einer guten Werkskapelle Erholung von den Strapazen der Woche sucht." Auf S. 116 beginnt ein Abschnitt: Humanitäres und Religiöses. Der Schreiber bekennt, daß ihm Eins ganz besonders am Herzen lag: „die Stärkung und Klärung des religiösen Bewußtseins seiner Glaubensgenossen". Gewidmet ist das Büchlein „Professor Dr. Moritz Lazarus in aufrichtiger und hochachtungsvoller Freundschaft." Sinnend verweilte ich bei dem Bilde dieser beiden durch edelste Zuneigung verbundenen Männer. Schon längst sehnte ich mich, den ersten Anfängen dieser Freundschaft nachzuspüren, aber die Fülle des literarischen Nachlasses meines Mannes ist zu groß und noch immer bebt mein Herz und meine Hand bei der Lösung der Fäden, welche alle diese Konvolute sorgsam umspannen; eines enthält unter der Ueberschrift: „Zur Geschichte der Abfassung der Ethik des Judentums" die Korrespondenz zwischen W. o. Gutmann und Lazarus. Von Anfang an herrscht der innigste Ton. „Ich kann ihnen gar nicht sagen, wie sehr ich mich danach sehne, mit Ihnen eine längere Unterredung zu pflegen!" Dieser Ausruf Gutmanns wiederholt sich in den verschiedensten Variationen. Er beklagt das Schicksal, das ihn nach Wien und Lazarus nach Berlin gebannt hat. Die Verabredungen eines Zusammentreffens bilden den Hauptteil vieler kürzerer Briefe. Meist sind es wichtige Fragen, die zur Erörterung drängen, aber auch intimere Töne werden laut. Gutmanns Gesundheitszustand war ein wechselnder. Lazarus beruhigt und beratet ihn. So empfiehlt er dem Freunde, einmal nach Jnterlaken zu gehen und Gutmann gewann in