Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 27 (3.7.1908)
- Date
- 1908-07-03
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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I. Nr. 27 für das Heil der Welt vereitelt. O, glücklicher Christus, der du gestorben bist, ohne die Kreuzzüge und die Inquisition vorauszusehen! IX. Seine Erbitterung ging in unendliches Mitleid mit der Menschheit über, die an das Kreyz geschlagen war, dessen Arme Zeit und Raum find. Jene armen russischen Pilger, die mit wunden Füßen durch die weiten, gefrorenen Steppen ziehen, angelockt durch diese Fata Morgana der Glückseligkeit, jene ärmsten, die einschlafen am Wege, um oftmals nicht wieder aufzuwachen! Arme Menschheit, die jenem blinden morgenländischen Bettler aus öder Landstraße gleicht, der den leeren Himmel um einen „Backschisch" anruft! Ihm kommt aus diesen öden, leeren Wümen nur das eine Wort: „Musisch" — „es gibt nichts".' So laßt uns wenigstens das armselige, Leben mit jener Menschenliebe, mit jenem menschlichen Erbarmen umkleiden, die Gottes Stellvertreter auf Erden find, und es saust in das ungewisse Jenseits hinübergeleiten. X. Weil aber das Christentum diese armen Leben schon mit Liebe und Erbarmen umhüllt, so laßt sie in der schönen Illusion leben, solange die häßlichen Wahrheiten nicht ans Licht hervordringen! Was tut es, ob diese Stätten die wahren oder die falschen find! Die gläubige Seele hat sie ja zu wahren gemacht! Alle diese Steine find ja heilig und wenn auch nur durch die Tränen von Generationen. Mag auch „das griechische Feuer" ein schamloser Betrug sein, so liegt doch das wahre himmlische Feuer in dem Glauben daran. Mag die Christusgeschichte auch falsch sein, so hat sie doch die allerwichtigsten Dinge idealisiert: — Liebe, Mitleid, Aufopferung, Reinheit, Mutterschaft! Und wenn irgendeine göttliche Kraft gewirkt hat in der Geschichte, dann müssen auch die großen, gemeinsamen Illusionen der Menschheit göttlich sein. Was kann es wohl in einer Welt — die selbst ein Trugbild ist — für andere Wahrheiten geben als wirksame Wahrheiten? Sind sie doch in der geistigen Welt durch natürliche Auswahl entstanden, verschieden nach den verschiedenen Raffen und sich nur dadurch behauptend, daß sie sich den wechselnden geistigen Bedürfnissen anpaßten. XI. Absolute religiöse Wahrheit? Wie könnte es so etwas geben? Ebenso gut könnte man sagen, Deutsch sei wahrer als Französisch, oder Griechisch maßgebender als Arabisch. Die Religion wie die Sprache einer Raffe waren die Art und Weise, dmkch die ihre tiefsten Instinkte zum Ausdruck kamen. Und wie eine Sprache, so ist auch eine Religion bereits tot, wenn sie aüshört, sich umzubilden. Jede Religion gewährt der Menschenseele etwas Großes, das sie lieben, für das sie leben und sterben känn. Und wer nur jemals in freudiger Hingabe an etwas Großes, das außerhalb seiner Person lag, lebte, hatte auch Religion, ob auch die Welt ihn einen Atheisten nannte. Die feinsten Seelen verschwendeten allzuleicht die besten Worte an die dümmsten Leute. Die Zeit für eine neue religiöse Ausdrucksweise ist gekommen, für eine neue Sprache für die alten, ewigen Gemütsregüngen, angepaßt dem modernen Kosmos, eine Religion, die keiyer Tatsache widerspricht und keine Forschung hemmt. So dast die Kinder aufwachsen mögen nicht, mehr in zerrüttender TMnung von ihren Eltern und ihrer Vergangenheit. Sie sollen nicht brechen mit dem trauten Glauben der Kindheit, der für das Alter etwas von der Frische früheren Empfindens mitbringt und in der Wüstenei des Lebens zum TräNÄrquell wird. Der stets lebendige, verborgen wirkende hebräische Geist der Liebe und' des gerechten Strebens, jener heilige Geist, der Judentum und Christentum begeistert und in gleicher Weise Mohammedaner und Protestanten durchdringt, muß jetzt in die neue Gelehrsamkeit beseelend und begeisternd eindringen, die noch tok und fremd, ohne innige Verbindung mit der Menschheit schlummert. Leite 495 Reue Bücher. Illustrierter jüdischer Familienkaleuder für das Jahr 5668 (1907—1908). Modernes Verlagsbureau Curt Wigand, Berlin und Leipzig. 1907. Kriefkaste«. B. S. lieber die Bedeutung des Jargonwortes „Potzmann* können wir Ihnen eine genaue Auskunft nicht geben. B. M. Die Sitte, jungverheirateten Frauen die Haare abzuschneiden, scheint in der Tat hohen Alters zu sein. Eine angeselene Kohanimfamilie erfreute sich der ungewöhnlichen Auszeichnung, daß jeder ihrer sieben Söhne als Kohen godaul fungierte. Auf die Frage der Weisen an die Mutter, was sie Verdienstliches getan habe, um dieses seltenen Mutterglücks gewürdigt zu werden, lautete die Antwort: „Noch niemals haben die Wände meines Hauses die Haare meines Hauptes gesehen." (Talmud Joma Fol. 47a). jüdischer Industrieller." Wir bitten um Ihren Namen. A F. Das Wort „Boykott" stammt von vem Namen eines Güterverwatters des Grafen Eine in der irischen Grafschaft Mayo, des Kapitäns Boycott, dem die unzufriedenen Pachter im Jahre I88V Arbeit und Kauf verweigerten. AehnlicheS Vorgehen schildert schon Reuter in „Ut mine Stromtid" von den Arbeitern deS Gutsbesitzers Panuchels Kopp. Seit der Affäre mit Kapitän Boycott hat sich das Wort Boykott und boykottieren für Arbeitsverweigerung, Ausschließung vom geschäftlichen oder geselligen Verkehr usw. allgemein eingebürgert. K L. Wenden Sie sich an die Kanzlei der israelitischen KultuSgemeinde. Konkurs. Die israelitische Knltusgemeinde Rosenberg (Südböhmen) besetzt den Posten eines Rabbiners (österr. Staatsbürger) Kantors und Matrikenfiihrers mit dem Jahresgehalte von K 1100 nebst freier Wohnung, mit der Verpflichtung der Erteilung des Religionsunterrichtes in Rosenberg und den fünf zu diesem Sprengel gehörenden Ortschaften gegen Remuneration und den behördlich festgesetzten Wegentschädigungen, zirka 360 Kronen. Eintritt längstens i5. September 1. J. Reisespesen werden nur dem Akzeptierten vergütet. Offerte wolle man an den Gefertigten richten. Der Vorsteher: Sigm. Holzbauer. Konkurs. Bei der israelitischen Kuitusgemeinde in Leitomisch! ist mit I. Oktober d. J. die Stelle eines Rabbiners der gleichzeitig Kantor und Koreh sein muss, zu besetzen. 1. Beansprucht wird akademische oder eine dieser gleichwertige Bildung, vollkommene Kenntnis der böhmischen Sprache in Wort und Schrift. 2. Muss derselbe die Qualifikation besitzen, an den Volks-, Bürger- und Mittelschulen den Religionsunterricht zu erteilen. 3 Muss er den Nachweis der österr. Staatsangehörigkeit, ein Gesundheitszeugnis erbringen und darf das 40. Lebensjahr nicht überschritten haben. An Gehalt bezieht der Rabbiner pro Jahr 1800 Kronen, für Wohnungsbeitrag 240 Kronen, den Ertrag der MatrikenfÜhrung und die üblichen Emolumente, jedoch kann das Einkommen durch Privatunterricht in der deutschen Sprache um mindestens 800 Kronen erhöht werden. Gesuche sind bis längstens 31. iuii d. J. unter Beilage der Zeugnisse einzusenden. Reisespesen werden nur dem Akzeptierten vergütet. Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde zu Leitomischl: Dr. W antoch 676 Vorsteher. Israelitisches Schfilerheim Graz. Vornehmes Alumnat (Villa im Garten) aut pädagogischer und hygienischer Grundlage. Konepetition durch Fachprofessoren. Fremde Sprachen, Musik. Prospekte frei. Anmeldungen an den Leiter F. Löwy, k. u. k. Feldpredige*, Graz, Rösselmühlgasse 22. Hervorragende Referenzen. Mässige Preise. Dr. filocb’s TOocbenfjcbrtft.