Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 29 (17.7.1908)
- Date
- 1908-07-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. 29 Jahrgang IXT Dr. Bloch’s Zentralorgan für die gesamten Interessen des Judentums. Wi«H^InN 1908. Lrs<LeLnt jeden Freitag. Brief-Adreffe: Wien, IX/i, Hahngaffe 15. Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift, Wien. Inhalt: Leitartikel: Der Frauenbund für Kulturarbeit in Palästina. — Die Juden unter König Mathias. — 25 Jahre nach Tißa- Eßlar ~ Jahrmarkt des Lebens: Der frühere Präsident der Bereinigten Staaten Grober Cleveland und die Juden. Ein Gutachten über das Schächten. Das internationale Landwirtschaftsinstitut in Rom. Protestantische Seelsorger für die Juden Eine interessante rabbinische Frage. — Korrespondenzen: Verein zur Abwehr des Antisemitismus. Der Präsident David Wolfffohn beim russischen Premierminister Stolypin. Minister Geßmann als antisemitischer Hetzer. Eine Stiftung des Philanthropen Nathan Strauß. Major Dreyfus auf dem Brünner Spieldera. Kaiser Franz Joseph und der Kaftanjude im Festzug. Die Judenkarrikatur in Tarnow. Radautz. Ehrung eines jüdischen Arztes. Berlin. Paris. London. Die Lebensgeschichte eines jüdischen Kindes. Die Aktion des Ministers Oskar Straus für die Einwanderer. Das Wunderkind aus dem Ghetto. — Vermischtes: Kranzablösungsspenden rc. Wien. Oberlandesgerichtsrat Dr. Spitzkopf. Wien-Floridsdorf. Austritte aus dem Judentum. Trebitsch. Kremsier. Berthold Auerbach. - Feuilleton: Hexen und Alchimisten. — Literatur. — Neue Bücher. — Briefkasten. — Notiz. — Inserate. Ik. ft. Postsparksssrnamt Clearing=Derkebr «r. 810.970. Redaktion und Administration: Blittt IX/1, Hahngaffe Nr. 15. Telefon Nr. 14.847. oo ■■ -=oc p VerugLprri» für Srstrrrrütz: Halbjährig 8 Kronen: Einzelexemplare 50 Heller. Für'« Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 „ Anzeigen: Die 4mal aesyaltene Petitzeile 24 Heller. £ O O -....0 Q Der Frauenbund für Kulturarbeit in Palästina. (Ein spezieller Appell an die Juden in Oesterreich-Ungarn im Jubiläumsjahre.) II. Mit der Fürsorge für die Krankenpflege kann aber die allgemeine Frauenhilfe in Jerusalem und Palästina nicht als abgeschlossen angesehen werden, sondern sie hat sich von den Kranken auch weiter auf die Gesunden auszudehnen und darum hat der Frauenverband für Palästina auch in verständnisvoller und lobenswerter Weise außerdem die Gründung von weiblichen Haushaltung s- und ländlichen Wirtschaftsschulen, von Kindergärten und Kinderhorten, von Frauenheimen für Pflegerinnen, Lehrerinnen und andere gebildete Damen als Pensionärinnen auf sein reichhaltiges und wichtiges Programm geschrieben. Eine jede dieser bedeutungsvollen Gründungen ist bestimmt, der anderen in die Hände zu arbeiten, außerdem hat aber auch jede für sich allein ihre spezielle Wichtigkeit. Es kann nicht geleugnet werden, daß vielen Krankheiten und anderen Uebelständcn in den Häusern und Familien vorgebeugt und dieselben verhütet werden können, wenn es hier mehr Hausfrauen gäbe, welche für die Forderungen der Hygiene und Gesundheitspflege, für die richtige Führung des Haushaltes und der Wirtschaft, für die richtige körperliche und geistige Erziehung der Kinder Sinn und Geschicklichkeit hätten. Wenn in dieser Beziehung eine dringend gebotene Verbesserung der allgemeinen Verhältnisse eintreten soll, so müssen eben, wie das gegenwärtig in allen nur einigermaßen kultivierten Ländern der Fall ist, auch hierzulande weibliche Haushaltungs- und Wirtschaftsschulen eröffnet werden, in welchen die Mädchen schon frühzeitig für alle weiblichen Berufsarbeiten und ihre künftige Bestimmung als Hausfrauen undMütter in rationeller, theoretischer und praktischer Weise ausgebildet und vorbereitet werden. Wenn die Unsitte in den letzten Jahren auch bedeutend abgenommen hat, so kommt es unter der hiesigen eingebornen jüdischen, mohammedanischen und christlich arabischen Bevölkerung doch leider nur noch allzu oft vor, daß Mädchen von 13—16 Jahren, also sozusagen noch als Kinder, eine Ehe eingehen und eine Familie gründen. Da stelle man sich denn nun vor, wie es in einem solchen Haushalt bestellt sein mag mit der allgemeinen Wirtschafts- und Geschäftsführung, mir der Rüstung für all die mannigfachen und oft so perplexen und komplizierten Anforderungen des täglichen Lebens, mit dem richtigen Einteilen und Maßhalten der zu Gebote stehenden Mittel, mit der peinlichen Beobachtung der Ordnung, Reinlichkeit und Sparsamkeit, mit der richtigen und gedeihlichen körperlichen und geistigen Pflege und Erziehung der Kinder! Mit dem richtigen Blick und dem großen Sachverständnis, welches den um die materielle und kulturelle Entwicklung von Palästina so hoch verdienten Professor O. Marburg in Berlin, dessen verehrte Gattin es ist, welche das Präsidium des Frauenverbandes für Palästina übernommen hat. auszeichnet, hat derselbe schon vor Jahren mit Recht darauf hingewiesen, daß als das Nächste, was für die gedeihliche Kolonisierung in Palästina nottue, die häusliche und wirtschaftliche Ausbildung der weiblichen Jugend anzustreben sei und daß die theoretische und praktische Vorbereitung derselben auf ihren künftigen Beruf und Stand als Hausfrauen und Mütter augenblicklich eine Hauptaufgabe der praktischen Palästina-Arbeit bilden müsse. Zu dem Ende werden die Mädchen zunächst durch einen sorgfältigen Unterricht im Kochen, Nähen, Flicken, Waschen, Bügeln. Putzen rc., also in allen gröberen und feineren Hand- und Hausarbeiten, daneben wohl auch in einzelnen Schulfächern so geschult und ausgebildet werden müssen, daß sie mit dem Gelernten imstande sind, eventuell sich allein und selbständig einen Lebensunterhalt zu verschaffen oder als Hausfrauen und Hausmütter den Anforderungen, welche die Familie und das Leben an sie stellt, nach allen Seiten gewachsen zu sein. Der Hauptgrund, warum es in so mancher Ehe bei allem Fleiß und aller Anstrengung des Mannes nicht vorwärts, sondern immer rückwärts geht, warum sich nach einem flüchtigen Sinnenrausch, so bald Ernüchterung, Gleichgiltigkeit und gegenseitiger Verdruß einstellen, welche zur endlichen Scheidung führen, ist darin zu suchen, daß die jugendliche, unerfahrene Gattin und Mutter mit dem, was der Mann erwirbt, nicht hauszuhalten versteht und sie nicht fähig ist, ihm ein freundliches behagliches Heim zu schaffen, in dem er sich wohl und glücklich fühlt. Und wenn gar der Fall eintritt, daß die Mädchen hier vor ihrer Verheiratung für sich selbst und ihre Angehörigen einen Verdienst und Lebenserwerb suchen müssen oder sie überhaupt nicht zur