Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 35 (28.8.1908)
- Date
- 1908-08-28
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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ÄM 622 Dr. Mocv's TRaocbcnscbrttt, Nr 35 Sinne I. Halevys und im Geiste. HoffmannS namentlich gegen die Jrrtümer Kuenens entschieden verneint. Dabei wird gezeigt, daß die kritische Schule nur deshalb dem E. bereits 444 ein so großes Ansehen vindiziere, weil er den Priesterkodex eingeführt haben soll. Was E. veranlaßt haben mag, die noch nicht gefestigten Verhältnisse Palästinas zu verlassen und nach Babylon zurückzukehren! Verfasser erklärt das mit besten wahrscheinlicher Absicht, sich die persische Beamtenwelt ebenso gefügig zu machen, wie N., um später selbstständig das Restaurationswerk vollenden zu können. Auch müsse ihn die damals in Blüte stehende Gesetzesschriftstellerei der babylonischen Juden> sowie die Hoffnung, durch Agitation weitere Persönlichkeiten zur Rückkehr zu bewegen, angezogen haben. Hinsichtlich der literarischen Wirksamkeit Ezras kann lhm Verfasser nur einen Anteil, allerdings hervorragenden Anteil an der Endredaktion des Pentateuchs zugestehen, da er nicht als einziger, aber als authentischer Endredakteur bezeichnet werden darf. Dasselbe gilt, wenn auch in erhöhtem Maße bezüglich Ezras Sorge um Feststellung des Gesamtkanons, weil er auch hier kaum allein die gewaltige Arbeit der Kollektion geleistet habe. Merkwürdigerweise steigert die kritische Schule Ezras Anteil an der Schlußredaktion des Pentateuchs ins Unendliche, während sie von seiner Festsetzung des Kanons nichts wissen will. Aber wie seicht und schwach erweist sich ihre Argumentation! — Zwingend sind Verfassers Motive, daß E. die Bücher der Chronik bald nach seiner Ankunft in Babylon geschrieben, daß er sich zu einer neuen, seine Zeitgenossen ansprechenden Geschichtsdarstellung entschließen mußte. Zu E'S größten Verdiensten gehört neben der Reformierung des Priester- und Levitenstandes in Jerusalem die Veredelung des Gottesdienstes, weswegen die jüdische Tradition seinen Namen mit Baruch verknüpft. Das ist kein Anachronismus, denn er war ein Jünger Baruchs im Sinne der Mischna: Gehöre zu den Schülern Ahrons. liebend die Menschen und sie nähcrbringend zur Thora. Darum zögerte er nicht länger, als in Palästina die Mischehen wieder einriffen und Uebelstände die Reformen Rehemias verwischt hatten. Von Artaxerxes II. (nicht Artaxerxes I., wie fälschlich angenommen wird) ausgerüstet, eilte er (398) mit starker Karawane nach Jerusalem, nahm mit Hilfe des Hohenpriesters Jochanan in radikalster Form die Reformtätigkeit auf, veranlaßte die Entlaffung fremder Frauen, führte Gesetzesvorlesungen und viele dauernde Verbesserungen mit bestem Erfolge ein. Hier weist Verfasier auf die Schwierigkeiten hin, die sich den Vertretern der Priorität des Ezrazuges ergeben und die darum zu der den Texten widersprechenden Behauptung gezwungen sind, daß 457/8 die heidnischen Frauen nicht entlassen wurden, daß E's Reformen am Widerstande der intereffierten Völkerschaften scheiterten. Schließlich widmet Verfasier der chronologischen These noch einen weitausholenden Anhang, in welchem alle Gründe für die Ansetzung E's nach N. zusammengefaßt und denen der modernen Bibelforscher gegenübergestellt erscheinen. Wer es noch nicht geworden, muß hier von der Richtigkeit der in diesem Buche verfochtenen Theorien überzeugt werden. Alles in allem muß das Werk, welches gelesen zu werden verdient, als wertvolle Erscheinung auf dem Gebiete der Bibelforschung bezeichnet werden. Mit ihm erstarkt die konservative Partei um ein Bedeutendes und es dürfte den Gegnern nicht gelingen, es zu ignorieren. Was wir etwa auszusetzen hätten, wären die zahlreichen Korri- ^euda, die aber, wie Verfasier berichtet, darauf zurückzuführen sind, daß er allein die Durchsicht der Korrekturbogen besorgen mußte. — In meritorischer Hinsicht sei die Aufmerksamkeit des Verfassers auf folgende Einzelheiten gelenkt. Zu Seite 20: Daß der Satz oupsr uuivsrsrun populum eminebat mir von einer lokalen Erhabenheit handelt, hätte Verfasser wirkungsvoll mit L Sam. 10,23 stützen können, wo es heißt: „(Saul) überragte das ganze Volk von seiner Schulter an nach oben." Dort kann ebenfalls von moralischer Ueberragung nicht die Rede sein und das beweist, daß mitunter auch körperliche Größe hervorgehoben wird, wenn die betreffende Persönlichkeit imponieren soll. Zu Seite 30/32: Eine Anordnung für Holzlieferung zu Kultuszwecken gleich der Rehemias ist freilich aus der alteren Zeit nicht belegbar, wie dies König eben konstatiert. Wenn aber Verfasier schließt, diese Nehemianische Maßregel sei einfach eine Konsequenz jener BesttmmMgengewesen, welche den Gottesdienst betrafen, ein Stück Gesetzesausbau, so müßte letzterer Begriff notwendig aus die Zeit des zweiten Tempels eingeschränkt werden. Wo nicht, so würde man doch eine ähnliche Vorschrift auch bei der Stiftshütte oder beim ersten Tempel erwarten! Allerdings ist unseres Erachtens bis jetzt über diesen Punkt öffentlich nicht diskutiert worden und dürste es daher von allgemeinem Jntereffe sein, hierüber die private Ansicht eines Freundes und Kenners der jüdischen Wissenschaft, des Herrn Dr. Philipp Fuchs, Werks- und Gemeindearztes in Witkowitz, zu hören, daß Holzlieferungen für den Kultus erst in den Zeiten des Holzmangels und der Holzteuerung anbefohlen werden mußten.,^. In den Zeiten Moses' war selbst in wüsten Gegenden noch so viel Holz und Reisig, daß wir über Fehlen desselben nirgends klagen hören. Wird doch Numeri 15, 33 sogar von einem Holzsammler in der Wüste am Sabbath berichtet. Unter Salomo und den späteren Königen hatte Palästina bekanntlich Bauholz in Menge. Die Holzarmut mag aber erst infolge der vielen Kriege und der Schiffsbauten und gar empfindlich in dem schon früher waldarmen Judäa eingetreten sein. Unter Nehemia war bereits dieser Mangel so groß, daß die Holzlieferung als .Opfer" angesehen wurde, wie dies das Wort Rehemias ll'LFN besagt. Man denke sich etwa gewisse Karstgebiete öder andere südliche Gegenden, wo sogar Stücke aus lebenden Oelväumen herausgeriffen werden, um den notwendigsten Bedarf zu decken. Wie schwer würde es da fallen, eine derartige Anordnung durchzuführen! Vom Holzbringen hing auch die ganze Verrichtung des Opferkultus ab, weswegen Nehemia diese Regelung so hoch anschlägt, daß er sein Buch mit dem Worte beschließt: ,,. . . für die Darbringung des Holzes zu bestimmten Zeiten und für die Erstlinge. Gedenke mir's, mein Gott, zum Guten!" Seiner Wichtigkeit wegen wurde auch das Holzbringen von feindlichen Regierungen bei Todesstrafe verboten, um den Gottesdienst am schwersten zu treffen, so daß Gewissenhafte zu Märtyrern wurden. (Vergleiche diesbezüglich Faerber „Der 15. Ab als ehemaliger Volksfesttag".). Demnach hätte Verfasser einen ferneren Beweis von der Verschiedenheit des Nehemianischen Dokumentes und des Priester- Kodexes. Zu Seite 91: Es wäre sehr empfehlenswert, die Beziehungen Ezras zu Baruch besonders auf die jüdisch-babylonische Gesetzesschriftstellerei, die Verfasier an anderer Stelle ja so anziehend zu schildern weiß, auszudehnen. Mit Leichtigkeit würde sich ein schönes Vollbild Herstellen lassen von dieser immer mehr zu frommer Berufsmäßigkeit sich entwickelnden Schreibtätigkeit bis zur Fertigung des größten Schriftdenkmals, des Talmuds. Daß Baruch, der Schreiber Jeremias, den Grundstock dazu gelegt hat. unterliegt keinem Zweifel. Ezra, der scrida velox, entwickelte bereits eine seltene Fertigkeit, dann folgten erst recht die Soferim, ihnen die schreibenden Talmudlehrer. R'cht Fehlernachweise sind es, sondern Anregungen, die dem Verfasier hier gegeben werden. Möge sich der junge Autor befleißrn, auch fernerhin unserer Wissenschaft zu dienen, der Wissenschaft, die zwar, wie Maybaum einmal sagt, an irdischem Ertrage so unfruchtbar ist wie die Wüste und die nur mit Ahnungen der Unendlichkeit, mit Offenbarungen des Gottesgeistes den Forscher lohnet. Solche Arbeiten können indessen eine Oase irdischen Glückes in seine Wüstenei hineinpsianzen: Innere Befriedigung, Dank und Anerkennung. „Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde." Herausgegeben von Dr. M. G r u n w a l d. 10. Jahrgang, 3. Heft. (Der ganzen Reihe 27. Heft.) Leipzig, M. W. Kaufmann 1908. Das vorliegende Heft eröffnet ein für die jüdische Kulturgeschichte höchst beachtenswerter Aufsatz über „Fahrende Leute bei den Juden", den Dr. Grün Wald aus dem Nachlasse des den Lesern der „Mitteilungen" noch in bester Erinnerung stehenden emsigen Albert Wolf herausgibt. Hier erfährt man im Zusammenhänge, wie der Ghettojude auch lustig sein konnte und wer seinen Lustbarkeiten die Seele gab. — Dr. Felix Falk, Genf, setzt sodann seine Arbeit über „Die Bücher Samuelis in deutschen Nibelungenstrophen des XV. Jahrhunderts" fort. Er behandelt hier Inhalt und Umfang der jüdisch-deutschen Literatur, die Urteile einiger Gelehrten über die jüdisch-deutsche Sprache und gibt eine Uebersicht der wichtigsten jüdisch-deutschen Bibelübersetzungen, Glossare und Reimbibeln bis zum Ausgang des XVI. Jahrhunderts. — Der Förderung eines in den „Mitteilungen" wiederholt geäußerten Wunsches, die jüdischen Lehrer möchten sich an den Arbeiten der jüdischen Volkskunde beteiligen, kann durch das in diesem Hefte von Wilh. T o ch gegebene Beispiel gedient werden. Er bietet manches kulturgeschichtlich Wertvolle in seinen „Regesten zur Geschichte der Jsraelitengemeinde Nikolsburg", die Dr. D. Feuchtwang mit Bemerkungen über das dortige Gemeindearchiv einführt. — Auf die Geschichte der Juden des 17. Jahrhunderts wirft interessante Streiflichter „eine hebräische Anekdotensammlung aus dem XVIII. Jahrhundert", die Dr. A. Marmor st ein nach einer Handschrift des Jsak Arje Vistels, des Vaters des Austerlitzer Rabbiners Elia Zebi, veröffentlicht. — Den Schluß der Beiträge des inhaltsreichen Heftes bildet eine gründliche Darstellung der „kaukasischen Vergjuden", für die in den letzten Jahren das Interesse wieder besonders rege geworden ist, aus der Feder der Frau Dorothea Weissenberg, der Gattin des bekannten Mitarbeiters der „Mitteilungen" Dr. S. Weissenb e r g. Den Text begleiten gelungene Abbildungen. — Wie üblich, werden auch in diesem Hefte bemerkenswerte Erscheinungen der einschlägigen Literatur besprochen. Das Heft darf als eines der besten in der bisher erschienenen stattlichen Reihe bezeichnet werden. Dr. N.