Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 36 (4.9.1908)
- Date
- 1908-09-04
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3020846-3021764-3021801--17637-3042522- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Dr. Llocd s MocdenscdrLtt. Nr. 36 Sette 640 sein. Sein Andenken wird dauernd und die Lücke, die er hinterläßt, schwer auszufüllen sein. Die Beerdigungsfeier fand am Sonntag nachmittag unter reger Beteiligung weiterer Kreise statt. Viele hervorragende Vertreter unserer Stadt waren anwesend. Der Tempelchor unter Leitung des Herrn Oberkantors David Meisl sang einen Chor, worauf Herr Oberrabbiner Dr. Bernhard Schik dem Dahingeschiedenen in kroatischer Sprache einen überaus warmen Nachruf widmete. Sauerbrrurn. (S a v a n y u k u t.) Bei der am 30. August in Banks „Cafe Sezession" stattgefundenen, konstituierenden. Generalversammlung des Savanyukuter Tempelbau- Betvereiues „Beth-Hakueses" wurden die Statuten angenommen und beschlossen, diese der zuständigen politischen Behörde in Öedenburg sofort zu überreichen. Bei den hierauf vorgenommenen Wahlen wurden einstimmig die Herren A. Leitner zum provisorischen Präses und Ad. Löwy zum provisorischen Schriftführer gewählt. Konftautinopel. In vierzehn Tagen findet in Phanaraki ein großer Ball statt, dessen Reinertrag für die Allianceschule in Kustundschuk bestimmt ist. Das Patronat dieser Veranstaltung hat Marschall Fuad Pascha, der Sieger von Elena, übernommen, der vor einigen Jahren, weil er sich mit Offenheit als Gegner des damaligen Regimes bekannt hatte, nach Damaskus verbannt worden war. Fuad Pascha, der bei seiner Rückkehr aus der Verbannung mit unbeschreiblichem Jubel von der Bevölkerung der Hauptstadt empfangen worden ist, will nur noch als Privatmann tätig sein und sich gänzlich der Förderung der Bildungsstätten in der Türkei widmen. Die Uebernahme des Patronates für die zugunsten einer Allianceschule zu veranstaltende Festlichkeit ist seine erste Handlung auf diesem Gebiete. Leutlleton. Gme Kabbirrerrvahl. Ein Kulturbild der Gegenwart von Dr. Armin Schnitzer, Oberrabbiner in Komarom. V. Kapitel. Bisher haben wir nur einzelne, durchaus nicht maßgebende Urteile gehört; aber es gibt einen obersten Gerichtshof, ein Tribunal, vor dem über Sein und Nichtsein das Verdikt gesprochen wird, und dieser oberste Gerichtshof, dieses höchste Tribunal ist — das Kaffeehaus. Das Kaffeehaus ist ein bedeutender Faktor nicht nur im sozialen, sondern auch im jüdischen Gemeindeleben. Dort wird öffentlich, vor aller Welt über Alles und Jedes, „von der Zeder auf dem Libanon bis zum Jsop an der Wand", vom Rabbiner angefangen bis herab zum Gemeindediener, verhandelt und abgeurteilt, da werden die intimsten Dinge in der Gemeinde bloßgelegt, so daß jeder nichtjüdische Kaffeehausbesucher genau weiß, wann dem Kantor ein Schrei mißlungen, wie viel Einkommen der Rabbiner hat, wie viel ihm diese oder jene Hochzeit getragen haben mag, daß die Lehrer nicht unterrichte», daß die Kinder nicht beten können, daß die Haushaltung dieser oder jener Lehrerin in religiöser Beziehung nicht einwandftei sei und dergleichen Dinge mehr. Heute aber soll über Prediger und Predigt das Urteil gesprochen werden. Der „Oberste Gerichtshof" trat ftüher als sonst zusammen, das Kaffeehaus war stärker als gewöhnlich besucht. Da saßen sie in Gruppen, rauchten und tranken ihren „Schwarzen". Die Politik war heute ausgeschattet, die Zeitungen blieben ungelesen. nur Eines konnten fie nicht lasten — das Kartenspiel, aber auch während des Spiels und in den Zwischenpausen tauschten fie ihre Bemerkungen aus. „Schön hat er gepredigt, es war ein Genuß, ihn zu hören", begann der Eine. „Schön, was habe ich von Schön?" replizierte ein anderer, „hat er nur einen einzigen pivs geteutscht, (d. h. hat er einem Schristvers einen andern Sinn als den gewöhnlichen, richtigen unterlegt?) hat er einen Midrasch zitiert?" Das war keine jüdische Predigt." „Ich muß gcstehen", sagte ein Dritter, „daß ich nicht viel verstanden habe, es war mir zu hoch, aber der Oberstuhlrichter hat immer mit dem Kopf genickt und der Finanzkommissär war außer fich vor Vergnügen, das hat man ihm angesehen, und diese Leute verstehen. „Gut," sagte ein Vierter, „soll ihn der Oberstuhlrichter und der Finanzkommissär aufnehmen, ich mag ihn nicht. Was geht ihm unser Gebetbuch an? Er dawent (betet) doch gewiß nicht. Und habt Ihr gesehen, wie er den Regenschirm am heiligen Schabbes getragen hat?" „Aber Natzi!" rief ein Fünfter ihm zu, „Du rauchst und spielst heute und D u sprichst vom heiligen Schabbes." „O, das ist ganz etwas anderes," erwiderte Natzi, „ich kann tun, was ich will, das geht Niemand etwas an; aber er bekommt gezahlt dafür, daß er die Religion halten soll, und dann: wenn ich im Wagen fitze, kann ich auch besoffen sein, aber mein Kutscher muß nüchtern sein, sonst wirst er mich in den Graben." „Und habt Ihr gesehen," ließ sich ein Sechster hören, wie der Mann immer nur nach den Frauen geschaut hat?" „Aber wie können Sie so etwas sagen," fiel ihm einer ins Wort, „Sie sind doch auch kein heuriger Hase, heute oder morgen werden Sie schon Großvater sein, und schauen S i e nicht immer zu den Weibern hinauf? Und das ist ein junger, lediger Mensch, ist doch auch nur Fleisch und Blut!" Während diese Gespräche xro und eoutra mehr oder minder eifrig stoffen, saß der Held des Tages in seiner Wohnung, umgeben von Besuchern, die gekommen waren, ihm die Ehre zu erweisen. Es kamen die Mitglieder des Vorstandes unter Führung des Präses, einige Gemeindemitglieder, die Beamten, die Lehrer, die Kantoren und Schächter und auch die sogenannten Talmudisten, nicht ersten Ranges, aber es ' waren die" einzigen in der Gemeinde, die manchmal im Talmud blätterten. Sie sind in ihrer Jugend von einer Talmudschule zur anderen gewandert, haben zweimal im Jahre das Land durchschnorrt und haben die Allüren von Talmudgelehrten angenommen, auch eine tüchtige Portion Arroganz. „Welchen Traktat des Talmuds lernen Sie jetzt Herr Doktor?" fragte R. Mordche Löb, ein Männchen mit einem Gesicht, das viel Aehnlichkeit mit einem Ziegenbock hatte. „Ich habe leider jetzt keine Zeit, mit dem Talmud mich zu beschäftigen, ich mache meine Studien über den perfischjüdischen Dichter Sahin." „Sagen Sie uns ein Stückel „Thora", Herr Doktor!" „Verstehen Sie darunter vielleicht eine halachische Abhandlung, so eine Art Pilpul? Das ist im Seminar ausgeschlossen." „Da fällt mir ein treffendes Wort ein, das ich von einem Rabbiner gehört habe," sagte R. Chajim Schlome, der die Gewohnheit hatte, seinen Oberkörper wie ein xöixstuuw mobile immer zu bewegen, als wenn er beten würde. Der Prophet Maleachi sagt: „Die Lippen des Priesters sollen Erkenntnis wahren und Lehre soll man verlangen von seinem Munde, denn er ist ein Bote Gottes der Heerschaaren (III. 7.). Der Rabbiner in K. hat es auf die heutigen, modernen Rabbiner angewendet und sagte : „Die Lippen des Priesters sollen Erkenntnis wahren", Honigseim soll von seinen Lippen fließen, er soll ein tüchtiger Redner sein, er soll Kenntnis haben der alten und neuen Sprachen, soll lateinisch, griechisch, arabisch, persisch, ungarisch, deutsch, französisch können, soll auch über einen persisch-jüdischen Dichter schreiben vi'Sv WjW mim und da verlangt man mn riiN2« n '2 noch Thora von ihm! Wie ist das möglich? Nicht anders, als weNn er ein „Maloch", Engel, ist." Dem Dr. Schwarz gingen die persönlichen Angriffe dieser Leute schon über den Strich und er drehte den Spieß um.