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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-08-21 · 34 (21.8.1908) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
34 (21.8.1908)
Date
1908-08-21
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 34 Dr. Bloch’s m Zentralorgan für die gesamten Interessen des Zudentums. Wiei^21^AllgüslW8. Lrscbetnk jeden Lretlsg. - ®aIb,’S'!9f _ »cmzjährtg 20 «ri-!.«dr-M: W>«. IX/,, 15. J Telegramm-Adreffe: Vloch'S Süod-enfdjiift, Wien. n P - - --O o —Basaa—MMMBacililiMi hmim > > t r e.«»»»»LSMLWWRWMSL.«—«»M>Il> n Im>A»^»M»WIW^WMW»»WW^W Inhalt: Leitartikel: Die Christlich-Sozialen in der Bukowina. — Erwerbsircht und Ehrlichkeit bei Juden und Christen. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Stolypin über die Judenfrage. — Australasien braucht Einwanderer. Pharaos „sieben magere Kühe" in geschichtlicher Beleuchtung. Ein Polytechnikum für Juden in Odessa. Russische Steuer auf südliche Preßprodukte. Pogromandrohung zu Tolstois Jubiläum. Malträtierung eines Rabbiners. Staatssekretär Dernburg über den Antisemitismus. Der internationale Religionskongreß. Eine alte jüdische Münze. Der Schwinnnrekord eines jüdischen Mädchens. Ter bluttrinkende Europäer. — Korrespondenzen: Das Geburtstagsfcst Sr. Majestät des Kaisers. Rach russischem Muster. Eine Mädchenhändlerin. Eine Ehrenbeleidignngsklage des Abgeordneten Professor Sommer. Tie Blmlüge in Ungarn. Opfer des Antisemitismus. Jüdische Auswanderer in Pystian. Eine heldenmütige Frau. Gleichberechtigung der Juden in Finnland. Zu Beginn des Schuljahres in Rußland. Eine neu: Rede Zangwills. Der Vater Israel Zangwills gestorben. Zu den Vorgängen in der Türkei. Stolypins Versprechen an Wolffsohn. — Vermischtes: Wien. Austritte aus dem Judentum. Holleschau, Klattau Butschowitz. Groß-Enzersdorf. Marienbad. Prag. Hermamnestec. Lemberg. Westerland. Konftantinopel. Sofia — Feuilleton: Eine Rabbinerwahl. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. —a———.SiS—■———.T'' ..r — «r. 810.976« Redaktion und Admtntstratton: »r-n IX/i, Hahugaffe Nr. 16. Telefon Nr. 14.847. K. K. Postsparkassrnarnr Oü ■ ..oo p für jprstrrrrütz: C Halbjährig 8 »tonen: »tn-eleremplare 50 Heller. Für'» NusUlnd: Halbjährig iü Krone». Aanzjährtg 20 „ Anzeigen: Tis 4mal aespal« l> tene Petttzeilr 24 Heller. o o ---o o Die Christlich-Sozialen in der Bukowina. Begünstigt von., den Behörden, welche die Paragraphe über die Gleichberechtigung längst aus dem Amtskalender gestrichen haben, sind die zu Ministern und Geheimen Räten gediehenen Wiener Christlich-Sozialen in die Bukowina eingerückt. Sie sind deswegen noch immer keine Reichspartei geworden, wie sie im Parlamente prahlerisch verkündet haben, sind nach wie vor nur die Vertreter der Frömmelei und bäuerlichen Dummheit' von der Thaya bis zum Eisack. Aber immerhin haben sie wieder einen Erfolg gehabt, den sie nur mit Posaunen vergrößern. Dieser Erfolg ist kein Wunder weiter. Man sieht eine Partei vor sich, in welcher man für gute Agitationsdienste mit gänzlicher Nachsicht weiterer Fähigkeiten Exzellenzherr oder wenigstens Landesbeamter wird. Warum sollten die Strebsamen und Klugen nicht in eine solche Partei einspringen, deren Aufuahmsprüfung nur die drei einheitlichen Gegenstände umfaßt: Schimpfen auf die Juden, Schimpfen auf die Sozialdemokraten, Schimpfen auf die Deutschnationalen? Unter solchen Umständen haben die commis voyageurs der Partei auch in der Bukowina ziemlich leichtes Spiel gehabt, da sie ja das System der Organisation schon jahrelang kennen: das größte Gesindel znsammenklauben und an seiner Spitze Korruption machen, wahrend man gegen die jüdische Korruption loszieht. Wie alles, was diese Christlich-Sozialen machen, trieft auch ihre Politik im östlichen Grenzland der Monarchie von Lüge und Gemeinheit. Hier in Wien spielen sie sich auf die Retter des Deutschtums hinaus, haben Marchet ans die perfideste Weise den Fuß gestellt, weil er — mit ihrer Zustimmung! — der tschechischen Komenskyschule ein erbärmliches, nichtssagendes Oeffentlichkeitsrecht gab. In der Bukowina verbünden sie sich mit den Rumänen gegen die Juden, gegen ein kulturell durchaus deutsches Element. Hier in Wien veranstalten sie liebedienerische Lamentationen und Prozessionen gegen den Sprachen- und Völkerstreit in der Monarchie. In die bisher friedliche Bukowina tragen sie ihn hinein. In Wien gehen sie mit Wucht gegen Wahrmund los, weil er . schismatische Anschauungen vertrat, in der Bukowina verbinden sie sich zu ihren dunkeln Zwecken mit Griechisch-Orthodoxen, mir Tod und Teufel. Es bleibt natürlich der christlichen Bukowina durchaus Vorbehalten, welche Rolle sie in der modernen Tell- Tragödie der Kultur spielen, wie tief sie dem Pfaffenhute auf der Stange Reverenzen machen will. Etwas Anderes aber ist es um den Antisemitismus, den die christlichsozialen Burschen auch in die Bukowina tragen wollen. Diese Lum.en fühlen sich schon wieder berufen, einer speziellen jüdtschen Korruption an den Leib zu gehen, wie sie in ihren Zirknlareu sagen. Eine größere Frechheit wurde nie erlebt, als diese Korruptiouskämpfe der korruptesten Politiker und Verwalter öfientlicher Vermögen, d:r Christlich-Sozialen. Wo sie entstehen, entstehen sie aus dem Schmutze. In der Wiege schon waren ihre Väter und Paten Individuen, die wenigstens Gesiunungsverrat begangen hatten, wenn nicht mit beiden Aermelu das Zuchthaus gestreift. Sie sind Alle reich geworden, mit Orden geschmückt, mit Würden ausgezeichnet. Sie haben nicht mehr als zehn Jahre gebraucht, um reiche Fabrikanten zu werden, Bankgouverneure, große Hausbesitzer. Gevatter Schneider und Handschuhmacher, sind sie ausgezvgen, um das christliche Volk vor dem jüdischen Großkapital zu retten und das Ende ihrer Schlachten ist, daß sie das jüdische Großkapital anpumpen, daß die von ihnen verwalteten Körperschaften in Schulden ersticken, das Volk in Steuern, sie aber in Geld. Die Nepotenwirtschaft hat bei ihnen einen schon verbrecherischen Grad er wicht. Selbst bei den Bahnen stellen sie statt Ingenieuren Stadtratsneffen und verdiente Agitatoren an, verwenden so die öffentlichen Gelder für Parteizwecke. In der Sache Wahrmund lassen sie von ihrem Hauptorgan einen Scheinkampf gegen die Klerikalen führen und in derselben Sache sind sie bereit, das Parlament zu sprengen, wenn der Wille der Ultramontanen nicht erfüllt wird. Solche Leute geben sich als Korruptionstöter aus! Nie hat man einen stinkenderen Bock zum Gärtner gemacht. Wo sie die Hand hinlegen, bleibt Schmutz zurück, nachdem sie die Hand mit der Beute zurückgezogen haben. Dem Kaiser huldigen sie loyal, damit ihre Genossenschaften beim Festzug

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