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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-07-31 · 31 (31.7.1908) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
31 (31.7.1908)
Date
1908-07-31
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 31 Jahrgang XXV Dr. Bloch's Zentraloraan kür die gesamten Interessen des Judentums. Wien^Hi^i 9V8. u LrscbeLnt jeden Freitag, uu Brief-Adreffe: Wie«» H/i, Hahngaffe 15. Telegramm-Adresie: Bloch'S Wochenschrift, Wie«. Inhalt: Leitartikel: Jüdische Kulturarbeit. — Die Emanzipation der englischen Juden. — Die Kunst des Wohltuns. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Die B'nai B'rith in England. Oliver Cromwells 2b0. Todestag. Der Emanzipator der norwegischen Inden. Ein russisch-jüdischer Schriftsteller Ehrenbürger von Mailand. Ein jüdischer Erfinder. Erfindung der Oamsra odseuru und das Meßinstrument „Jacobsstab". Abgeordneter Liebknecht und Graf Pückler. Massendiebstahl von Thorarollen. Geharnischte Sonette. „Ueber die Zahl 13." Das Ghetto von Smyrna. Iwan Tolstoi über die Judenfrage. — Korrespondenzen: Eine jüdische Huldigung für seine Majestät den Kaiser. Selbstmordversuch eines jüdischen Soldaten. Berlin. Die Gemeinderatswahlen in den Reichslanden. Bestrafte antisemitische Roheit. London. Aus der guten alten Zeit. Antwerpen. Petersburg. Kischenew. Die Kadetten und die Juden. Begräbnis von Pogromopfern nach drei Jahren. Die russische Paßfrage und die amerikanische Präsidentenwahl. Anerkennung an jüdische Farmschulen. Eine seltsame Kontroverse. — Vermischtes: Kranzablösungsspenden 2c. Der Vorfall in der Sixtinischen Kapelle. Zur Frage des Zusammenschlusies der jüdischen Organisationen. Wien. Austritte aus den Judentum. Eibenschitz. Holleschau Savanyukut. Morris Rosenfelds Vortrag in Galizien. Brünn. Kaiser Franz Joseph-Jubiläums-Seehospiz. Vinkovce. Jüdische Reisende in Rußland. London. Paris. Jüdischer Konsul in Japan. Petersburg. New-Dork. — Feuilleton: Aus dem Reiche der Träume. — Neue Bücher. — Briefkasten. — Inserate. 13. k. Postsparkassen»«« Slesring-Verkebr «r. 610.976. Redaktion und Administration: Vien iX/i, Hahngaffe Nr. 15. Telefon Nr. 14.847. Ou ' -.=o0 p Vrrngsprris für Vrstrrrrirtz: C Halbjährig 8 Kronen: ■ Einzelexemplare 50 Heller. Für's Aireiland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 „ Anzeigen: Die 4mal gespall) tene Petitzeile 24 Heller. g nP ■ Qo Jüdische Kulturarbeit. Der Rabbiner zu Beirut besichtigt den vom Hilfsverein deutscher Juden in seiner Gemeinde errichteten Kindergarten, er prüft ihn aufs genaueste, sieht sich mit allem einverstanden und spricht seine freudige Genugtuung darübr aus. Er schließt seinen Bericht mit den Worten: „Zur Bestätigung dessen unterzeichne ich hier und segne die Vorsteher und Aufseher, auf daß ihnen Gott mit langem Leben ihre Mühe bezahle." In Jerusalem befindet sich, mit einer Handelsrealschule verbunden, das Lehrerseminar, das gleichfalls von dem Hilfsverein deutscher Juden ins Leben gerufen wurde. Zum ersten Male durften in diesem Jahre fünf Zöglinge der Anstalt ihre Lehrerprüfung ablegen und sie haben sie gut bestanden. Als Thema zum deutschen Aufsatz waren ihnen die Worte aus „Hermann und Dorothea" gestellt: „Heilig sei dir der Tag, doch schätze das Leben nicht höher als ein anderes Gut, und alle Güter sind trüglich." Man sieht, es besteht nur ein leiser Empfindungsunterschied zwischen dem alttestamentlichen Segenswunsche jenes Rabbiners und dem Goetheworte, das diese jungen Lehrer ihrer Prüfungsarbeit zugrunde zu legen hatten; das eine widerspricht dem andern durchaus nicht und doch fühlt man, daß sich andere Möglichkeiten hier ergeben, daß aus dem Alten ein Junges erwächst, daß Kräfte hier einsetzen können, das Leben bei aller Treue zur Tradition neu zu begreifen und neu zu gestalten. Die beiden Angaben, von denen ich sprach, sind dem soeben ausgegebenen Jahresbericht des Hilfsvereines deutscher Juden entnommen. Der ist ein ziemlich umfangreiches Heft, und man liest ihn zunächst mit dem Interesse, das jeder opferfreudigen Arbeit gebührt. Dann aber begreift man die Größe dieses Kulturwerkes und fühlt sich seltsam bewegt, wie immer, wo einem Großes entgegentritt. Und man bewundert die tiefe und vorurteilslose Einsicht, mit der hier vorgegangen wird und die jeden Schritt leitet. Kultur läßt sich nicht erzwingen, und der Gebende hat sich dem Beschenkten anzupassen. In jedem der vielen Länder, über die der Hilfsverein deutscher Juden seine Wirksamkeit erstreckt, ist seine Aufgabe eine andere. In Galizien eignet sich die jüdische Bevölkerung nicht für die Landwirtschaft, in Palästina verspricht sie auf diesem Gebiete voranzukommen. In Galizien leisten die Vorschußkassen Erhebliches, in Rumänien fallieren sie, ohne daß ein äußerer Grund dafür ersichtlich wäre. In Bulgarien und Rumänien ist nur Bedarf an deutschen Lehrkräften; das Lehrpersonal, das sich in der Türkei bewähren soll, muß zuvor auf dem Jerusalemer Seminar eigens gebildet werden. Der Hilfsverein deutscher Juden ist ein Träger deutschnationaler Kultur, aber er ist weit davon entfernt, das Deutsche allerorten und unter allen Umständen aufzuoktroyieren. Das Wesentliche dieser kulturellen Arbeit besteht darin, jedem das zu bringen, was ihm augenblicklich nottut. Nur aus diesem Wege scheint ein Erziehungswerk und die Anbahnung einer besseren Zukunft möglich. Deshalb sieht man ruhig zu, daß auf den bulgarischen Schulen des Hilfsvereins 50 Prozent der Schüler sich das Deutsche, die anderen 50 Prozent sich das Französische als Fremdsprache wählen. Es gibt sehr viele Schulen in Palästina, in denen Deutsch überhaupt nicht gelehrt wird, weil es für die ansässige Bevölkerung nutzlos wäre. Wiederum finden sich spanisch redende Juden in der Türkei, die eine auffallende Achtung vor der deutschen Sprache hegen, „schon wegen der vielen Schätze jüdischer Literatur, die sie in sich birgt". Man erfaßt in den Schulen allerorten die Bedeutung der Landessprache. Ueberall, wo die Juden in Unterdrückung und Anfeindung leben — und es ist einem, wenn man diesen Jahresbericht liest, als weitete sich der Blick gespenstisch über unabsehbare Niederungen des Elends und der Knechtung — besteht naturgemäß ein starker Drang zur Auswanderung in der jüdischen Bevölkerung. Er regte sich auch in der Türkei, wo man doch nun angesichts der Massen der aus Rußland Flüchtenden eingesehen hat, daß es umgekehrt darauf ankomme, Einwanderungsmöglichkeiten zu schaffen. Die türkische Regierung scheint den Juden nicht unfreundlich gesinnt, sie stellt für die gebildeten Elemente sogar Anstellungsmöglichkeiten im Staatsdienst in Aussicht. Einziges Bollwerk aber gegen jedwedes Auswanderungsgelüst bleibt gründliche Kenntnis der Landessprache. War ihr Studium bislang in den jüdischen Schulen der Türkei arg vernachläffigt, so hat der Hilfsverein hier energische Abhilfe geschaffen. Aus deutschem Nationalgefühl heraus erkennt man die Notwendigkeit, das

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