Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 36 (4.9.1908)
- Date
- 1908-09-04
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 688 Nr. 98 Dr. Llocb's Mocbenscvrtn. hervorragendste« Vertreter der Zionistenbewegung geworden ist. Der wohlbekannte Advokat Arthur Cohen hat trotz seines hohen Alters eine leitende Stellung in der „Jewish Territorial Organisation" angenommen, deren Begründer der berühmte Novellendichter Israel Zangwill ist. Auf demselben Gebiet tätig ist Lucien Wolf, der Begründer der Jüdischen Historischen Gesellschaft und ein geschätzter Mitarbeiter der Londoner „Times" und anderer Tagesblätter. Zu den jüdischen Territorialsten gehören noch der frühere Generalpostmeister Indiens Hermann Kisch, Lionel Abrahams, der seit 1902 als Finanzsekretär im Indischen Amt arbeitet, und der Schriftsteller und Kunstkritiker M. H. Spielmann, der bis vor kurzem Vorsteher des Klubs der „Maccabäer" war. Sein Bruder Isidor Spielmanu hat viel zum Erfolg der Kunstabteilung der französischbritischen Ausstellung in Shepherds Busch beigetragen und ist Vorstand der Jüdischen Historischen Gesellschaft. Der berühmte Maler Salomon I. Salomon hat es zum Mitglied der Königlichen Akademie gebracht, und Professor Israel Gollancz, besten Shakespeare- Forschungen sogar in Deutschland gewürdigt werden, ist Schriftführer der Britischen Akademie. Ein fruchtbarer Schriftsteller auf dem Gebiete des jüdischen Schrifttums ist Israel Abrahams. Zum jüdischen Glauben bekennen sich auch mit Stolz der Gouverneur von Natal Sir Matthew Nathan und sein Bruder Sir Frederic Nathan, der den Obersten Sir E. Montefiore im Oberbefehl der jüdischen Freiwilligen ablöste. Während der frühere mastor of the rolls Sir Jeffel sich nur wenig um ausschließlich jüdische Angelegenheiten kümmerte, nimmt besten Neffe, der Lnigliche Rechtsanwalt Albert Jeffel, hervorragenden Anteil an dem religiösen Leben seiner Glaubensgenossen und ist Nachfolger seines Onkels, Sir Benjamin Louis Cohen, im Vorstand der Vereinigten Synagogen geworden. Die neue türfifdjc Aera und die Juden in Egypten. Aus Alexandrien wird berichtet: Die Gewährung einer Verfassung hat hier unter allen türkischen Untertanen die größte Freude hervorgerufen. Unter dem alten Regime hatten besonders die liberal Gesinnten die schärfsten Verfolgungen zu erleiden, ohne dagegen protestieren zu können. Zu den Liberalen und Reformfreundlichen zählten auch zahlreiche Juden, von denen Viele wegen ihrer Reformforderungen ins Gefängnis gesteckt, in die Verbannung geschickt wurden, manche von ihnen sogar die Todesstrafe erleiden mußten. All dies geschah im Geheimen, die Blätter durften hierüber nichts erwähnen, und wer davon Kenntnis erhielt, mußte, um sich seiner eigenen Haut zu erwehren, darüber Stillschweigen bewahren. Die Verfassungsära hat nun auch in diesen traurigen Verhältnissen Wandel geschaffen und die Juden haben allen Grund, sich an der allgemeinen Freude zu beteiligen, haben sie doch auch an dem allgemeinen Leid in recht ausgiebigem Maße teilgenommen. Der Herausgeber und Chefredakteur des in Konstantinopel erscheinenden jüdischen Blattes „LI Tiemer“ mußte erst vor nicht langer Zeit wegen einer Kritik des beim alten Regime beliebten Chacham Baschi innerhalb 24 Stunden Koustantinopel verlassen und in die Verbannung gehen. Nun hat er die Redaktion seines Blattes wieder übernommen. Besonders viel hatten die jüdischen Hörer der militärischen Hochschule für Medizin zu leiden, die, ohne hiefür Beweise zu haben, der jungtürkischen Propaganda verdächtigt wurden. Lange Zeit war diese Hochschule den Juden verschlossen und als sie ihnen wieder eröffnet wurde, waren sie dort den schmählichsten Erniedrigungen ausgesetzt. Jüdische Aerzte wurden, wenn der leiseste Verdacht auf sie fiel, gleich nach Erhalt des Diploms exiliert. In verschiedenen Teilen Egyptens leben zahlreiche jüdische Aerzte, die ehedem in türkischen Diensten gestanden und gezwungen waren, das Land zu verlassen. Unter den in Egypten lebenden, führenden, jüdischen, politischen Flüchtlingen steht in erster Reihe „Abraham Galante", Herausgeber des jüdischspaniolischen Blattes „La Vara“. Er wurde im Geburtsorte Herodots, Budrun, geboren und ist heute,34 Jahre alt und genoß seine Ausbildung in einer staatlichen Hochschule. Im Alter von 20 Jahren wurde er zum Professor des türkischen Lyzeums in Rhodes ernannt. Vier Jahre später avancierte er zum Schulinspektor der Provinzen des türkischen Archipelags, welche Stelle er jedoch bald wieder aufgab, um sich der Politik zu widmen. Als bedeutender Linguist und genauer Kenner der Orientpolitik schloß er sich schon im Alter von 18 Jahren der jungtürkischen Bewegung an. Als er noch in der Türkei war, schrieb er regelmäßig für die bedeutendsten jüdischen, türkischen, griechischen und französischen Zeitschriften. Vor vier Jahren floh er vor den Spionen, die ihn im Aufträge der türkischen Regierung auf Schritt und Tritt verfolgt hatten und ließ sich in Kairo nieder, wo er in seinem Blatte „La Vara“ besonders gegen die in Diensten der türkischen Regierung stehenden türkischen Rabbiner, hauptsächlich aber gegen ihren Chef, den Chacham-Baschi Morse Levy. einen erbitterten Kampf eröffnete. Er ist der offizielle Vertreter des jungtürkischen Komitees in Egypten, deren Literatur er mit zahlreichen Schriften bereichert hat. Gegenwärtig arbeitet er an einer „Geschichte der Juden in Egypten". Von ihm stammt auch ursprünglich der Gedanke, die russischen Juden im Sudan anzusiedeln, welchem Plane bekanntlich auch die englische Regierung günstig gestimmt ist. Vorige Woche war er auch der Festredner einer von 5000 Türken besuchten, zur Feier der Verfassung einberufenen Festversammlung. In großem Ansehen steht auch ein anderer jüdischer „Emigrant". Es ist dies Behor Alfandari, früher Pharmazeut und Chemiker in militärischen Diensten, in welchen er es zu hohem Range gebracht hatte. Er wurde von einem politischen Spion wegen seiner liberalen Anschauungen denunziert und wäre sicherlich dem Tode verfallen gewesen, wenn es ihm nicht geglückt wäre, nach Alexandrien zu fliehen, .wo er sich, wegen seines, W.o.W.ätigkeitssinnes bald die allgemeine Achtung erwarb. Gouverneur Matthew Nathau in Südafrika. Vor Kurzem veranstaltete die „Jewish Communal League" in Durban (Südafrika) zugunsten ihrer Hilfskassa eine Ausstellung. Die Ausstellung wurde durch den Gouverneur Sir Matthew Nathan eröffnet. In seiner Eröffnungsrede hob Se. Exzellenz hervor, daß sein kurzer Aufenthalt in Südafrika ihn davon überzeugt habe, daß die Juden einen wichtigen Faktor in der Entwicklung Südafrikas bilden. Er sei aber auch überzeugt, daß ihr Einfluß stets ein segensreicher bleiben werde. Die Juden, die seit ihrer ersten Zulassung in den Tagen Cromwells immer liberal behandelt und in den britischen Kolonien seit deren Errichtung stets gastfreundlich empfangen wurden, seien dem britischen Reiche zu großem Danke verpflichtet. Gouverneur Nathan versäumt keine Gelegenheit, seine Zugehörigkeit zum Judentum zu bekunden. Vermischtes. KranzablöfnugSspendeu zugunsten der Chewra-Kadischa in Wien I., Seitenstettengaffe 4 für arme kranke Glaubensgenoffen. Anläßlich des Ablebens der sel. Amalie Straß er: Von Isidor Goldblatt K 10.—, Florian Haas 5.—, Alexander Goldblatt 20.—, Isidor Blaß K 5 —. Zusammen K 40.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Moriz Singer: Von Josef Neumann K 10.—, Julius Bellak 10.-, Heinrich Friedmann 10.—, A. Winterstein K 10.—. Zusammen K 40.—. Anläßlich des Ablebens der sel. Emilie JallowetzrVon Ludwig Deutsch K 5.—, Familie Heinrich Bellak 10.—, Leopold Groag 5.—, Dr. I. Löwenthal K 5.—. Zusammen K 25.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Dr. Markus Piskr Von. Johanna Pisk K 5.—, Lotti Schweinburg K 5.—, Zusam. K 10.—.