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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-08-21 · 34 (21.8.1908) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
34 (21.8.1908)
Date
1908-08-21
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Sette 604 Dr. Llscb's MscbenscdMr. Nr. 34 den Einzug des vom Präses der Landesjude! schüft Dr. I. Sache! aus Ehrudim und vom Senior der hiesigen Gemeinde Herrn David TauKig geleiteten H rrn Rabbiners Dr I. Folkmann erwarteten. Zunächst hielt Herr Kultusvorsieher Theodor Pokorny eine warme Begrüßungsansprache, in welcher derselbe - e. Ehrwürden, auf die vielfachen Verdienste seiner Vorgänger hinwei'end, aus die vielen verantwortungsvollen Pflichten, die das Amt eines geistigen Führers einer Gemeinde in sich birgt, aufmerksam machte. Nachdem Ce. Eknw. für die herzliche Begrüßung gedankt hatte, wurde derselbe vou der kleinen Grete Scharptter namens der Kinder in sinnigen Wo>teu begrüßt, so daß in manchem Auge die Träne erglänzte, und überreichte des Herrn Vorstehers Töchterchen Irene ein schönes Bouquet. Hierauf erfolgte die Vorstellung der Honoratioren und vor Eintritt in den vou außen und innen herrlich geschmückten Tempel übergab der Tempelvorsteher Herr Alfred Falk den Schlüssel der Bundcslade als Symbol, daß von nun ab die geistige Führung der Gemeinde in die Hände des erwählten Rabbiners aelegt ist. Unter Harmoniuwklängen und Gesang des Damenchores, sowie des verdienten Oberkanlors Rosmi erfolgte der Einzug des Herrn Rabbiners, desien Sitz in einem Blumenhain verwandelt erschien. Nay dem in exakter Weise vorgetragenen Matowu und Minchagebet betrat der Herr Rabbiner die Kanzel und hielt einen zum Herzen gehenden, überaus gedauken- und gehaltreichen Vortrag in böhmischer Sprache, dem die den Tempel Füllenden mit Andacht und Befriedigung folgten, da der Aufbau dieser Antrittsrede nicht nur einen Rückblick gewährte, sondern auch gleichzeitig ein Programm enthielt, von welchem ausgehend Se. Ehrwürden die geistige Führung einer Gemeinde und Jugenderziehung auf- und anzufassen wünscht, und verklang seine halbstündige Rede mit dem Appell an die li.ben Frauen und Mütter, dem in der Schule zu erteilenden Religionsunterricht in der Familie Nachdruck zu verleihen. Möge Alles zum Segen werden. Westerland. Die hiesigen Badegäste haben Herrn Leo Kohnberger aus Prag — die antisemitischen Blätter verwandeln seinen Namen in Kronberger — für seine heroische Tat, die er mit dem Versuche, dem Bankier Daniel aus Berlin das Leben zu retten, bewies, eine Ledermappe mit folgender Widmung überreicht: „Herrn Leo Kohnberger in aufrichtiger Verehrung, für seine heldenmütige Tat. Das Bewußtsein, eine gute Tat vollbracht zu haben, ist Lohn genug. Trotzdem drängt es uns. Ihnen ein Wort des Dankes für das heldenmütige Rettungswerk zu sagen, das sie mit Einsetzung ihres Lebens unternommen haben. Ihr edler Eifer, ein Menschenleben vor dem Untergange in wilder Meeresbrandung zu bewahren, fordert unsere höchste Bewunderung heraus. Die wärmsten Empfindungen der Sympathie vereinigen uns in unserer Dankbarkeit, Ihnen dieses schlichte Zeichen der Verehrung darzubringen. Es soll Ihnen immer und ewig vergegenwärtigen, wie das Gefühl der Zu'ammengehörigkeit zum Ausdrucke gelangt, wenn es gilt, die Tat eines mutigen, edlen Mannes zu feiern. Diese Tat ist die Ihrige — unser ist der Dank." Die folgenden Blätter enthalten Unterschriften der Badegäste Westerlands. Korrftantiuopel. (Mitteilung des Deutschen Bureaus der „Alliance Israölite Universelle“.) Als Nachfolger Moise Levys ist Nahoum, Professor am hiesigen Rabbinerseminar der ,.Alliance Isra61ite Universelle“, zum Kaimakam Chacham Baschi der Türkei, das ist zum geistlichen Oberhaupt der Israeliten in den Landen des Sultans, gewählt worden. Herr Nahoum, der den Ruf großer Gelehrsamkeit genießt, ist erst vor wenigen Wochen aus Abessynien zurückgekehrt, wohin er im Auftrag der „Alliance Israelite Universelle“ eine Expedition zur Ermittelung der Lage des jüdischen Falaschastammes mit ausgezeichnetem Erfolg geleitet hatte. Sofia (Iud en g em e i u b e in Sofia.) Die sephardische Gemeinde in Sofia hat in jüngster Zeit einen großen Aufschwung genommen, der sich besonders in der Errichtung öffentlicher jüdischer Anstalten kuudgibt So wurde erst vor Kurzem ihre herrliche Synagoge, die mit einem Kostenaufwaude von einer halben Million Franks errichtet wurde, iu Gegenwart der Regierungsvertreter und der Spitzen der Kommuualbehördeu eiugeweiht. Vorige Woche fand nun die feierliche Grundsteinlegung des neuen jüdischen Hospitals statt. Die Erhaltungskosten dieser neuen Krankenanstalt sollen aus den Pachtbeträgen der ausgedehnten Landbesitzungen bestritten werden, welche Eigentum der jüdischen Gemeinde bilden. Feuilleton. Eine Rabbinerrvahl. Ein Kultnrbild der Gegenwart von Dr. Armin Schnitzer, Oberrabbiner in Komarom.) III. Tags darauf, Freitag vormittags, trat Dr. Seemann seinen Rundgang zu einigen Vorstandsmitgliedern an, aber sein erster Besuch galt der Rabbinerswitwe. Diese war eben mit den Vorbereitungen für den Sabbath in der Küche beschäftigt, und auch hier empfing ihn, wie im Hause des Vorstehers, die Tochter des Hauses, die einfach, aber höchst geschmackvoll gekleidet am Stickrahmen saß. Dr. Seemann stellte sich ihr vor und war überrascht von der Schönheit und Liebenswürdigkeit des jungen Mädchens, das ihre großen, blauen Augen unbefangen auf ihn richtete und mit jedem Worte ihre Intelligenz und ihren feinen Takt bekundete. Denn im Grunde war es kein Leichtes für die Mitglieder der Rabbinerfamilie, diesem Besucher gegenüber den richtigen Ton zu treffen. Dr. Seemann reflektierte darauf, der Nachfolger ihres in Gott ruhenden Familienhauptes zu werden. Bisher, also während des Trauerjahres, bezog die Rabbinerln noch ihren vollen Gehalt. Das soll nun anders werden; ihre Pension wird nur die Hälfte des Gehaltes ausmachen und — was das Schmerzlichste für sie ist — sie wird das Haus, das sie seit vierzig Jahren bewohnt und an das so viele freudenreiche und kummervolle Erinnerungen sich knüpften, das Haus, in dem sie in glücklichster Ehe mit ihrem unvergeßlichen Gatten gelebt, in welchem sie ihre Kinder geboren und erzogen, verlassen und einem Anderen übergeben müssen, und dieser Andere zu werden, ist das heißeste Verlangen desjenigen, den Jlka Weber freundlich empfangen soll. „Meine Mutter müssen Sie, Herr Doktor! entschuldigen' daß sie erst später Sie begrüßen wird. Sie übergibt das Regiment in der Küche Niemandem, daß ich gar oft schamrot werde, wenn man die alte Mutter arbeiten und die Tochter am Stickrahmen sieht. Und zumal für den Sabbath bereiten hält sie für eine gottgefällige Tat, die sie keinem anderen überläßt." „Haben Sie sich unser Städtchen schon angesehen?" „Ich war nur beim Präses." „Da haben Sie wohl auch Fräulein Schwarz gesprochen?" „Jawohl!" „Nun, ich will nicht indiskret sein und Sie um Ihr Urteil über dieselbe nicht fragen. Sie könnten doch kein anderes als ein günstiges über die Tochter des Präses abgeben. Ein solches wäre aber allenfalls vollkommen gerecht. Wir sind seit unserer frühesten Kindheit sehr intime Freundinnen; wir sind in einem Alter, in welchem? — das sage ich Ihnen nicht" — setzte sie lächelnd hinzu. „Wie Sie sehen, wohnt Dr. Schwarz in unserer nächsten Nachbarschaft und da schlossen wir als kleine Kinder schon unser Bündnis fürs Leben. Wir sind fast immer beisammen und so hat sie auch in unserem Hause ihre festen religiösen Grundsätze gewonnen, wie kaum ein Mädchen in unserer Gemeinde." Da trat die Rabbinerin ins Zimmer, eine alte, schwächliche Frau, deren Gesicht aber noch Spuren einstiger Schönheit an sich trug. Sie war die einzige Tochter eines wohlhabenden Gutspächters und hatte schon vor mehr als vierzig Jahren eine sorgfältige Erziehung genossen. Der fromme Vater wollte nur einen Talmudgelehrten zum Schwiegersohn und so ward ihm auf sein Ansuchen vom Preßburger Rabbiner R. Chajim Weber als „Feins-Bochur" (vorzüglicher Talmudjünger) empfohlen. Den hat er sich „eingesetzt", d. h. in sein Haus genommen, ihn und seine Tochter mit Allem versorgt, bis er endlich nach sechs Jahre langer „Kost" zum Rabbiner in P. gewählt wurde.

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