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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-06-26 · 26 (26.6.1908) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
26 (26.6.1908)
Date
1908-06-26
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Oette 468 Dr. Vloch's Wochrnschrist. Kr. 26 schastlichen Teile ist man schon etwas billiger und möchte nicht, daß sich die „Juden" und „Tschechen" an den Ascher Industriellen revanchieren. Warum waren denn der edle Stransky und seine radikalen Wähler so aufgeregt? Der Beschluß zeigt ja nur von ihrer deutschnatioualen Strammheit und der Ausführung des kernigen Merkspruches: „Deutsche, kauft nur bei Deutschen!" Aber das deutsche Bürgertum näht eben ftine Taschen nicht aus trikoloren Stoffen und berichtigt den Einfluß seiner deutschnationalen Gesinnung auf die Abwicklung von Geschäften. Nur, daß die Berlchtigung ohne ein Mißtrauensvotum an den Abgeordneten keine hinreichende Wirkung hat/ Denn wie durste Stransky eine so schwerwiegende Behauptung aufstellen, wenn sie der Wahrheit nicht entspricht? Die ganze Berichtigung samt dem Stransky'schen Ausbruch von gerechter Bescheidenheit und Wohlerzogenheit dreht sich nur um die Fassung. Es mag ja immerhin kein „Beschluß" gefaßt worden fein, es mag ja sogar niemand den betreffenden Ausdruck gegen den Abgeordneten haben fallen lassen — kennen wir schon. Auch der Staat hat die Zurücksetzung der Juden bei den Aemtern nicht „beschlossen", auch die Minister geben eine solche nicht zu, nicht einmal Geßmann. Trotzdem dürfte Stransky über Oesterreich schreiben, daß hier kein Jude Sektiouschef werden kann, und würde Beck dann berichtigen. Auf das Glauben kommt es an und mau glaubt nicht nur, man weiß sogar, daß Stransky in seinem Privatbrief an den Präsidenten des Jndustriellenbundes nicht gelogen hat. Das läßt sich durch noch so maßlose Grobheiten und antisemitischen Terrorismus nicht mehr wett machen und die Rempeleien eines Stransky dürfen wie immer jeden Gegner kalt lassen. Es gehört ein gutes Stück Unternehmungsgeist dazu, über den parlamentarischen Vertreter einer Minoritätsgruppe auf Strauskymanier herzufallen, um so den nicht ausgedrückten, aber vorhandenen Geist einer deutschnationalen Stadtgemeinde abzuleugnen, in der man wütend und besorgt wird, wenn man den Vorwurf der praktischen Betätigung von Gesinnung vernimmt. So sind die Patent- und Ueberteutschen aber alle, wenn es sich um einen Vorteil handelt. Um ein Mandat in Mähren haben sie ihren Antisemitismus 50perzentig verdünnt, jüdische Wahlgelder und Stimmen nehmen sie, die jüdischen SLeuerleistungen rechnen sie sich zu, mit den Juden wollen sie Geschäfte machen — radikalen Antisemitismus entwickeln sie aber dann, wenn nicht sie, sondern nur Juden die Kosten tragen. Da» Aadeatam Ä8L «ad da» Mrse« des Christentums. Von B.'Wachstei«. . In der letzteren Zeit ist die moderne protestantische Theologie bestrebt, aus den historisch bedingten Elementen des Christentums, das Ewige, zeitlich Unbedingte, das Wesen herauszuarbeiten und zur Darstellung zu bringen. Dieses Streben sucht einerseits dem modernen Zeitbewußtsein von der durchgängigen Geltung des Kausalgesetzes entgegeuzickommen, anderseits das Religiöse in seiner ganzen Unmittelbarkeit und Tiefe möglichst rein zu ergreifen. Die positive Seite dieser Tätigkeit hängt mit der eigenartigen Wendung des neuzeitlichen Denkens enge zusammen, in welchem der subjektiveFaktor eine dominierende Stellung einnimmt und infolgedessen für die Bewertung religiöser Phänomene ein eigener Maßstab gewonnen wurde. Wir versagen den positiven Aussagen über die Natur des Absoluten jeden Kredit, aber die innerlich gefühlten Beziehungen zum Unendlichen üben auf uns eine mächtige Wirkung aus. Wir maßen uns nicht an, die göttlichen Qualitäten genau an Zahl anzugeben, wir erkennen die Ausstattung des göttlichen Wesens mit einer Trias von Attributen — Weisheit, Macht, Güte — als grobe Anthropomorphismen an, aber die menschlichen und vermenschlichenden Zeichen, in denen die Seele in ihrer Unbeholfenheit ihren Aufschwung zu Gott bezeichnet, haben für uns eine besondere Bedeutung. Wir werden nicht bestürzt, wenn wir die Relativität ethischer Handlungsweisen erkennen. Das einmal Errungene hat für uns mathematische Giltigkeit. Das in uns erlebte Göttliche bleibt in und für uns unverbrüchliche Norm. Wir begreifen die sich allmälig durchringenden Lebensformen als notwendige Immanenzen des seine individuellen Schranken durchbrechenden Menschen. Wir befürchten nicht sophistische Einfälle in das Reich des Sittlichen und können füglich auf verstaudesmäßige Verteidigungen verzichten. Wir treten aber auch nicht mit einem aus dem Gefühle der Behaglichkeit heraus gewonnenen Maßftab an das große Unbekannte heran. „Wem könnt ihr denn Gott vergleichen und was für eine Gestalt könnt ihr ihm geben." Wie schal und blasphemisch zugleich erscheinen die sogenannten Theodiceen, die advokatorischen Exoffo-Verteidigungen Gottes. Wie anders als der kindische Aberwitz, unsere Gescheitheiten und Gutheiten dem Weltganzen vorzuschreiben, erscheinen diese Fragen und Antworten als innere Erlebnisse des religiösen Gemütes. „Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen." (Pf. 22,2.) „Gerecht ist Gott in allen seinen Wegen und fromm in allen seinen Werken." (Ps. 145, 17.) „Gerecht" und „fromm" können im Syllogysmus nur das bedeuten, was das allgemeine Sprachbewußtsein ihnen unterlegt. Anders aber werden sie vom religiös schaffenden Gemüt gebraucht. Ihm sind diese Worte Anknüpfungspunkte aus der Sphäre des Bekannten, Symbole für das Imaginäre, Irrationale, nur in der Ahnung Ergriffene, tiefinnerlich Erschaute. Es ist nun sehr begreiflich, daß die inneren Phänomen des Menschen, die ideellen Typen von Recht, Sitte und Religion in ihrer gesamten geschichtlichen Entwicklung Gegenstand der eifrigsten Forschung sind. Wir wollen, um im religionsgeschichtlichen Bilde zu sprechen, die inneren Wandlungen des Menschen seit feiner, Vertreibung aus, hem Paradies, wo..es., noch keine weite Welt, kein anderes als gegenwärtiges Geschehen, keine' .gegenseitigen Beziehungen zwischen Gott und Mensch; keinen Tod und keine Ewigkeit gab, weil dasBewußtsein noch fehlte, in ihren Grundbedingungen erfassen. Wir wollen die innere Geschichte des Menschen bis zu dem Punkte kennen, wo er das gesamte zeitliche und räumliche Geschehen in eine höhere Einheit auflöste, in der er selbst sich kindlich geborgen fühlte, bis zu dem Punkte, wo er den Hymnus anstimmte: „Herr, du bist unsere Zuflucht für und für, bevor die Berge geworden und die Erde gebar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit bist du Gott." Die protestantischen Theologen, sofern sie der modernen Richtung angehören, suchen ihrerseits die höheren religiösen Phänomene des Christentums bloßzulegen. Sie suchen das Christentum von seinen Schalen zu befreien, zum Kern durchzudringen und das auf diese Weise gewonnene Wesen des Christentums als die moderne Religion hinzustellen. Die Wesensbestimmung eines solch reichen Gewebes, wie es einmal eine historische Religion ist, ist jedoch durchaus nicht so einfach. Das Wesen eines Naturdinges hebt sich bei der Vergleichung eines anderen Dinges aus dieser Klasse leicht gegen seine Zufälligkeiten ab. Das Wesen einer geschichtlichen Religion kann zunächst nicht im Gemeinsamen, sondern in dem ihr an neuen Erkenntnissen Eigentümlichen oder in einer originalen Formung des überkommenen Stoffes gesucht werden. Die Betrachtung des Wesens einer geschichtlichen Religion muß sich ferner auf einen längeren Zeitraum erstrecken, wo nicht nur die religiöse Produktion an sich, sondern auch die Konsumtion, nicht nur die Jndividualerlebnisse, sondern auch die kongeniale Mitarbeit der Empfangenden ins Kalkül gezogen werden kann. Die Unfruchtbarkeit einer Lehre gibt zwar keinen Maßstab für deN Wert dieser Lehre oder des ihr zu Grunde liegenden religiösen Erlebnisses, wohl aber für die Veräußerlichungsfähigkeit, Verallgemeinerung und für die Biotik dieser Lehre. Eine andere Art von Wesensbestimmung ist die Feststellung des für m i ch Wesentlichen ohne Rücksicht

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