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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-08-21 · 34 (21.8.1908) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
34 (21.8.1908)
Date
1908-08-21
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Sette 602 Dr. Moch's WochrnfchrM. Nr. 34 schien jedoch sich weniger um seinen Fleiß und seine Fähigkeiten zu bekümmern, als um seine jüdische Abstammung. Auf Schritt und Tritt ließ er ihn seine Abneigung gegen die Juden fühlen, die sich in einer ganz unnatürlichen Strenge gegen den jungen Manu äußerte. Die ewige Angst vor seinem Chef machte den jungen Menschen schließlich nervös. Vorige Woche befahl nun der Stationschef dem Praktikanten, von nun ab im Telegraphenamt Dienst zu machen. Da Reichardt hierin noch ganz unbewandert war, bat er den Stationschef, ihm zu gestatten, daß er einige Tage fich in den Dienst einarbeite, um ihn selbst mit Sicherheit versehen zu können. Der Stationschef wies ihn jedoch mit der Bitte ab und drohte mit Entlassung. Diese neuerliche Chikanierung hat sich der junge Mann so sehr zu Herzen genommen, daß er in seiner Erbitterung seinem Leben gewaltsam ein Ende bereitete. Für die schwergeprüften Eltern gibt sich allenthalben das größte Mitgefühl kund. Der Vater Israels Zangwills gestorben. In Jerusalem starb vor einigen Tagen der Vater des bekannten jüdischen Dichters und Politikers Israel Zangwill, Moses Zangwill. Der Verstorbene, der ein Alter von 70 Jahren erreichte, stammt aus Rußland und wanderte als junger Mann nach England aus. Interessant ist, wie ein englisches Blatt hervorhebt, daß er, dessen Sohn einer der gefeiertsten Dichter Englands ist, während seines ganzen Aufenthaltes in England niemals den Anforderungen des Fremdengesetzes entsprochen hat. Moses Zangwill war ein großer talmudischer Gelehrter, in dessen Hause die wissenschaftlichen Kreise Londons ständige Gäste waren. Mit 60 Jahren wanderte er nach Jerusalem aus, woselbst er bald eine sehr geachtete Stellung einnahm. Bedeutende Europäer, die nach Jerusalem kamen, unterließen es niemals, Moses Zangwill eineu Besuch abzustatten. Seine letzten Besucher waren der New-Iorker Bankier Jacob H. Schiff und Doktor Paul Nathan, während der bekannte Maler Lilien es sich nicht nehmen ließ, die interessante Figur des alten Zangwill zu verewigen. Moses Zangwill starb im Bikur-Cholim-Spital in Jerusalem, woselbst seine Söhne Israel, Louis und Markus, dem letzten Wunsche ihres Vaters entsprechend, eine „Moses Zangwill-Bett-Stiftung" errichtet haben. Jüdische Auswanderer in Piftyan. Aus Pistyan wird uns geschrieben: Auf der Reise nach Kanada begriffen, trafen diese Woche mehrere durch die Verfolgungen an den Bettelstab gebrachte jüdische Familien aus Odessa und Kischenew in Pystian ein. Zu der aus 50 Mitgliedern bestehenden Auswanderertruppe, die auf den ihr von der zionistischen Vereinigung in Czernowitz gekauften Wagen im Freien kampierte, pilgerten die Kurgäste scharenweise, veranstalteten für die Auswanderer eine Kollekte und beschenkten sie reichlich. Von der hiesigen jüdischen Gemeinde erhielten sie eine größere Summe Geldes Eine heldenmütige Frau. Vor einigen Tagen wütete in der ungarischen Gemeinde Naszvad eine furchtbare Feuersbrunst, der auch die dortige Synagoge zum Opfer fiel. Ungeachtet des verheerenden Elementes ist, wie von dort berichtet wird, Frau Friedrich Deutsch, geb. Berta Neu, in das Gotteshaus gedrungen und es gelang ihr, zwei Sifre Thora zu retten, mit denen sie, ohne vom Feuer berührt worden zu sein, ins Freie gelangte. Der glaubenstreuen heldenmütigen Frau wurden vom Publikum stürmische Ovationen dargebracht. Gleichberechtigung der Juden in Finnland. Wie aus Helsiugfors berichtet wird, hat die sozialdemokratische Fraktion des finnischen Landtages diesem einen Gesetzentwurf betreffend die volle Gleichberechtigung der Juden in Finnland vorgelegt. Wie die sozialdemokratische Presse zu melden weiß, hätte dieser Gesetzentwurf Aussicht, mit einigen geringfügigen Aenderungen die Majorität im Landtage zu erlangen. Zu Beginn des Schuljahres in Rußland. Das Unterrichtsdepartement im russischen Handelsministerium hat soeben unter Zahl 3160 an alle Handelsschuldirektoren ein Rundschreiben gerichtet, das sich mit der Aufnahme jüdischer Schüler zu Beginn des Schuljahres beschäftigt. In dem Rundschreiben wird den Direktoren aufgetragen, besonders strenge darauf zu achten, daß jüdische Schüler nicht mehr als nach der vorgeschriebenen Perzentnorm zulässig ausgenommen werden sollen. Insbesondere verfügt das Ministerium folgendes: Für den Fall, als sich in der Schule schon jetzt jüdische Schüler über die gesetzliche Norm befinden sollten, weil in früheren Jahren Erleichterungen bei der Ausnahme jüdischer Schüler zugelassen wurden, so sollen in dem kommenden Schuljahr 1908/09 jüdische Schüler nur in die Vorbereitungsklasse und in die erste Klasse ausgenommen werden, aber auch immer nicht mehr, als die Perzentnorm für Juden ausmacht. Sehr schlecht ist die Lage der Juden, welche die Absicht haben, im Petersburger Polytechnikum anzukommen. In drei Abteilungen (ökonomische, metallurgische und elektrotechnische) werden Juden heuer überhaupt nicht zugelassen, während in allen übrigen Abteilungen, zusammen nicht mehr als 15 Juden Aufnahme finden werden. Eine neue Rede Zangwills. Vorige Woche fand im „Pavillon-Theater", das mitten im jüdischen Viertel steht, ein Massenmeeting der Jüdischterritorialistischen Organisation statt. Die Versammlung wurde anläßlich des dritten Geburtstages der „Jto" einberufen. Allgemein erwartete man, daß Zangwill in dieser Versammlung irgend etwas Bestimmteres über das von der geographischen Kommission ins Auge gefaßte „Jtoland" werde mitteilen können. Doch hatte Zangwill gleich zu Beginn seiner Rede erklärt, daß er nicht gekommen sei, „Geheimnisse zu enthüllen". Den Vorsitz führte M. Spielmann. Die Rede Zangwills, in welcher die Ziele der „Jto" auseinandergesetzt und durch die Vorgänge der letzten Zeit begründet wurden, beschäftigte sich auch mit einer scharfen Kritik des Zionismus und ihrer Führer. Außer Zangwill sprachen noch Frau Zangwill und einige Anwesende aus dem Publikum. Schließlich wurde eine in territorialistischem Sinne gehaltene Resolution gefaßt, welche nur noch das interessante neue Moment enthält, daß das Präsidium der Organisation aufgefordert wird, sich wegen Durchführung des Programmes „mit verschiedenen jüdischen Institutionen in Verbindung zu setzen". Die großangelegte Rede Zangwills veröffentlichen wir in der nächsten Nummer unseres Blattes. Zu den Vorgängen in der Türkei. Dem „Hed Hasman" wird aus Jaffa über den Eindruck berichtet, den die Einführung der Verfassung in Palästina gemacht hat. In dem Berichte wird vor allem betont, daß es in Palästina selbst bekanntlich keine Türken gibt. Die Bevölkerung besteht zum größten Teile aus Arabern und Juden. Die Araber sind ein gutmütiges Volk, aber kulturell noch wenig fortgeschritten und im Allgemeinen große Anhänger des autokratischen Regierungssystems. Es ist daher kein Wunder, daß die Araber fich den Ereignissen in der europäischen Türkei gegenüber sehr kühl verhielten und darauf gar nicht reagiert haben. Desto verwunderlicher sei es, daß auch die Juden Palästinas und besonders die aus Rußland eingewanderten „Kämpfer" durch die Vorgänge in Konstantinopel nicht in dem Maße erregt sind, wie man vermuten dürfte. In Jaffa selbst hat das offizielle Telegramm, welches die Gewährung der Konstitution durch den Sultan verkündete, nicht den geringsten Eindruck gemacht. Von Festesstimmung keine Spur. Die Araber scheinen auf einen Befehl zu warten, sich der Verfassung zu freuen.... Stolypins Versprechen an Wolffsohn. Als nächste Folge des Besuches des Präsidenten des zionistischen Aktionskomitees,- David Wolffsohn, beim russischen Ministerpräsidenten Stolypin ist der Auftrag des Minister-

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